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Titel: Leserbriefe zu „Nicht Atomwaffen für Deutschland sind nötig, sondern endlich Verhandlungen über eine neue europäische Friedensordnung“

Datum: 1. August 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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In diesem Artikel thematisiert Reinhard Hesse die Aussage von General Erich Vad, ehemals sicherheitspolitischer Berater von Angela Merkel, Deutschland müsse – in Vads Worten – „nuklear gehen“. Unser Autor müsse gestehen, er habe seinen Ohren nicht getraut, als er das kürzlich in einem längeren Podcast-Interview gehört habe. Deutschland könne jedoch nur „nuklear gehen“, wenn es gleich mehrere völkerrechtlich verbindliche Verträge breche, die die Rechtsgrundlage unserer staatlichen Existenz zwischen den Völkern seien, u.a. den wichtigsten aller Verträge, den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Abschließend wird gefordert: „Die Struktur und die Fähigkeiten der Bundeswehr sollten so umgestaltet werden, dass eine ausländische Macht, die Deutschland besetzen will (…) einen möglichst hohen Preis dafür bezahlen muss“. Mehr zu leisten, sei nicht Aufgabe des Militärs, sondern der vorbeugenden Politik. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Von unseren Leserinnen und Lesern haben wir dazu interessante Zuschriften erhalten, für die wir uns herzlich bedanken. Die nun folgende Leserbriefe-Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Hesse,

Die Logik Atomwaffen für Deutschland ist dieselbe, die Nordkorea benutzt.

Deutschland will sich damit vor Russland schützen, Nordkorea vor den USA.

Da wird dann auf den Iran hingewiesen: wer sie nicht hat, dem ergeht es übel.

Eine echte Friedensordnung kann nur dann und solang standhalten wie die Regierungen der jeweiligen Länder sich gegenseitig voll vertrauen.

Das scheitert aber an drei Ursachen:

Ein ungünstiger Regierungswechsel kann das Vertrauen zerstören, siehe USA. Sogar innerhalb der NATO mit seiner ‘transatlantischen Freundschaft’ ist das ein Problemfall.

Die Regierungen unterstellen den anderen immer die gleichen friedenswidrigen Motive die man selbst hat.

Eine Haltung die man deutlich bei den USA zurückfindet: wir lassen uns von niemand etwas vorschreiben. Wir wollen uns nicht durch andere kontrollieren lassen.

Des weiteren spielen eine Rolle:

Die Unfähigkeit von Regierungen sich in andere hinein zu versetzen, was zur Folge hat das Versagen die Wirkung der eigenen Worte und Taten einzuschätzen.

Der nicht zu neutralisierende Irrglaube, alles was wir tun dient nur der Verteidigung.

Es gilt ein Naturgesetz zu beachten: was misbraucht werden kann, wird auch irgendwann misbraucht, vorsätzlich oder durch folgenschwerem Irrtum oder Fehlfunktion.

Das gilt für Atomwaffen genauso wie für KI.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Hesse,

meine erste Reaktion auf die von Ihnen in der Einleitung geäußerte Enttäuschung über den “geschätzten General Erich Vad”, war der Hinweis auf eine bissige Satire von Georg Kreisler in Sachen “General”. Aber das zum Schluss.

Danke für diesen Artikel, der präzise und gut begründet sagt, was Deutschland wirklich braucht.

“atomarer Schutzschild” – Den gibt es nicht. Im Gegenteil, das ist schöngeredete (“Schutzschild”) und verschleierte Wirklichkeit, die bedeutet: Atomares Inferno, Untergang.

Nicht nur Verträge sprechen gegen ein atomar gerüstetes Deutschland, auch der gesunde Menschenverstand. Jeder der mehr als zwei Falten im Gehirn hat, könnte das begreifen.

“in dem die hegemoniale Potenz der USA in Europa schwinde, komme nun diese Führungsrolle von sich aus hauptsächlich auf Deutschland als der stärksten europäischen Macht zu.”

OhGottohgott, bitte nicht schon wieder! Und falls doch, danach wäre dann endlich Ruhe, Friedhofsruhe.

Aber sie haben ja alles gesagt:

“Ein weiterhin massenvernichtungswaffenfreies Deutschland wird unabdingbarer Bestandteil der Gesamtregelung sein müssen.”

Zum Schluss:

Der General

youtube.com/watch?v=I4cvVmJb9-c

Viele Grüße,
Rolf Henze


3. Leserbrief

Hallo Redaktion der Nachdenkseiten, hallo Herr Hesse,

neben den von Ihnen im Beitrag angesprochenen rechtlichen Problemen bei der atomaren Bewaffnung der BRD gibt es noch zwei Dinge, die meiner Beobachtung nach zu selten ein Thema sind:

  1. Die mögliche Reaktion der anderen Staaten wurde im Artikel bereits angedeutet, das Risiko sollte aber deutlicher benannt werden. Was passieren kann, wenn sich ein Land Atomwaffen besorgen könnte, sieht man aktuell beim Iran. Der Verfacht reicht bereits als Anlaß (nicht Ursache) für einen Angriff. Ähnlich war es mit den vermuteten Massenvernictungsmitteln von Saddam Hussein. In den Fällen waren es aus westlicher Sicht natürlich die Bösen, die in ihre Schranken gewiesen werden müssen, was dann ganz in Ordnung ist. Daß sowas auch uns als den Guten passieren könnte, scheint allgemein ignoriert zu werden.
  2. Wenn Atomwaffen Sicherheit bedeuten, warum dann eigentlich nur für Deutschland? Die UN hat derzeit knapp 200 Mitglieder, diese sollten sich nach dieser Logik alle atomar bewaffnen, um anschließend für immer in Frieden existieren zu können. Daß das ein “Idee aus dem Irrenhaus” ist, sollte selbst den Befürwortern von deutschen Atomwaffen klar sein, falls noch etwas Restverstand übrig ist.

Viele Grüße
H. R.


4. Leserbrief

Zunächst: Ich habe nicht verstanden, wie man auf einfache Weise Kommentare zu einzelnen Artikeln an NACHDENKSEITEITEN sendet. Und es gab bisher auch nie eine Antwort. Trotzdem hier der nächste Versuch.

Zu diesem konkreten Beitrag:Ich bin kein Militärexperte. Ich habe drei Jahre in der NVA “gedient” und u. a. an größeren militärischen Übungen der NVA unter Beteiligung Sowjetischer Streitkräfte teilgenommen.Ich kann die Meinung des Herrn Vad (dessen Meinungsäußerungen zum Krieg der NATO gegen Russland ich weitgehend teile) nachvollziehen. Man kann, nach Analyse der Gegebenheiten zu der Ansicht gelangen, daß Deutschland über eigene nukleare Fähigkeiten zu Verteidigung verfügen müsse. Meine Meinung dazu: Ja, wenn gleichzeitig alle anderen militärischen Aktivitäten militärischer (Auf-)Rüstung rein defensiv, also auf Verteidigung ausgerichtet sind.

Detlef Zielke


5. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

habe Vads Buch mit Dohnanyi noch nicht gelesen.

Offensichtlich aber hat Vad das nicht zuende gedacht.

  1. Russland wird niemals zulassen, dass sich die BRD Atomwaffen anschafft. Ich meine das wörtlich. Deutschland wird von Russland als Feind betrachtet. Das hat auch Lawrow so bestätigt. Sollte auch wenig überraschen. Deutsche Panzer, Haubitzen und Raketenwerfer haben in Kursk gestanden. Und zwar nicht erst 1943 sondern 2023. Cooles Jubiläum. Wer daraus keine strategischen Schlüsse Russlands antizipieren kann, dem ist nicht zu helfen.
  2. Wenn man sich auf dieses Szenario einlassen möchte – das würde auch eine Aufrüstung in ganz Europe in Aussicht stellen. Jenen, die den Streamingdienst NETFLIX abonnieren sei die polnische Sci-Fi Serie “1983” empfohlen. Darin wird in einer alternativen Gegenwart geschildert, wie Polen, das immer noch Teil eines Warschauer Paktes ist, 2003 versucht, mit geheimer amerikanischer Hilfe, an die sowjetischen Atombomben zu gelangen, die in Polen stationiert sind.
  3. Völlig ausgeschlossen ist das Atomwaffenszenario nicht. Man kann z.B. darüber spekulieren, wie die NATO die Nerven verliert, wenn die russ. Armee Kiew eingenommen hat in ein paar Jahren und uU auch die Westukraine ins Auge fasst, was nicht im Sinne Moskaus wäre, aber vielleicht unausweichlich. In gewisser Weise auch von der NATO erhofft. Aus naheliegenden, wenn auch schizophrenen Gründen.
  4. Es mag für die meisten Leser hanebüchen klingen: Aber wenn man die russischen Fortschritte bei Hyperschallraketen und Raketenabwehr berücksichtigt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Russen so etwas wie einen funktionierenden Antiraketenschirm entwickeln werden, der tatsächlich funktioniert. Während die amerikanischen Pläne zu einem Golden Dome illusorisch sind, besitzen die Russen ein ausgereiftes Arsenal an unterschiedlichsten Raketen die 10.000-30.000km/h fliegen. Diese Raketen gestatten es, entsprechende Abwehr zu “trainieren”. Wer – wie die NATO – keine Hyperschallraketen hat, kann das nicht. Was das für (langsamere) deutsche Raketen bedeuten würde, kann man schlussfolgern.
  5. Was mit großer Wahrscheinlichkeit passieren würde – und das wird Vad gewiss nicht wollen – sollte die BRD eigene Atomraketen stationieren, würden die Russen, wenn alles Reden nichts bringt, schlicht und ergreifend die Silos, Startrampen und Flugzeughangare mit den Bomben, zerstören. Einerlei ob das nun Art. 5 initiiert oder nicht. Das hat übrigens Putin vor einigen Wochen implizit bestätigt: “Wir sind bereit für den Krieg mit der NATO, wenn die NATO das denn will.”
  6. Gegen wen soll sich die BRD mit Atomraketen wappnen? Ganz ehrlich fiele mir da wirklich nur die USA ein. Die einzige Macht, die sich wie ein Schurkenstaat verhält, was sich in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen wird und die mit Nordstream bereits unter Beweis gestellt haben, dass sie vor nichts zurückschrecken, sofern sie keine Konsequenzen tragen müssen.

Mit freundlichem Gruß,
ag


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