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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Leserbriefe zu „Völkerrecht in Gefahr: Ein Appell an Europa“
Datum: 14. März 2026 um 16:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
Der iranische Botschafter Majid Nili wandte sich an die NachDenkSeiten mit der Bitte, seine Stellungnahme zu veröffentlichen. „Zur guten journalistischen Praxis gehört es, alle Seiten eines Konflikts abzubilden, die unterschiedlichen Stimmen anzuhören“, zumal der Beitrag unserer Meinung nach inhaltlich durchaus lesenswert ist. Nach Artikel 2(4) der UN-Charta sind laut Majid Nili die Angriffe von Israel und den Vereinigten Staaten auf Iran am 28. Februar 2026 ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht. Zahlreiche zivile Opfer, darunter auch Kinder bei der Bombardierung der Grundschule in Minab, die Zerstörung der Infrastruktur des Landes wie die der Nuklearanlage Natanz oder einer Ölraffinerie in Teheran haben gravierende humanitäre und ökologische Folgen für die Bevölkerung, weshalb der Iran sich auf das Selbstverteidigungsrecht beruft. Er kritisiert europäische Politiker für deren mangelnde Verurteilung und warnt, dass das „Schweigen gegenüber Aggression und Kriegsverbrechen letztlich zur Normalisierung der Gesetzlosigkeit im internationalen System führt“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante, auch kritische Leserbriefe erhalten. Danke dafür. Für Sie zusammengestellt von Ala Goldbrunner.
1. Leserbrief
Die Worte des iranischen Botschafters in Deutschland (Majid Nili) kann man nur dick unterstreichen. Gleichzeitig kann man sich hinsichtlich der Verlautbarungen mancher westeuropäischer Politiker zu den amerikanisch-israelischen Aggressionen gegen dieses Land nur angewidert abwenden. Ich denke da natürlich besonders an die Einlassungen unseres Kanzlers (Israel [und die USA] mache die Drecksarbeit auch für uns usw.).
Was in unseren Mainstream-Medien zum Iran immer wieder verbreitet wird, von Politikern, Journalisten und sogenannten Experten, ist, der Iran bzw. das “Mullah-Regime”, wäre eine Terrordiktatur, welche seine internen Gegner brutalst unterdrücke, “friedliche” Demonstranten in Massen erschieße bzw. hinrichte oder zumindest für lange Zeit ins Gefängnis werfe, das Internet stark einschränke und zu vielen anderen “Gräueltaten” bereit sei. In 2 Polit-Talks der jüngeren Vergangenheit hat sich bspw. der deutsch-israelisch-palästinensische Psychologe Ahmad Mansour mit dieser Argumentationslinie hervorgetan und er (aber bei weitem nicht nur er allein) geht dann tatsächlich so weit, dass er mit Vehemenz die These vertritt, diese (behauptete) islamische Diktatur verwirke durch die “Brutalität” ihrer Herrschaft jeden Schutz durch das Völkerrecht, weil sie selber völkerrechtswidrig sei. Außerdem verbreite sie durch ihre Proxis und andere Zellen in vielen anderen Ländern, u.a. auch in Deutschland, besonders natürlich in Israel, extremsten Terror, von der vielfach widerlegten Behauptung, der Iran sei kurz davor eine Atombombe zu besitzen, ganz zu schweigen. So rechtfertigen sie den aktuellen Bomben- und Raketenkrieg.
Ich halte dies weitgehend für geopolitisch motivierte Propaganda nach dem Motto: Den Feind diffamieren, ihn entmenschlichen und zum Monster in den Augen der westlichen Menschen machen, damit diese gegen einen Krieg mit regime–change-Absicht nicht protestieren, sondern im günstigsten Fall sogar zustimmen. Außerdem ist, wenn man ein wenig recherchiert, bekannt, dass der Westen (USA, EU, Israel) mit subversiven Maßnahmen massiv das Seine dazu beiträgt, dass Unzufriedenheit, zuletzt sogar massive Not im Lande ausbrechen mit dem Kalkül, darüber das “Regime” zu Fall bringen zu können, das dadurch natürlich um so regressiver reagiert, bei Strafe seines Untergangs. So hat US-Finanzminister Scott Bessent in Davos damit geprahlt, dass sie über Finanz- und Währungsmanipulationen für eine massive Abwertung des iranischen Rial gesorgt haben mit der Folge von Hyperinflation und akuter Armut für breite Bevölkerungsschichten im Iran. Das alleine belegt doch schon, dass das in den USA herrschende Regime moralisch vollkommen abgewirtschaftet hat, denn es ist zur Durchsetzung seiner Interessen bereit buchstäblich über Leichen zu gehen.
Wenn man mit Kriegsbefürwortern diskutiert, ist es immer schwer mit seinen Argumenten durchzudringen. Man will nicht hören, dass der Westen mit seiner Politik erst für einen (vermutlich hohen) Anteil der Regressivität und Intoleranz der islamischen Regierung sorgt, mit denen er dann wiederum seine Aggression gegen das Land rechtfertigt. Hier wäre ich den NachDenkSeiten sehr dankbar, wenn Sie eine Analyse zustande brächten, die zumindest eine ungefähre Einschätzung liefert wie hoch sozusagen der Eigenanteil der iranischen Regierung an Unterdrückung und Intoleranz im Lande ist und wie hoch auf der anderen Seite der Anteil ist, welcher erst durch Druck von außen auf das System, also quasi sekundär und mit dem Kalkül es zu Fall zu bringen, provoziert wird. Das könnte in Diskussionen eine wertvolle Argumentationshilfe sein.
Peter Werner
2. Leserbrief
Iran-Krieg ist die Möglichkeit für Aserbaidschan, Türkei zu verdrängen
Die Ausweiterung des Iran-Krieges wird von einigen Ländern als eine Möglichkeit für die geopolitische Auswirkungen angesehen. Die Türkei und Iran gelten traditionell als Regionalmächte. Aber nach der Rückeroberung Bergkarabachs 2023 begann Präsident Aserbaidschan Aliyev diese Rolle zu beanspruchen.
Iran-Krieg ist ein Krieg, den Recep Tayyip ErdoÄan nie wollte. Die angespannten Beziehungen zwischen dem Westen und Iran verleihen der Türkei strategische Bedeutung. Regimewechsel in Iran würde das geopolitische Gewicht Ankaras in der Region drastisch verringern.
Millionen Kurden, die in Iran leben, bereiten ErdoÄan besondere Sorgen. Regimewechsel in Iran könnte dort neue Bestrebungen hervorrufen, einen eigenen Staat zu gründen. Was eine direkte Bedrohung für die Türkei darstellt.
Dies wird von Aliyev als Schwäche der Türkei, die er offenbar als Führer der muslimischen Welt ersetzen möchte, wahrgenommen. Nach dem Drohnen Angriff auf aserbaidschanische Exklave Nachitschewan hat Ilham Aliyev die Streitkräfte auf volle Mobilisierungsbereitschaft Stufe eins gebracht. Aserbaidschans Präsident scheint bereit zu sein in den Iran-Krieg einzugreifen um seine Rolle als regionale Macht zu festigen.
Es ist jedoch bereits jetzt klar, dass eine solche Entscheidung nur innenpolitische (Unzufriedenheit der aserbaidschanischen Gesellschaft), wirtschaftliche (Zerstörung der Energie Infrastruktur) und strategische Verluste (Beendigung der Partnerschaft mit der Türkei) mit sich bringen wird.
Mit besten Grüßen,
Thomas Ludwig
Hamburg
3. Leserbrief
Dieser Beitrag ist nicht nur lesenswert sondern auch inhaltlich mehr als vertretbar. Die Anmerkung der Redaktion verstehe ich nicht, in diesem Beitrag wird sich auf das anerkannte Völkerrecht berufen das (hoffentlich) nicht zur Disposition steht.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Kloth, Elmshorn
4. Leserbrief
Liebe Redaktion NachDenkSeiten – vielen Dank auch für diesen Beitrag des iranischen Botschafters.
Dass Moral und Gesetz im “Wertewesten” komplett mit Füßen getreten werden, ist doch nicht erst jetzt oder seit 2014 in der Ukraine eineindeutig bekannt (von der Historie Afghanistan-, Irak-, Syrien-, Vietnamkrieg etc. mal ganz zu schweigen). “Fuck the EU” – war da nicht mal was? !!
Schmunzeln muss ich jedesmal wenn ich an den “süßen”, naiven Beitrag der US-Bürgerin (!?) Sidita Kushi (Professorin für Politik am Mount Holyoke College (in Massachusetts) und Mitautorin des Buches „Dying by the Sword: The Militarization of U.S. Foreign Policy“) denken muss.
Nach all den Daten, welche von ihr erhoben wurden, glaubt diese Dame immer noch, dass die meisten Kriege NICHT von den USA aus den niedersten und primitivsten Gründen angezettelt und verursacht / durchgeführt wurden (in der Regel völlig erfolglos – nur Chaos hinterlassend)? Zitat aus “Interview mit Sidita Kushi: Ein Imperium im Dauerkrieg – 393 US-Militärinterventionen bis heute”:
“Die Dichotomie, ob die USA gut oder schlecht sind, ist meiner Meinung nach in den meisten Fällen nicht einfach zu beantworten. Eine bessere Diskussion, die wir geführt haben, ist die Frage: Verfolgt man damit engstirnige Interessen? Wie definiert man diese Interessen? Und wenn die USA diese Interessen verfolgen, welche Kosten entstehen dadurch für den Rest der Welt und möglicherweise für die eigene Bevölkerung? Wollen wir, dass dies so weitergeht, oder wollen wir, dass sich etwas ändert, und warum?”
Nun ja, jeder mag denken, was er will. Ich kenne die Antworten. Und die sind eineindeutig.
Sehr beachtenswert war auch diese Veröffentlichung auf “Wenn der Westen plötzlich von „Trump-Regime“ spricht: Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA” (11. Dezember 2025) vom sehr guten Autor Alexander Neu. Da war doch bereits die lauthalse Ankündigungen der USA & Co. zum Bruch des gesamten Völkerrechts gegeben. Und was tat die EU oder Deutschland? NICHTS, so wie aktuell. Es müssten doch JETZT auch massive Sanktionen vs. USA und Israel seitens der EU erfolgen (wie gegen das böse Russland), oder etwa nicht? Ach ja, beim Völkerrecht müssen wir ja jetzt wieder umlernen, meinte ihr Chefredakteur Jens Berger (zurecht) sarkastisch.
Traurig auch, dass die NachDenkSeiten sich im letzten Satz zum Artikel des Botschafters der Islamischen Republik Iran gezwungen sehen, sich quasi dafür zu entschuldigen. Nun ja, unsere Meinungsfreiheit, wie unsere Demokratie, hatten wir ja eh schon seit Jahrzehnten abgeschafft (nicht erst seit Corona !). Auch traurig, aber wahr (wenn man u.a. Joseph Heinrich Beuys kennt, der bekanntlich nicht nur “Künstler” war.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Ruthenberg
5. Leserbrief
Guten Tag,
natürlich gehört es zu einem guten Journalismus, alle Seiten und Gruppen anzuhören und dieses auch zu publizieren. Der iranische Botschafter richtet seinen Appel speziell an Deutschland und Europa. Mit einem sehr feinen Gespür, für die geschichtliche Verantwortung, die unser Land für den Erhalt des Friedens, der Menschenwürde und einem guten Miteinander der Völker hat. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Deutschland im Herzen Europas soll und muß dem Frieden auf diesem Kontinent und auf der Welt verpflichtet sein.
Noch gehen viele Länder davon aus, dass Deutschland die Kraft, den Anstand und die Moral dazu hat.
Die noch Mit- und Nachdenkenden wissen, dass dem nicht mehr so ist. Unter jahrelanger mehr oder weniger schlechter politischer Leitung, mit Unterstützung der publiken Medien, entledigte das Land im Herzen von Europa, sich nach und nach seiner wahren kulturellen und menschlichen ,, Werte “, bis dorthin, wo wir jetzt stehen. Weitere Erläuterungen hierzu erübrigen sich.
Schmerzlich, aber wohl war, die großartige Chance nach der Wiedervereinigung, Glasnost und Perestroika vertan, ein friedensstiftendes und Völker verbindes Land auf dem Kontinent und der Welt zu sein.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
6. Leserbrief
Zum Vergleich folgende journalistische Kostbarkeit aus der Edelfeder des Schöngeistes vom Dienst bei “Telepolis”:
„Die dümmsten Menschen“: Exiliraner über Khamenei-Demos in Berlin
11. März 2026 Rüdiger Suchsland
Stimmen von Exiliranern in Deutschland:
… „Mit dem Krieg bin ich zufrieden. Es ist zwar sehr gefährlich, aber besser als ein islamisches Regime, das Menschen erschießt usw!“ … Man sollte sich nicht so viele Gedanken über das Völkerrecht und die innenpolitischen Beweggründe des US-Präsidenten machen … „Der Feind unseres Feindes ist unser Freund! … Die Israelis sind unsere Freunde. Es sind die einzigen, auf die wir uns verlassen können.“
… Usw. usf. …
No comment …
Wenzel Ruckstein
7. Leserbrief
Vielen Dank für die Veröffentlichung dieses sehr sachlichen Artikels.
Nicht nachvollziehen kann ich jedoch die abschließende Anmerkung der NDS-Redaktion. Diese klingt nach Rückversicherung, wenn nicht gar Anbiederung bei denen, die eine völkerrechtswidrige Auffassung zu dieser Thematik vertreten und lässt leider Rückgrat vermissen. Schade … .
Mit freundlichen Grüßen,
Heiko Haase
-Bad Harzburg-
8. Leserbrief
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Vater hat mir immer wieder bei Diskussionen gesagt.
“Nur wer vergibt findet Frieden”.
Gruß JD
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