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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Die Trump-Doktrin für Lateinamerika
Datum: 29. November 2025 um 14:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Medienkritik
Verantwortlich: Redaktion
Von Zöllen bis hin zu offenen militärischen Drohungen versucht die Trump-Regierung, die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen. Venezuela befindet sich derzeit in höchster militärischer Alarmbereitschaft, da eine bedrohliche Flotte vor seiner Küste liegt und etwa 15.000 US-Soldaten in Bereitschaft stehen. Von Roger D. Harris.
Die USA unter Trump sind unverhohlen ein Imperium, das ohne Scheu agiert. Das Völkerrecht ist etwas für Verlierer. Ein neu gegründetes Kriegsministerium, das die tödlichste Killermaschine der Weltgeschichte einsetzt, muss sich nicht hinter der Farce der Demokratieförderung verstecken.
Erinnern Sie sich daran, dass Trump 2023 prahlte: „Als ich ging, stand Venezuela vor dem Zusammenbruch. Wir hätten es übernommen, wir hätten all das Öl bekommen.“ Als CEO des kapitalistischen Blocks lässt sich Trump in seiner Mission nicht durch die Achtung der Souveränität einschränken. Es gibt nur einen unantastbaren globalen Souverän, alle anderen sind Untergebene.
Venezuela – mit unserem Öl unter seinem Boden – steht nun im Fadenkreuz des Imperiums. Venezuela verfügt nicht nur über die größten Erdölreserven, sondern auch über bedeutende Vorkommen an Gold, Coltan, Bauxit und Nickel. Natürlich möchte die Weltmacht all diesen Mineralreichtum in ihre Hände bekommen.
Es wäre jedoch zu einfach, zu glauben, dass dies nur aus rein wirtschaftlichen Motiven geschieht. Die Kontrolle über die Energieflüsse ist von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhaltung des globalen Einflusses. Washington benötigt die Kontrolle über strategische Ressourcen, um seine Position als globaler Hegemon zu bewahren, geleitet von seiner offiziellen Politik der „vollständigen Dominanz“.
Für Venezuela ermöglichen es die Einnahmen aus diesen Ressourcen, mit einem gewissen Maß an souveräner Unabhängigkeit zu handeln. Am ärgerlichsten ist, dass Venezuela sein Öl verstaatlicht hat, anstatt es Privatunternehmern zu schenken – und es dann zur Finanzierung sozialer Programme und zur Unterstützung von Verbündeten im Ausland wie Kuba verwendet hat. All dies ist dem Hegemonen ein Dorn im Auge.
Noch weiter über das Limit geht Venezuelas „strategische Partnerschaft für alle Wetterlagen” mit China. Mit Russland, seinem wichtigsten Verteidigungsverbündeten, hat Venezuela ein strategisches Partnerschaftsabkommen ratifiziert. In ähnlicher Weise unterhält Venezuela ein starkes antiimperialistisches Bündnis mit dem Iran. Alle drei Partner haben sich zusammen mit regionalen Verbündeten wie Kolumbien, Brasilien und Mexiko hinter Caracas gestellt.
Die USA haben die Bolivarische Revolution in Venezuela während des gesamten Vierteljahrhunderts ihres Bestehens unablässigen Regime Change-Aggressionen ausgesetzt. Im Jahr 2015 schrieb Barack Obama fest, was der Ökonom Jeffrey Sachs als bemerkenswerte „juristische Fiktion” bezeichnet: In seiner Executive Order bezeichnete er Venezuela als „außerordentliche Bedrohung” für die nationale Sicherheit der USA.
Diese Executive Order, die von jedem nachfolgenden Präsidenten erneuert wurde, ist in Wirklichkeit eine implizite Anerkennung der Bolivarischen Revolution Venezuelas als gegenhegemoniale Alternative, die Washingtons Weltordnung herausfordert.
Die jüngste Aggressivität der USA zeugt vom Erfolg des venezolanischen Widerstands. Die Folgen der erstickenden Sanktionen unter Führung der USA, die die Wirtschaft zum Absturz gebracht hatten, wurden durch eine Rückkehr zu positivem Wirtschaftswachstum teilweise rückgängig gemacht, sodass dem Imperium kaum eine andere Wahl blieb, als den Konflikt mit militärischen Mitteln zu eskalieren.
AFP berichtet, dass „die Spannungen zwischen Washington und Caracas dramatisch zugenommen haben”, als ob die einseitige Aggression eine Vergeltungsmaßnahme wäre. Venezuela strebt nach Frieden, dem Land wir aber eine Waffe an den Kopf gehalten.
Reuters gibt dem Opfer die Schuld und behauptet, die venezolanische Regierung „plane, im Falle eines Luft- oder Bodenangriffs der USA Chaos zu säen”. Tatsächlich hat Präsident Nicolás Maduro „anhaltenden Widerstand” gegen die unprovozierten Angriffe Washingtons angekündigt, anstatt sich demütig geschlagen zu geben.
Die Zahl der Todesopfer durch US-Angriffe auf angebliche kleine Drogenboote vor Venezuela, im Pazifik vor Kolumbien und Ecuador und bis nach Mexiko im Norden liegt mittlerweile bei über 75 und steigt weiter an. Aber es wurde nicht ein einziges Gramm Drogen beschlagnahmt. Im Gegensatz dazu hat Venezuela in diesem Jahr 64 Tonnen Drogen beschlagnahmt, ohne jemanden zu töten, wie die Orinoco Tribune beobachtet.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, María Zakharova, bemerkte dazu: „Jetzt, da den USA in diesem historischen Moment plötzlich wieder eingefallen ist, dass Drogen ein Übel sind, lohnt es sich vielleicht für die USA, gegen die Kriminellen innerhalb ihrer eigenen Elite vorzugehen.“
Am 11. November trafen der weltweit größte Flugzeugträger, die USS Gerald R. Ford, und die ihn begleitenden Kriegsschiffe in der Karibik ein. Sie schließen sich einer Armada von US-Zerstörern, Kampfjets, Drohnen und Truppen an, die seit August zusammengezogen wurde.
In einer atemberaubenden Untertreibung räumte die Washington Post ein: „Die Breite der Feuerkraft … scheint übertrieben“ für die Drogenbekämpfung bei dem, was sie schwärmerisch als „beeindruckende militärische Präsenz“ beschreibt.
Venezuela befindet sich nun in höchster militärischer Alarmbereitschaft, mit einer bedrohlichen Flotte vor seiner Küste und etwa 15.000 US-Soldaten in Bereitschaft. Millionen Venezolaner haben sich der Miliz angeschlossen, und internationale Brigaden sind willkommen, sich der Verteidigung anzuschließen. Präsident Maduro erließ ein Dekret über „äußere Unruhen“, das im Falle einer Invasion Sonderbefugnisse gewährt.
Die Bevölkerung hat sich um ihre chavistische Führung vereint. Die rechtsradikale Opposition, die zu einer militärischen Invasion in ihrem eigenen Land aufgerufen hat, ist isolierter denn je. Nur drei Prozent unterstützen einen solchen Aufruf.
Ihre von den USA ernannte Anführerin María Corina Machado ist völlig übergeschnappt und sagt, es bestehe „kein Zweifel“, dass Maduro die US-Wahl 2020 gegen Trump manipuliert habe. Laut den fanatisch anti-chavistischen Caracas Chronicles verwettet die sogenannte „Eiserne Lady“ „nicht nur die Zukunft Venezuelas auf Trump, sondern auch ihre eigene Existenz“.
Die Rechtsexperten der Washington Post kommen nun zu dem Schluss, dass „das Vorgehen der Trump-Regierung rechtswidrig ist“. Experten der Vereinten Nationen warnen, dass diese unprovozierten tödlichen Angriffe auf Schiffe auf See „auf internationale Verbrechen hinauslaufen“.
Selbst hochrangige Demokraten sind von den rechtlichen Argumenten der Regierung „nach wie vor nicht überzeugt“. Sie sind verärgert darüber, dass sie von den Briefings der Regierung ausgeschlossen sind und keine vollständigen Videos der außergerichtlichen Morde zu sehen bekommen.
Die Demokraten sind mit den Republikanern einig darin, Maduro zu verteufeln, um einen Regime Change in Venezuela durchzusetzen, wünschen aber, dass dies mit legalen Mitteln erreicht wird. Die sogenannte Oppositionspartei votierte einstimmig für die Bestätigung von Marco Rubio als Außenminister, wohl wissend um das Programm, das er nun anführt.
Die Konzernmedien haben sich durch ihre endlose Dämonisierung Maduros zum Komplizen des Regime Change gemacht. Sie berichten, dass Trump geheime CIA-Operationen genehmigt hat, als wäre das eine Sensation und nicht das übliche Geschäft. Was neu ist, ist, dass die US-Regierung offen mit ihren geheimen Machenschaften prahlt. Dies ist Teil der umfassenden psychologischen Druckkampagne Washingtons gegen Venezuela, in der die Konzernmedien eifrige Handlanger sind.
Das Wall Street Journal meint: „Niemand in der [Trump-]Regierung scheint bereit zu sein, die schwierigen Fragen zu stellen, was passiert, wenn sie das [venezolanische] Regime destabilisieren, es aber nicht stürzen können.”
Die politischen Analysten Medea Benjamin und Nicolas J. S. Davies gehen davon aus, dass die Antwort Gemetzel und Chaos lautet – basierend auf den früheren Aktivitäten Washingtons im Irak, in Serbien, Afghanistan, Haiti, Libyen, Syrien und Jemen, um nur einige zu nennen.
Die Einschätzung von Foreign Policy – die mit der Linie des Washingtoner Establishment übereinstimmt – lautet, dass die regionale Fragmentierung so stark ist wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Regionale Organisationen seien dysfunktional geworden – die Union südamerikanischer Nationen (UNASUR) wurde „zerstört“, die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (CELAC) ist „nutzlos“ und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat gerade ihren Gipfel abgesagt. Die Spaltung, so Responsible Statecraft zustimmend, „markiert einen der tiefsten Punkte in den regionalen Beziehungen seit Jahrzehnten”. Bilaterale „Deals” mit den USA ersetzen den regionalen Zusammenhalt. Das ist Lateinamerika unter der Wohltätigkeit von Trumps „Donroe-Doktrin”.
Die alternative Vision, vertreten durch Venezuela, ist die „Zone des Friedens“ der CELAC und die Entwicklung des progressiven Bündnisses ALBA-TCP zum gegenseitigen Nutzen.
Über den Autor: Roger D. Harris aus den USA ist Gründungsmitglied des Venezuela Solidarity Network, Mitglied des Vorstands der Task Force on the Americas und des Sekretariats des US Peace Council.
Der Beitrag erschien im Original bei LA Progressive, Übersetzung aus dem Englischen von Marta Andujo. CC BY-SA 3.0 US creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/us/
Titelbild: Mit KI (grok) generiertes Symbolbild.
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