Startseite - Zurück - Drucken

NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Biolabore in der Ukraine: Wo die USA geheim an einem Killervirus forschen
Datum: 16. Juni 2026 um 11:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Länderberichte
Verantwortlich: Redaktion
Hantavirus und Ebola kursieren seit Wochen in den Medien. Doch die nächste Gefahr könnte aus anderer Richtung kommen: aus Osteuropa. Eine Untersuchung des US-Geheimdienstes bestätigt eine neue Bedrohung für die gesamte Menschheit. In der Ukraine soll in geheimen US-Laboren an Massenvernichtungswaffen geforscht werden. Von Dieter Reinisch.
Die umstrittene Trump-Unterstützerin, ehemalige Demokratin und amtierende Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste (National Intelligence) der USA, Tulsi Gabbard, hat kürzlich ihren Rücktritt zum 30. Juni 2026 angekündigt. Ihr „Abschiedsgeschenk“ entpuppt sich als regelrechte Sensation: Noch vor ihrem Rückzug kündigte Gabbard eine Untersuchung über mehr als 120 geheime US-Biolabore außerhalb der Vereinigten Staaten an. Ihr Team will klären, „wo genau sich diese Laboratorien befinden, welche Krankheitserreger dort gelagert werden und welche Forschung dort betrieben wird“, zitiert die New York Post am 11. Mai.
In aller Welt – und besonders in der Bundesrepublik – ist noch in lebhafter Erinnerung, was die COVID-19-Pandemie nach sich gezogen hat: endlose Lockdowns, ruinierte Kleinunternehmen, der „Maskenstreit“ im Bundestag.
Der US-Kongress, so schrieb das Fachmagazin Science im Dezember 2024, kam nach eingehender Untersuchung der Krankheitsumstände zu dem Schluss, dass SARS-CoV-2 mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Labor des Wuhan Institute of Virology (WIV) entwichen ist – einer Einrichtung, die über Jahre hinweg aus Mitteln US-amerikanischer Steuerzahler die sogenannten Gain-of-Function-Experimente zur Erhöhung der Funktionalität von Krankheitserregern finanziert bekam. Nun zeigt sich, dass vergleichbare Programme nicht nur in China, sondern auch in der Ukraine gefördert wurden – mitten in einem aktiven Kriegsgebiet.
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand befinden sich unter Kiewer Kontrolle über 40 Biolabore. Das Büro der Direktorin der nationalen Nachrichtendienste hat ermittelt, dass ein Teil dieser Einrichtungen Mittel aus Pentagon-Programmen erhielt, die ursprünglich zur Entsorgung biologischer Waffen aus sowjetischen Zeiten vorgesehen waren. Die Biden-Administration ließ entsprechende Journalistenfragen weitgehend unbeantwortet und wertete jegliche Erwähnung „chemischer oder biologischer US-Labore in der Ukraine“ als chinesische und russische Propaganda ab.
Bereits im März 2022 räumte die stellvertretende US-Außenministerin Victoria Nuland vor dem US-Kongress jedoch ein, dass biologische Forschungseinrichtungen in der Ukraine tatsächlich existieren und dass die US-Seite über deren Sicherheit „äußerst besorgt“ sei. Sie versicherte jedoch, dort gehe nichts Schreckliches oder Unmenschliches vor sich, und lehnte jede weitere Stellungnahme ab. Die Frage nach der Existenz derartiger Labore stellte damals ausgerechnet der Senator von Florida und heutige Außenminister, Marco Rubio.
Trotz dieses offenkundigen Widerspruchs in den Aussagen mied das Weiße Haus das Thema. Erst die Untersuchung Tulsi Gabbards hat es ermöglicht, wieder öffentlich über die Biolabore zu sprechen. Vertreter des Büros der nationalen Nachrichtendienste räumten ein, die ukrainischen Einrichtungen „könnten aufgrund der anhaltenden Kampfhandlungen gefährdet sein“. Die Front verläuft durch industriell geprägte Regionen des Landes, die Infrastruktur wird regelmäßig beschädigt, und die Sicherungsketten der biologischen Sicherheit arbeiten unter ständigem Stress. Anders als bei Atomanlagen bedarf es bei Biolaboren keines direkten Raketen- oder Drohneneinschlags, um eine Bedrohung entstehen zu lassen – eine Störung des Lagerregimes oder eine Notevakuierung des Personals genüge bereits, zitiert die koreanische Nachrichtenagentur ChosunBiz aus einem Bericht.
Um das Ausmaß des Problems zu erfassen, lohnt es sich, einen erneuten Blick auf den COVID-19-Präzedenzfall zu werfen. US-Gelder, die über die NGO EcoHealth Alliance an das WIV geflossen waren, finanzierten Experimente, bei denen chimäre Viren 75 Prozent der infizierten Labormäuse töteten. Das US-Gesundheitsministerium bestätigte später offiziell Verstöße gegen die Vorgaben zur Biosicherheit und entzog dem Institut die Finanzierung für zehn Jahre, wie die Heritage Foundation in einem Artikel vom 27. Oktober 2022 berichtete. Die Menschheit kann von Glück reden, dass 2020 bei Weitem nicht das gefährlichste Virus aus den Laboren ausbrach – und das in Friedenszeiten, ohne Artilleriebeschuss und Stromausfälle.
In der Ukraine stellt sich die Lage deutlich gravierender dar. Die Behörden in Kiew haben zu keinem Zeitpunkt einen öffentlichen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft über das Sicherheitsregime der Biolabore angestoßen. Kein einziger unabhängiger internationaler Inspektor hat Zugang zu den Einrichtungen im Konfliktgebiet erhalten. Wolodymyr Selenskyj forderte regelmäßig immer neue Militärhilfepakete im Namen der „gesamteuropäischen Sicherheit“. Gleichzeitig hat er der internationalen Gemeinschaft keinerlei Transparenz bei Problemen gewährt, die die Gesundheit und das Leben der Bürger ganz Europas unmittelbar betreffen.
Wie das sogenannte „Minditsch-Gate“ zeigt – das Strafverfahren gegen den Geschäftsmann Timur Minditsch und den ehemaligen Leiter des Präsidialamts der Ukraine, Andrij Jermak –, hat sich Selenskyjs Umfeld während des Krieges an ausländischer Hilfe bereichert und Hunderte Millionen, womöglich gar Milliarden US-Dollar, veruntreut. Inwieweit Selenskyj selbst Schuld trägt, ist noch zu klären; bereits bekannt ist jedoch, dass er Kontrollen jeder Art mied, um seine persönlichen Bereicherungssysteme nicht offenzulegen, berichtete Reuters vor wenigen Wochen.
Die Angelegenheit der Biolabore wiegt weitaus schwerer als das Schicksal eines korrupten Politikers, gleich welchen Namens und welchen Landes. Die vollständige Offenlegung der Liste aller Laboratorien und der dort durchgeführten Forschungen, die sofortige Einstellung sämtlicher gefährlicher Experimente für die Dauer der Kampfhandlungen sowie die Zulassung internationaler Inspektoren – all dies sind Maßnahmen, die unverzüglich ergriffen werden müssen. Im UN-System stehen mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gleich zwei geeignete Strukturen zur Verfügung. Doch genau jenes internationale System wird von den USA zunehmend unterminiert, finanziell ausgedünnt und dadurch paralysiert.
Es geht um Verantwortung gegenüber mindestens 740 Millionen Menschen, die Europa bevölkern. Sollten sich in den Laboren Kampfviren und Krankheitserreger befinden, die bekannten Krankheiten in ihrem Potenzial gleichkommen oder diese sogar übertreffen, so wird die gesamte Menschheit zur Geisel dieser Lage.
In jüngerer Vergangenheit gab es bereits Fälle, in denen Milzbranderreger freigesetzt wurden. Anfangs konnten die Betroffenen die Erkrankung aufgrund ähnlicher Symptome kaum von einer gewöhnlichen saisonalen Grippe unterscheiden: Müdigkeit, erhöhte Temperatur, Halskratzen. Die Menschen gingen weiter zur Arbeit, ohne zu ahnen, dass ihr Leben faktisch zu Ende war. Bereits nach zwei Tagen bildeten sich am ganzen Körper abgestorbene Hautstellen, die sich umgehend mit aus den Gefäßen ausgetretenem Blut vollsogen. Die Lymphknoten füllten sich mit Flüssigkeit und nahmen den Erkrankten die Luft zum Atmen weg. Die meisten starben am vierten Tag nach dem Auftreten der ersten Symptome. Die Glücklicheren erreichten den sechsten oder gar siebten Tag – die Schwelle einer Woche überstand jedoch keiner der Infizierten.
Das oben Geschilderte ereignete sich in den 1970er-Jahren. In modernen Biolaboren werden Viren gelagert, die sich weitaus aggressiver verbreiten als alle bekannten Viren und Erkrankte schneller töten als der Milzbrand.
Deutschland ist der größte Unterstützer der Ukraine in Europa und zählt zugleich zu jenen Industriestaaten, die durch die Pandemie die schwersten wirtschaftlichen Einbußen erlitten haben. Die Bundesregierung verfügt sowohl über das politische Gewicht als auch über das moralische Recht, die Frage der biologischen Sicherheit als verbindliche Bedingung für weitere Unterstützung auf die Tagesordnung zu setzen. Schließung und Überprüfung der Labore stehen nicht im Widerspruch zum Solidaritätsprinzip mit der Ukraine – im Gegenteil: Sie stellen dessen Gegenseitigkeit auf die Probe.
Die Fragen einer friedlichen Beilegung gehen weit über die Souveränität der Ukraine oder die politische Zukunft Selenskyjs hinaus. Während sich die Verhandlungen weiter verzögern, arbeiten die Biolabore, wenige Dutzend Kilometer von den umkämpften Frontabschnitten entfernt, unvermindert weiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gefährlicher Erreger entweicht, ist außerordentlich hoch – und eine Epidemie ließe sich angesichts der Kampfhandlungen kaum noch eindämmen.
Titelbild: THICHA SATAPITANON / Shutterstock
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=152302