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Titel: Schnallt euch gut an: Der Zusammenstoß steht bevor

Datum: 28. Oktober 2026 um 11:39 Uhr
Rubrik: Innere Sicherheit, Ungleichheit, Armut, Reichtum
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Im Folgenden drucken wir die Gedanken zur französischen Jugendrevolte des italienischen Philosophen Andrea Zhok ab, den er ursprünglich in italienischer Sprache auf seinem Telegram-Kanal veröffentlicht hat. Deutsche Übersetzung von Maike Gosch.

Schnallt euch gut an

Die Bilder der Flammen, die das Rathaus von Limoges in Frankreich verschlingen, und des Einsturzes des Glockenturms gehen um die Welt. Vorfälle wie dieser können nur verurteilt werden, ebenso wie die Plünderungen, die die Proteste in vielen Regionen Frankreichs begleitet haben.

Würden wir uns jedoch auf diese Ebene der Betrachtung beschränken, würden wir lediglich eine klassische Übung in kleinbürgerlichem Konservatismus betreiben, die zwar ihre Gründe hat, aber auch dramatisch kurzsichtig ist. Über ausgebrannte Autos und zerbrochene Schaufenster zu predigen, ohne darüber hinauszugehen, ist nur ein Zeichen dafür, dass man die Ernsthaftigkeit der Umstände, in denen wir uns befinden, noch nicht begriffen hat.

Was wir in Frankreich beobachten – und mittlerweile in unterschiedlicher Form auch in vielen anderen europäischen Ländern (Spanien, Portugal, Albanien, Belgien und seit gestern auch in Italien) –, ist alles andere als ein irrationales Ereignis. Es gibt nämlich historische Ereignisse, die nur aus lokaler Perspektive irrational erscheinen, aber eine offensichtliche Rationalität besitzen, wenn man sie aus ausreichender Höhe betrachtet.

Rational bedeutet nicht, das etwas schmerzlos oder frei von Ungerechtigkeiten ist.

Man muss den Blick schulen, um zwei Analyseebenen gleichzeitig im Blick zu behalten: jene, auf der man bestimmte Handlungen und bestimmte Personen als barbarisch, unzivilisiert oder vandalistisch beurteilen kann, und jene, auf der man verstehen kann (und muss), dass die Geschichte immer ein Fluss ist, in dem Trümmer und Leichen treiben, der sich aber nicht durch Predigten aufhalten lässt.

Was gerade geschieht, folgt einer eisernen kollektiven Rationalität, auch wenn diejenigen, die daran beteiligt sind, oft nur ein begrenztes oder gar kein Verständnis dafür haben.

Die Erfahrung, die die europäischen Bevölkerungen seit vielen Jahren mit ihren herrschenden Klassen machen, ist die eines anonymen technokratischen Organismus, einer sich selbst bewegenden Gummimauer, die sich auf „Autopilot“ bewegt und den Bedürfnissen der Bevölkerung völlig gleichgültig gegenübersteht. Das Ziel dieser mit der Finanzwelt verflochtenen technokratischen Schichten bestand darin, die Gewissen der Menschen mit dem heutigen Opium des Volkes – den Medien (Entertainment & Infotainment) – einzulullen und die Widerspenstigen mit restriktiven Maßnahmen zu zähmen (ein Schlag mit dem Schlagstock hier, eine Kontosperrung dort, ein kleines Wahlgesetz hier, eine Wahlannullierung dort usw.).

Die allgemeine, stillschweigende und unbestrittene Prämisse der europäischen Führungsschichten lautet, dass man mit dem Pöbel nicht vernünftig reden kann, sondern einfach Zuckerbrot und Peitsche abwechselnd einsetzt.

Alles, was öffentlich gesagt wird, ist stets eine instrumentalisierte Lüge, ohne Ausnahme, abgesehen von den vereinzelten Fällen, in denen eine Wahrheit ihrerseits instrumentalisiert werden kann. Die öffentliche Debatte ist zu einem endlosen Theaterstück geworden, das sich immer weniger darum kümmert, einen Anschein von Glaubwürdigkeit zu wahren.

So glaubt niemand, der bei klarem Verstand ist, wirklich, dass Russland im Begriff ist, in unser Land einzufallen, aber das hindert Scharen von institutionellen Schwätzern nicht daran, diesen Unsinn jeden Tag mit ernstem Gesicht zu wiederholen. Und natürlich weiß die ganze Welt, dass in diesem Märchenspiel, das von den Boulevardzeitungen angeheizt wird, der einzige relevante Punkt – der stabile Dreh- und Angelpunkt bei allen wechselnden Umständen – die Absicht ist, willkürlich über öffentliche Ressourcen zu verfügen, um sie privaten Interessen zuzuführen.

Kurz gesagt: Die herrschenden Klassen haben sich längst daran gewöhnt, die Bevölkerung wie dumme Tiere zu behandeln, denen sie keine rationale Begründung schulden und die einerseits mit selektiven Verlockungen und gezielten Privilegien, andererseits durch Entmachtung zu lenken sind.

Und dieser Mechanismus kann funktionieren und funktioniert auch lange Zeit.

Bis er nicht mehr funktioniert.

Und er funktioniert nicht mehr an dem Tag, an dem zu viele Menschen zu viel verlieren, um es sich leisten zu können, in einem Zustand der Lethargie zu verharren.

Man darf „zu viel verlieren“ hier nicht mit Dingen wie „Tod durch Verhungern“ gleichsetzen.

In einer modernen Gesellschaft geraten die Menschen schon lange bevor sie „verhungern“ in einen Zustand unerträglicher Entbehrung.

Heute bedeutet es beispielsweise für den Großteil der Bevölkerung, vom Rest der Welt, von der Arbeit, vom sozialen Leben und vom Leben selbst abgeschnitten zu sein, wenn man es sich nicht leisten kann, ein Auto zu nutzen oder Zugang zum Internet zu haben. Und die Tatsache, dass Autos und Handys einst Luxusgüter waren, bedeutet nichts: Jetzt ist dies die neue Ebene der „Teilnahme am gemeinsamen Leben“, das, was Leben von Nicht-Leben unterscheidet.

Ein Volk, das wie Lasttiere gezüchtet wird, denen man gelegentlich „panem et circenses“, beschissene Gelegenheitsjobs und Fernsehpropaganda verabreicht, wird – an dem Tag, an dem dieses Spiel ins Stocken gerät – für die Argumente der öffentlichen Anständigkeit, des Respekts vor Eigentum, der Ehrerbietung gegenüber Denkmälern usw. nicht empfänglich sein.

Diejenigen, die Autos, historische Gebäude und Geschäfte in Brand stecken, sind kulturell und moralisch benachteiligte Menschen. Doch die wahren Schuldigen, diejenigen, die zur Rechenschaft gezogen werden sollten, sind jene obersten Schichten, die diese Benachteiligung gefördert und gewollt haben, weil sie dachten, es sei nützlich für sie.

Heute steht der Druckkochtopf kurz vor der Explosion. Selbst wenn diese Welle wieder abebben sollte, ist dies nur der Anfang, denn die europäischen Führungsschichten sind weder materiell noch kulturell in der Lage, den Kurs zu korrigieren. Also schnallt euch an, denn der Zusammenstoß steht bevor.

Titelbild: Pierre Laborde / Shutterstock


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