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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Leserbriefe zu „Eine neue Strategie der Spannung? Gefährliche Zeiten für Europa“
Datum: 29. Oktober 2026 um 16:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
In dieser Analyse betont Marcus Klöckner den Umstand, dass Politiker, Journalisten, Experten den Eindruck erwecken, Russland bedrohe uns alle. Kaum ein Tag vergehe, an dem nicht von einer „hybriden Kriegsführung“ die Rede sei. Kaum ein Tag vergehe, an dem nicht von Drohnenflügen, Sabotage- oder gar Anschlagsversuchen Russlands zu hören sei. Die Angst soll umgehen. Allerdings würden sowohl die Aussagen von Merz wie auch die Beiträge des Wall Street Journal und der „Tagesschau“ lediglich im Trüben fischen. Sie würden lediglich den Eindruck des „Faktischen“ erwecken. Je mehr darüber nachgedacht werde, umso mehr dränge sich der Verdacht auf, dass auf niedrigschwelliger Ebene eine Strategie der Spannung eingesetzt werde. Diese Strategie der Spannung sei noch nicht mit einem großen realen Schaden verbunden, es gehe nicht um Terroranschläge. Gefragt wird, ob das auch so bleiben wird. In gewisser Weise werde die Bevölkerung ja bereits durch die Angstmache terrorisiert.
Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten.
Wir danken für die interessanten E-Mails, die wir hierzu erhalten haben. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Sehr geehrte Nachdenkseiten,
sehr guter Artikel! Die sprachliche Analyse gefällt mir besonders, so was habe wir in den Siebzigern noch in der Oberstufe gelernt, heute undenkbar in der Schulausbildung.
Die Angstmache ist aber nicht nur auf die Außenpolitik beschränkt, sondern Teil des ganzen Programms der neoliberalen Herrscher. Sie ist ein Element der Propaganda, die sehr gut hier erklärt wird:
Morelli, A. (2004) Principes élémentaires de propagande de guerre. Éditions Labor, Bruxelles, deutsche Ausgabe (2021) Die Prinzipien der Kriegspropaganda, Klampen-Verlag, 156S.
Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team
Das Einmaleins der Tiefenpolitik in diesem Artikel so klar und ausführlich erklärt, dass es auch der letzte Beratungsresistente verstehen sollte, wenn er denn grundsätzlich bereit ist zu glauben, dass die Führungsklique des Wertewestens nicht die Guten sind, was ihm angesichts der massiven Propaganda (wir sind die Guten) auf allen vermeintlich seriösen Kanälen von Schlipsträgern und gut bezahlten vermeintlichen Experten eingetrichtert wird, und was man ihm als Mitglied UnsererDemokratie ja auch einfach einreden kann, weil er als solches Mitglied ja auch lieber zu den Guten als zu den Schlechten gehören will.
Jetzt warte ich auf die höhere Mathematik der Tiefenpolitik für Fortgeschrittene, die sich von der Verleumdungskampagne “Verschwörungstheorie” nicht abschrecken lassen, nicht zuletzt weil sie wissen, dass die Führungsklique des Wertewesten nicht die Guten sind, weil diese dies allzu oft bewiesen haben und weil diese zu allen Schandtaten bereit sind, um mögliche Enthüllungen Ihrer Machenschaften zu diffamieren und zu verbieten (Julien Assange etc.). Dabei sind die Versuche, die offensichtlich intransparente Politik, die sich in wohlfeilen politischen Oberflächenphänomenen erschöpft, durch tiefgehende plausible Struktur- und Funktionsbeschreibungen der dahinterliegenden Phänomene und durch wirklich ehrlichen Journalismus zu erhellen, allemal wahrer, als das offizielle Politiktheater unserer Politiker und ihrer Hofberichterstatter mit dem und mit denen diese das Volk hinters Licht führen wollen.
Fritz Gerhard
3. Leserbrief
Hallo NDS, Herr Klöckner!
Wie blöd sind doch die uns Beherrschenden: Was soll denn Russland mit der total klammen und verschuldeten Bundesrepublik und anderen westeuropäischen Staaten anfangen? Mit denen Russland nicht mal eine gemeinsame Grenze hat; allerdings, Polen …
Fritz Schmidt
4. Leserbrief
Hallo Herr Klöckner,
man kann davon ausgehen, dass mit dem Einsatz von massiven psychologischen Wirkmitteln die Bundesregierung und ihre Medienhelfer die rote Linie der Schädigungsabsicht gegen die eigene Bevölkerung überschritten hat.
Strategisch verfolgen Medien und Politik damit wahrscheinlich eine gesamtgesellschaftliche Schwächung des Kriegswiderstands.
Auch Propagandamacher sind manchmal nicht effizient, statt Welle von Angriffen bietet sich der Ausdruck Tsunami von Angriffen an, der macht mehr Angst.
Offenbar müssen wir davon ausgehen, dass die Gefährdungslage der Bevölkerung tatsächlich kritisch ist, möglicherweise ist die Gefahrenquelle mehr bei den eigenen Kriegstreibern zu suchen als in der Ferne.
Zum Thema Geheimdienst, wie weit ist die Umsetzung vom BND zum Geheimdienst eigentlich schon fortgeschritten ?
Ein Verkaufsverbot für Konservendosen ist in Betracht zu ziehen als Unterbindung von deren Benutzung in kinetischen Wirkmitteln.
Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens
5. Leserbrief
Herr Klöckner,
Sie stellen wichtige Fragen. Nicht nur wegen der resultierenden Kriegsgefahr, auch angesichts der unvorstellbaren Kosten.
Sloterdijk führt in seiner Sphären-Trilogie aus, daß Gruppen jenseits biologischer Verwandschaft bevorzugt unter dem Druck eines äußeren Feindes existieren. Er wirft sogar die Frage auf, ob ein solcher nicht eigentlich eine Bedingung und Notwendigkeit dafür sei, daß sich mehrere zusammentun und zusammenbleiben, sich kennzeichnen und gegenüber anderen Barbaren ein Wir definieren.
Eine sich daraus ergebende Frage ist, was denn die westliche Zivilisation zusammenhalten sollte, nachdem das Christentum (nach dem Tode Gottes) auf dem Rückzug ist und sich die Wahrnehmung der Realität inzwischen in millionenfache Bubbles zersplittert hat. Was ist also trotz sich verschärfender Fliehkräfte der gemeinsame Gedanke oder Wille? Etwa Kultur? Welche? Geld und Wohlstand? Oder von der Leyens Werte? Oder die amerikanischen rules? Besteht das Einenende in übergestülpten Strukturen wie der EU? (Man könnte bissigerweise auf die Idee kommen, das Einende sei pure Überheblichkeit, nämlich all jenen anderen gegenüber, die da draußen außerhalb unseres Gartens im Dschungel dahinvegetieren …)
Sie sind ja beim lauten Nachdenken. Eine These könnte also auch sein: all dieser scheinbar irrationale und hysterische Wahnsinn dient (gelenkt durch ein paar Absprachen in ein paar Brüsseler Hinterzimmern) nicht unwesentlich dem inneren Zusammenhalt des Westens, der sonst zerfiele. Die Russen sind immernoch schlimmer als jeder soziale Kahlschlag, als jede Enteignung infolge Inflation, als Deindustrialisierung, auch als autoriäre Überwachung, das weiß schließlich jeder. (Dafür, also zur Schaffung einer Bedrohungslage, taugt sogar ein unsichtbarer Feind wie irgendein neues Virus oder aktuell: KI.) Mehr noch: eine derart herbeigeredete Bedrohung taugt sogar dann, wenn sie sich nicht erfüllt also die Russen nicht 2029 angreifen. Dann wird man klugtümelnd und staatstragend darauf verweisen, wie wirksam all die Vorkehrungen waren, die man teuer, aber schlau getroffen hat.
Ich sage hiermit voraus, daß der erfolgreich gegen einen äußeren Feind kämpfende Held nicht nur eine längst durchgehend etablierte Erscheinung in Hollywood-Filmen, sondern auch in europäischen, auch in deutschen Filmen und Fernsehserien werden wird. Bergretter, pah!, Gebirgsjäger! Es wird Uniformen geben, und Waffen, und Anwendung dieser Waffen, selbstverständlich. Das Kulturelle wird dem Zeitgeist folgen, Militarismus hat viele Gesichter.
T.M.
6. Leserbrief
Hallo NDS, sehr geehrter Herr Klöckner,
vielen Dank für die Sezierung. Ich wäre nicht böse, noch häufiger diese Art aufschlußreicher De- und Rekonstruktionen auf den Nachdenkseiten zu finden. Sprache ist wichtig, ihr komplexes Mißbrauchspotential ist von mir (wie von allen anderen, nehme ich an) leider oft nicht vollumfänglich und augenblicklich zu erfassen, weder intellektuell noch juristisch. Letzteres täte mittlerweile Not, aber in eine gänzlich andere – MINDESTENS um 360 Grad gedrehte – Richtung, als die, in welche die Dolche und Giftpfeile der Strategischen Kommunikation und des ‘Verfassungs’schutzes bisher geflogen sind.
Es kann nicht schaden, sich bewußt darauf zu schulen, die Codes (wohlwollend für: sehr hohle Phrasen, letztlich) der Politik und des Mainstreams zu entschlüsseln und möglichst simultan in echte, vernünftige Sprache zu übersetzen. Das ist dann allerdings anspruchsvoller als die ‘Nachrichten in einfacher Sprache’ (denen zu folgen ich mich früher – in dann anscheinend besonders schwieriger Sprache – eigentlich auch schon immer ganz gut im Stande sah).
Natürlich beinhaltet der Werkzeugkasten von allen Regierungen dieser Erde auch Propaganda. Die Westler haben auf diesem Feld (also Werbung, Scheinseriosität, Psychologie) aufgrund ihrer langen Erfahrung und ihrer medialen Infrastruktur gewissen Teilen der Welt (auch Nordkorea) gegenüber einen Vorteil. Unsere ist richtig schön feingeschliffen; nicht irgend so ein klobiges “Hopp, hopp”, wie man sich das in… was weiß ich, im vom Bürgerkrieg geschüttelten Kongo vorstellt, wo den Leuten von Anfang an mit Schrot klargemacht wird, wer der Chef ist. Nein, hier muß man sich richtig etwas einfallen lassen, wenn man nicht mit Kalaschnikovs oder Rheinmetall-Zeugs auf die eigenen Leute ballern will, um sie zu irgend etwas zu bewegen. Richtig was einfallen! Dessen sollte sich jeder bewußt sein, und vor allem den Kindern und jungen Menschen dieser Erde und Ära sollte dieses Bewußtsein endlich richtig vermittelt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß Woodstock wieder ausbricht.
Diese vergleichsweise verschärfte Propaganda erkennen zu können ist m.E. wieder sehr wichtig geworden. Ich meine nämlich, herausgefunden zu haben, daß ich gar nicht so besoffen sein kann, um darauf zu vertrauen, daß sich Spießgesellen wie von anno dazumal bis in alle Ewigkeit freiwillig zurückhalten können. Sieht man ja überall, daß sie’s nicht können. Na ja, noch sind’s wenigstens nur Mini-Röhms und Mini-Heydrichs, so zwergenhafte, die mit riesigen Schatten im Licht der sinkenden Sonne stehen. Aber der Fascho-Zölibat wird nicht ewig halten. Weil nichts ewig hält.
Und: Russische Drohne mit Konservenbüchse abgestürzt. Erneut, ja, verstehe. Ist etwa die russische Blechdose im Begriff, den in Verdacht geratenen Ausweis als langjährig bewährte Terroristenidentifikationshilfe abzulösen?
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Bichler
7. Leserbrief
Guten Tag,
mit Sorge betrachte ich die derzeitige politische Entwicklung und den zunehmenden Fokus auf militärische Aufrüstung und mögliche Konfliktszenarien. Aus meiner Sicht werden Ängste geschürt und Bedrohungen in den Vordergrund gestellt, während diplomatische Bemühungen und Maßnahmen zur Deeskalation zu wenig Beachtung finden.
Gerade im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine sollte es oberste Priorität sein, alle Möglichkeiten für eine friedliche Lösung auszuschöpfen. Statt die Konfrontation weiter zu verschärfen, braucht es mehr Dialog, ernsthafte diplomatische Initiativen und den gemeinsamen Willen, weiteres Leid und Sterben zu verhindern. Eine Politik, die den Frieden und die Völkerverständigung in den Mittelpunkt stellt, muss wieder stärker an Bedeutung gewinnen.
Auch der Umgang mit mutmaßlichen hybriden Bedrohungen sollte von Sachlichkeit und nachvollziehbaren Belegen geprägt sein. Unbewiesene Behauptungen und eine einseitige Darstellung möglicher Gefahren tragen nicht zur Vertrauensbildung bei, sondern können Ängste verstärken und bestehende Spannungen weiter verschärfen.
Zudem stellt sich die Frage, ob die zunehmende Ausrichtung auf eine Kriegswirtschaft tatsächlich der richtige Weg ist. Deutschland, ebenso wie Großbritannien und Frankreich, steht vor erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Anstatt immer größere Ressourcen in militärische Strukturen zu investieren, sollten zivile Investitionen, wirtschaftliche Stabilität und eine verantwortungsvolle Gesellschaftspolitik stärker in den Mittelpunkt rücken.
Eine Politik, die im Inneren vor allem auf Angst setzt und nach außen die Konfrontation verstärkt, birgt erhebliche Risiken. Europa und insbesondere Deutschland sollten sich daher bewusst machen, welche Folgen eine weitere Eskalation haben könnte.
Erforderlich ist eine Rückkehr zu einer Politik der Vernunft, der Besonnenheit und der Diplomatie – mit dem klaren Ziel, Frieden zu sichern, Vertrauen aufzubauen und eine gemeinsame Zukunft in Sicherheit zu ermöglichen.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
8. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
mein Dank für Ihren lesenswerten Artikel, den man vielleicht verkürzt so zusammenfassen kann:
Von der Strategie der Spannung weiter zur Ausrufung des Spannungsfalls und der damit zusammenhängenden Einschränkungen bis hin zur Aufhebung der Grundrechte.
Das wird noch deutlich über das hinausgehen, was wir gerade während der Lockdowns und der Maßnahmenpolitik rund um Corona erlebt und erlitten haben.
Nun noch einige Gedanken meinerseits.
Wenn das Elaborat, was man der Tagesschau und den notorischen “Investigationsmedien” WDR und SZ in den Briefkasten geworfen hat, wirklich geheime Informationen enthalten würde, wäre jetzt schon der Generalbundesanwalt aktiv. Aber bei dem lauen Geschwurbel und Geraune ist das einzige Handfeste, dass der Absender aus dem “Sicherheits”-Apperat kam und diffuse Ängste auslösen wollte.
Aber ich fürchte auch, dass demnächst keine Drohnen aus dem Baumarkt mehr irgendwo abgelegt und dann “gefunden” werden, sondern dass es dann mindestens wieder ein Celler Loch werden wird, also eine Sprengstoffexplosion an der Außenwand eines Gefängnis, welches in den 70er Jahren noch von wirklichen Investigationsjournalisten als Tat des deutschen Inlandgeheimdienstes enttarnt wurde.
Das 2024 abgehörte Gespräch von vier Luftwaffenoffizieren über die Möglichkeit einer Sprengung der Krimbrücke, ohne als Täter ausfindig gemacht zu werden, also das Planen für einen Terroranschlag und eine Kriegshandlung, hat für die Beteiligten keine negativen Auswirkungen gehabt. Es ging ja nicht um eine Baumarktdrohne sondern nur um eine Mittelstreckenrakete.
Inzwischen gibt der Luftwaffeinspekteur öffentliche Interviews über die Bereitschaft, über Nacht bereit zu sein für kriegerische Aktionen.
Und das gilt besonders in und um die russische Exklave Kaliningrad, um die herum die NATO in diesem Jahr fast ununterbrochen Manöver durchführt. Polen und Frankreich üben zeitgleich unter Einbeziehung von atomar bestückbaren Waffensystemen. Keine Meldung dazu in unseren Qualitätsmedien.
An der Grenze zu Polen liegt in Litauen der Suwalki-Korridor, durch den eine in Verträgen zwischen Russland und der EU sowie Litauen vereinbarte Eisenbahnverbindung zur Versorgung von Kaliningrad führt. Ausgerechnet dort ist eine Bundeswehreinheit ständig stationiert und das inklusive Familienangehörigen. Was wird das Schicksal dieser Menschen sein, wenn die NATO wie in ihren Manövern geübt die Zugverbindung kappt und Kaliningrad blockiert?
Russland hat jedenfalls öffentlich angekündigt, dass es bei einer NATO-Aktion, ob Blockade, Bombardierung oder Invasion, mit allen zur Verfügung stehenden Waffen, inklusive atomaren, antworten wird.
Meine Prognose ist, dass wenn die Friedensbewegung und die wenigen noch vernunftbegabten Entscheidungsträger die irren Kriegstreiber nicht stoppen können, dort eine Entwicklung eskalieren wird, die zu einem Atomkrieg mit Abermillionen Toten führen kann, der auch die transatlantische Führungsmacht nicht verschont, auf jeden Fall aber von Deutschland nicht viel übrig lässt.
Mit sehr besorgten Grüßen
M. Grzybek
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