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Titel: Leserbriefe zu „Pippi statt Logik! – Vom Zauber der Unmündigkeit“

Datum: 22. Februar 2026 um 16:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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In diesem Beitrag vertritt Leo Ensel die These, nach der Wissenschaft und scharfsinniges Denken weltweit an Ansehen verlieren würden. Der „postfaktische Habitus“ leugne Fakten schon gar nicht mehr, für ihn gelte das Prinzip, „that facts don‘t matter“. Überall sei eine ‚Logik à la Pippi Langstrumpf‘ auf dem Vormarsch. Von der „postmodernen Zertrümmerung des Wahrheitsbegriffes“ würden heute Trump, Reichsbürger, Wunderheiler, Esoteriker und die Eliten in Politik und Medien gleichermaßen profitieren. Als salopp-offensiven Wahlspruch einer immer notwendiger werdenden ‚Aufklärung 2.0‘ wird vorgeschlagen: „Geist ist geil!“ Wir haben dazu interessante Leserbriefe erhalten, vielen Dank dafür. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Hallo,

das mit der Logik à la Pippi Langstrumpf fing schon früh an :

“Facts are stupid things.“
– Ronald Reagan 15.8.1988

Grüße

T. Rath


2. Leserbrief

Sehr geehrter Leo Ensel,

danke für den Artikel!

Insbesondere für so deutliche/klare Formulierungen “auf den Punkt” wie:

“Die Strategie der Antiaufklärer beginnt immer damit, Fakten und Wahrheiten zu Meinungen zu degradieren.”

oder

“Fakten werden nicht mehr geleugnet, auch nicht mehr wenigstens, als Meinungen disqualifiziert, in einem Pseudodiskurs attackiert – sie werden schlicht ignoriert!”

oder

“Faustregel: Überall, wo scharfsinniges Denken, wo Bildung und Logik, wo „Vernunft und Wissenschaft“ mit welchen Argumenten auch immer verächtlich gemacht oder gar für obsolet erklärt werden, ist etwas faul!”

Herzliche Grüße
Andreas Rommel


3. Leserbrief

Danke, Leo Ensel! In einer Zeit in der ich mir immer mehr vorkomme wie in einem Irrenhaus, in dem die Irren die Macht übernommen haben, ist Ihr Text wie ein tröstlicher Sonnenstrahl, der durch dunkles Gewölk dringt.

Die Verblödung ist auf dem Vormarsch, weil die Mächtigen es so wollen. Ob die Vernunft eine Chance hat? Hoffen wir es für die Zukunft!

Heidemarie Wegener


4. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Ensel, sehr geehrtes NDS-Team

Zu dem sehr guten und wichtigen Artikel eine Anmerkung:

Eine Kugel ist definiert als die Menge aller Punkte, die von einem Mittelpunkt m den Abstand r haben.
Wenn aber alle Punkte der Erdoberfläche denselben Abstand zum Erdmittelpunkt hätten, dürfte es keine Berge und Täler (für die Norddeutschen: Hügel und Senken) geben.
Es gibt Berge/Hügel und Täler/Senken -> Der Abstand von Punkten der Erdoberfläche zum Mittelpunkt der Erde ist unterschiedlich -> die Erde ist keine Kugel.

Mit freundlichem Gruß
Thomas Paulsen


5. Leserbrief

Hallo nachdenkseiten,

Scharfsinniges denken, Vernunft – wunderbar !

Aber dieser Artikel erfüllt nicht die Erwartungen.

  1. sind die Sätze ausgesprochen umständlich konstruiert.
  2. kreisen die Aussagen immer wieder um dasselbe. Das hätte man alles auch in einem Satz schreiben können.

Man kann dem Autor nur mit seinen eigenen Worten antworten: “Es wird Zeit, dies nicht nur einer dekadenten, akademisch-verdrehten Intellektuellen-Schickeria wieder zu verklaren.”

Im übrigen würde ich mir wünschen , daß die nachdenkseiten sich wieder mehr auf die (hervorragenden ) Informationen liefernden Artikel beschränken würden, und weniger Kommentare verbreiten.

Weniger ist mehr.

Gruß B. Bercher


6. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

das ist so ein schlechter Artikel, dass es mir quasi die Kinnlade herunterreißt.

Es fängt an mit “Wissenschaft und scharfsinniges Denken …” und ich habe gedacht, dass muss doch interessant werden, aber weit gefehlt. Danach geht es plötzlich um Trump und Wahrheit und wie es darum bestellt ist. Mal abgesehen davon, dass Trump in diesem Artikel keine Unwahrheit (die kann passieren unabsichtlich) oder eine Lüge (die wäre absichtlich) nachgewiesen wird, wird hiermit suggeriert, dass Wissenschaft und scharfsinniges Denken automatisch der Wahrheit entspricht. Naiver geht es wohl nicht mehr. Danach geht es beinahe kindisch weiter, ich weiß es besser und Trump ist doof und Merz auch. Dass Trump allerdings Vernunft und Wissenschaft verachtet, ist einfach an den Haaren herbeigezogen. Ich vermute Herr Ensel selbst, kann mit Wisenschaft nicht allzuviel anfangen.

“Am 22. April 2017 fand in mehr als 600 Städten erstmals der internationale „March for Science“ statt, eine Großdemonstration für den Wert von Forschung und Wissenschaft und gegen „alternative Fakten“ bzw. eine „postfaktische Ära“. Naja, und 2020 entstand der Begriff Covidiot, quasi voll im Sinne der Wissenschaft. Später 2021 behauptete Dr. Fauci “I am science!” Wissenschaft lebt nicht davon die Wahrheit zu sein, sondern sich bestmöglich daran anzunähern. Und “Frei nach dem Motto: Ich interessiere mich nicht für den Klimawandel oder die brandgefährliche Kriegsgefahr in Europa, kann daher fairerweise von diesen erwarten, dass sie sich auch nicht für mich interessieren.” Auch das sind wieder zwei Beispiele, die mit der Meinung des Authoren zu tun haben, nicht aber unbedingt mit der Realität. Beim ersten gibt es wissenschaftlich definitiv keine Eindeutigkeit, wenn man unterstellt, dass Herr Ensel hier den durch menschlich erzeugtes CO2 gemachten Klimawandel meint. Klimawandel ist sowieso doppeltgemoppelt eine Tautologie. Und auch wenn mich persönlich eine mögliche Kriegsgefahr nicht wirklich kalt lässt, so ist das dennoch nur eine Meinung von Herrn Ensel. Derzeitig sieht es, meine Meinung, so aus, als ob der von Ensel vielgescholtene Trump keinen Bock darauf hat im Gegensatz zu Merz, Starmer und U.v.d.L. Selbst Macron scheint Abstand davon zu nehmen.

Ich bin mir sicher, dass Sie damit leben können, wenn ich nur zu den Themen schreibe, die mich ärgern und nicht zu den vielen ansonsten sehr guten Artikeln der NDS.

Mit freundlichen Grüßen,
Axel Köhlmoos


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Ensel,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank für die interessanten Gedanken zum Jahresausklang. An einer Stelle sehe ich dringenden Ergänzungsbedarf. Die Feststellung Kants, dass “Faulheit und Feigheit” die Ursachen der Unmündigkeit seien, ist überholt. Und schon der Gedanke allein führt zu einer ungerechtfertigten Herabwürdigung Andersdenkender: sie seien ja nur zu faul/faige, sich gut zu informieren.

Dies steht im Widerspruch zu meiner eigenen Meinung und Erfahrung. Ich begegne Menschen aus den verschiedensten “Filterblasen”, die die Symptome der Wissenschaftsferne deutlich zeigen. Doch sind sie weder faul, noch feige, noch wissenschaftsfern – im Gegenteil. Nun kann man im Leben fleißig und mutig sein, und in der Politischen Meinungsbildung das Gegenteil – doch auch letzteres kann ich ausschließen. Fast jeder in meinem Umfeld informiert sich aktiv über strittige Themen wie Krieg oder Klima, man sieht überall fundierte Meinungen – die beachtlich divergieren. Einige derjenigen, die das beschriebene Langstrumpf-Phänomen leider am meisten betrifft, sind Akademiker im Bereich der Naturwissenschaften im weiten Sinne.

Stattdessen sehe ich Informationsüberfluß und Erschöpfung als Gründe für Unmündigkeit. Sie ist nicht selbstverschuldet. In der Wirkung trifft sie auch den privaten Bereich – Kindererziehung, Ernährung, Mobilität, … und nach den Ursachen muss ich daher nicht weit suchen.

Erstens die Flut der Informationen auf allen Kanälen. Zweitens die Illusion des Sozialen durch sogenannte “soziale” “Medien”. Drittens hat auch unser Wissenschaftssystem fundamentelle Probleme – ich möchte es hier bei den Schlagworten “Publikationsdruk” und “Anreizsystem” belassen. Und viertens möchte ich noch zum Nachdenken geben dass es soetwas wie “unabhängige Meinungsbildung” vielleicht gar nicht gibt, und insofern ist vielleicht gar die gesamte Illusion einer “Aufklärung” absurd[*].

Und dies hat man vor zweihundert Jahren vielleicht noch anders gesehen. Die Wissenschaft kann gar nicht leisten, das von ihr erwartet wird. Sie ist in ihrer Art ambivalent und temporär (mit Ausnahme einiger weniger Fundamentalzusammenhänge). Ich schlage vor dass wir dies akzeptieren, uns statt Selbstüberhöhung in Demut üben, und das Streben nach menschlichem Miteinander auch mit den Trumps und Langstrumpfs in unserem Umfeld wieder zur obersten Maxime erklären.

Damit wünsche ich einen “guten Rutsch”!

[*] Das behaupte nicht ich, sondern die Wissenschaft. Leseempfehlung – R. Sapolsky (2023): “Determined: A Science of Life Without Free Will”.

Mit freundlichen Grüßen
F.M.


8. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

so interessant und auch wichtig das Thema dieses Artikels auch ist, so mißlungen ist der Beitrag selbst Herrn Ensel leider.

Dabei meine ich nicht – vorausgesetzt der Autor meint bei “Ich interessiere mich nicht für den Klimawandel (…) kann daher fairerweise von diesen erwarten, dass sie sich auch nicht für mich interessieren” den menschengemachten Klimawandel und CO2 als Hauptursache – daß Herr Ensel die fehlende Bildung, hier im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich, und das fehlende selbst Denken geradezu exemplarisch, fast schon karikativ vorführt, sondern daß er das Hauptproblem nicht erkennt.

Auch in der Politik kann das bewußte “ignorieren” von Fakten eine Voraussetzung, oder zumindest Erleichterung, für die Durchsetzbarkeit einer Entscheidung sein. Damit ist nicht einer Ignoranz das Wort geredet, der Vernünftige wird die (möglichen) Auswirkungen wohl bedacht und mit bewertet haben. Kommt er allerdings zu der Entscheidung, daß trotzdem ein andrer Weg beschritten werden soll wird er in der öffentlichen Darstellung entgegenstehenden Fakten nicht den größten Raum einräumen.

Nein, das von Herrn Ensel, selbst vorgelebte und wahrscheinlich deshalb überhaupt nicht erkannte Hauptproblem ist die Darstellung falscher Fakten als vorgeblich wissenschaftliche Erkenntnis!
Denn genau wie Mephisto verachten “die Wissenschaftsleugner” nicht Vernunft und Wissenschaft sondern deren (unwissenschaftliche) Instrumentalisierung für Blend- und Zauberwerke. Sei es bei menschengetriebener Erdverkochung oder einer Pandemiebekämpfung, deren negative Auswirkungen die Folgen einer Pandemie noch übersteigen. Wissenschaft verliert nur dort an Ansehen, wo sie sich vor einen Karren spannen läßt!

Scharfsinniges Denken dagegen verliert nirgends an Ansehen; nur ist es weniger von Bildung als mehr vom selbständigen Gebrauch des Verstandes abhängig. An letzterem fehlt es leider bei diesem Beitrag was sich auch nicht durch Zitate von Goethe, Kant, Schiller und Lindgren übertünchen läßt.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer Zwerschke


9. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

der o.g. Artikel hat mich als Soziologen “getriggert”. Es würde mich freuen, wenn die Nachdenkseiten das Thema “Wahrheit und Wissen”, welches in vielen NDS-Artikeln mitschwingt, in einem eigenen Artikel behandeln würden (vielleicht könnte der Soziologe Marcus Klöckner einen schreiben). Ich denke der Artikel würde auf großes Interesse stoßen.

Ich werde an dieser Stelle nicht weiter ausführen, was genau mich an dem Artikel aufgeregt hat, aber es geht allgemein um den Kampf um Deutungsmacht. Sie werden das sicher verstehen, wenn Sie das folgende Zitat aus einem Soziologie-Wörterbuch zum Begriff “Wissen” lesen:

“Während sich Wissen gemeinhin auf die Gewissheit von Erfahrungen des Einzelnen bezieht, bezeichnet es soziologisch die Abhängigkeit des Wissens von den jeweilig Erfahrenden. Wissen variiert deswegen mit dem sozialen Standort. Wissen orientiert das Handeln der Einzelnen. Weil das meiste Wissen von anderen erworben wird, sind auch deswegen unsere Handlungen in einem Ausmaß von der sozialen Ordnung abhängig, die in manchen Theorien als begrenzt und vom Einzelnen beeinflussbar, in anderen als determiniert angesehen wird. Wissen bezeichnet damit die soziale Seite desSinns. […] Wissen wird in Zeichen, Sprache, Artefakten und Technologien objektiviert, die im Handeln jeweils situativ realisiert werden. Diese Objektivationen bilden die Grundlage für dauerhafte Wissensordnungen, die von sozialen Institutionen getragen und durch deren Macht gestützt oder gestürzt werden. Wissen ist damit Teil großflächiger sozialer Prozesse, in dem die gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert wird. Welche Wirklichkeit konstruiert wird, hängt deswegen sehr wesentlich von der jeweiligen sozialen Verteilung und den Arten der kommunikativen Vermittlung des Wissens ab. Daher stellt Wissen bzw. die Macht, Wissen zu definieren, eine zentrale Säule jeder gesellschaftlichen Ordnung dar.”

(Quelle: Knoblauch, Hubert; Tuma, Rene. 2018. Wissen. In: Kopp, Johannes; Steinbach, Anja (Hg): Grundbegriffe der Soziologie. 12. Auflage. Wiesbaden: Springer VS, 517-519.)

Wenn Albert Einstein Zeit als etwas Relatives beschreiben kann, warum kann die Wahrheit auch nicht relativ sein. Wenn man sich die Frage ernsthaft stellt, wie man an “objetives” Wissen gelangt, dann wird man die Antwort nicht finden, weil die Frage falsch ist. Für die simpelsten Tatsachen gibt es keine Beweise, wie beispielsweise Gravitation und dennoch ist diese Kraft nicht zu leugnen. Und sobald wir das Feld der Quantenmechanik betreten, wird nur noch von Wahrscheinlichkeiten gesprochen.

Ich mache an dieser Stelle einen Punkt und bedanke mich herzlich für Ihre wertvolle Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Daniil Smirnov


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