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Titel: Leserbriefe zu „„Wir machen die Spaltung der Gesellschaft nicht mit““ und „„Das BSW wird von diesen Altparteien mit spitzen Fingern angefasst““
Datum: 18. August 2026 um 13:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
Das Gespräch, das Maike Gosch mit der BSW-Politikerin und Historikerin Dr. Claudia Wittig zur Wahl in Sachsen-Anhalt geführt hat, umfasst zwei Teile. Frau Wittig ist eine der zwei Spitzenkandidatinnen im Wahlkampf ihrer Partei. Im ersten Teil des Gesprächs sind die Instrumentalisierung von Geschichte, wahre Demokratieförderung und das Verhältnis ihrer Partei zur AfD die Themen. Der zweite Teil thematisiert die Stimmung im Wahlkampf zwischen den verschiedenen Parteien und Kandidaten, die neue „Wende-Stimmung“ im Land, die Aussichten für eine Zukunft Sachsen-Anhalts und das heikle Thema Palästina/Israel. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Zuschriften, die wir dazu bekommen haben. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
Zu „Wir machen die Spaltung der Gesellschaft nicht mit“
1. Leserbrief
Sehr geehrte Frau Gosch,
danke für das Gespräch mit Frau Wittig – dessen Inhalt entspricht für mich genau dem, was Deutschland braucht: im Grunde überparteiliche, an der Sache orientierte, rechtschaffene, Land und Menschen dienende Führungskräfte, die mit Repräsentanten aller Schichten und aller Altersstufen in fortgesetztem Austausch sind.
Parteien – der Begriff kommt ja von “pars”, dem Teil – können das Ganze nicht abbilden und schon von daher kaum wahrhaft demokratisch und nachhaltig wirken. Wieviele Menschen in unserm Land mögen sich danach sehnen, dass Parteienfilz und diese unsäglichen politischen Grabenkämpfe, mit denen Deutschland sich selbst zermürbt, endlich enden!
Mit dieser Kraft der Vernunft, die ihr Gespräch so wohltuend durchzieht, ginge von Deutschland eine ganz andere Form von Macht aus als die vorangetriebene militärische. Möge sie immer stärker und Deutschland in diesen stürmischen Zeiten zu einem Leuchtturm von Wahrheit und Gerechtigkeit werden!
Beste Wünsche
Maren Meyer-Stoll
2. Leserbrief
Sehr geehrte Frau Gosch,
danke für Teil 1 des interessanten Interviews (bin auf Teil 2 gespannt)
Die Feststellung von Frau Dr. Wittig: “In Sachsen-Anhalt kristallisiert sich außerdem heraus, dass es eine große Koalition aus CDU, Linke und womöglich SPD und Grünen geben könnte, wenn die reinkommen. Die haben keine gemeinsame politische Linie, außer die AfD verhindern zu wollen. Wenn das passiert, haben wir weitere fünf Jahre Stillstand und Blockade im Land. Das können wir uns schlicht nicht leisten!” kann ich zu 100% unterschreiben. Sowohl in Landes- als auch Bundespolitik geht es nur noch darum, die AfD zu verhindern. Die “Brandmauerspezis” wollten die AfD doch immer “inhaltlich stellen”. Das ist denen nie gelungen. Stattdessen ließen sie lieber durch gleichgeschaltete Gewerkschaften Störer in Bussen zu AfD Veranstaltungen karren. Das man mit solchen Aktionen das Gegenteil erreicht, sieht man in den Wahlumfragen.
Ganz großen Respekt für die Zusage von Frau Dr. Wittig: “an dem Sommerfest der Zeitschrift Compact teilzunehmen, und dort im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit einem AfD-Politiker zu diskutieren.” Leider hatte sie dann aber auf Druck von verschiedenen Seiten das abgesagt. Ihre Frage, Frau Gosch: “Warum hatten Sie sich ursprünglich dazu bereit erklärt?” passt nicht zur Problematik und wurde auch nicht beantwortet. Die bessere Frage wäre: “Warum gaben Sie dem Druck nach und nahmen nicht an dieser Podiumsdiskussion teil?”
Leider wurde die so nicht gestellt.
Mit freundlichen Grüßen
R. Binde
3. Leserbrief
So lobenswert die Aussage der BSW-Politikerin und Historikerin Dr. Claudia Wittig ist, dass ihre Partei die Spaltung in der Gesellschaft nicht mit macht, so blind scheint sie für machtstrukturelle Realitäten des vorherrschenden Parteisystems zu sein. Parteien spalten bereits aufgrund ihrer Konkurrenz um Macht und verhalten sich entsprechend populistisch. Der angestrebte Volksentscheid ändert daran kaum etwas. Kurzum, auch das BSW hält am bestehenden wahlaristokratischen System fest und verhindert, dass gerade die sog. kleinen Leute selber für sich sprechen können.
Wohin “fürsorgliche Entmündigung” führt, hat der Corona-Komplex ja deutlich vor Augen geführt.
So steht noch zur Verwirklichung an, was der Dichter u. Denker Goethe postulierte: “Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren”.
Welche Ideen hat die BSW-Politikerin und Historikerin Dr. Claudia Wittig dahingehend?
L.G.
Ute Plass
Zu „Das BSW wird von diesen Altparteien mit spitzen Fingern angefasst“
4. Leserbrief
Sehr geehrte Redaktion,
als regelmäßiger Leser danke ich für das Interview von Maike Gosch mit Claudia Wittig, das fast zeitgleich zu Ramon Schacks Interview im Overton-Magazin erschienen ist. Gerade weil beide Redaktionen der BSW-Spitzenkandidatin so viel Raum gegeben haben, möchte ich einen Punkt anmerken, der mir übel aufgestoßen ist. In keinem Interview wurde die offensichtlichste aller denkbaren Fragen gestellt.
Vor einer Wahl das Blaue vom Himmel zu versprechen, ist das eine. Was man nach der Wahl mit seinem freien Mandat im Namen der Wähler tut, ist das andere. Genau diese wachsende Kluft zwischen Wahlversprechen und dem späteren Handeln als gewählter Abgeordneter treibt die Wähler seit Jahren in Scharen weg von den Altparteien. Darunter sind viele, die ihrer politischen Verortung nach näher am BSW stehen als an einer konservativen, neoliberalen und in Teilen nationalistischen AfD.
Bemerkenswert ist, dass Frau Wittig die Frage selbst aufgeworfen hat. Sie räumt ein, durch “die Fehler in Thüringen” habe das BSW Vertrauen verloren, das nun zurückzugewinnen sei. Sie gibt sogar eine “persönliche Garantie”, es werde “kein Weiter-so” geben, und schließt eine Koalition mit den Altparteien aus. Genau hier hätte die Nachfrage kommen müssen: Worin bestand der Thüringer Fehler konkret? Was ist diesmal strukturell anders? Persönliche Zusagen gab es schließlich auch vor Thüringen und vor Brandenburg.
Der Blick auf die bisherige Bilanz macht die Frage dringlich. In Thüringen regiert das BSW mit CDU und SPD in einer Brombeerkoalition unter faktischer Tolerierung der Linken. Um überhaupt mitregieren zu können, gab es bei seinen friedenspolitischen Kernforderungen nach, was dem BSW nach Sahra Wagenknechts eigenem Eingeständnis geschadet hat. In Brandenburg zerbrach das Bündnis mit der SPD binnen eines Jahres, die Fraktion zerfiel, der BSW-Finanzminister wechselte zur SPD, insgesamt 5 von 14 Abgeordneten verließen die Fraktion. Seit März regiert dort Rot-Schwarz. Was vom BSW übrig geblieben ist, sitzt heute in der Opposition.
Die offensichtlichste aller denkbaren Fragen und die für den Wahlerfolg des BSW meiner Meinung nach entscheidende ist, warum die Wähler diesmal darauf vertrauen können sollen, dass die Gewählten nicht kurz nach der Wahl ihr freies Gewissen gegen die eigenen Wähler entdecken und doch wieder mit den Altparteien taktieren oder gar zu ihnen hinüberwechseln. Diese Frage nicht zu stellen, halte ich für einen journalistischen Kardinalfehler. Sollte Frau Wittig ein Interview nur unter der Bedingung geführt oder die Freigabe des Interviews davon abhängig gemacht haben, dass ihr diese Frage erspart bleibt, wäre das die eigentliche Nachricht gewesen.
Mit freundlichen Grüßen
Ruben Schattevoy
Anm. d. Redaktion: Es gab keine solche Bedingung von Frau Dr. Wittig für das Interview oder die Freigabe.
5. Leserbrief
Danke, danke, danke – dass Sie das Interview geführt haben, Frau Gosch!
Marx sagte ja: „Philosophen haben die Welt nur INTERPRETIERT – es kömmt aber darauf an, sie zu VERÄNDERN!“
Und vor haargenau dieser Frage steht der Wähler des BSW: Reicht es mir, dass das BSW die Welt richtig interpretiert – was Sahra Wagenknecht, Michael Lüders und Norbert Häring zweifellos tun – oder will ich, dass sich ECHT was ändert?
Ich gehöre zu den Letzteren: wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass das BSW quasi einen mutigen Rodeo-Ritt auf der AFD wagt, dass es sagt: „Ich weiß, du AFD bist meine Haßliebe, du bist neoliberal und transatlantisch – aber ich will den Ritt auf dir wagen und dir Friedens- und Sozialpolitik abtrotzen – einfach, weil unser Volk und Land derzeit keine andere Chance hat, dass sich wirklich was ändert!“
Und wenn es dann scheitert, könnte das BSW sagen: Seht, liebes Volk, wir haben es wenigstens versucht – weil wir eure Verzweiflung sahen, weil wir euch den so lang ersehnten Wechsel schenken wollten!
Denn paradoxerweise ist es die AFD, die genau das BSW braucht, um die AFD zu sein, die sie dem Volk so schön versprochen hatte – eine, die auch nach der Wahl eine Partei des kleinen Mannes und des Friedens bleibt!
Als ziemlich verlogen empfind ich aber, wenn das BSW voller Pathos gegen das Weiter-So predigt – und zuletzt ist plötzlich doch ihre linke Gesinnungsgymnastik, ihre politische Eitelkeit (sich ja kein blaues Fleckchen aufs weiße Westchen zu holen) wichtiger, als dem verzweifelten Volk zu helfen! Dann sag ich: verpísst euch in den Elfenbeinturm, neben der Linkspartei ist bestimmt noch ein Zimmer frei, da könnt ihr ab und zu aus dem Fensterchen winken und rufen: „Wir haben es euch ja gesagt! Wir hatten ja alles richtig interpretiert! Ach wie toll wir doch sind!“
Ich sagte ja schon mal: Das BSW hat ein einziges Zeitfenster – und das schließt sich. Es ist ja eigentlich aberwitzig, dass die Vor-Merkel-CDU (=AFD) und die Nach-Merkel-CDU (=CDU) nicht miteinander koalieren wollen. Aber in diese Situation, solange sie noch besteht, hätte das BSW schlau hinein springen sollen und hätte dann mit seiner Handschrift den Wechsel an der Seite der AFD mitgestalten können! Aber bald wird die Brandmauer zerbröckeln – und dann ist das Zeitfenster zu, und niemand wird sich mehr dafür interessieren, wie das BSW den Wechsel mitgestaltet hätte …
Aber das BSW ist leider eine Wundertüte, es weiß vielleicht selber nicht, wo es hin will … Welche Befindlichkeiten, Strömungen, Kräfte ziehen hierhin oder dorthin? Wollen die einen um jeden Preis ein Weiter-So verhindern? Wollen die andern aber lieber um jeden Preis die AFD verhindern? Einerseits schreibt die Parteiführung einen Brief an die AFD und will Rededuelle im Wahlkampf, andererseits versuchen Kräfte (erfolgreich), zu verhindern, dass Claudia Wittig an einem Rededuell gegen einen AFD-Spitzenmann teilnimmt. Wie soll ich da je hoffen, dass das BSW sachorientiert mit der AFD agieren kann, wenn schon miteinander zu sprechen zu viel ist??? Und 21 BSW’ler treten in Sachsen-Anhalt aus der Partei aus, weil sie zu nah an der AFD sei… Und eine Kandidatin am Wahlkampfstand hier bei mir in M-V läßt deutliche Sympathie für Katja Wolfs Weg durchblicken, und sie sei doch eine gute Finanzministerin…
Puh, aber vielleicht bin ja auch ICH der Geisterfahrer? Es wäre hochspannend, zu erfahren, wo ich innerhalb der NDS-Leserschaft so stehe … Sind die meisten am enttäuschtesten, wenn nicht die AFD „das zweite 1933“ verhindert wird? Oder sind eher mehr Leute enttäuscht, weil das BSW nicht den tapferen Rodeo-Ritt auf der „Haßliebe“ AFD wagt, um ihr soziale und Friedenspolitik abzuringen – weil das die einzige echte winzige Chance ist, die unser Volk und Land jetzt überhaupt hat, dass sich etwas ändert?
Martin aus S
+++ EILMELDUNG: Hat der Herr Höcke der Frau Wagenknecht jetzt nicht das vergiftete Angebot gemacht, gemeinsam einen überparteilichen Minister-präsidenten für Thüringen zu suchen? Klar – wollte er damit das BSW in seiner „Unglaubwürdigkeit“ vorführen – aber hat er nicht, wie ein Mephisto, der stets das Böse will und dabei das Gute schafft, der Sahra eine einzigartige Gelegenheit gegeben, ihre Partei zu retten, die Wunde „Thüringen“ zu heilen und endlich zu zeigen, dass das brandmauertänzelnde BKW (Bündnis Katja Wolf) NICHT für das BSW steht???
Wenn Sahra hochintelligentes 3D-Schach spielt – stimmt sie Höckes Vorschlag einfach zu! Das kann sie gesichtswahrend, denn 1. hat sie versprochen, dass das BSW künftig guten Vorschlägen zustimmt, egal von wem sie kommen (also auch von einem Höcke), und 2. hat sie ja selber für Sachsen-Anhalt genau das Gleiche gefordert: einen überparteilichen Ministerpräsidenten.
Also kann sie gesichtswahrend sagen: Ja, lasst uns einen überparteilichen Ministerpräsidenten suchen – was für Sachsen-Anhalt richtig ist, kann ja für Thüringen nicht falsch sein! Und sich dann sogar sehr öffentlich bei dieser Suche engagieren.
Tadaa – dann stünde endlich das BKW, Katja’s Truppe in Thüringen, ganz ÖFFENTLICH ENTBLÖSST als eine Sondertruppe, die nicht den Segen der Gesamtpartei hat, da! Als die Truppe, die lieber am Weiter-So im Bett mit den Altparteien festklebt und als einzige der Demokratie im Wege steht!!
Ich finde die Chance, die sich der Sahra hier durch den Mephisto Höcke bietet, einfach glänzend! Spielt sie 3D-Schach, dann geht sie mit Höcke (und anderen!) jetzt schnell auf die Suche nach einem wirklich beliebten guten Ministerpräsidenten – und lässt die abtrünnige Katja-Wolf-Truppe auflaufen!
Martin aus S
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