Startseite - Zurück - Drucken

NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Leserbriefe zu „Wehrdienst: Steinmeier bezweifelt, ob Freiwilligkeit „ausreicht““
Datum: 30. Mai 2026 um 13:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
Marcus Klöckner kommentiert in diesem Beitrag die Äußerung „Ich zweifle, ob Freiwilligkeit ausreicht“, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Podcast des Portals t-online gesagt habe. Hinterfragt wird u.a., was hier denn „ausreicht“ heiße und wo die mahnenden Worte von Steinmeier in Richtung der Feindbildbauer seien. Man müsse es sich vor Augen halten: „Die Republik soll kriegstüchtig werden. Die Rede ist davon, dass deutsche Soldaten in einen Krieg gegen Russland ziehen könnten“. Jeder mit einem Funken Verstand könne sich denken, dass die Wiedereinführung der Wehrpflicht längst beschlossene Sache sei. Verständlich sei daher: „Junge Menschen haben keine Lust, sich den Gefahren eines von der Politik heraufbeschworenen Krieges auszusetzen“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir haben dazu interessante Leserbriefe bekommen. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich. Hier folgt nun eine Auswahl, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Lieber Herr Klöckner,
was Herr Frank-Walter Steinmeier sagt, hat mich eigentlich noch nie interessiert. (…) Der Satz “Ich bezweifele, ob Freiwilligkeit ausreicht”, ist allerdings interessant. Habe ich doch schon als Student gelernt, wenn man seriös auftreten will, beginne man nie einen Artikel, einen Absatz oder auch ein wichtiges Statement mit dem Wörtchen “Ich”. Aber das sag mal einer unserer Narzisstenriege da in Berlin.
Noch was bemerkenswertes an Steinmeier seinem Satz. Inhaltlich bedeutet er: “Männer an die Gewehre, aber hop hop!” Diese Direktheit ist ihm dann wohl doch zu gefährlich. Am Ende will’s ja wieder keiner gewesen sein.
Wozu braucht man dieses Amt, Bundespräsident, eigentlich noch? Um die Fassade einer bröckelnden Demokratie aufrecht zu erhalten. Seit über 40 Jahren geht es den Bach runter. Erst die bleiernen Kohl-Jahre, dann Schröders Bruch von Wahlversprechen und Verstoß gegen das Völkerrecht (eigene Aussage). Dann noch einmal 16 bleierne Jahre unter “Kohls Mädchen”. Und was danach kam, ein einziges Schmierentheater, mit dicken Backen und schönen Versprechen vor der Wahl, und Exekutieren des Gegenteils nach der Wahl.
Viele Grüße,
Rolf Henze
2. Leserbrief
Ausgerechnet Steinmeier
Dank an Markus Klöckner für diese Auseinandersetzung mit dem jüngsten unerträglichen Fehltritt Steinmeiers. Ich möchte die Kritik (…) im protokollarisch höchsten Staatsamt um ein pikantes Detail erweitern: Die ganze Wehrdienstdebatte hat die Wurzel im Ukrainekrieg, in dessen Vorgeschichte ausgerechnet Steinmeier seinerzeit als Außenminister eine ausgesprochen jämmerliche Rolle gespielt hat. Er ließ zu, dass das maßgeblich von ihm mitausgehandelte Abkommen für eine friedliche Lösung der damaligen Krise von militanten Gruppen – rechtsradikal und vermutlich von den USA unterstützt – zerrissen und damit der Weg in den Bürgerkrieg geöffnet wurde. Für das Blut, das seither geflossen ist, für die ungeheuren Zerstörungen, die inzwischen angerichtet wurden, trifft Steinmeier damit eine wesentliche (Mit-)Verantwortung. Selbstkritik von ihm zu erwarten, hieße Unmögliches zu verlangen. Wenn er doch wenigstens schweigen würde…
Heiko Schlottke
3. Leserbrief
Guten Tag,
Steinmeier wäre dringend eine Selbstreflexion anzuraten.
Die Bodenhaftung zu den Menschen, die er als Staatsoberhaupt repräsentieren soll, hat er, falls jemals vorhanden, schon lange verloren.
Wohl nicht um sonst wird er von nicht wenigen Zeitgenossen auch als Spalter der Nation bezeichnet.
Seine Aussagen, wie genannt, zu den Spaziergängen während Corona oder auch seine Aussagen und Selektion zu „unserer” Demokratie sprechen für sich.
Auch sollte er sich genau an seine Mitwirkung als Merkels Außenminister bei den Minsker Abkommen 2014 und 2015 zurück erinnern. Vielleicht könnte man Steinmeier auch einen Täuscher und Doppelmoralisten nennen.
Scheinbar will er nun die anstehende Wehrpflicht forcieren und bezweifelt öffentlich, ob Freiwilligkeit ausreicht.
Ganz dem vorherrschenden Narrativ, der Kriegstreiber und Hetzer zum Wohlgefallen.
Nur gut, dass den Mann sowieso fast keiner, ok, die Gedanken sind frei.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
4. Leserbrief
Guten Tag Herr Klöckner,
was erwarten Sie denn von Herrn Steinmeier? Er selbst hat am aktuellen Zustand im Osten federführend mitgefeilt. Hätte er dies nicht getan, wäre er heute nicht Bundespräsident. Da fangen UNSERE aktuellen Kernprobleme an.
Mit der Wehrpflicht ist es aber nicht so einfach, ohne Wehrgerechtigkeit herzustellen. Da dies nicht über objektive Kriterien umsetzbar ist, muss nur einer gegen seine Einberufung klagen. Zumindest theoretisch, sollte sich noch ein Richter finden lassen, der sich mutig an die Gesetze hält.
Darum soll bekanntlich das Losverfahren eingeführt werden. Aber wenn die Eliten einen Weg suchen und finden, ihren Nachwuchs dort rauszuhalten und daran besteht in Deutschland nicht der Hauch eines Zweifels, wird es eng, wenn dies rauskommt.
Wie auch immer, ich war einige Zeit bei der Bundeswehr. Wenn ein Wehrpflichtiger sein infanteristisches Seepferdchen gemacht hat, dann schickt man ihn im Zeitalter der KI-Drohnen ganz klassisch zum Sterben aufs Schlachtfeld. Das sollte man den mutigen „Abenteurern“ in Spe schon sagen.
Aber wayne interessierts? Die Politik will ihre heilige Zielquote erfüllen, völlig egal ob das Ergebnis Sinn ergibt oder nicht.
Da hat man mit „klugen“ Reden und Aufsätzen zuerst wortreich begründet, warum man eine Berufsarmee benötigt. Nun springt man wortreich mit „klugen“ Reden und Aufsätzen wieder in die Kartoffeln. Das wirkt ausgesprochen souverän.
Nicht so souverän ist jedoch die Begründung. Denn das ein paar Wehrpflichtige und später Menschen mit offiziellem Reservistenstatus mehr (evtl. bald bis zum siebzigsten Lebensjahr *LOL*) einen ernsthaften Faktor bei der feindlichen Risikoabwägung darstellen, ist 2026 nur für kriegsfern Informierte vorstellbar.
Das kommt halt noch hinzu. Man wird nicht nur selektiv oder per Los zum Kämpfen gezwungen. Sondern auch noch von Ideologen, die absolut keine Ahnung, kein Ziel und daher auch keinen Plan haben. Erst hinter denen kommen dann irgendwann Deutschland, Freiheit und das übrige Kampfgrund-Gewäsch, welches man den Hinterbliebenen zum Trost erzählt.
Mit freundlichen Grüßen
Kai P.
5. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
aus der Sicht der herrschenden politischen, ökonomischen und medialen “Elite” oder treffender formuliert: der herrschenden Klasse – und dazu gehört sicherlich auch der Politiker Frank-Walter Steinmeier von der ehemaligen Partei der “kleinen Leute”, der Geringverdiener, Normalverdiener und Angehörigen der “gehobenen Mittelschicht” (mit Auto aber ohne Privatflugzeug, ohne Ferienhaus auf Sylt, ohne Ferienvilla am Starnberger See und ohne 3.000-PS-Motoryacht im Hafen von Nizza oder wo auch immer), den chronisch Kranken, Behinderten, kleinen Rentnerinnen und kleinen Rentnern, Obdachlosen, Arbeitslosen usw., die sich selbst immer noch “sozialdemokratisch” nennt – war die Vorgehensweise zweifelsohne kalkuliert. Man setzt ganz im Sinne des neoliberalen Marktes erst einmal auf “Freiwilligkeit” und “Anreize”, wenn es um die Rekrutierung junger Soldatinnen und Soldaten für den Krieg geht.
Offenkundig hat der “Markt” wieder einmal versagt und die Taktik, Schulabsolventen und junge Erwachsene mit Geld, Abenteuerromantik und einer tollen “Karriere” bei der Armee (Bundeswehr) zu ködern, ist nicht ganz aufgegangen, weil viele, wenn auch nicht alle Schülerinnen/Schüler und junge Erwachsene in Deutschland nachdenken, die politische und mediale Propaganda durchschauen und fragen:
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Putin und Russland, die es in vier Jahren nicht geschafft haben, die Ukraine zu besiegen, in ein paar Monaten oder wenigen Jahren, Deutschland und Europa angreifen werden, weil Putin und die Russen was wollen?
Man muss Putin nicht mögen und die Russen nicht lieben, aber man sollte aus der Sicht eines objektiven und neutralen Dritten die einfache Frage stellen und beantworten:
Was wollen Putin und “die” Russen, deren Truppen 1989/90 aus der ehemaligen DDR und den anderen Staaten des sogenannten “Warschauer Paktes” abgezogen sind, 2026 in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Tschechien, Holland, Belgien und anderen Ländern Europas? Erdöl, Erdgas, Silber, Gold, Platin, Diamanten, Kupferminen und seltene Erden gibt es in Deutschland nicht. Die “Wirtschaftssanktionen” von Frau von der Leyen (CDU) und der EU gegen Russland und das teuere Frackinggas aus den USA helfen auch noch dabei mit, Deutschland zu deindustrialisieren. Es gibt also in Deutschland auch immer weniger Industrieanlagen, die man gegebenenfalls demontieren und abtransportieren könnte wie dies einige Jahre lang nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg 1945 tatsächlich der Fall war.
Diese gigantische Aufrüstungsorgie (mit seinen negativen volkswirtschaftlichen, negativen sozialen und auch negativen ökologischen Folgen) hat nichts mehr mit Verteidigung zu tun zumal deutsche Politikerinnen/Politiker und die deutschen Mainstream-Medien selbst permanent von “Kriegstüchtigkeit” reden und nicht mehr von Verteidigung. Vielleicht wäre es in propagandistischer Hinsicht besser gewesen, man hätte auch weiterhin von “Verteidigungsbereitschaft” gesprochen?
Wenn Schülerinnen/Schüler und junge Erwachsene in diesem “demokratischen und sozialen Bundesstaat” (Art. 20 Grundgesetz von 1949) für Diplomatie, für Friedensverhandlungen und für ein Ende des Krieges in der Ukraine auf der Straße demonstrieren, dann werden sie von “Journalisten” des öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunks als “Verfassungsfeinde” geframt, weil unter den 10.000 Demonstranten angeblich auch 10 oder 20 Extremisten gewesen wären, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.
Würden diese “Journalisten” auch 83 Millionen Steuerzahler in diesem Land mit Betrügern in Verbindung bringen, die sich vom Finanzamt auf Kosten der Allgemeinheit jahrelang cum ex Milliarden Steuern “erstatten” lassen und zwar Steuern, die sie vorher nie gezahlt haben? Warum werden Steuerhinterzieher und Steuerflüchtlinge, die ihre Millionen und Milliarden auf Offshore-Konten transferieren, nicht vom Verfassungsschutz beobachtet? Jährlich werden in Deutschland zwischen 50 und 150 Milliarden Steuern hinterzogen. So genau weiß man das nicht, weil die herrschende Klasse (siehe oben) davon nichts wissen will. Mit Steuerhinterziehern sind in diesem Zusammenhang nicht die Steuerpflichtigen gemeint, die in ihrer Steuererklärung bei den Fahrtkosten zur regelmäßigen Arbeitsstätte 23 Kilometer angeben, obwohl es nur 21 Kilometer sind, denn auch das ist Steuerhinterziehung. Zwei Kilometer mehr entsprechen derzeit einer jährlichen “Steuerersparnis” von 35 bis 75 Euro (je nach Einkommen und Grenzsteuersatz). Im Vergleich zu den großen Steuerhinterziehern sind das aber noch weniger als “Peanuts”.
Zurück zu Krieg und Frieden: Im letzten Jahrhundert starben deutsche Soldaten für den Kaiser, den Führer, das Volk und hehre Werte wie Vaterland, Heimat, Ehre und Treue. Heute sollen die deutschen Bürgerinnen und Bürger im Winter nicht nur für die Freiheit frieren, sondern im Winter, im Frühling, im Sommer und im Herbst auch für die Freiheit und die angeblich “beste Demokratie, die wir in Deutschland je hatten”, sterben.
Im Ersten Weltkrieg waren es rund zwei Millionen deutsche Soldaten (von insgesamt rund neun Millionen Soldaten), im Zweiten Weltkrieg rund 5,5 Mio. deutsche Soldaten und rund zwei Mio. deutsche Zivilisten von weltweit insgesamt 60 Millionen Toten. Andere Schätzungen gehen auch von 64 Millionen oder noch mehr Toten aus. So genau weiß man das auch heute 81 Jahre nach dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht und man wird es auch nie wissen, da im Krieg viele getötete Soldaten und verstorbene Kriegsgefangene einfach nur verscharrt wurden und bis heute als vermisst gelten wie auch viele zivile getötete Opfer in vielen Ländern. Die vielen Kriegsversehrten in Russland, Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Ungarn, Holland (Niederlande), Belgien, Griechenland usw. sind da selbstverständlich noch nicht mitgezählt eben so wenig wie die vielen Kriegswitwen, Kriegswitwer und Kriegswaisen, die ohne Vater und/oder Mutter aufwachsen mussten oder ihre Großeltern nie kennenlernen konnten, weil diese im Krieg ihr Leben verloren.
Offenkundig haben viele Schülerinnen/Schüler und junge Erwachsene in Deutschland auch verstanden, dass der Krieg kein regenbogenfarbenes und wokes Adventure-Videospiel am Computer, Tablet oder Smartphone ist, sondern aus diesem “Spiel” bzw. dieser “App” realer blutiger und tödlicher Ernst werden kann und es dann vor allem sie sein werden, die im Namen der Freiheit und der Demokratie an der Front nicht nur kämpfen und im Winter auch einmal frieren, sondern auch (einmal) sterben werden. Frieren kann man in der Tat mehrmals, erfrieren und sterben kann man nur einmal. Ob das alle ehemaligen Pastoren und Pastorentöchter aus der ehemaligen DDR wissen, die ständig und überall von Freiheit reden, aber erst 1990 auf den fahrenden Zug der Freiheit aufgesprungen sind nachdem die innerdeutsche Mauer bereits gefallen war?
Frank-Walter Steinmeier ist Geburtsjahrgang 1956, Friedrich Merz wurde 1955 geboren, Boris Pistorius 1960. Im Vergleich dazu gehören Politiker wie Markus Söder (Geburtsjahrgang 1967), Lars Klingbeil (Jahrgang 1978) und die ehemalige nato-olivgrüne Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Jahrgang 1980) schon zu den “Jüngeren”, aber man kann begründete Zweifel daran haben, dass sie im Ernstfall an der Front den eigenen Kopf hinhalten werden. Dabei könnten ja die Frisur, das Make-Up und die teuren Schuhe leiden.
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Schmiedel
Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten
Die NachDenkSeiten freuen sich über Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen Länge und mit einem eindeutigen Betreff.
Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:
Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer „Gebrauchsanleitung“.
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=151194