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Titel: „Helfen, mehr russische Soldaten zu töten“ – die bestialische Frage eines FAZ-Autors
Datum: 10. August 2026 um 14:05 Uhr
Rubrik: Medienkritik, Militäreinsätze/Kriege, Wertedebatte
Verantwortlich: Marcus Klöckner
„Können Sie uns Europäern konkret sagen, was wir tun können, um ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? Mehr russische Soldaten, natürlich.“ Das ist die Frage, die der Autor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Michael Martens, in Serbien auf einer Pressekonferenz mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gestellt hat. Die Frage ist nicht etwa mit einem kriegskritischen Unterton versehen. Sie ist befürwortend gemeint. Getragen ist die Frage von schier unfassbarer historischer Asozialität. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Was ist schlimmer als Soldaten, die sich gegenseitig in einem Krieg abschlachten? Es sind Journalisten, die fragen, was getan werden kann, um mehr Soldaten des Feindes zu töten. Die Frage trägt den Geist des Bestialischen. Sie blendet militärische, politische und diplomatische Strategien aus und reduziert den „Erfolg“ im Krieg auf das reine Töten von Soldaten. Je mehr Soldaten des Feindes getötet werden, so die Annahme, umso eher sei der Krieg beendet. Die Soldaten des als Feindpartei betrachteten Gegners verlieren in dieser Frage ihren Status des Menschlichen. Gerade auch junge Soldaten, die oft – wie in jedem Krieg – kaum begreifen, wie sie politisch instrumentalisiert werden, finden sich zum reinen Tötungsobjekt degradiert wieder.
Jeder sich dem militärischen Ethos auch nur halbwegs verpflichtet fühlende Führungsoffizier einer Armee begegnet einer solchen Betrachtungsweise mit tiefer Abscheu. Bei aller Feindschaft: Gerade hochrangige Militärs, die sich einen Funken Menschlichkeit bewahrt haben, wissen darum, dass auch unter den Soldatenuniformen des Feindes Menschen stecken.
Einen Krieg durch das Mittel zu gewinnen, möglichst viele gegnerische Soldaten zu töten, gehört zur monströsesten aller militärischen Vorgehensweisen, die oft genug gescheitert ist, wie etwa in Vietnam, wo die USA viel mehr feindliche Soldaten getötet haben als umgekehrt.
Die Absicht, möglichst viele Soldaten des Gegners töten zu wollen, bedingt, dass sich die eigenen Soldaten in die Schlacht werfen und dabei auch Gefahr laufen, getötet zu werden. Ist das dem FAZ-Autor bewusst? Oder befürwortet er den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegenüber Russland?
Stichwort Massenvernichtungswaffen. Dass die von dem FAZ-Autor favorisierte „Strategie“ bei einer Atommacht ohnehin realitätsbefreit ist, versteht sich von selbst. Bei einer sich abzeichnenden militärischen Niederlage Russlands ist mit einem Atomwaffeneinsatz zu rechnen.
Doch von dem militärischen Unsinn der Frage abgesehen: Sie ist aus weiteren Gründen untragbar.
In Anbetracht der Tatsachen eines furchtbaren Vernichtungskrieges im 2. Weltkrieg, bei dem deutsche Soldaten Millionen sowjetische Soldaten getötet haben, ist die Frage von schier unfassbarer historischer Asozialität getragen. Alleine schon das Geschichtsbewusstsein verbietet Fragen dieser Art.
Hinzu kommt die journalistische Ebene: Journalistische Fragen zeichnen sich dadurch aus, dass sie komplexe Sachverhalte durchdringen. Die komplexen geostrategischen und tiefenpolitischen Zusammenhänge, die den Krieg in der Ukraine umgeben, finden in der Frage keine Beachtung. Die Frage reduziert den Krieg auf ein einfaches Freund-Feind-Schema – so wie es kennzeichnend für Propaganda ist.
Die Frage ist auch ein Angriff auf das journalistische Ethos. Der Autor spricht von „uns Europäern“ und fragt, was „wir“ tun könnten, um mehr russische Soldaten zu töten. Parteilichkeit und fehlende professionelle Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung werden sichtbar. Wer so spricht, der ist den Anforderungen eines Berufs, der Objektivität verlangt, nicht gewachsen. Die Frage ist im Grunde genommen der Aufruf bzw. die Forderung eines Journalisten an die Politik, die militärischen Weichen zum noch weiteren Töten russischer Soldaten zu stellen.
Das ist der Geist der Barbarei – unter dem Deckmantel „Journalismus“. Eine Redaktion, die Fragen dieser Art deckt, trägt den Geist publizistischer Barbarei in sich. Und die FAZ steht hinter der Frage, denn sie taucht auch in dem von Martens verfassten Artikel auf.
Einsicht zeigt der Autor indes nicht. Auch später schreibt Martens auf der Plattform X:
Denn das Töten von so vielen russischen Soldaten wie möglich ist das, was wichtig ist, um den Krieg zu beenden. Außerdem geht euch das, was ich auf Pressekonferenzen frage, sei es in Serbien oder sonstwo, nichts an.
Auch an dieser Stelle irrt der FAZ-Autor. Journalisten sind Fürsprecher der Öffentlichkeit. Ihre Fragen gehen die Öffentlichkeit sowohl im In- als auch im Ausland sehr wohl „was an“.
Titelbild: Screenhsot RTS Sajt
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