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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Datum: 14. Juni 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Medien und Medienanalyse, Medienkritik, Rezensionen
Verantwortlich: Redaktion
Der Mann, der sich auf 226 Seiten Gedanken über den Zustand des ÖRR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) macht, schaut nicht von außen auf diese Konstruktion. Tilo Bernhardt war rund 20 Jahre selbst Teil des Systems. Seine Intention ist es, nicht bei der Darstellung der „Ist-Situation“ und deren kritikwürdiger Zustände zu verharren, sondern konstruktiv zu sein. Während seiner aktiven Zeit als Journalist bei diversen Formaten von Phönix, ZDF und SWR seien ihm Kritik und konstruktive Vorschläge nicht „erlaubt“ worden. Er holt dies nun in seinem Buch „Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ nach. Eine Rezension von Anette Sorg.
Im Medienstaatsvertrag lesen wir: „Der öffentlich-rechtliche Programmauftrag ist der gesetzlich verankerte Auftrag der Rundfunkanstalten (wie ARD, ZDF und Deutschlandradio), durch ihre Angebote zur freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Er verpflichtet die Sender, ein umfassendes Gesamtangebot an Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung bereitzustellen.“
Es überrascht nicht, dass bei seiner Analyse der amerikanische Journalist Walter Lippman zitiert wird (1922): „Zwischen der Welt und den Menschen stehen die Medien.“ Die Selbstzensur der Journalisten untermauert der Autor mit Noam Chomskys Propagandamodell, in welchem der US-amerikanische Linguist die Filter beschreibt, die seiner Ansicht nach zu einem Nicht-Funktionieren der Massenmedien führten.
Seine sieben Vorschläge, die zu einem besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk führen sollen, werden im Folgenden skizziert:
Die Kritik, die andere Rezensenten von Bernhardts Buch geäußert haben, teile ich: Produktionsgesellschaften, undurchsichtige Kostenstrukturen oder die häufig kritisierten enormen Gehälter und Pensionszahlungen werden zu oberflächlich abgehandelt. Eine Reform des ÖRR darf diese Themen nicht ignorieren.
Trotzdem sind Tilo Bernhardts Reformvorschläge empfehlenswert, weil er sie mit vielen Beispielen aus seiner aktiven Tätigkeit beim ÖRR bereichert und weil sie wirklich konstruktiv sind. Seine Quellenangaben finden sich als Fußnoten und müssen nicht mühsam am Ende des Buches gesucht werden.
Unter seinem siebten Reformvorschlag zitiert der Autor den Soziologen Hartmut Rosa. Das Zitat eignet sich hier wunderbar als Schlussakkord:
„Dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk sollte es darum gehen, Geschichten zu erzählen, die verbinden und die nicht weiter fragmentieren. Die Sender könnten ein Ort sein, wo sich Menschen unterschiedlichster Couleur begegnen, wo sie miteinander sprechen und sich zuhören, wo Argumente sachlich ausgetragen werden.“
Ergänzende Informationen zur Kritik am ÖRR:
„… Die ehemaligen NDR-Mitarbeiter Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer haben seit 2014 mehr als 400 Programmbeschwerden eingereicht, die insbesondere die Berichterstattung der „Tagesschau“ betrafen. Alle wurden abgelehnt. Auch der Verein Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien unter Leitung von Maren Müller führt auf seiner Webseite die eigenen sowie eine Sammlung von Beschwerden externer Beschwerdeführer auf. Es ist die absolute Ausnahme, wenn einer Programmbeschwerde recht gegeben wird. Und selbst dann erfolgt nicht zwangsläufig eine Korrektur im Programm …“
Tilo Bernhardt: Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Marburg an der Lahn 2026, Schüren Verlag GmbH, Taschenbuch, 226 Seiten, ISBN 978-37410-03042, 20 Euro.
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