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Titel: „Wenn russische Soldaten die Grenze überschreiten“: Ein Propaganda-Artikel aus der „Welt“

Datum: 2. Juli 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Medienkritik
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„Wenn russische Soldaten die Grenze überschreiten, ist es längst zu spät“ – so lautet die Überschrift eines aktuellen Welt-Artikels. Darunter befindet sich ein Bild vom Reichstag in Berlin. Ein großes Fadenkreuz ist direkt auf die Kuppel des Reichstags gerichtet. Stimmungsmachend, manipulierend, propagandistisch: Der Journalismus bleibt auf der Strecke. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Die Welt hat ihre „International Security Correspondent“ (internationale Sicherheitskorrespondentin) in den Malkasten greifen lassen. Die Journalistin zeichnet ein Bild, dessen Konturen sich aus dem Reich der Fantasie speisen.

„Wenn russische Soldaten die Grenzen überschreiten …“, heißt es in der Überschrift. Und: „Sollte Russland die Nato angreifen …“, steht sogleich in der ersten Zeile des Beitrags. Es folgen immer wieder die Worte „wäre“, „würde“, „könnte“, „müsste“ usw.

Je nach Zählweise lässt sich leicht auf etwa 30 Konjunktiv-, also Möglichkeitsformen kommen. Die Möglichkeitsform ist der Kit für diesen Artikel – neben einer Ideologie, die auf die Mär von der russischen Bedrohung baut.

Wenn russische Soldaten … Der Autorin möchte man sagen: Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er den Hasen gekriegt. Aber das Thema ist zu ernst, um darüber zu lachen.

Ob sich irgendjemand in der Redaktion jemals gefragt hat, woher diese Grundannahmen von einem angeblich möglichen russischen Angriff kommen? Wer hat sie in die Welt gesetzt? Welche Ideologie und welche Interessen verfolgen diese Personen und „Kreise“? Wer mit Fragen dieser Art überfordert ist, hat sich vielleicht wenigstens die Frage gestellt: Welchen Sinn soll denn überhaupt ein solcher Angriff Russlands auf die NATO oder gar auf Deutschland – wie das Titelbild unterstellt – ergeben?

Russland greift die NATO an? Wozu? Um einen heißen 3. Weltkrieg zu entfachen? Um die große Gefahr einer sofortigen nuklearen Eskalation einzugehen? Um ganz Europa oder „wenigstens“ die EU zu unterjochen? Jene EU mit alleine 24 Amtssprachen, mit 450 Millionen Bürgern, mit vielen unterschiedlichen Mentalitäten? Was wollte Russland im unwahrscheinlichen Falle eines „Sieges“ mit diesem Europa anfangen? Sich mit Partisanen und der Verwaltung von Menschen rumschlagen, die kein Russisch sprechen?

Jede Wette: In der Welt-Redaktion hat sich noch niemand diese Fragen gestellt – geschweige denn frei von der Ideologie der Kalten Krieger beantwortet.

Es ist wirklich bemerkenswert, wie viel Energie die Zeitung darin steckt, darüber nachzudenken, was mit der „Drehscheibe“ Deutschland im Falle eines Krieges los wäre. In derartigen Planspielen mögen Militärs ihre Befriedigung finden. Journalisten aber haben die Politik der Aufrüstung und der Konfrontation kritisch zu hinterfragen – und nicht den publizistischen Kit für die Szenarien zu liefern, von denen so mancher politische Hardliner zu träumen scheint.

Titelbild: Bundeswehr / Bruno Haelke


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