NachDenkSeiten – Die kritische Website

Titel: Leserbriefe zu „Tschüss Briefkasten! Die Post macht die Flatter und hinterlässt eine Servicewüste namens DHL“

Datum: 13. September 2026 um 13:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich:


In dieser Abrechnung weist Ralf Wurzbacher darauf hin, dass die ehemalige Deutsche Bundespost ein verlässlicher Versorger gewesen sei, der der Allgemeinheit qua Gesetz mit flächendeckendem Angebot zu erschwinglichen Preisen zu dienen gehabt hätte. 1994 sei jedoch die Privatisierung gekommen und seit 1. September 2026 heiße die Post gar nicht mehr Post, sondern DHL, genauer: DHL AG. Die Post wolle einfach nicht mehr die Post sein. 2025 habe die Post/DHL einen operativen Gewinn von 6,1 Milliarden Euro eingestrichen, „wovon mal eben 2,1 Milliarden Euro in die Taschen der Aktionäre wanderten. Klar, dass man in Zukunft noch schneller wachsen will.“ Seit dem neuen „Gesetz zur Modernisierung des Postrechts“ vom 1. Januar 2025 müssten Sendungen zu 95 Prozent erst am dritten Werktag nach Einwurf und zu 99 Prozent am vierten Werktag den Empfänger erreichen. Zum kommenden Jahreswechsel sollen die Kosten weiter steigen, stärker als beim letzten Mal, „um die Modernisierung zu stemmen“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante E-Mails erhalten, für die wir uns bedanken. Die nun folgende Leserbrief-Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.

1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Wurzbacher,

danke für die Bestandsaufnahme bei Deutsche Post / DHL. DHL bedeutet für mich Dauert Halt Länger !

Nun kann man auch Geld verschicken mit Western Union. Das wollte Oma Erna schon immer. Hier in der Stadt Bruchsal (47.000 Einwohner) wurde die Hauptpost geschlossen. Statt dessen gibt es im ganzen Stadtgebiet verteilt Postagenturen die privat betrieben werden.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Lang


2. Leserbrief

Hallo,

“Für unsere Kundinnen und Kunden bleibt zugleich alles vertraut: Briefe, Pakete, Filialen, Packstationen, Poststationen und Briefkästen – wir liefern weiter, wie gewohnt“,

Postfaktisches von der Post….

DHL = Dumm, Hirnlos und Lahm.

Grüße

T. Rath


3. Leserbrief

Hallo,

dabei ist es ja nicht so, dass das Thema Infrastruktur für die Bürger keine Bedeutung hätte. Ganz im Gegenteil. Immer wieder taucht das Thema priorisiert dort auf, wo Bürger Verbesserungen einfordern, insbesondere in der Fläche.

Eine ausreichend gute Versorgung mit Basisdiensten wie Post und Telekommunikation, ÖPNV Bus und/oder Bahn, Bargeld- und Lebensmittelversorgung gehören als Mindeststandards aus meiner Sicht in jedes Wohnumfeld. Und das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Was passiert stattdessen? Mit kräftiger medialer Unterstützung wird auf Scheinalternativen verwiesen, die eine Grundversorgung in ausreichender Qualität überhaupt nicht leisten, Angebote werden in Salamitaktik zusammengestrichen oder die Geschäftstätigkeit wird von heute auf morgen eingestellt – und das ersatzlos.

Wozu führt das? Das angestammte Wohnumfeld verkümmert und wird in der Folge sogar verlassen.

Ich gebe zu, wenig Hoffnung zu haben, bei diesem Anliegen eines Tages eine nachhaltige Verbesserung zu erleben. Es gleicht einem Kampf gegen Windmühlen.

Freundliche Grüße

B. Rheiner


4. Leserbrief

Liebe Redaktion der NDS.

Wenn man für eine Privatisierung vom öffentlichen Eigentum stimmt und dieses Eigentum in eine Aktiengesellschaft überführt, muss man zwingend damit rechnen, dass diese auch als solche agiert. Darauf zu hoffen, dass sich durch eine Privatisierung eine Effizienz mit einem guten Service zum „Nulltarif“ entwickelt, oder dass sich eine AG mit einer „schwarzen Null“ zufriedengibt, wäre töricht. Ob im Vorfeld der Privatisierung der Antrieb bei den verantwortlichen Politkern darin lag, dass die Diskrepanz zwischen Anlegerinteressen und Allgemeinwohl erst die nächsten Wählergenerationen ausfechten müssen, sei einmal dahingestellt.

Dass die Deutsche Post AG in ihrer Funktion als damalige Konzernmutter einer Aktiengesellschaft einen Weltkonzern aufbaute der Milliardengewinne abwarf, ist sicher aller ehrenwert, zumal aus diesen Gewinnen auch die Steuerzahler über Dividendenzahlungen einen Nutzen erzielten. Das nun die einstige Konzernmutter Deutsche Post AG zu einer Konzerntochter degradiert wurde, nur weil sie die von Investoren erwarteten früheren Renditen nicht mehr erwirtschaften kann, können Menschen die sich wenig für Aktien und Finanzmärkte interessieren womöglich nur schwer nachvollziehen. Wenngleich es in anderen Unternehmen allgemein üblich ist, dass diese wenig profitable Bereiche abstoßen, egal wieviel Gewinne sie früher erzielten.

Doch jeder Einzelne sollte wenigstens nachvollziehen können, dass er in der Rolle eines imaginären Vermögensberaters in seinem Bekanntenkreis kaum Pluspunkte sammeln würde, wenn dieser eine Investitionsempfehlung für ein Unternehmen abgeben würde das bestenfalls eine Schwarze Null prognostiziert. So ein Gedankenspiel scheint zumindest für die Bundesnetzagentur abwegig zu sein, da sie zur Erfüllung eines Infrastrukturauftrags durch eine AG eine schwarze Null für völlig ausreichend hält. So hat diese das Briefentgelt für einen Standardbrief mit einem Entgelt von 95 Cent festgelegt, wobei sie selbst den europäischen Durchschnittsvergleich auf 1,26 EUR taxierte.

Verwundert es tatsächlich, dass die jetzige Konzerntochter die Zahl von ca. 36.000 Beschwerden im ersten Halbjahr bei täglich Millionen zugestellten Sendungen, diese nicht so sehr in einen primären Mittelpunkt ihres Agierens stellt wie man es sich vielleicht wünschen würde? Das viele Beschwerden sich nachträglich als unberechtigt erweisen ist sicherlich zweitrangig. Ebenso der Hinweis, dass die Dunkelziffer von realen Zustellmängeln mit Sicherheit weit höher liegen dürfte als 36.000 in einen halben Jahr.

Worin liegt also der Denkfehler? Wäre es seinerzeit im Vorfeld der Privatisierung vielleicht doch sinnvoller gewesen den Weg hin zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts einzuschlagen? Zumal der Steuerzahler als größter Anteilseigner der Konzerntochter Deutschen Post AG nicht mehr vom weltweit erwirtschafteten Gewinn des DHL-Konzerns profitieren wird.

Als fast ehemaliger Beschäftigter des Unternehmens, habe ich den Wandel von einer Bundesbehörde bis zur jetzigen Ausgliederung der Deutschen Post AG aus dem DHL-Konzern in zahlreichen Facetten mitbekommen. Auch 1994 jene Eigenarten im Vorfeld zur Privatisierung, als man den Begriff „Union Busting“ noch nicht kannte.

Zum Glück hatte ich bei allen Missliebigkeiten zum Trotz eine Interessenvertretung, die sich zwar sehr vielen beugen musste, aber dennoch nicht brach! Sehr vieles konnte diese für uns retten. Stichwort; betrieblicher u. änderungsbedingter Kündigungsschutz, heimatnahe Weiterbeschäftigung bei Betriebsverlagerungen u.v.a. gute Tarifverträge u. Betriebsvereinbarungen. Ohne diese jetzt in den Himmel loben zu wollen, aber ohne einen guten gewerkschaftlichen Organisationsgrad wäre der Erfolg seinerzeit garantiert nicht gelungen. Letzteres soll kein versteckter Hinweis sein sondern ein deutlicher, an was es gegenwärtig am Standort D deutlich mangelt!

Es mag skurril erscheinen, dass die Beschäftigten die Überleitung in einer Tochtergesellschaft ebenfalls als Erfolg betrachten müssen. Denn es ist eben nicht normal, dass Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen des abgebenden Unternehmens in die neue Gesellschaft 1:1 übernommen werden. Auch dann nicht, wenn die neue übernehmende Gesellschaft eine 100prozentige Konzerntochter ist. Denn einen gesetzlichen Anspruch zur Übernahme von Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen über eine 12 Monatsfrist hinaus, wird laut §613a (1) BGB im Satz 2 explizit ausgeschlossen! Offenbar hat der Konzern aus dem Desaster 2015 dazugelernt, als man mit dem Kopf durch die Wand einen Teil des Paketbereichs in die damals neu gegründete „Delivery“ auslagerte und später diese notgedrungen wieder auflöste.

Mein Eindruck und meine Befürchtung für die Zukunft zugleich geht dahin, dass die DHL AG der Bundesnetzagentur den Infrastrukturauftrag für die Tochter Deutsche Post AG eines Tages vor die Füße wirft. Zum Glück bin ich persönlich bis dahin nicht mehr für dieses Unternehmen tätig, für das ich jahrzehntelang (sehr) gerne gearbeitet habe.

Viele Grüße

Thomas Schmidt


Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=156129