NachDenkSeiten – Die kritische Website

Titel: „Das Entscheidende waren die schönen Bilder“ – O-Töne zum G7-Gipfel in Évian

Datum: 23. Juni 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Militäreinsätze/Kriege
Verantwortlich:

Die Top-Vertreter der G7-Staaten feiern den Gipfel im französischen Évian-les-Bains als einen großen Erfolg: Es sei ihnen gelungen, US-Präsident Trump im Ukraine-Konflikt endlich auf ihre Seite zu bekommen, hieß es. Als „Gegenleistung“ sollen die Europäer Trump „aus dem Schlamassel helfen, das er im Iran angerichtet hat“. Außerdem sollte der Gipfel der restlichen Welt zeigen, dass das G7-Format noch etwas tauge. Doch noch bevor das Treffen mit einem pompösen Empfang im Schloss von Versailles gekrönt wurde, waren selbst aus deutschen „Leitmedien“ skeptische Stimmen zu vernehmen: „Trump wäre nicht Trump, wenn schon morgen einiges anders sein könnte.“ Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


Externer Inhalt

Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen.


US-Präsident Donald Trump am 15. Juni 2026

US-Präsident Donald Trump erscheint mit einer einstündigen Verspätung zur ersten Sitzung der G7. Statt sich dafür zu entschuldigen, erklärt er: „I am the Boss!“

(Quelle: MIRROR NOW, ab Minute 0:12)


Bundeskanzler Friedrich Merz am 16. Juni 2026

„Die Ukraine hat sich nicht zuletzt dank massiver europäischer und auch deutscher Hilfe eine neue Position der Stärke erkämpft. Und aus meiner Sicht ist jetzt ziemlich klar: Russland kann diesen Krieg militärisch nicht gewinnen. Außerdem ächzt die russische Wirtschaft unter diesem Krieg, auch unter der Last der Sanktionen. Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen. Diese Chance wollen wir jedenfalls als G7-Partner gemeinsam nutzen. (…)

Es war auch ein Tag, an dem wir als G7 gezeigt haben: Wir sind in den großen Fragen handlungsfähig, wir sind uns einig. Und vielleicht darf ich diese Schlussbemerkung machen: Die Behauptung, dass dieses Format [G7 – Anm. d. Red.] nicht mehr zeitgemäß sei, teile ich ausdrücklich nicht.“

(Quelle: phoenix, ab Minute 2:22 und ab Minute 4:28)


Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 16. Juni 2026

„Wir hatten einen sehr positiven Gipfel. Wir haben die Lage auf dem Schlachtfeld erörtert. Was ich Ihnen mitteilen wollte: Wir sprachen über mögliche Verhandlungen mit den Russen, über Mittelstreckenangriffe und Fernangriffe, die Situation mit den russischen Verlusten, der Wirtschaft usw. Die gute Nachricht zuerst: Ja, Putin muss diesen Krieg beenden, und ich habe die einhellige Meinung aller Staats- und Regierungschefs sowie der EU-Präsidenten, dass Russland nicht gewinnt, viele Menschen verliert und so schnell wie möglich eine Einigung erzielen muss.“

(Quelle: Hook Global/Reuters, Minute 0:20)


US-Präsident Donald Trump am 16. Juni 2026

„Russland sollte ein Abkommen schließen. Russland hat ungeheuer viele Menschen verloren, so wie auch die Ukraine – beide zusammen letzten Monat 35.000 Soldaten. Im Monatsdurchschnitt 25.000 Menschen – zumeist Soldaten, junge, tolle Menschen. Das ist nur noch verrückt. Mit Präsident Putin habe ich am Sonntag gesprochen. Es geht irgendwie immer so weiter. Die kämpfen weiter und verlieren Soldaten. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es so etwas nicht mehr gegeben. Ich habe acht Kriege beendet. Bei dem dachte ich, es wäre der einfachste. Es gibt aber eine sehr starke Abneigung zwischen den beiden Führern.“

(Quelle: WELT, ab Minute 0:42)


Der französische Präsident Emmanuel Macron am 17. Juni 2026

„In Évian gab es sicherlich einen Wendepunkt in Bezug auf die Ukraine. Dieser Wendepunkt war, dass alle Präsident Selenskyjs Ausführungen zur Lage mit großem Respekt anhörten. Alle stellten fest, dass die Ukraine sich deutlich besser wehrte, als manche vielleicht gedacht hatten, und dass Russland sich in einer schwierigen Lage befand. Wir alle sagten, wir würden unsere Unterstützung für die Ukraine verstärken und den Druck auf Russland erhöhen. Wir alle sagten, wir müssten den eingeschlagenen Kurs beibehalten. Und das ist ein echter Wandel. (…)

Die Bereitschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, mit den Europäern zur Unterstützung der Ukraine zusammenzuarbeiten, der gemeinsame Wille, in dieser Angelegenheit voranzukommen. Und was zur militärischen Unterstützung der Verteidigungssysteme, der Langstreckenraketen und der Lizenzvergabe vereinbart wurde, ist absolut entscheidend.“

(Quelle: APT, ab Minute 3:11 und ab Minute 4:01)


Politikwissenschaftler Nico Lange am 17. Juni 2026

„Ich glaube, die Europäer sind gut beraten, wenn sie nicht wieder in das Wunschdenken des letzten Jahres verfallen, so nach dem Motto: Man muss nur freundlich zu Trump sein und dann darauf hoffen, dass er böse auf Putin wird, und dann übt Trump Druck auf Putin aus, und dann kommt es zu Waffenstillstand und Frieden. Also ich bin da nicht so optimistisch. (…)

Putin hat keine Bereitschaft, sich auf irgendein Gespräch einzulassen. Er hat ja noch am Sonntag Trump angerufen zu dessen 80. Geburtstag und ihn darum gebeten, doch endlich mal jetzt Druck zu machen auf die Europäer, damit die russischen Bedingungen angenommen werden. Also Putin versucht weiter, den starken Mann zu markieren.“

(Quelle: WELT, ab Minute 0:35 und ab Minute 3:14)


NATO-Expertin Stefanie Babst am 17. Juni 2026

„Ich kann nur hoffen, dass trotz des atmosphärisch positiven Treffens, von dem alle anderen G7-Staaten jetzt immer wieder geredet haben, sie sich nicht täuschen lassen von Donald Trump, sondern weiter sehr konzentriert an ihrer eigenen Emanzipation arbeiten, an der Europäisierung der NATO – vor allen Dingen, das ist ganz, ganz wichtig, weil hier noch sehr viel zu tun ist. Wir dürfen den gerade mal begonnenen Weg nicht verlassen und uns da ein Stück seifen lassen von einem amerikanischen Präsidenten, der ganz offensichtlich vor allen Dingen zu Hause Punkte sammeln will.“

(Quelle: phoenix, ab Minute 5:22)


Politikwissenschaftler und USA-Experte Josef Braml am 17. Juni 2026

„Was er [Trump. – Anm. d. Red.] heute sagt, kann morgen nicht mehr gelten. Da würde ich jetzt nicht darauf bauen. Ich glaube, das Entscheidende waren die schönen Bilder, die er zu Hause braucht, und vielleicht auch die Hoffnung, dass ihm die Europäer aus dem Schlamassel helfen, das er im Iran angerichtet hat. (…)

Warum sollte Trump unsere Interessen besser vertreten, als das ein europäischer Vertreter machen könnte. Putin hat ja Gerhard Schröder ins Spiel gebracht, oder – und das ist in den Medien untergegangen – die Europäer sollen einen Verhandlungsführer oder eine Verhandlungsführerin benennen, die dann ein Mandat hat. Doch dazu sind wir leider nicht fähig.“

(Quelle: ZDF, ab Minute 18:39 und ab Minute 22:40)


„Tagesschau“ am 18. Juni 2026

„Viele gemeinsame Erklärungen also, die G7-Länder ziehen an einem Strang bei ganz unterschiedlichen Themen. Zumindest bei diesem Gipfel – aufatmen. Aber nochmal: Trump wäre nicht Trump, wenn nicht schon morgen einiges wieder anders sein könnte trotz des prunkvollen Empfangs im Schloss von Versailles.“

(Quelle: Tagesschau, ab Minute 2:23)


Titelbild: Screenshots MIRROR NOW, phoenix, Hook Global/Reuters, WELT, APT, ZDF


Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=152705