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Titel: Leserbriefe zu „Leben in der 3. Dimension“

Datum: 12. September 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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Maike Gosch thematisiert in diesem Ausflug in die dritte Dimension der Regierungskommunikation insbesondere die gemeinsame Pressekonferenz von Bundesinnenminister Dobrindt mit Bundesaußenminister Wadephul, auf der mitgeteilt worden sei, dass die Erkenntnisse deutscher Sicherheitsbehörden und europäischer Partner zu dem versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August dieses Jahres „klar auf russische Involvierung“ hindeuten würden. Bereits am Vortag, dem 31. August 2026, hätten mehrere Journalisten, darunter Florian Warweg (OAZ) und Tilo Jung (Jung & Naiv), im Rahmen der Bundespressekonferenz Regierungssprecher Steffen Meyer zu den Erkenntnissen der Bundesregierung befragt. Der habe „hartnäckig auf ‚drei Dimensionen‘“ verwiesen. Ein Video von Meyers Antworten sei danach auf den sozialen Medien viral gegangen und habe zu empörten, ironischen und teilweise auch belustigten Kommentaren geführt. Es sei eine „gute Entwicklung“, wenn die Bevölkerung den eingeübten Formeln der Kriegs-PR nicht mehr glaube. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Zuschriften erhalten. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich. Hier folgt nun eine Auswahl. Christian Reimann hat sie für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Sehr geehrte Frau Gosch,

Was Regierung, Politik und Medien sich hinter die Ohren schreiben sollten:

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.

BPK ist ein gut gewähltes Kürzel: Bundes Propaganda Konferenz.

Sicherheitsbehörden, insbesondere Nachrichtendienste und Geheimdienste, zu ihrem Tätigkeitsbereich gehört die professionelle Irreführung und Desinformation.

Da gibt es auch noch das Wort „Attribuierungsfalle“ – darunter versteht man die menschliche Tendenz das Verhalten anderer systematisch falsch zu erklären.

Was wir sehen ist eine Form der kognitiven Abkürzung: es kostet weniger Mühe die Schuld dem erklärten Feind anzuhängen, als mühsam nach Ursachen und anderen Erklärungen zu suchen.

Eine Definition von Politik und Medien macht eher den Eindruck leben in einer eindimensionalen Welt.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens


2. Leserbrief

Hallo NDS, sehr geehrte Frau Gosch,

Keine Diskussion mehr. Kein Vorschußvertrauen. Ersteres bringt nichts, Letzteres ist grob fahrlässig. Haut ihnen ihren eigenen Nonsens um die Ohren, daß es klingelt. Ich sage und schreibe es seit Jahren bei jeder Gelegenheit: Lacht. Sie. Aus. Ob’s euch selber weh tut oder nicht, spielt keine Rolle mehr.

In diesem Sinne (denn an dieser Koordinate in unseren schönen drei Dimensionen sind wir schon längst wieder angelangt):

Gadji beri bimba.

(Anm. d. Red.: Anfang des dadaistischen Lautgedichts ‚Karawane‘ von Hugo Ball (1916).)

Johannes Bichler


3. Leserbrief

Hallo Frau Gosch,

glauben Sie nicht mit einigen Aussagen selbstschädigend zu agieren?

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Strategie (immer weitere Militarisierung) schon lange geplant und vorbereitet ist und diese Vorgänge – ob nun inszeniert oder authentisch – lediglich dazu dienen sollen, die immer noch kriegsunwillige Bevölkerung in die richtige „Stimmung“ zu bringen.“

Des Eindrucks nicht erwehren können… starker Tobak… wie auch:

„Jetzt kann es natürlich sein, dass Russland tatsächlich hinter dem vermeintlichen und gescheiterten Drohnenanschlag auf den Flughafen steckt…“

Richtig, es kann auch sein, dass es eine Kreuzworträtsel-lösende Ziege war, doch wirklich! Man müsste sie nur beschuldigen lassen, nicht wahr? Die Frage ist nur, wie bizarre Aussagen man den Lügenmicheln der Regierung noch genau durchgehen zu lassen gedenkt.

Darum ist die BPK auch so eine lustige wie bittere Veranstaltung. Niemand, der im freien Leben steht, erwartet dort bei kritischen Fragen die Wahrheit. Abgesehen von echten Opfern und Journalisten, welche jede Möglichkeit (bestenfalls) pflichtbewusst nicht ausschließen mögen. Und wie sie an den Kommentaren erkennen können, wissen dies gar nicht so wenige.

Nun könnte ich noch in die Evolution dieses neusten Regierungsmärchens einsteigen oder frühere Fälle zerlegen, doch dies können Andere viel besser als ich.

Also: Unser täglich Gleiwitz gebt uns heute, Amen.

Mit freundlichen Grüßen
Kai P.


4. Leserbrief

Liebe Maike Gosch,

herzlichen Dank für diesen Beitrag! Die Zusammenstellung der Reaktionen auf den “Social Media” ist köstlich und lässt hoffen, dass der gesunde Menschenverstand in diesem Land noch nicht völlig den Bach hinunter gegangen ist.

Mitleid mit dem Regierungssprecher scheint mir allerdings nicht unbedingt angebracht:

“Jetzt muss man fairerweise sagen, dass an dem folgenden Tag wesentlich mehr Informationen über die Ermittlungsergebnisse gegeben wurden (drei Tatverdächtige mit Herkunft, angebliche DNA-Spuren und weitere Details). Meyer hatte offensichtlich am Vortag die undankbare Aufgabe, auf der Basis eines sehr dünnen Sprechzettels die Fragen der Journalisten zu beantworten, um die Inhalte der Pressekonferenz von Dobrindt und Wadephul und die Informationen, die parallel an die Medien gespielt wurden, nicht vorwegzunehmen.”

Interessant ist doch vielmehr dieser Ablauf: Von dem gemeinsamen Auftritt der Minister Dobrindt und Wadephul (wo war eigentlich der Kanzler?) berichtet die 20-Uhr-Tagesschau noch am selben Abend, und der aus Berlin zugeschaltete Matthias Deiss weist darauf hin, dass die Minister keine Beweise für eine russische Urheberschaft oder Tatverwicklung vorgelegt hätten.

Am nächsten Tag liefert das offiziöse Rechercheteam von NDR/WDR und SZ die “Beweislage” mit Erkenntnissen aus Ermittlerkreisen nach. Es gäbe DNA-Spuren und Tatverdächtige, die sich inzwischen nach Osteuropa abgesetzt hätten.

Dem nachdenklichen Medienkonsumenten stellt sich nun die Frage: Warum hatten die Minister diese Erkenntnisse am Vortag nicht selbst präsentiert?

Wer immer dieses miserable Drehbuch geschrieben hat – er/sie gehört wie alle anderen Beteiligten an dieser Schmierentragödie gefeuert.

Mit freundlichen Grüßen,
Richard Sietmann


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