Der Auftritt von Friedrich Merz bei Instagram erinnert an die Kommunikation der „Aktuellen Kamera“ in der DDR. Die Realität findet bei den Social-Media-Kanälen des Bundeskanzlers in den Kommentarspalten statt. Von Dirk Engelhardt.
„Soziale Medien“ sollen in Deutschland für Kinder unzugänglich sein – das ist die Empfehlung einer Expertenkommission für das Bundesfamilienministerium, die die Bundesregierung nun weiterverfolgen will. Über die Pros und Kontras eines Social-Media-Verbots für Kinder wurde viel diskutiert. Außer Acht wird dabei jedoch meist die Frage gelassen, wie ein solches Verbot umgesetzt werden soll. Eins ist klar – wer Kinder oder Jugendliche aussperren will, muss erst einmal herausfinden, wer überhaupt vor dem Bildschirm sitzt. Das heißt: Alle Nutzer müssen sich, in welcher Form auch immer, identifizieren. Kommt über den Umweg des Kinderschutzes nun das Ende der Anonymität im Internet? Von Jens Berger.
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Normal scheint inzwischen zu sein, braven Bürgern die Militarisierung unserer Gesellschaft Tag für Tag ohne Einspruch und Bedenken zu verklickern. Die „Normalität“ erlebt Bürger selbst bei kleinen Alltagsmomenten, beim Kauf einer Tageszeitung zum Beispiel. Die Sächsische Zeitung an einem Kiosk mitnehmen ist das eine, man will ja informiert sein. Die Schlagzeile „Freistaat ruft Space Saxony aus“ lesen ist das andere. Bei der Lektüre unverdächtig sachlich wirkender Zeilen fällt dem Leser womöglich das Schwärmen der Redaktion für den Umbau einer Industrielandschaft in einen Kriegswirtschaftsstandort gar nicht auf. Patriotisch wird er meinen: Endlich geht es aufwärts. Im Ernst? Ein Zwischenruf von Frank Blenz.
„Reichen 5.000 Soldaten aus Deutschland, um Russland abzuschrecken?“ Diese Frage stellt eine ARD-Redakteurin bei einem Interview mit Verteidigungsminister Boris Pistorius in der Sendung „Berlin direkt“. Wie wäre es, wenn die ARD zukünftig Interviews mit dem Verteidigungsminister gleich von der Pressestelle der NATO führen lassen würde? Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
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Das ZDF stapelt aktuell schlechte Schlagzeilen in eigener Sache: eine juristische Niederlage im Fall Arne Schönbohm, eine Unterlassungserklärung gegenüber Elon Musk, eine Zustimmung des Senders zu US-Sanktionslisten. Das erinnert zusätzlich an die kürzlich besonders unseriöse USA-Berichterstattung des Senders, etwa zu Charlie Kirk oder ICE. Ist das ZDF ein hoffnungsloser Fall? Ein Kommentar von Tobias Riegel.
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Am 10. Juni 2026 sprach der Rechtsanwalt Alexander Gorski im Berliner GEW-Haus (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) auf Einladung der AG Frieden in der GEW Berlin und der Jungen GEW Berlin zum Thema: „Staatsräson vs. Rechtsstaat – Erleben wir eine autoritäre Wende in Deutschland?“. Gorski gibt in seinem Vortrag Einblicke in den Fall Doğru aus anwaltlicher Sicht und thematisiert die autoritären Entwicklungen in Deutschland und das Migrationsrecht als Repressionsinstrument. Hierzu berichtet er auch vom Fall des Deutsch-Palästinensers Abdallah A., der aufgrund von Social-Media-Posts ausgebürgert wurde und stellt dies in einen historischen Kontext in Deutschland. Die Frage im Titel nach einer autoritären Wende in Deutschland beantwortet er dabei deutlich mit „Ja“.
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„Russland wird ein solches Risiko nicht eingehen“ – das sagt US-General Alexus Grynkewich zu an die Wand gemalten Angriffen Russlands auf ein NATO-Land. Der US-General ist der (tatsächliche) Oberbefehlshaber der NATO in Europa und er widerspricht damit Behauptungen der militaristischen „Zeitenwende“. Trotzdem – oder gerade deswegen – lassen Tagesschau und Heute-Journal die Äußerungen bisher einfach unter den Tisch fallen. Das nennt man Propaganda durch Weglassen. Ein Kommentar von Tobias Riegel.
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„Der Wehrdienst darf jedenfalls nicht schlechtgemacht werden“ – diese Auffassung vertritt in einem Kommentar Susanne Kusicke, Redakteurin der Politik. Bereits die unterkomplexe Formulierung „schlechtmachen“ lässt erahnen, dass hier der Gegenstand der Diskussion nicht erfasst wird. So ist ein Kommentar entstanden, der gegen die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ und die „Linkspartei“ keilt und durch die Abwesenheit stichhaltiger Argumente glänzt. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
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Der Mann, der sich auf 226 Seiten Gedanken über den Zustand des ÖRR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) macht, schaut nicht von außen auf diese Konstruktion. Tilo Bernhardt war rund 20 Jahre selbst Teil des Systems. Seine Intention ist es, nicht bei der Darstellung der „Ist-Situation“ und deren kritikwürdiger Zustände zu verharren, sondern konstruktiv zu sein. Während seiner aktiven Zeit als Journalist bei diversen Formaten von Phönix, ZDF und SWR seien ihm Kritik und konstruktive Vorschläge nicht „erlaubt“ worden. Er holt dies nun in seinem Buch „Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ nach. Eine Rezension von Anette Sorg.
Savita Wagner – eine deutsche Frau, die bereits vor über zwei Jahren als Kampfsanitäterin in der Ukraine ihr Leben verlor -, wurde mit zwei Ausstellungen in Bonn geehrt und der Sender Arte hat einen Propagandafilm zu ihr ausgestrahlt. Das gibt Anlass, über Savita Wagner und den Begriff des „Helden“ nachzudenken. Von Franz Heinbach.
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Die Tagesschau hat einen aktuellen Bericht über „De-Banking“ und das Recht von Bürgern auf ein Bankkonto gebracht. Dabei schafft es die Redaktion, US-Sanktionen zu skandalisieren, aber die EU-Sanktionen und Konto-Sperrungen gegen den deutschen Journalisten Hüseyin Dogru gar nicht zu erwähnen. Ein Paradebeispiel an doppelten Standards. Ein Kommentar von Tobias Riegel.
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Heute startet die Fußball-WM der Männer. „WM-Shaming“ ist in Mode. Und es stimmt ja: Die FIFA ist problematisch, die Preise sind hoch, die Weltlage bedrohlich. Auch wird die Veranstaltung sicher von den falschen Politikern als Ablenkung ausgeschlachtet werden. Trotzdem: Freut euch, schmeißt den Grill an und sagt auch noch den Nachbarn Bescheid. Die Fußball-WM ist eine gute Gelegenheit, um sich mal wieder unverbindlich zu begegnen. Nach den Spielen kann man sich immer noch (gesittet) über Israel oder Russland streiten. Ein Kommentar von Tobias Riegel.
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Oft sind es nicht die offensichtlich politischen Entscheidungen, die unabhängige Medien vor Herausforderungen stellen, sondern scheinbar „technische“ Vorgänge im Hintergrund. Nachdem die als „De-Banking“ bekannte Praxis, kritischen Stimmen Bankkonten zu kündigen, bereits traurige Bekanntheit erlangt hat, geraten inzwischen auch technische Dienstleister zunehmend in den Fokus. Kündigungen von Verträgen können im Einzelfall existenzbedrohende Folgen haben. Die NachDenkSeiten sind aktuell mit einer Entwicklung konfrontiert, die genau dies verdeutlicht. Dank unseres großartigen Teams und unserer fantastischen Leser und Unterstützer konnten wir die Krise jedoch als Chance ergreifen und uns dadurch unabhängiger machen.
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Die Situation in der Ukraine ist brenzlig. Russische Politiker sprechen öffentlich über die Bedingungen, unter denen Russland Atomwaffen einsetzen wird. Das russische Außenministerium gab bekannt, dass Kiew jetzt „systematisch“ bombardiert wird. Nach zwei schweren russischen Raketenangriffen auf Kiew am 24. Mai und am 2. Juni – laut Wladimir Putin eine „Strafe“ für den ukrainischen Drohnenangriff auf ein Schülerwohnheim – traf NATO-Chef Mark Rutte am 3. Juni in Kiew ein. Eine Analyse von Ulrich Heyden (Moskau).
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