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Titel: „Glaubwürdigkeit reitet mit dem Pferde davon“
Datum: 29. September 2026 um 12:02 Uhr
Rubrik: Innen- und Gesellschaftspolitik, Wahlen
Verantwortlich: Redaktion
Nach den spannenden Landtagswahlen im Osten geht es nun um künftige Koalitionen in den jeweiligen Bundesländern. Als „Selbstverständlichkeit“ gilt es dabei erstmal für die Parteien, die Anspruch auf Regierungsbeteiligung erheben, die AfD komme als Koalitionspartnerin in den künftigen Landtagsregierungen nicht in Frage. Das Problem dabei: Auch zwischen diesen Parteien gibt es anscheinend Berührungsängste und Toleranzgrenzen. Eine Art neue „Brandmauer“ soll etwa gegen Die Linke entstehen, der Antisemitismus und Nähe zu kriminellen Clans zur Last gelegt wird. Tonangebend sind dabei ausgerechnet die Wahlverlierer aus der CDU. Die ZDF-Doku-Staffel „CDU intern“ liefert indessen eine Erklärung für das blamable Abschneiden der Partei im Osten. Emblematisch dabei ist die Episode mit dem imposanten Strandkorb, den Staatsminister Philipp Amthor für sein Büro liefern ließ. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.
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BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali am 23. September 2026
„Wir haben eigentlich das vor der Wahl sehr klar gesagt: Wir gehen in keine Koalition mit der AfD, und genau das werden wir nach der Wahl auch nicht tun. (…)
Es wird ja alles sofort hochstilisiert als ‚Aha, da ist jetzt der Schulterschluss angeblich zwischen AfD und BSW‘. Das ist überhaupt nicht der Fall. Aber natürlich ist das dann etwas, was auch hängen bleibt.“
(Quelle: WDR, ab Minute 19:42 und ab Minute 20:00)
FDP-Sicherheitspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann am 23. September 2026
„Also erstmal bin ich sprachlos, denn Ihre Kollegin Frau Wagenknecht hat ja neulich noch in einer nicht unbekannten Talkshow mit Herrn Chrupalla geradezu geflirtet. Also wenn Sie sagen, Sie wollen der AfD letztlich nicht in den Sattel helfen, dann frage ich mich, warum das Bett bereits bezogen ist.“
(Quelle: WDR, ab Minute 21:05)
Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, am 7. September 2026
„Also noch mal, wir gehen auf alle Parteien zu. Die Frage ist, wer sich jetzt auch an der Gestaltung Sachsen-Anhalts beteiligen möchte. Wir haben hier alle eine Verantwortung. Der Wahlkampf ist beendet, und auch das sehen wir für uns so, dass wir den Bürgern natürlich auch eine stabile Regierung präsentieren müssen. Das gilt auch für uns als Auftrag dessen, das wir von den Wählern bekommen haben. Und noch mal, die Gespräche müssen wir erstmal abwarten. (…)
Und vor allen Dingen haben die Bürger auch das Recht dazu, dass sich Parteien zusammenraufen. Auch das ist klar. Auch wir werden Kompromisse, wenn es nötig ist, machen müssen, aber diese Kompromisse müssen auch für uns und unsere Wählerschaft verträglich sein.“
Quelle: Tagesschau, ab Minute 0:36 und ab Minute 5:40
Felix Banazsak, Co-Vorsitzender der Grünen, am 22. September 2026
„Im Kern sind wir dafür, dass eine solche Koalition [mit Die Linke. – Anm. der Red.] zustande kommt. Ich habe aber genauso deutlich gesagt, seit Sonntag und auch in den Wochen davor: Eine Koalition gibt es nicht zu jedem Preis. (…)
Deswegen ist meine Anforderung sehr klar: Wer mit uns koalieren will, muss deutlich machen: Wir sind nicht die Heimat von Antisemiten, wir sind nicht die Heimat von Menschen, die kein klares Verhältnis zum Islamismus haben, wir sind nicht die Heimat von Menschen, die Teil der organisierten Kriminalität sind.“
(Quelle: WDR, ab Minute 38:42 und ab Minute 39:46)
Bundestagsabgeordneter Gregor Gysi (Die Linke) am 23. September 2026
„Der Bundeskanzler hat wörtlich gesagt – ich zitiere ihn wörtlich: ‚Antisemitismus sei die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit‘. Damit hat er die deutschen Jüdinnen und Juden zu Ausländerinnen und Ausländern erklärt. Es tut mir leid: Das war auch die Haltung der Nazis. Einem Bundeskanzler darf eine solche Fehlformulierung nicht passieren.“
(Quelle: bundestag.de, ab Minute 23:19)
Karin Prien (CDU), Bildungs- und Familienministerin, am 22. September 2026
„Auch wenn man AfD und Linke nicht gleichsetzen darf – das teile ich –, ist es doch eine radikale Partei, die gerade hier in Berlin jetzt über 25 Prozent der Stimmen erhalten hat. Das finde ich schockierend. (…)
Linke, die sich gegen Antisemitismus engagiert haben, haben die Partei verlassen in den letzten Jahren. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin empört darüber, dass man überhaupt auf die Idee kommen kann, eine Partei zu unterstützen, und das ist auch ein Stück weit Doppelmoral.“
Quelle: WDR, ab Minute 41:17 und ab Minute 41:39)
Sepp Müller, Vizechef der Bundestagsfraktion von CDU/CSU, am 24. September 2026
„Der erste Parteivorsitzende der SPD in der Nachkriegszeit, Kurt Schumacher, hat Folgendes zur SED gesagt: ‚Sie sind rot lackierte doppelte Ausgabe der Nationalsozialisten‘. Recht hatte er. Deswegen rufe ich der SPD und Bündnis ‘90/Den Grünen zu: Wer diese antiisraelische Linke ins Rote Rathaus trägt, hat bei der Holocaust-Gedenkstunde am 27. Januar nichts mehr zu suchen.“
(Quelle: bundestag.de, ab Minute 2:46)
Philipp Amthor, Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit (aus der ZDF-Doku „CDU intern“)
„Man muss schon immer dann auch die Bereitschaft haben, wenn man sich entscheidet, in der ersten Reihe in der Politik mitzuspielen – dann darf man vor Verantwortung auch kein Drückeberger sein. (…)
Hier eine Etage höher ist der Kabinettssaal. Und noch eine höher sitzt da der Kanzler. (…)
Es gibt ja dieses schöne Sprachbild, dass Glaubwürdigkeit zu Fuß kommt, aber mit dem Pferde davonreitet.“
(Quelle: ZDF, ab Minute 0:26 und ab Minute 14:50 und ab Minute 15:02)
Titelbild O-Töne Nr. 97: Screenshots WDR, Tagesschau, bundestag.de, ZDF
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