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Titel: Volks- und Raiffeisenbanken – die Krise setzt sich ungebremst fort
Datum: 1. September 2026 um 15:00 Uhr
Rubrik: Banken, Börse, Spekulation
Verantwortlich: Redaktion
Die Mini-Finanzkrise bei den Volks- und Raiffeisenbanken geht in eine weitere Runde. So sind in den vergangenen Tagen mit der Volksbank Kleverland, der VR Bank Oberfranken Mitte und der Raiffeisenbank Thurnauer Land gleich drei weitere Fälle bekannt geworden, die von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) Garantien erhalten haben. Auch die Volksbank Brawo (Braunschweig-Wolfsburg) befindet sich inzwischen unter dem Rettungsschirm. Damit erhöht sich die Zahl der in Schieflage geratenen Genossenschaftsbanken auf zehn. Darüber hinaus haben zwei weitere Institute mit Governance-Problemen zu kämpfen. So hat die Finanzaufsicht Bafin im Juli bei der Raiffeisenbank Plankstetten die komplette Führungsebene abgesetzt, und nicht zuletzt wird die Volksbank Köln Bonn gerade von einer Affäre rund um das Kölner Großbordell Pascha eingeholt. Von Thomas Trares.
Bei dem jüngsten Stützungsfall handelt es sich um die Volksbank Kleverland, die mit einer Bilanzsumme von knapp einer Milliarde Euro zu den mittelgroßen Instituten in der Gruppe gehört. Die Bank selbst machte keine Angaben über die Höhe der in Anspruch genommen Mittel, der „Platow Brief“ sprach von Garantien in niedriger bis mittlerer zweistelliger Millionenhöhe. [1] In die Schieflage gebracht haben das Institut dubiose Immobiliengeschäfte des früheren Vorstandsvorsitzenden Frank Ruffing. Das Institut hat bereits im vergangenen Jahr Strafanzeige gegen Ruffing, einen früheren Firmenkundenberater sowie gegen Unbekannt erstattet.
Die Volksbank Kleverland und die Affäre Ruffing
Ausführlich über den Fall hat bislang der Kleveblog, ein Nachrichtenportal der Stadt Kleve, berichtet. Dort heißt es: „Ins Rollen kam die Affäre Ruffing, als ein Mitarbeiter eine Rechnung über Bauleistungen überprüfte und feststellte, dass an dem betreffenden Gebäude keine Arbeiten ausgeführt worden waren. Nach Erkenntnissen der Prüfer ging es bei den Rechnungen darum, Provisionszahlungen zu vertuschen. Ohnehin seien die Maklergebühren für den Ankauf von Objekten nur mündlich festgehalten worden, was zumindest einen Verstoß gegen die Dokumentationspflichten darstelle.“ [2] Inzwischen führt die Volksbank Kleverland Fusionsverhandlungen mit der benachbarten Volksbank an der Niers (Geldern). Die Gespräche werden als ergebnisoffen bezeichnet.
Ein vergleichsweise kleiner Fisch ist dagegen der Fall der VR Bank Oberfranken Mitte. Das Institut aus dem fränkischen Kulmbach hatte bereits im vergangenen Jahr die in Schieflage geratene Raiffeisenbank Thurnauer Land übernommen und dafür auf Garantien der BVR-Sicherungseinrichtung zurückgegriffen. Die VR Bank erhielt bereits zwei Millionen Euro, weitere 1,1 Millionen Euro stehen als Garantien zur Abdeckung von Kreditrisiken bereit. Der Vorgang ist erst jetzt bekannt geworden, nachdem die VR Bank ihren Jahresabschluss für 2025 veröffentlichte. Mit einer Bilanzsumme von 152 Millionen Euro im letzten Berichtsjahr 2024 war die Raiffeisenbank Thurnauer Land ein sehr kleines Institut. Als Grund für die Schieflage wurden ein auffällig hoher Bestand an notleidenden Krediten und Mängel im Risikomanagement genannt. [3]
Volksbank Brawo wird größter Stützungsfall
Ganz anders gelagert ist der Fall der Volksbank Brawo (Braunschweig-Wolfsburg), die auch als Trikotsponsor des Fußballzweitligisten Eintracht Braunschweig bekannt ist. Das Institut hatte sich im Mai Knall auf Fall von seinem langjährigen Vorstandschef Jürgen Brinkmann getrennt und daraufhin die Flucht unter den Rettungsschirm des BVR angetreten. Im Raum steht ein Finanzbedarf von 600 Millionen Euro. Mit einer Bilanzsumme von 6,4 Milliarden Euro ist die Brawo die größte Volksbank, die sich derzeit in Schieflage befindet. Wegen ihres komplexen, immobilienlastigen Geschäftsmodells wird die Brawo schon länger als Stützungskandidat gehandelt. Der Konzernabschluss für 2024 steht ebenfalls noch aus. Mit dem früheren Chef der Hannoverschen Volksbank, Jürgen Wache, hat das Institut seit Mitte August einen neuen Vorstandsvorsitzen, er soll die Sanierung und Neuausrichtung vorantreiben. [4]
Die Krise bei den Volks- und Raiffeisenbanken begann bereits Ende 2023 mit der Stützung der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, mittlerweile unbenannt in VR-Bank Nordhessen Westthüringen. Mit einem Finanzbedarf von 560 Millionen Euro ist es bis heute der größte Sanierungsfall. Danach ging es ungebremst weiter. Es folgten die Volksbank Dortmund-Nordwest, die Volksbank Düsseldorf Neuss, die Raiffeisenbank im Hochtaunus, die Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf, das Bankhaus RSA und nun die Volksbank Brawo, die Volksbank Kleverland sowie die VR Bank Oberfranken Mitte im Verbund mit der Raiffeisenbank Thurnauer Land. Bis Ende 2025 bezifferten sich die Belastungen aus den Stützungsfällen auf 1,5 Milliarden Euro, inzwischen dürften es aber mehr als zwei Milliarden Euro sein.
Mit Immobilien verhoben
Auffällig ist, dass sich nahezu alle Institute in irgendeiner Form mit Immobilien verhoben haben. Dies deutet daraufhin, dass die Strategie nicht aufgegangen ist, die viele Institute in der jahrelangen Niedrigzinsphase gefahren haben. Weil das klassische Bankgeschäft in dieser Zeit keine Renditen abwarf, begannen viele Vorstände, in riskantere Immobiliengeschäfte zu investieren. Unter dem Dach der Volksbank Brawo etwa sollen sich heute rund 400 Tochter- und Enkelgesellschaften befinden, darunter Fitnessstudios, Gastronomiebetriebe und Luxusuhrenhändler. Doch dann kamen der Ukraine-Krieg und die Inflation, die Europäische Zentralbank erhöhte die Zinsen, der Markt für Gewerbeimmobilien kollabierte. Und dies traf vor allem jene Genossenschaftsbanken, die in puncto Unternehmensführung und Risikomanagement ohnehin schon schlecht aufgestellt waren.
Als Reaktion auf die Missstände hat der BVR im Juni dann das Maßnahmenpaket „Geno Next Level“ verabschiedet. Damit will der Verband bei Fehlentwicklungen in einzelnen Genossenschaftsbanken künftig möglichst früh eingreifen können. Kern des Pakets sind Teilnahme- und Rederecht in Gremiensitzungen, Strafen wie Beitragshöherstufungen kriselnder Mitgliedsbanken sowie vereinfachte Ausschlussverfahren. Bislang fehlte dem BVR die Handhabe, bei den rechtlich eigenständigen Instituten durchgreifen zu können. So wurde bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden, also gleich beim ersten Stützungsfall, den Vertretern des BVR der Zutritt zu Aufsichtsratssitzungen verwehrt. [5]
Raiffeisenbank Plankstetten wird entmachtet
Eine härtere Gangart hat inzwischen auch die Finanzaufsicht Bafin eingeschlagen, die anders als der BVR die komplette Finanzbranche beaufsichtigt und über deutlich schärfere Eingriffsrechte verfügt. Im Juli hat die BaFin nun den Vorstand und später auch den Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Plankstetten abgesetzt und durch einen eigenen Sonderbeauftragten ersetzt. Der Vorgang ist insofern bemerkenswert, weil die Absetzung der Führung und das Entsenden eines Sonderbeauftragten „zu den schärfsten Instrumenten der Finanzaufsicht“ gehören, und dies bei einer Bank, die gar nicht in Schieflage geraten ist. Als Grund für die Maßnahme wurden „unterschiedliche Vorstellungen zu bankaufsichtlichen Tätigkeiten“ angegeben. Offenbar hatte die Raiffeisenbank nach Ansicht der Bafin „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ nicht erfüllt. Das Institut aus der Oberpfalz zählt mit einer Bilanzsumme von knapp 180 Millionen Euro zu den kleinen Genossenschaftsbanken. [6]
Und nicht zuletzt ist nun auch die Volksbank Köln Bonn wegen der „Pascha“-Bordell-Affäre in die Schlagzeilen geraten. Mittlerweile ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft gegen ein Vorstandsmitglied und zwei weitere Bankmitarbeiter wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Untreue. Im Jahr 2021, mitten in der Corona-Krise, war das Kölner Großbordell Pascha in die Insolvenz gerutscht. Eine chinesische Investorin wollte das zwölfstöckige Gebäude kaufen, die Volksbank Köln Bonn sollte ein Darlehen über fünf Millionen Euro beisteuern. Die Ermittler prüfen nun den Verdacht, dass sich das betroffene Vorstandsmitglied die Bewilligung des Kredits persönlich mit mindestens 75.000 Euro oder anderen Annehmlichkeiten hat bezahlen lassen. Auch die Finanzaufsicht BaFin befasst sich inzwischen mit dem Vorgang. [7]
Anmerkung zum Schluss: Die NachDenkSeiten haben früher schon ausführlich über die Volksbankenkrise berichtet, sie hier [8] und hier [9].
Titelbild: Kittyfly / Shutterstock
[«1] brief.platow.de/banken/zweistellige-millionengarantie-macht-volksbank-kleverland-fusionsfein/
[«2] kleveblog.de/nur-muendlich-vereinbarte-provisionen-fingierte-rechnungen-schnaeppchen-was-zu-ruffings-sturz-fuehrte-volksbank-kleverland-startet-fusionsgespraeche
[«3] brief.platow.de/banken/vr-bank-oberfranken-mitte-zieht-garantien-der-bvr-sicherungseinrichtung/
[«4] fondsprofessionell.de/index.php?id=8&tx_fizend_pi1[news][id]=252798
[«5] boersen-zeitung.de/meinung-analyse/das-regelwerk-gegen-hasardeure-hat-luecken
[«6] manager-magazin.de/unternehmen/banken/genossenschaftsbanken-bafin-greift-bei-raiffeisenbank-plankstetten-durch-a-587b0c75-6f37-474a-b229-2ac5d22ffc35
[«7] welt.de/wirtschaft/article6a8eb714692b2e9e3efcb697/pascha-banker-vergaben-millionen-kredit-an-koelner-bordell-jetzt-ermittelt-die-staatsanwaltschaft.html
[«8] NachDenkSeiten – Volks- und Raiffeisenbanken – die Mini-Finanzkrise schwelt weiter
[«9] NachDenkSeiten – Volks- und Raiffeisenbanken – Finanzkrise im Miniaturformat
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=155616