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Titel: Söder hat Spaß bei den Gebirgsjägern – Versteht der bayerische Ministerpräsident, dass Krieg nicht „cool“ ist?
Datum: 4. September 2026 um 11:00 Uhr
Rubrik: PR, Strategien der Meinungsmache
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Markus Söder ist unterwegs – mit den Gebirgsjägern. Nicht ohne Stolz präsentiert der bayerische Ministerpräsident ein Foto und eine Videoaufnahme von sich im Hubschrauberflug auf seinem „X“-Kanal. In normalen Zeiten würde sich an der Stelle die Frage aufdrängen: Wer? Und daran anschließend: Wer das wissen will? Da die Politik die gesamte Republik aber gerade kriegstüchtig machen will, drängen sich andere Fragen auf: Was soll das? Und: Begreift Söder überhaupt, dass das Kerngeschäft von militärischen Eliteeinheiten das Töten ist? Versteht der Ministerpräsident: Krieg ist nicht „cool“? Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Filme und Serien, in denen hauptsächlich US-amerikanische Eliteeinheiten in heldenhafter Mission unterwegs sind: Die Delta Force, Navy Seals, Rangers und wie die schlagkräftigsten Truppen des US-Militärs eben heißen.
Natürlich steht es jedem frei, Filmerzeugnisse dieser Art mit Freude zu schauen oder abzulehnen. Nur, so oder so: Filme sind bekanntlich das Eine, die Realität das Andere.
Im wirklichen Leben fließt echtes Blut bei den Einsätzen der Spezialtruppen. Das Handwerk der militärischen Elite ist das Töten, das Morden. Wenn sie zum Einsatz kommen, wird die Luft schnell bleihaltig und es geht in Echt um Leben und Tod.
Markus Söder teilt auf der Plattform X ein Foto und eine Videoaufnahme von sich, wie er mit den Gebirgsjägern unterwegs ist.
Dazu schreibt Söder:
Anflug mit dem Bundeswehr-Heli: Die #Gebirgsjäger sind die „Special Forces“ der Berge. Darf heute eine alpine Übung begleiten. Bayern steht zur #Bundeswehr: Unsere Soldatinnen und Soldaten verdienen Respekt, Wertschätzung und Rückendeckung.
Auf diese Weise wendet sich Söder in einer Zeit an die Öffentlichkeit, in der Politiker Deutschland kriegstüchtig machen und die Spannungen zwischen NATO und Russland immer bedrohlicher werden.
In der Ukraine herrscht seit bald fünf Jahren Krieg. Mindestens hunderttausende Soldaten wurden getötet, schwer verletzt oder sind traumatisiert. Je nach Messpunkt liegen zwischen München und der Front in der Ukraine 2.000 Kilometer. Dort ist das Grauen real.
Söder nimmer nur an einer Übung teil – und bleibt von der Barbarei auf den Schlachtfeldern verschont. Als Politiker ist er in keinem Gefecht und er ist nicht im Krieg.
Für ihn ist ein Tag bei den Gebirgsjägern ein spaßiges Ereignis, an dem er aufgrund seiner hervorgehobenen Position als ranghoher Politiker teilhaben darf.
Nichts spricht dagegen, dass ein „Landesvater“ auch mal bei der Bundeswehr vorbeischaut. Allerding lässt die Politik gerade den Krieg an Deutschlands Haustür anklopfen. Da verkommt der Wunsch Söders, dass „unsere Soldatinnen und Soldaten (…) Respekt, Wertschätzung und Rückendeckung (verdienen)“, zu einem Akt der Propaganda.
Bei einem Krieg mit Russland kämen auch die Gebirgsjäger zum Einsatz. Nur der liebe Gott weiß, wie viele von ihnen ihr junges Leben lassen müssten. Wie die meisten Kriege, so wäre – Stand jetzt – ein Krieg mit Russland auf eine eiskalte, unverantwortliche Politik zurückzuführen.
Söders Vorpreschen für die Bundeswehr ist billig. Aufnahmen wie diese unter den gegenwärtigen politischen Bedingungen reduzieren den Einsatz von Soldaten auf ein wohlfühliges Ereignis. Ganz zu schweigen davon, dass Söders Auftritt auch die enorme Gefahr eines realen Krieges, der im Hintergrund der Politik rauscht, ausblendet.
Klar ist: Im Ernstfall wird Söder an einem sicheren Ort sein – während Soldaten der Bundeswehr sterben. Wenn die Politik „Kriegstüchtigkeit“ ruft, sollten Soldaten auf billige PR für einen Politiker verzichten.
Diese Aufnahmen lassen nämlich erahnen: Söder steht nicht der Bundeswehr nahe, sondern politischer Idiotie und Verantwortungslosigkeit.
Titelbild: Scrennhot X-Kanal Söder
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