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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Pläne für Gegenangriff der NATO: Nicht Russland ist hier der Adressat, sondern die deutsche Bevölkerung
Datum: 19. August 2026 um 11:30 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Audio-Podcast, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache
Verantwortlich: Marcus Klöckner
„Die Nato bereitet sich immer präziser auf einen möglichen Angriff Russlands vor“, schreibt die Bild-Zeitung in einem aktuellen Artikel. Darin geht es um einen Plan der NATO, wie bei einem Angriff Russlands Gegenangriffe erfolgen sollen. Die BILD, aber auch andere Medien „berichten“ brav. Eine kritische Einordnung fehlt. Der angebliche Grund für die Veröffentlichung: Die NATO wolle Russland im Sinne der Abschreckung informieren. Das ist lächerlich. Wollte das „Verteidigungsbündnis“ Russland etwas mitteilen, braucht es nicht den Umweg über die Presse. Der Adressat der Veröffentlichung ist nicht Russland, sondern die deutsche Öffentlichkeit. Sichtbar wird: Medien lassen sich vom Militär am Nasenring durch die Manege der Propaganda ziehen – für einen „exklusiven“ Bericht und ein exklusives Foto aus einer Kommandozentrale. Die Presse ist den Anforderungen der Konfrontationspolitik nicht gewachsen. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
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In dem Artikel der Bild-Zeitung ist das Foto einer Bild-Reporterin zu sehen, wie sie einen „seltenen Einblick in die Kommandozentrale“ der US-Armee gewährt bekommt. Der Informationswert für den Betrachter ist gleich null. Auch die beiden Karten, die unter den Überschriften „Der NATO-Gegenangriff 1 – das erste Ziel des NATO-Angriffs“ und „Der NATO-Gegenangriff 2 – Aufbau der autonomen Kampfzone“ der Leserschaft gezeigt werden, bestechen im Wesentlichen durch Raumausfüllung – weniger durch Inhalt. Die Bürger erfahren zwar, dass zunächst „Kampfjets, Raketen und Drohnen die russischen Raketensysteme ausschalten“ und „zeitgleich“ „an den Landesgrenzen zu Russland und Belarus eine ‚autonome Zone‘ eingerichtet werden soll, damit ein „Schutzwall“ errichtet werde.
Doch: Was soll die breite Öffentlichkeit mit von der NATO über die Presse lancierten militärtaktischen Plänen dieser Art anfangen? Zumal in dem Artikel selbst zu lesen ist, dass „konkrete Aussagen darüber, welche Operationen während eines Konflikts mit Russland stattfinden könnten (…) spekulativ und nicht repräsentativ“ für die NATO seien, so ein „US-Verteidigungsvertreter“.
Mit anderen Worten: Die der Öffentlichkeit vorgelegten Pläne und Karten sind das Eine. Etwas Anderes ist, was konkret im Falle eines Falles passieren wird.
Bei der Veröffentlichung der Pläne, so heißt es weiter in dem Artikel, gehe es um „Abschreckung“, es sei gewollt, dass Putin erfahre, was Russland „bei einem Angriff auf ein Nato-Land konkret erwartet“.
Das journalistische Versagen wird sichtbar.
Wenn Medien „exklusiven“ Zugang zum Militärbereich bekommen und mit angeblichen „Plänen“ versorgt werden, geht es um: Interessen. Dass die veröffentlichten „Informationen“ der gesamten Republik zugänglich gemacht werden, liegt im Interesse der Militärs.
Journalisten müssten an dieser Stelle sagen: „Wir lassen uns nicht zum Sprachrohr der NATO machen. Wenn die NATO diese Pläne veröffentlicht sehen möchte, kann sie diese auch über ihre eigenen Plattformen veröffentlichen – oder Russland gleich per „Exklusivnachricht“ selbst zukommen lassen. Wir sind hier, um unbequeme Fragen zum Stellvertreterkrieg, zur Tiefenpolitik und geostrategischen Machtinteressen zu stellen. Und überhaupt hinterfragen wir den Sinn der Konfrontationspolitik. Cui bono? Wem nutzt sie?“
Diese Gedanken lassen erahnen: Diese Veröffentlichung ist nicht an Russland gerichtet. Das Ziel sind wir, die Öffentlichkeit. Warum?
Titelbild: Qeeraw / Shutterstock
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