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Titel: Spielt wieder Degenhardt und Süverkrüp – trotzt den Vergessenmachern!
Datum: 18. April 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Friedenspolitik, Kultur und Kulturpolitik
Verantwortlich: Redaktion
Ab 1964 wurde aus dem Festival „Chanson Folklore International” auf der Hunsrücker Burg Waldeck ein regelrechtes Labor für Friedenskünstler. Aber, obwohl Franz Josef Degenhardt und Dieter Süverkrüp dort die ersten und bedeutendsten westdeutschen Sänger gegen den Krieg nach dem Krieg waren: Als es vor 45 Jahren auf die ganz großen Bühnen in Bonn und Mutlangen ging, durften sie selten ans Mikrofon. Von Diether Dehm.
Grund war die „Kontaktsperre DKP”, die damals gegen Kommunisten so ähnlich funktionierte wie heute gegen AfD-Leute, die es ehrlich für Frieden mit Russland meinen. Die damalige Brandmauer wirkte vor 45 Jahren tief hinein in die Linke und die Ostermärsche, als wir grade begonnen hatten, für die Großkundgebung gegen NATO-Raketen am 10. Oktober 1981 im Bonner Hofgarten zu mobilisieren. Wir wussten noch nicht, dass diese Kundgebung der Durchbruch würde. Es kamen 350.000 Menschen. Weil seit 30 Jahren mobilisiert worden war – am geduldigsten von Kommunisten; aber auch, weil jetzt enorme Promi-Namen und Kräfte von ÖDP/CSU bis DFU/SPD-Linken auf den Flyern standen. Nur: Degenhardt und Süverkrüp gehörten selten dazu.
Klar, viele von uns fürchteten oder hofften, ohne es genau lokalisieren zu können, dass über DKP-Leute auch Geld aus der DDR heimlich in die westdeutsche Friedensbewegung floss. Kader aus VVN (damals noch nicht antideutsch), DFU, SDAJ, DKP und PLÄNE-Verlag hatten die Bündnisbreite über Jahrzehnte anzulegen geholfen – aber genau deshalb sollten sich ja KP-nahe Aktivisten „etwas zurückhalten”.
Als Sozialdemokrat und Liedermacher gehörte ich zum Sprecherrat bei „Künstler für den Frieden” – zusammen mit BAP, Peter Maffay, Klaus Lage, Dietmar Schönherr, Günter Wallraff, Franz Xaver Kroetz, den bots, Katja Ebstein, Herbert Grönemeyer und Hannes Wader. Immer dabei – mit seiner eigentümlichen Vorliebe fürs Radikale in sanften Chansons – war seit der Burg Waldeck Reinhard Mey. Dann hatte ich noch Unterschriften für den „Krefelder Appell” gegen NATO-Raketen eingeholt von Roland Kaiser, Mario Adorf, Howard Carpendale, Wolf Biermann und Senta Berger
Die beteiligten Rockstars zollten „dem Karratsch” (Degenhardt) und „dem Dieter” (Süverkrüp) im privaten Gespräch zwar stets allergrössten Respekt, empfanden es aber als gott-medien-gewollt, dass die beiden Kommunisten bei den TV-Aufzeichnungen draussen blieben. Dafür rangelten ihre Managements hinter den Kulissen um die besten Plätze in der „Tagesschau”, möglichst neben Erhard Eppler, Heinrich Böll, später Willy Brandt und anderen A-Promis. (Die meisten von den Popstars zogen dann, 1999, mit Joschka Fischers NATO-Bombern gegen Belgrad).
Gleichwohl: Degenhardt und Süverkrüp wurden beim neuen Friedenslied zuerst genannt – und meist in einem Atemzug. Dabei waren sie einander unähnlicher als ein Goldschmied und ein Säbelfechter (auch eine Widerlegung des Vorurteils, linke Gleichheitsgrundsätze stünden für Gleichmacherei).
Da klaffte allein schon im Umgang mit der Gitarre ein Unterschied: Süverkrüp war als bester deutscher Gitarrist der Düsseldorfer Jazzband „Feetwarmers” mehrfach prämiert worden, setzte seine Virtuosität auf dem Griffbrett zum Kommentieren ausgefeilter Texte ein. Dagegen verblieb Degenhardts Gitarrenspiel dem Lagerfeuer der Burg Waldeck und der Jugendbewegung „treu”, seine Balladentexte nur untermalend. Für Kompilzierteres bat er darum später seinen Sohn Kai mit auf die Bühne.
Aber beide Liedermacher setzten völlig neue, bis heute unerreichte Standards. Ein Satz aus dem Düsseldorfer Vortrag von Hanns Eisler 1931 erläutert die Dialektik aus Form und Inhalt, „dass jeder neue Musikstil nicht aus einem ästhetisch neuen Standpunkt entsteht, also keine Material-Revolution darstellt, sondern die Änderung des Materials zwangsläufig bedingt wird durch eine historisch notwendige Änderung der Funktion der Musik in der Gesellschaft überhaupt“.
Genau darum brauchte damals unser Aufstieg von kleinen Ostermärschen in vielen Großstädten zur großen zentralen Auflehnung gegen die NATO-Atomraketen auch die neuen Lieder der beiden. Dass ich in den Achtzigern für eine Million verkaufter Vinylschallplatten für mein Bots-Friedenslied „Das weiche Wasser bricht den Stein” eine Platin-LP überreicht bekam, wäre ohne vorherige Nachhilfe bei Degenhardt und Süverkrüp kaum geglückt – aber auch (damals!) kaum ohne Biermann. Heute in der (wieder mal: neuen) Unübersichtlichkeit brauchen wir solch durchschlagende Songs wieder. Nebst vernetzten Oppositionsmedien, wie es der DKP-nahe PLÄNE-Verlag einst war und die Liederbücher aus alternativen Verlagen, die damals schon als „moskau-nah” immer wieder aus den grossen kommerziellen Reichweiten herausgemobbt wurden – auch von jenen Mächten, die heute die damaligen Songs vergessen machen wollen.
Degenhardt und Süverkrüp wirkten internationalistisch, aber in jener Dialektik, die das „Kommunistische Manifest” vorschlug: „Der Form nach ist der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie ein nationaler.” Und so waren die Figuren in ihren Liedern, die bösen wie die fortschrittlichen, überwiegend deutsche Persönlichkeiten, die gewachsen waren aus regionalen Traditionen im Widerstreit sozialer Ansprüche. Der Nationalstaat ist Boll- und Regel-Werk für verletzbare Wurzeln. Degenhardt formulierte – wohl auch in Anlehnung an Woody Guthries heimlicher US-Nationalhymne „This land is my land” – sein: „Dies Land ist unser Land” („aus diesem Land sind meine Lieder, die der Rundfunk nicht mehr bringt”).
1982 bat ich als Manager der „Zupfgeigenhansel” Dieter Süverkrüp um ein „Heimatlied” für deren LP „Miteinander”. Herausgekommen ist ein lyrisches Meisterwerk: „Da liegt das gute Land … wie hinter Fensterscheiben, ist zum Greifen nah”; dann empfahl Süverkrüp, „dass wir das Land beim Worte nehmen, so, als ob es unsers wär”.
Degenhardt und Süverkrüp schufen vollkommen unterschiedliche Skizzen von Gesichtern des Widerstands gegen Krieg und das grosse Geld. Süverkrüp entwarf, als früherer Werbedesigner, seine Plattencover und Graphiken selber. Für „Karratsch” malte dessen Schwägerin Gertrude Degenhardt Illustrationen zu seinen Songs, die in kaum einer friedensbewegten WG-Wohnküche fehlen durften.
Beide waren auch in ihrer gemeinsam francophilen Zuneigung völlig unterschiedlich. Der vor 1968 illegalisierte Kommunist Süverkrüp hatte schon lange mit dem Übersetzer französischer Revolutionslieder Gerd Semmer gearbeitet. Vor seinen eigenen Liedern war daraus eine PLÄNE-LP unter dem Titel „Ca Ira” entstanden.
SPD-Mitglied Degenhardt war in den Sechzigerjahren Dozent am „Institut für europäisches Recht” im francophil geprägten Saarbrücken und war der gefeierte Star des neuen Bänkellieds in der Tradition von Francois Villon und George Brassens. Sein Hit war damals „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Noch nannte er sich „Väterchen Franz”, einen „versoffenen Chronisten“, und erzählte von skurril gekrümmten Gestalten – aus Innenansichten des Nachkriegsextremismus, aus der Mitte der „formierten Gesellschaft”. Bei den großen IG-Metall-Kundgebungen gegen die Notstandsgesetze war er noch der Star, bis er als Anwalt nach 1968 Kommunisten und RAF-Verdächtige verteidigte und dann mit seinem Kanzleikollegen Groenewold eine Dokumentation über den „Ausweisungsterror gegen Palästinenser” herausgab. 1971 schloss die SPD ihren berühmtesten Liedermacher aus.
Mit Süverkrüp und Degenhardt durfte ich auftreten, bei beiden durfte ich als 18-jähriger Liedermacher wohnen und lernen. Dabei waren beide zwar „old school”, aber völlig verschieden. Bei „Karratsch“ drehte sich das Gespräch oft anständig um Unanständiges, um pralle Weine, Weiber und Weisheiten („… bei Mutter Mathilde, da riecht es gut / nach klarem Schnaps, Buletten und Futt …”). Nebst verschärftem Feixen über angepasst-ideologische Flachpfeifen im Liedermacher-Dress, über den „Wildledermantelmann” oder über „Bodo, genannt der Rote” (wobei er Bodo Ramelow noch gar nicht kannte). Es waren köstliche Spottlieder auf die Weichspüler der Bewegung. Wollten wir heute Aggregate unserer Widerspenstigkeit neu wieder aufladen, wäre dazu von Süverkrüp besonders der sarkastische Song anzuempfehlen: „Die Kunst, Andersdenkende vom Sozialismus zu überzeugen”.
Seit der Waldeck mussten wir uns immer wieder unsere Machtlosigkeit eingestehen, die unter Oppositionellen den Boden bereitete für die Sirenenklänge, endlich irgendwo mitzuregieren. Via „Marsch durch die Institutionen” ein Zipfelchen Macht zu ergattern, wenigstens einen Staatssekretär zu den persönlichen Freunden zählen zu dürfen. Aber war dem Gefühl der Machtlosigkeit nicht besser mit Kunst beizukommen: als nachhaltigerer Selbstermächtigung? Lied und Lyrik von Degenhardt, Festivalkultur und selbstvergewissernde Publikumsreaktionen unterhalb der Bühne liefern Gegenpower – ohne mitzuregieren! Auch am Lagerfeuer, am „Tisch unter Pflaumenbäumen” und anderen mutmachenden Ansprachen von Degenhardt an die „Kumpanen”.
Süverkrüp wirkte unnahbarer, seine Songs sezierender, auch musiktheoretisch auf größere Entfaltung bedacht. Es ging ihm weniger um die Abbildung großer Charaktere in kleinen Balladen als um die Spiegelung großer Zusammenhänge in kleinen Ereignissen – unter Zuhilfenahme nicht billiger Diskrimierung, sondern kostbarer Polemik. Berühmt dafür wurde sein Lied „Wie man in Düsseldorf eine Kunstausstellung eröffnet”.
Als Degenhardt später in den Balladen vom „Horstie Schmandhoff” und vom „Alten Notar Bolamus“ den ökonomischen Wiederaufstieg von Faschisten besang, beileibe nicht nur die geheimdienstdurchwirkte NPD, sondern auch die deutschnationalistischen EU-Macher wie H. J. Abs von der Deutschen Bank, begannen viele frühere Gönner des „Väterchen Franz” zu frösteln. Und seit seinem „Wenn der Senator erzählt“ (wie der mit „alten Freunden aus schwerer Zeit” dann wieder unter Adenauer – Hüttenwerke und Ferienparadiese gebaut hatte), als Degenhardt damit mehr Kapitalgeschichte in seine Geschichten einließ, begann die mediale Resonanz einzufrieren. Auf Zero. Wie längst bei Süverkrüp.
Völlig unterschiedlich, aber gleichermaßen liebevoll haben dann beide „ihre Kommunisten“ gezeichnet. Und zwar zunächst gegen die Berufsverbote (für die sich als einziger später Willy Brandt öffentlich entschuldigte) als Nachzeichnung jener „menschenfreundlichen Radikalen”, die vor 50 Jahren aus dem öffentlichen Dienst geworfen wurden. Endlich führten diese Figuren auch wirkmächtige Streiks für die 35-Stunden-Woche. Bei Süverkrüp: „Warum wird so einer Kommunist?” und vor allem: „Die erschröckliche Moritat vom Krypto-Kommunisten“. Und bei Degenhardt: die „Natascha Speckenbach” und vor allem: „Rudi Schulte“.
Süverkrüps Ideal-Kommunist trug „Unterwanderstiefel”, vertilgte täglich blonde blauäugige Säuglinge und genoss „nur zur Tarnung” Bachs H-Moll-Messe – eine köstliche Persiflage auf dumpfen Antikommunismus, Vorläufer von heutigen Marktlibertären in CDU, SPD, FDP und AfD. Degenhardts eher gebrochener Kommunist Rudi Schulte war ein ruhrpöttischer Züchter von Tauben, mit denen er über Lenin redete wie Don Camillo mit seinem Jesus am Kreuz. Und bei denen er sich darüber beschwerte, wie er (ausgerechnet er!) gerade von Polpot-Anhängern als „feiger Revisionist” beschimpft worden war – von Linksradikalismus-Imitatoren, also den Vorläufern grünlicher Cancel-Culture.
Als Thomas Rothschild, der eigenwilligste Chronist dieses künstlerischen Aufbruchs seit den Waldeck-Festivals, 1980 sein Fischer-Taschenbuch „Liedermacher“ mit 23 Portraits vorlegte, war ich zwar mächtig stolz auf die lobenden Zeilen zu meiner Ballade von der sozialdemokratischen „Oma Krug“. Aber gleichzeitig war ich traurig darüber, wie Rothschild die „infame Methode Süverkrüp” meines Vorbilds reduziert hatte auf ein angebliches „Ad-Absurdum-Führen” durch kabarettistische Wortspielereien (wie „sektierischer Ernst”, „askäse-bleich und „Um-Phallus”). Aber vor Süverkrüps großem Chanson „Kirschen auf Sahne – Blutspur im Schnee“ verneigte sich damals schon auch Thomas Rothschild. Weil er Geschmack hat und es eigentlich auch gar nicht anders geht!
Degenhardt widersprach 1968 den über den sowjetischen Einmarsch auftrumpfenden Antikommunisten: „Die schwärmen jetzt vom goldenen Prag – und wenn die ‘Gold‘ sagen, meinen die Gold“. Bei Süverkrüp hiess das spöttisch: „BleimSe mir doch weg mit ihrem Scheiß-Vietnam – nach Prag!“.
Selbst Biermann hat in seinem berühmten Kölner IG-Metall-Konzert im November 1976 (woran der unkluge Schlaumeier Honecker die Ausbürgerung aufhängte) vom „Januskopf des 17. Juni 1953″ geredet: als „halbfaschistisch und halb Volksaufstand“. Später, nachdem Biermann vom Wolf zum NATO-Kettenhund geschrumpft war, gelang ihm zur Strafe kein gescheites und bekanntes Lied mehr.
Im Gegensatz zum medienverwöhnten Biermann wollten Süverkrüp und Degenhardt nie arrogant und elitär auftreten. Diese beiden hochartifiziellen Marxisten haben auch schlichtere Lieder nie verachtet. Süverkrüp stellte sich auf der Waldeck schützend vor grobschlächtigere Agitprop-Genossen. Degenhardt war mit Freddy Quinn und Drafi Deutscher befreundet. Das liegt daran, dass man eben aus dümmerer Kunst klügere Technik folgern kann. Populäre Unterhaltung braucht Kenntnisse der Trivialität. So entfaltete Süverkrüp seinen Kinder-Hit „Der Baggerführer Willibald” und Degenhardt die deutschen Fassungen der Folksongs „Sacco und Vanzetti” und „Grandola vila morena.”
Bei Degenhardts „Mutter Mathilde” wurden von der Kneipenwirtin jene Gäste besonders zärtlich versorgt, deren Gesundheit „man verarbeitet hat zu Dividendenschrott in der Fabrik …“. Darum sollte Mathildes Kneipe auch plattgemacht werden; von „Visavie”, von der Fabrikleitung: „Man telefonierte den Nazitrupp / der sowas am Ende dann für die macht / die schlugen dann Tresen und Tische kaputt … der Staatsanwalt hat mit den Schultern gezuckt / ein bisschen aus Angst, ein bisschen aus Freud´.” Nur ein Streik konnte der Arbeiterkneipe noch helfen. Und danach: Vertrauensleute machten „den Herren von der Fabrikleitung schnell klar: die Werksschreinerei repariert kostenlos / bei Mutter Mathilde das Inventar”.
Beim Streik in Rheinhausen 1987 waren auch fast alle Kneipiers mit dabei – in einer Volksfront aus Eigeninteressen: Bäcker, Ärzte und Friseure. Betroffene von Deindustrialisierung, später: von Corona-Lockdowns, Inflation durch NATO-Aufrüstung und sozialen Leistungskürzungen.
Ich durfte das Solikonzert „AufRuhr” der „Künstler für den Frieden” vor 40.000 Kolleginnen in der Werkhalle mit Grönemeyer, Wader, Katja Ebstein, Lage u.a. mitorganisieren und moderieren. Campino von den „Toten Hosen” urinierte auf die Bühne – aus „Solidarität” mit den um den Arbeitsplatz Kämpfenden. Zehn Jahre später zog auch er hinter Joschka Fischer in den Jugoslawien-Feldzug der NATO.
Die Volksfront mit proletarischem Kern – und weil der Mensch ein Mensch ist: die Arbeitereinheitsfront – hatte auch Süverkrüp in seinem „Phrix-Lied” im Auge, („Rote Fahnen sieht man besser”). Damals, als der WDR noch solche Dokumentarfilme senden durfte. Seinen Song untertitelte er augenzwinkernd: „Für ein Schullesebuch gedacht”.
Dieter Süverkrüp schrieb für „Zupfgeigenhansel” den doppelsinnigen Titel „Miteinander” auf die italienische „La Lega”-Musik: „Im wesentlichen Falle, da brauchen wir uns alle / auf diesem Erdenballe, damit er nicht zerknalle / Schiebt alle Streitigkeiten / für eine Weil’ beiseiten / und laßt uns drüber streiten / dereinst in Friedenszeiten. Oli, oli, ola, wir sind miteinander da …”
Ganz anders klang Volksfront bei Degenhardt. Bei ihm trägt der Zauber, der auch jedem revolutionären Anfang werktätigen Volks innewohnt, mehr persönliches Gesicht und Charisma:
„Joß Fritz: … gejagt, gesucht, versteckt / Und die ihn hören und berühren, sind aufgerührt und angesteckt / Mal ist er Mönch, mal Landsknecht, Bettler / mal zieht ein Gaukler über Land / Und mal erkennen ihn Genossen / am Muttermal auf seiner Hand / das große Bündnis will er knüpfen / mit Ritter, Bürger, Bauer, Pfaff / Plebejer, Bettler und Soldaten / und immer warnt er vor der Hast: / Laßt nicht die roten Hähne flattern, ehe der Habicht schreit“.
Wollen wir heute den Kriegsmachern trotzen, brauchen wir wieder mehr solcher Balladen. Zur Selbstvergewisserung. Dann muss auch wieder mehr Brecht aufgeführt werden. Und dann könnten bei politischen Versammlungen ruhig auch alte Songs von Süverkrüp und Degenhardt gehört, bedacht und erörtert werden.
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