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Titel: Marketing-Messe der Militaristen

Datum: 29. August 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Aufrüstung, Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen
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Im September verwandeln die Messe/Essen und die dortige NATO-Luftwaffen-Strategie-Schmiede die Stadt Essen in eine zentrale Plattform der Rüstung . Eine Messe ist eine Marketing-Veranstaltung, die Waren und Dienstleistungen mit Renditeabsicht zur Schau stellt. Bei Kriegswaffen geht es um Zerstörungs- und Tötungssysteme. Die Milliarden, die in das Geschäft des Krieges fließen, zerstören den Sozialstaat, das Bildungs- und Gesundheitssystem, die Natur und die Kultur. Von Bernhard Trautvetter.

Weltweit einzigartig“ sei die Essener zivil-militärische Doppelmesse plus NATO-Strategiekonferenz. Die Akteure legitimieren das Event im Austausch mit führenden NATO-Luft- und Raumfahrt-Strategen an einem Ort mit der „Zeitenwende“ durch die russische Gefahr, die zur Kriegstüchtigkeit nach Militärminister Scholz zu führen habe. Mit den beiden Begriffen bedienen sich die Akteure eines Nazi-Vokabulars, hier von ‚Reichspropagandaminister‘ Goebbels.

Die große zivilmilitärische Doppel-Messe ‚Euro Defence Expo‘ (EUDEX) und ‚Security‘ verbinden die Akteure mit der Konferenz der NATO-Strategieschmiede für die Luft- und Raumwaffe (Joint Air Power Competence Center – JAPCC) unter dem Thema „Luftwaffe am Rand ihrer Möglichkeiten (‚at the edge‘). Grenze: „Sicherung der neuen Grenzen der NATO“; konkret geht es um den „strategische(n) Wettbewerb“ – er „beschränkt sich nicht mehr auf traditionelle Kriegsschauplätze; er dehnt sich rasch auf den Hohen Norden, den Indopazifik, den Weltraum und den Bereich der menschlichen Kognition aus.“ Die NATO-Strategieschmiede befasst sich gezielt mit offensiven Systemen der Luftwaffe wie Drohnen und KI-Steuerung. Dies widerspricht dem Friedensgebot des Grundgesetzes. Die Dreifach-Veranstaltung in der Messe und der für Großveranstaltungen ausgelegten Grugahalle befindet sich entsprechend im Raum der Verfassungswidrigkeit.

Die von der Stadt Essen eingesetzte Koordinatorin, Bürgermeisterin und Ratsfrau Julia Jacob (CDU), erklärt den Grundgedanken der Planung: „Mit der Kombination aus Fachmessen, Konferenz und Networking-Möglichkeiten wolle man ‚ein Must-have Event für Unternehmen (…), die die (…) Verteidigungs- und Sicherheitsbranche (…) prägen wollen“, (schaffen). (…) Deutschlands Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist ein (…) innovativer Vorreiter bei der Ausrüstung von Landstreitkräften. Die Euro Defence Expo fokussiert sich (…) auf die neuesten Trends (…) Einen weiteren Schwerpunkt wird das Thema Cybersicherheit (…) bilden.“

Die Website ‚Sicherheit und Verteidigung‘ ergänzt:

„Die Euro Defence Expo (EUDEX), (…), will die zunehmenden globalen Sicherheitsherausforderungen adressieren und setzt auf den ‚Total-Defence-Ansatz‘. Damit erhält Deutschland seine erste internationale Rüstungsmesse (…) Die neue Messe kombiniert militärische und zivile Sicherheitstechnologien und zielt auf den Schutz demokratischer Gesellschaften in Europa. Parallel zur Sicherheitsmesse Security Essen will die Veranstaltung eine Plattform für Politik, Industrie und Militär bieten, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln und sich zu vernetzen.“

Der militärisch-industrielle Komplex, vor dem einst US-Präsident Eisenhower warnte, stellt sich hier als Stütze der Demokratie dar und gewinnt mit dieser Propaganda auch Mehrheiten in Parteien, die einst in Verbindung zur Friedensbewegung standen, als Petra Kelly, Antje Vollmer, Erhard Eppler und andere SPD- und Grünen-Persönlichkeiten gegen die NATO-Hoch- und Atomrüstung standen.

Nun kommen Führungskräfte aus den weltgrößten Rüstungskonzernen –inklusive der Nuklearrüstung – mit führenden und einflussreichen Militärs und Politikern in Essen zusammen, und das „mit einem klaren Fokus auf europäische Industriekompetenz, europäische Zusammenarbeit“. Europas Ostgrenze ist in diesem Verständnis die Ostgrenze der baltischen Staaten und der Ukraine. Russland gilt ganz offen nicht als europäischer Staat, da die ‚europäische Zusammenarbeit‘ gegen die Russische Föderation steht. Damit bricht das Konzept auch noch mit dem Vertrag zur Vereinigung der zwei deutschen Staaten, demzufolge es um die Sicherheit „eines jeden“, also auch Russlands geht:

„(…) entschlossen, die Sicherheitsinteressen eines jeden zu berücksichtigen, überzeugt von der Notwendigkeit, Gegensätze endgültig zu überwinden und die Zusammenarbeit in Europa fortzuentwickeln, (…)“, insbesondere durch wirksame Maßnahmen zur Rüstungskontrolle, Abrüstung und Vertrauensbildung (…).“

Mit dem Bruch des Vertragswerkes einer europäischen Friedensordnung knüpft der ‚militärisch-industrielle Komplex‘ an die fatale Geschichte des 20. Jahrhunderts mit den zwei Weltkriegen an: Die Nazis feierten Essen wegen der Krupp-Fabriken als die ‚Waffenschmiede des Reiches‘. Das hatte vor ihnen bereits Kaiser Wilhelm im Ersten Weltkrieg getan. Zwischen diesen Kriegen lagen Verträge wie der von Versailles, danach solche wie die KSZE-Schlussakte zur gemeinsamen Sicherheit von 1975 mit ihren Folgeverträgen. All das opferten Nationalisten und Militaristen in der Weimarer Zeit und nach dem Ende des Kalten Krieges.

Zur Werbung für das große Militär-Event in Essen blenden die Organisatoren von EUDEX-Security mit der JAPCC-Konferenz das Wirken der Kriegswaffenproduzenten wie Thyssen, Krupp, die Vereinigten Stahlwerke und die gesamte dort ansässige Montanindustrie in der Geschichte und Zeitgeschichte aus, das gilt vor allem für die Krupp-Fabriken.

Die „Informationspolitik“ der Halbwahrheiten und doppelten Standards hat System – bis heute tragen Akteure aus den Spitzen der Politik, aus der Wirtschaft und den Militärs zur Eskalation von Risiken bei, die an die Kriegspropaganda der beiden Weltkriege erinnern. Der Krieg in Osteuropa wird fast nur als Angriffskrieg und Überfall mit imperialen Motiven dargestellt – der Krieg zwischen Mittelmeer und der Golfregion wird so nie beschrieben, mitunter sogar mit dem Begriff ‚Auseinandersetzung‘ verharmlost.

Man will ja auch das große Geschäft nicht stören, das auch schon zu Ratgebern für Investoren und Börsianer geführt hat, Rendite in der Rüstungsindustrie mitzunehmen: Die Essener Nationalbank schreibt in ihrer entsprechenden Broschüre auf Seite 61:

„Die (…) Ausweitung der globalen Sicherheits- und Verteidigungsausgaben eröffnet (…) Anlagechancen. Sowohl im Bereich konventioneller als auch unkonventioneller Verteidigung ergeben sich (…) aussichtsreiche Anlagemöglichkeiten.“

Die Industrie- und Handelskammer Hagen bringt es wie folgt auf den Punkt:

„Weltweit einzigartig: EUDEX verbindet militärische und zivile Sicherheit

Das Alleinstellungsmerkmal der EUDEX liegt in ihrem Total-Defence-Ansatz. Dieser ganzheitliche Blick auf Sicherheit und Verteidigung entspricht exakt den aktuellen strategischen Anforderungen: Von Cybersicherheit über kritische Infrastrukturen bis zur klassischen Landesverteidigung – alle Dimensionen werden abgebildet. Denn parallel findet in der Messe Essen die Leitmesse der zivilen Sicherheit Security Essen statt. Neben den rund 650 Ausstellern der Security Essen werden auf der EUDEX weitere 250 Aussteller erwartet.

Die Website für ‚Secuity‘-Industrie-Konzerne namens „Protector” ergänzt:

„Zwei Veranstaltungen, ein gemeinsames Ziel: Die Euro Defence Expo (Eudex) und die jährliche Konferenz des NATO Joint Air Power Competence Centre (JAPCC) finden 2026 parallel in der Messe Essen statt. Während die NATO-Veranstaltung Militärvertreter aus den 32 Mitgliedsnationen versammelt, präsentiert die neue Verteidigungsmesse innovative Technologien für Sicherheit und Verteidigung.“

Das Ganze ereignet sich vom 22. bis zum 25.September in den zehn Messehallen und der nebenan befindlichen Grugahalle.

Die Dreistigkeit, mit der der militärisch-industrielle Komplex inzwischen auftritt, sieht man auch am bedenkenlosen Umgang mit Begriffen wie ‚Siegfähigkeit‘: In einem Transkript aus der Führungsakademie der Bundeswehr vom 26. Mai 2025 heißt es:

„Krieg in Europa bedeutet für mich, dass wir in kürzester Zeit alles tun müssen, um unsere Bundeswehr so aufzustellen, dass sie verteidigungsfähig und damit auch siegfähig ist. In einem auch hochintensiven Konflikt.“

Bertolt Brecht brachte es in seinem Gedicht über Karthago auf den Punkt:

„Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“

Dieses Risiko gehen Regierung, Industrie und Militärs sowie deren Strategen nicht nur in Essen ein. Die Friedensbewegung antwortet auf die Aktivitäten der Militärs und ihrer Lobby mit einer Friedenskonferenz am Samstag, dem 19. September, und einer überregionalen Friedensdemonstration am Sonntag, dem 20. September 2026. Details finden sich unter diesem Link.

Titelbild: Mehaniq / Shutterstock


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