Kategorie:
Rezensionen

Souveränität durch bewaffnete Neutralität: Das Vorbild Schweiz

Souveränität durch bewaffnete Neutralität: Das Vorbild Schweiz

Grundlage der Souveränität – als wesentlicher Teil von Freiheit – ist die Möglichkeit, unabhängig von anderen über seine eigenen Geschicke zu entscheiden. Für Staaten gilt hier das Gleiche wie für Organisationen und Menschen: je souveräner, desto freier ist man. Als Teil von Staatenblöcken ist die einzelstaatliche Souveränität automatisch eingeschränkt, vor allem, je enger die Bindung innerhalb der Blöcke ist. Dies gilt für Militärbündnisse mit gegenseitigen militärischen Beistandsgarantien ebenso wie für eng verflochtene politische oder wirtschaftliche Staatenbündnisse mit Machtübertragung auf die höhere Ebene. In allen drei Fällen wird den Einzelstaaten ein wesentlicher Teil ihrer Souveränität und damit ihrer Freiheit genommen. Eine Rezension von Michael Kraus.

Daniele Ganser: Mächte im Machtkampf und wir mittendrin

Daniele Ganser: Mächte im Machtkampf und wir mittendrin

Wer die heutige vertrackte Weltlage verstehen will, sollte dieses Buch lesen: „Kampf der Giganten“ von Daniele Ganser. Aufschlussreich und voller Details, die viele nicht kennen, beleuchtet es die Hintergründe heutiger Konflikte – und das global. Interessant ist dabei, wie China, Russland und die USA ihre jeweiligen Gründe haben, sehr unterschiedlich auf die internationale Politik zu blicken. Eine Rezension von Irmtraud Gutschke.

Moralisierung und Macht

Moralisierung und Macht

Ob Militarisierung, Mediengezänk oder Zerstrittenheit im Privaten, auf anregende Weise ist Stephan Erdmann in seinem neuen Buch „Moral: Die Mär von Gut und Böse“ Zusammenhängen auf der Spur. Denn immer wieder geht es um „Moral“, welche unreflektiert Gültigkeit beansprucht, „obwohl sie immer nur auf regionalen, sozialen, zeitlich und räumlich begrenzten Vereinbarungen beruht“ und je nach Konstellation veränderbar ist. Der daraus entstehende Gruppenzwang ist im Interesse der Macht. Ein imaginäres „Wir“ wappnet sich gegen die „Anderen“. Emotionen schießen hoch. Nicht nur jede Differenzierung wird an den Rand gedrückt, sondern überhaupt ein rationales Herangehen, welches nach Lösungen sucht. Eine Rezension von Irmtraud Gutschke.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Sachbuch „Surveillance Valley“ – Über die geheime Militärgeschichte des Internets

Sachbuch „Surveillance Valley“ – Über die geheime Militärgeschichte des Internets

Das Internet ist aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Je mehr aber die Technologie das Leben bestimmt, desto stärker verblassen die Erinnerungen an ihren Ursprung. Wer die heutigen Geschichtsbücher aufschlägt, findet dort Erklärungen, die die eigentlichen Ursachen verdecken. Der in Russland geborene US-Journalist Yasha Levine hat nun den wahren Grund herausgefiltert. In seinem bislang nur auf Englisch vorliegenden Buch „Surveillance Valley“ legt er dar, was das Internet heute ist und als was es von Anfang an gedacht war: eine Waffe. Eine Rezension von Eugen Zentner.

„Rasende Zerstörung“: Durchblick inmitten von Kriegshysterie

„Rasende Zerstörung“: Durchblick inmitten von Kriegshysterie

Hochkarätig: Ein Band wie dieser ist etwas Besonderes auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Unter dem Titel „Rasende Zerstörung“ beleuchten 21 Autorinnen und Autoren auf ebenso kompetente wie detaillierte Weise die derzeitige Situation in der Welt. „Wirtschaftliche, politische und psychosoziale Folgen der Kriegsvorbereitung“ – nicht nur Psychologen, wie die Herausgeberschaft der Neuen Gesellschaft für Psychologie vermuten ließe, sondern auch Politikwissenschaftler, Philosophen, Juristen, Pädagogen kommen zu Wort. Eine Rezension von Irmtraud Gutschke.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Druckfrisch: „Kriegstüchtig an allen Fronten“

Druckfrisch: „Kriegstüchtig an allen Fronten“

Seit nunmehr drei Jahrzehnten dokumentiert die „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) in Tübingen mit ihren aufklärenden Veröffentlichungen eine fortschreitende Militarisierung der Außenpolitik. Den jüngsten, hochexplosiven Komplex dieser „Chronik“ erschließt jetzt das profunde Sachbuch „Kriegstüchtig an allen Fronten“ des Politikwissenschaftlers, Historikers und IMI-Vorstandsmitglieds Jürgen Wagner. Eine Rezension von Peter Bürger.

Fazis und Mitchells „Wie wir den Staat zurückgewinnen“ – das Standardwerk der postkeynesianischen Literatur gibt es nun auch auf Deutsch

Fazis und Mitchells „Wie wir den Staat zurückgewinnen“ – das Standardwerk der postkeynesianischen Literatur gibt es nun auch auf Deutsch

Der Promedia Verlag des österreichischen Historikers Hannes Hofbauer gibt seit geraumer Zeit Bücher aus den Bereichen Ökonomie, Politik und Gesellschaft mit klar keynesianischer Perspektive heraus. In der Edition Makroskop, wie die Buchreihe heißt, ist zuletzt auch das Werk „Wie wir den Staat zurückgewinnen. Souveränität in einer Welt nach dem Neoliberalismus“ des italienischen Journalisten Thomas Fazi und des australischen Ökonomen William Mitchell erschienen. Das Buch ist die deutsche Übersetzung von „Reclaiming the State: A Progressive Vision of Sovereignty for a Post-Neoliberal World“ aus dem Jahr 2017, einem Grundlagenwerk der postkeynesianischen Ökonomie. Die Autoren widersprechen darin dem selbst unter Linken weit verbreiteten Glauben, dass im Zeitalter der Globalisierung keine nationale Wirtschaftspolitik mehr möglich ist. Als Gegenentwurf zum globalen Neoliberalismus schlagen sie die Modern Monetary Theory (MMT) vor, eine Spielart des Postkeynesianismus, die vor allem in den 2010er-Jahren für Furore sorgte. Eine Rezension von Thomas Trares.

Verfassungswidrig – Eine zeitgeschichtliche Studie zum KPD-Verbot

Verfassungswidrig – Eine zeitgeschichtliche Studie zum KPD-Verbot

70 Jahre sind ins Land gegangen und das verfassungswidrige KPD-Verbot vom 17. August 1956 besteht weiterhin. In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren wurden danach viele linksdemokratische Kräfte, die sich gegen die Wiederbewaffnung der BRD, die Atombewaffnung der Bundeswehr, die Notstandsgesetzgebung, die staatliche DDR-Anerkennung und/oder den NATO-Doppelbeschluss engagierten, strafrechtlich verfolgt oder beruflich ausgeschlossen. Heute werden wieder ähnliche Argumentationen wie in dem Verbotsurteil und dem Radikalenerlass angewandt, um „rechte“, konservative Kräfte zu diskriminieren – und zwar von den Kräften, die sich unberechtigterweise auf linksdemokratische bundesdeutsche Bewegungen, Aktivitäten und Personen berufen. Deshalb ist es wichtig, sich mit dem angeblich „toten Hund“ KPD-Verbot zu beschäftigten. Die folgende, schon vor zehn Jahren veröffentlichte Rezension über Foschepoths 2017 veröffentlichte Studie „Verfassungswidrig!“ kann dazu anregen. Ein Beitrag von Wilma Ruth Albrecht.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Das Militär und das Klima: Heuchelei, Betrug, Verbrechen

Das Militär und das Klima: Heuchelei, Betrug, Verbrechen

Empörung, untermauert von Fakten-Fülle: In seinem Buch „Militär, Rüstung, Klima“ legt Olaf Achilles das Ergebnis von 35 Jahren Forschung vor – in der Hoffnung, die Öffentlichkeit zu mobilisieren gegen eine Politik, die heuchlerisch mit Klimazielen hantiert, wohl wissend, wie diese im militärischen Bereich ad absurdum geführt werden. Von Irmtraud Gutschke.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Anthologie „Mut zum Widerspruch“ – Erfahrungsberichte, die schaudern lassen

Anthologie „Mut zum Widerspruch“ – Erfahrungsberichte, die schaudern lassen

Seit einigen Jahren sind wieder autoritäre Tendenzen zu beobachten. Sie gehen nicht nur von staatlichen Institutionen aus, sondern auch von Leitmedien und der sogenannten Zivilgesellschaft, hinter der sich meist ideologisch verhärtete Aktivisten verbergen. Diese Instanzen geben vor, wie man zu sprechen, zu denken und zu handeln hat. Wer diese Gebote nicht befolgt, wird bekämpft, bisweilen mit rabiaten Mitteln. Der Konformitätsdruck ist groß geworden, und immer weniger Menschen wollen oder können ihm standhalten. Breitflächige Anpassung birgt jedoch Gefahren, für Individuum und Gesellschaft. Widerspruch muss sein, damit Demokratie gedeihen kann. Dafür plädiert eine Anthologie aus dem Hause discorso. Eine Rezension von Eugen Zentner.

Ein tragisches Buch: „Warum ich geschworen habe, für mein Land zu kämpfen“

Ein tragisches Buch: „Warum ich geschworen habe, für mein Land zu kämpfen“

David Matei hat ein Buch geschrieben. Es ist ein tragisches Buch geworden. Nicht, weil es den Titel „Deutschland ist es wert: Warum ich geschworen habe, für mein Land zu kämpfen“ trägt, sondern weil es Zeile für Zeile zeigt, was passiert, wenn ein Autor seine Grundhaltung auf Ignoranz und Unwissen stützt. Während im Hintergrund ein hochkomplexer geopolitischer Konflikt zwischen der NATO und Russland abläuft, lässt sich das schwierige Thema Landesverteidigung nicht mit einem Buch erfassen, das alles ausklammert, was nicht ins Weltbild passt. Unfreiwillig wird das Buch zum Abbild einer 160 Seiten umfassenden Gegenwartsdiagnose. Borniertheit und intellektuelle Laxheit fluten den Debattenraum, Überzeugungen verdrängen fundierte Argumente. Die Tragik des Buches ist zugleich eine Tragik dieser Zeit. Eine Rezension von Marcus Klöckner.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Fabio de Masis „Geld, Macht, Verbrechen“ – wie ein Politiker zum Finanzdetektiv wird und Wirtschaftskriminelle zur Strecke bringt

Fabio de Masis „Geld, Macht, Verbrechen“ – wie ein Politiker zum Finanzdetektiv wird und Wirtschaftskriminelle zur Strecke bringt

Auf dem Buchdeckel ist zur Hälfte das Gesicht des Autors zu sehen: modischer Kurzhaarschnitt, gepflegter Vollbart, klarer, scharfer Blick. Das Buch heißt „Geld, Macht, Verbrechen“. Es könnte vom ersten Eindruck her der neueste Thriller eines Krimiautors sein oder das Enthüllungsbuch eines Steuerfahnders. Aber nein, es ist das Erstlingswerk des früheren Linken-Politikers und heutigen BSW-Vorsitzenden Fabio de Masi, das jetzt im Rowohlt Verlag erschienen ist. Der Vergleich mit einem Kriminalroman ist dennoch angebracht. Denn de Masi erzählt von den großen Finanzskandalen der vergangenen Jahre, die er aus nächster Nähe miterlebt hat, von Wirtschaftskriminellen, von Organisierter Kriminalität und von Geheimagenten und Geopolitik – und ein bisschen auch von sich selbst. Von Thomas Trares.

Die Kunst des Verstehens: Ein Werkzeugkasten für Gespräche mit Andersdenkenden

Die Kunst des Verstehens: Ein Werkzeugkasten für Gespräche mit Andersdenkenden

Peter Boghossian und James Lindsay haben mit „Die Kunst, schwierige Gespräche zu meistern“ von 2020 ein ungewöhnlich praktisches Handbuch vorgelegt: über 30 benannte Techniken, mit denen sich Gespräche über fundamental unterschiedliche Weltanschauungen führen lassen, ohne in Streit zu enden. Die zentrale These der Autoren lautet, dass echte Meinungsänderung seltener durch bessere Fakten und Argumente gelingt als durch aufrichtiges Zuhören und gezielte Fragen, die dem Gegenüber Raum geben, die eigene Position selbst zu hinterfragen. Dieses fesselnde Buch gehört zu den nützlichsten Werken zum Thema Gesprächsführung der letzten Jahre – klug, gut lesbar und stellenweise wissenschaftlich fundierter, als man es dem Genre zutraut. Zugleich zeigt es blinde Flecken gerade dort, wo man sie bei einem Buch über intellektuelle Redlichkeit am wenigsten erwarten würde. Eine Rezension von Michael Holmes.

Klaus von Dohnanyi und Erich Vad: Die EU darf nicht zur ‚Geisel‘ der Ukraine werden

Klaus von Dohnanyi und Erich Vad: Die EU darf nicht zur ‚Geisel‘ der Ukraine werden

Wie können wir der Gefahr entgehen, dass sich der Krieg in der Ukraine zu einem großen europäischen Krieg ausweitet? „Frieden – Wie geht das?“ In diesem Buch sind Klaus von Dohnanyi und Erich Vad über diese schwierige Frage im Gespräch. Auf Grundlage einer nüchternen Einschätzung der Lage und im Verständnis von Geopolitik und Macht plädieren sie für politische Klugheit gemäß der Verpflichtung des Grundgesetzes, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Von Irmtraud Gutschke.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Der Mann, der sich auf 226 Seiten Gedanken über den Zustand des ÖRR (öffentlich-rechtlicher Rundfunk) macht, schaut nicht von außen auf diese Konstruktion. Tilo Bernhardt war rund 20 Jahre selbst Teil des Systems. Seine Intention ist es, nicht bei der Darstellung der „Ist-Situation“ und deren kritikwürdiger Zustände zu verharren, sondern konstruktiv zu sein. Während seiner aktiven Zeit als Journalist bei diversen Formaten von Phönix, ZDF und SWR seien ihm Kritik und konstruktive Vorschläge nicht „erlaubt“ worden. Er holt dies nun in seinem Buch „Sieben Vorschläge für einen besseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ nach. Eine Rezension von Anette Sorg.