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Titel: Wie wäre es damit, bei den Querdenkern um Verzeihung zu bitten, Herr Precht?
Datum: 26. Oktober 2026 um 10:00 Uhr
Rubrik: Erosion der Demokratie, Gesundheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech
Verantwortlich: Marcus Klöckner
„Ich hatte die Erfahrung, dass mein Vater bei der zweiten Impfung einen Komplettzusammenbruch erlitten hatte“ – das sagt Richard David Precht aktuell im Podcast „Ronzheimer“ (ab 42:50). Der Autor spricht auch an, dass er seinen Vater zur Impfung gedrängt hatte. Die Lehre: „Ich werde nie wieder jemanden drängen, sich impfen zu lassen – wie meinen Vater“, so Precht. Eine bittere Tragik kommt zum Vorschein, in der Häme keinen Platz haben sollte – egal wie sehr Precht auch in der Coronazeit Querdenker verachtete. Etwas Grundlegendes wird deutlich: Was in der Coronazeit passiert ist, wirkt bis heute nach. Eine Aufarbeitung ist unabdingbar. Von Marcus Klöckner.
Der Druck in der Coronazeit war unmenschlich. Bürger waren einer staatlichen Gewalt ausgesetzt, die Grundrechte als Druckmittel missbraucht hat. Die Coronaimpfung war quasi Pflicht. Wer „guter“ Bürger sein wollte, ließ sich impfen. Wer ein „Spinner“ war, wer ein „Querdenker“ war, wer dem „Gemeinwohl“ Schaden zufügen wollte, der verweigerte sich der Impfung. So zumindest war jene Stimmung, die Politiker im Verbund mit Experten und Medien erzeugten.
Doch in dieser Zeit gab es nicht nur eine Übergriffigkeit des Staates. Auf dem Boden der politisch und medial erzeugten „Wahrheit“ überquerten auch Arbeitskollegen, Freunde und Familienmitglieder eine rote Linie.
Ohne Fachkompetenz verstanden sie sich als Impfexperten – und übten zu dem politischen Druck von außen auch noch Druck von innen aus.
„Die Schwester, die sich nicht impfen lassen will? Die braucht an Weihnachten gar nicht vorbeizukommen!“
„Der Kollege, der ein Impfverweigerer ist: Der wird ab jetzt ignoriert!“
„Der alte Vater im Heim, der sich weigert, sich der Impfung zu unterziehen, der wird ab jetzt nicht mehr besucht!“
Eine individuelle Gesundheitsfrage, die einen weitreichenden Eingriff am Körper bedingte, war zur Frage geworden, über die sich die Gesellschaft und das Umfeld herausnahm zu entscheiden.
So wie die Grundrechte auf dem Boden lagen, lag auch das Recht auf die individuelle körperliche Selbstbestimmung am Boden.
Der Philosoph Richard David Precht hat – nach seinen eigenen Worten – seinen Vater zur Impfung gedrängt. Die Konsequenzen waren fatal. Der Vater erlebte einen schweren, weitreichenden gesundheitlichen Zusammenbruch.
Precht hat das Erlebte im Podcast von Paul Ronzheimer öffentlich gemacht.
Das war wichtig – im Hinblick auch auf die weitere Einordnung und Aufarbeitung der Coronazeit.
Auch wenn Precht es nach außen hin ruhig und redegewandt vorträgt: Man merkt ihm an, dass ihn dieses Erlebnis belastet.
Er, der sich gar mit dem Buch „Von der Pflicht“ in der tief dunklen Coronazeit im Frühjahr 2021 in weiten Teilen hinter die Coronamaßnahmen gestellt hat, musste selbst eine bittere Erfahrung machen.
Noch im April 2021 sagte Precht in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ auf die Frage, wie Precht mit einem Menschen umgehe, der sich in der Querdenkerblase befinde:
Also, ich habe solche Gespräche in der Tat das eine oder andere Mal gehabt. Ich würde nicht mehr versuchen, ihn zu gewinnen. Und zwar ist der Grund relativ einfach: Die Grundstruktur, die psychische Grundstruktur dieser Menschen besteht nicht darin, die Wahrheit herauszufinden, sondern recht zu haben. Das sind zwei ganz unterschiedliche Motive.
Und wenn es mir darum geht, um jeden Preis recht haben zu wollen und nicht zu versuchen herauszubekommen, was dann vielleicht wirklich objektiv ist, dann macht das Gespräch keinen Sinn. Weil die Leute hätten ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl, wenn sie dann nicht mehr recht hätten. Also ist das Nicht-recht-Haben von Anfang an ausgeschlossen. Und deswegen gibt es auch keine Diskussion, die einen tatsächlichen Fortschritt haben kann.
Also, wer wirklich so weit geht, dass er meint, das Virus ist erfunden, oder meint, es wäre maßlos aufgebauscht, weil die Staaten sich in Diktaturen verwandeln wollen oder die chinesische Regierung oder Bill Gates stecken dahinter – der möchte nicht die Wahrheit wissen. Es wäre so einfach, viel klarer die Dinge zu sehen. Er will es aber nicht, sondern er gefällt sich in der Rolle zu denken: „Ich bin einer der ganz wenigen, die alles durchschaut haben, die anderen sind alle dumm.“ Und wer diese Meinung einmal bei sich verfestigt hat, dessen Selbstwertgefühl davon abhängt, recht zu haben – der ist für Argumente nicht mehr zugänglich.
Gewiss, was an dieser Stelle zum Vorschein kommt, war eine intellektuelle Bankrotterklärung. Doch darum soll es hier gar nicht gehen.
Precht, dieser Schluss liegt nahe, unterlag trotz seiner Klugheit der Medienrealität. Die Scheinwahrheit, die Medien erzeugten, hatte Precht für sein Verständnis von „der Realität“ übernommen – so wie auch weite Teile der Bevölkerung.
Natürlich wäre es ein Leichtes, ihm, Precht, der doch das Rüstzeug hat, über den Tellerrand hinaus zu denken, einen Vorwurf für seine unkritische Haltung zu machen. Aber – und das ist eine wichtige Erkenntnis – die Macht der Medien ist enorm. Ihre Fähigkeit, uns alle glauben zu machen, dass ihre Darstellungen die reine Wahrheit seien, darf nicht unterschätzt werden.
Die Macht der Medien hat Bürger dazu gebracht, sich bei Corona auf der richtigen Seite zu wähnen. Viele um uns herum wurden so zu Maßnahmenbefürwortern und zur verlängerten Hand der Coronapolitik.
Precht hat für seine Haltung einen hohen Preis bezahlt. Die Last auf seinem Gewissen wiegt schwer – danach sieht es aus.
Die Erkenntnis, die er zieht, ist die richtige.
„Ich werde nie wieder jemanden drängen, sich impfen zu lassen – wie meinen Vater“, sagt Precht.
Gut wäre es gewesen, wenn der Philosoph noch angemerkt hätte: Auch ein Staat darf nie, nie, nie wieder Menschen zu einer Impfung gegen ihren Willen drängen.
So weit ist Precht nicht gegangen.
Doch soweit muss eine Aufarbeitung, die den Namen verdient, gehen.
Im Netz gibt es viel Kritik an Prechts Aussagen – weil sie vielen nicht weit genug gehen oder zu halbherzig klingen.
So berechtigt die Kritik auch ist: Augenmaß ist angebracht.
Wer Fehler einsieht oder dabei ist, zu erkennen, dass das eigene Verhalten falsch war, dem sollte an dieser Stelle mit einer gewissen Nachsicht begegnet werden.
Precht erzählt auch davon, wie Medien ihn attackierten, nachdem er die Coronaimpfung für Kinder infrage gestellt hat.
„Ich konnte dann in etablierten Leitmedien wie dem Spiegel oder der Frankfurter Rundschau lesen, an meinen Händen klebe das Blut von Millionen Menschen.“
Entschuldigt, so Precht weiter, habe sich für diese Berichterstattung keiner bei ihm.
Dass für derartige Worte eine Entschuldigung dringend angebracht ist, liegt auf der Hand.
Allerdings gilt das auch andersrum.
Hatten jene Mitbürger, die als „Querdenker“ verschrien waren, die auf der Straße laut „Grundrechte!“ riefen, nicht in vielem recht? Waren denn ihre Warnungen vor einer aus dem Ruder laufenden Politik nicht berechtigt?
Eine Frage drängt sich auf: Wie wäre es, wenn Herr Precht bei den Querdenkern für seine Worte um Verzeihung bittet? Wäre das nicht angebracht? Dann könnte er sich der Forderung nach einer politischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung anschließen.
Das wäre ein starkes Zeichen!
Anmerk. Red.: Gunnar Kaiser hat sich mit dem Precht-Buch „Von der Pflicht“ in diesem Video auseinandergesetzt.
Titelbild: Screenshot Ronzheimer
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