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Titel: Leserbriefe zu „Albernes D-Englisch zur Erinnerung an einen ernsten Vorgang – die Flut an der Ahr“

Datum: 24. Juli 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich:


Albrecht Müller weist hier darauf hin, dass der Titel einer Ausstellung, die zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe an der Ahr an verschiedenen Orten des Ahrtals gezeigt werde, „We AHR strong“ laute. Das sei eine „dümmliche und auch unnötige Nutzung einer Fremdsprache zur Beschreibung eines ernsten Vorgangs“. Anlässlich der fünfjährigen Wiederkehr des dramatischen Vorgangs könnte man auch sachlich bleiben und die deutsche Sprache verwenden. – Das sei jedoch keine Kritik an der Ausstellung an sich, ganz und gar nicht. Die Kritik ziele vielmehr auf den „unsinnigen Umgang mit unserer Sprache“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante E-Mails erhalten. Danke dafür. Die nun folgende Auswahl der Leserbriefe hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt. – Nach den Leserbriefen folgt noch eine aktuelle Anmerkung des Autors.


1. Leserbrief

Lieber Herr Müller,

sie ist ja nicht nur albern und unsinnig, diese Sprache, sie dient auch der Schönfärberei. Man hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass man blödsinnigen, nutzlosen, aber auch ernsthaft üblen Sachen einen seriösen Touch (hi hi: ein seriöses Aussehen!) geben kann, wenn man es auf D-English macht. Es ist die Sprache der Macht, so wie es vor fünfhundert Jahren Latein war.

An die Ahrtal Katastrophe, wo so vieles versäumt wurde und schief gelaufen ist, traut man sich offenbar nur ran, wenn man sich vorher ein wenig wichtig gemacht hat.

Da kann man noch froh sein, wenn keine Regenbogenfahnen wehen (Entschuldigung).

Gruß,
Rolf Henze


2. Leserbrief

Lieber Herr Müller,

zum besseren Verständniss ihres Beitrags sollte man den Ursprung von We AHR Strong zurückverfolgen.

Die Fotos der Ausstellung wurden gemacht vom Fotografen Ruben Timman.

Dieser gehört der niederländischen Organisation Museum of Humanity an.

Eine niederländische Organisation mit englischem Namen. Eigentlich sollte diese Organisation einen niederländischen Namen haben: Museum van de Mensheid.

Was sich zeigt ist, wie englisch infiltriert in den Sprachgebrauch verschiedener Länder, ein Amerikanisierungsvorgang.

Die Ursprünge der amerikanischen Kulturinvasion in Europa gehen zurück bis Mai 1946 mit dem Blum-Byrnes Abkommen. Im Gegenzug für den Erlass französischer Kriegsschulden und neue US Kredite verpflichtete Frankreich sich seinen Markt für Hollywood-Filme zu öffnen.

Die USA wird also die Infiltration von Englisch, albern oder nicht, begrüssen.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens


3. Leserbrief

Moin,

wer von den Ausstellungsmachern hat diesen Titel ausgewählt? Da fällt mir nur ein: you AHR dämlich …

Viele Grüße
Manfred Schuster


4. Leserbrief

Guten Tag,

da wir ja offensichtlich ganz glücklich mit dem Überstülpen der anglo-US-Kultur sind, brauchen wir uns über die deutsche Kultur keine Sorgen machen. Zwei Weltkriege, die NUR (so wird immer erzählt) von Deutschland ausgingen, von diesem Land verloren wurden, haben ein Gefühl
der Negation zur eigenen Kultur erschaffen. Alle (fast weltweit) tragen diese Trick, Tick und Trackmütze, Basekappe genannt, BBQ (Abkürzung für nicht nur sommerliche Fleischbraterei), sind nur zwei sehr sichtbare Ergebnisse dieser Kolonisation. Als die Rede zur Reduzierung der US-Truppen in Deutschland aufkam, hatten ein paar Bürgermeister nichts anderes zu tun als den großen Bruder anzuschreiben, er möge seine Truppen doch bitte in Deutschland lassen. Wie immer geht’s um Geld (wie immer wird dieses huldvoll umschrieben oder mit der Angst vorm Russen begründet).

Es ist aber auch egal mit der deutschen Kultur. Wir steuern direktemang auf einen großen Krieg in Europa zu. Das europäische Politik-Personal ist unterirdisch unfähig, die Länder und deren Bevölkerung sind diesen Leuten völlig wurscht. Dabei werden sie von uns bezahlt. Aber wir unternehmen viel zu wenig, obwohl wir sogar im Grundgesetz den Paragraphen 20 haben, wo wir besonders dem Absatz 4 kräftig auf die Beine helfen sollten. Wir mit unserer kleinen Friedenstruppe hier im Städtchen…traurig. Wir haben es offensichtlich verdient, unterzugehen, so wohlstandsverwahrlost wie wir hier sind.

Trotzdem bitte weitermachen bis zum Schluß.
Bittere Grüße, Dojan R. Pahl


5. Leserbrief

Um es zeitgeistig auszudrücken: Unser Herr Müller setzt auf die deutsche Sprache. Der Feind ist erkannt – er steht rechts. Nun, diesen Feind entdeckte ein gewisser Herr Joseph Wirth (Zentrumspartei, 1879-1956 ) und erntete damit auch keine Lorbeeren bei den Bestattern der Weimarer Republik, die aus Monarchisten, arbeitslosen Offizieren, verkrachten Existenzen und natürlich den NSDAP-Anhängern bestanden. Nach dem Krieg gehörte er zu den Gründern der „Deutschen Volkszeitung“, ein Wochenblatt der „Deutschen Friedens Union“ (DFU), die jeder aufrechte BRD-Bürger aus tiefstem Herzen verabscheute und drei Kreuze gegen Kommunismus schlug. Der Autor schrieb damals seinen ersten Kommentar in dieser Zeitung, als er noch Pennäler war und berichtete über den Besuch eines Werbeträgers des Niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz bei den Schülern der Oberstufe in seiner Schule. Die Lust am Schreiben war auch ein Ergebnis eines strengen Deutschlehrers, der die deutsche Sprache besonders hegte und pflegte und gleichzeitig den Schülern die Mächtigkeit einer Sprache für das gesellschaftliche Bewusstsein vorführte.

Das ist die gefährliche Funktion der Sprache. Sie kann hervorragend zum Ausgrenzen bestimmter Bevölkerungsteile genutzt werden. Sei es, dass man betulich und ach so menschlich daher kommt, wenn man die „Torfköppe“ mit „leichter Sprache“ abspeist. Diese besonders fiese Form der Diskriminierung soll angeblich der Förderung Lernschwacher dienen. Da fragt man sich doch, ob der Herr Merz nicht auch Ansprache auf diesem Niveau nötig hat, um die wahren Anliegen seiner Wähler zu erkennen? Förderung heißt aber Lernen und wer Schwierigkeiten mit der Sprache hat, braucht Hilfe, dass er am Ende in der allgemeinen Kommunikation mithalten kann. Eine beliebte Möglichkeit sich selbst zu erhöhen ist das Umsichwerfen mit englischen Ausdrücken. Da gibt es so weitgereiste polyglotte „Leistungsträger“, die munter völlig falsche Ausdrücke benutzen, die sich gut anhören, aber völlig daneben sind. Momentanes Paradebeispiel: „Trigger“ oder „triggern“. Das sollte man eigentlich nur von Bürgern mit einem Oszilloskop im heimischen Elektroniklabor erwarten. Denn ein Trigger ist ein Schalter, der zugleich aus Sinusschwingungen Rechtecksignale herstellt. In der Psychiatrie wird das auch gern gebraucht, aber das sind ja auch Mediziner, denen wegen ihres Berufs die Methode „trial and error“ zum Berufsalltag gehört. Die freie deutsche Übersetzung: „Versuch“ und „Grabhügel“ klingt ja nicht gerade vertrauenerweckend, selbst wenn man über die Ärzte sagen muss: „Ut desint vires tamen virtus laudanda est.“ (Wenn auch die Kräfte fehlen, so ist dennoch der Eifer zu loben). Da sind wir schon bei dem Sprachspalter des 19. Jahrhunderts angelangt, wo sich Akademiker stets durch lateinische Zitate vom Pöbel abgrenzten. In der Damenwelt herrschte seit dem König Fritz Nummer Zwo von Preußen eine besondere Vorliebe für die französische Sprache. Eine herzerfrischende Ausnahme bildete die Madame du Titre, die durch herrliches Berlinern und mit viel Wortwitz in den Salons Aufsehen erregte. Einige Anekdoten blieben bis heute erhalten.

Der Wortwitz kann nur entstehen, wenn jemand die Sprache völlig beherrscht und Freude an ihr hat. Dann dürfte sich auch schnell heraus stellen, dass die Begriffe „rechts“ oder „links“ völlig fehl am Platze sind, wenn es um den Sprachgebrauch geht. Die Studentenbewegung hat übrigens deshalb nie in der Durchschnittsgesellschaft Fuß fassen können, weil ihre akademischen Floskeln mit Fremdwörtern gespickt waren, welche die einfachen Bürger als Ausgrenzung empfanden. Die Wichtigtuer in der Politik sind wahre Meister in der Sprachhochstapelei. Das rächt sich, wie ein Radiointerview mit dem dubiosen Maskenkönig und Leihvorsitzenden Spahn ergab. Es ging um Bildung und auf die Frage des Moderators, ob der Herr Spahn es eher mit Voltaire oder doch mit Lessing halten würde, da kam vom ehemaligen Abiturienten nur Schweigen.

Je mehr der Bürger sich mit der eigenen Sprache beschäftigt und die Bedeutungen einzelner Worte von allen Seiten betrachtet, um so eher wird er die Manipulationen durch die gesteuerten Medien durchschauen, welche die politische Richtung der Herrschenden verstärken und das Volk für dumm verkaufen. Allerdings wird dann schnell Ärger in Wut umschlagen, wenn man diese Mechanismen erkennt. Auch die Rattenfänger aus der AfD werden dadurch schnell enttarnt, wenn man ihre „Volkstümlichkeit“ als abgefeimtes Täuschungsmanöver begreift. Es muss nicht immer das „Mett“ des Beute-Ostdeutschen, Herrn Höcke, gegenüber dem „Gehacktes“ des Herrn Voigt sein. Welchen Einfluss die Sprache auf einen Menschen hat, erkennt man bei Kurt Tucholski. Im Exil in Schweden war er einfach abgemeldet, wurde depressiv und verübte Selbstmord. Es gelang ihm nicht seine Gedanken auf schwedisch zu formulieren und aufzuschreiben. Jeder, der im Ausland gelebt hat, weiß wie schwierig es ist so vertraut mit einer Fremdsprache zu sein, wie mit der eigenen Muttersprache. Daher ist die Vertrautheit mit der Muttersprache oft sogar ein Schutz gegenüber „feindlichen Übernahmen“ der Demokratiezerstörer, die ihr Volk dumm und untertänig halten wollen. In Abwandlung eines allseits bekannten bundesdeutschen Mantras: Über Bildung spricht man nicht – Bildung hat man. Warum wird von allen Politikern dann ständig über Bildung gesprochen?

Stephan Ebers

Aktuelle Ergänzung von Albrecht Müller:

Am vergangenen Wochenende war ich unterwegs zu einer Tagung. Schon auf der Autobahn war an der Heckscheibe eines anderen Wagens zu lesen: „Baby in car“.

Bei der Tagung selbst gab es eine „Feedback Runde“ und in einer Rede wurde das “urdeutsche“ Wort „zu blamen“ gebraucht. – Es ist zum Mäuse melken.


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