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Titel: Horst Ehmke ist tot – damit ist einer der letzten Zeugen und Mitgestalter eines erfreulichen Teils der Nachkriegsgeschichte gegangen

Datum: 13. März 2017 um 12:26 Uhr
Rubrik: einzelne Politiker/Personen der Zeitgeschichte, SPD
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Wenn man die Geschichte Deutschlands grafisch darstellen sollte und auf der Ordinate die Qualität der Politik abgetragen wäre, dann würde die Zeit des Schaffens von Horst Ehmke von einem Hoch gekennzeichnet sein. Er gab als Staatssekretär und Kanzleramtsminister Impulse für die soziale und liberale Gestaltung unseres Landes sowie für den Abbau von Konfrontation und das friedliche Zusammenleben zwischen West und Ost. Horst Ehmke hat zudem anderen Völkern geholfen, sich von Diktatoren zu befreien. Zum Beispiel Griechenland von den Obristen. Unten finden Sie die Würdigung von Sigmar Gabriel und Martin Schulz. Aus persönlicher Erfahrung möchte ich ergänzen: Es machte ungemein Spaß, mit Horst Ehmke zusammen zu arbeiten und gelegentlich auch zusammen zu feiern. Ihn zu würdigen dient nicht der Nostalgie, sondern der Erinnerung daran, dass eine soziale und friedliche Politik möglich ist. Albrecht Müller.

Sigmar Gabriel und Martin Schulz zum Tod von Horst Ehmke

Am 12. März 2017 ist Horst Ehmke im Alter von 90 Jahren verstorben. Sigmar Gabriel und Martin Schulz würdigen ihn mit folgenden Worten:

Mit Horst Ehmke ist einer der bekanntesten und bedeutendsten Politiker der Ära Willy Brandt von uns gegangen. Die Sozialdemokratie trauert um einen brillanten und tatkräftigen Politiker, der sowohl die programmatische Ausrichtung der Partei als auch ihre praktische Politik über Jahrzehnte hinweg, vor allem jedoch in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, entscheidend geprägt und mitgestaltet hat.

Horst Ehmke, der aus einem liberalen Danziger Elternhaus stammte, war seit 1947 Mitglied der SPD. Nach seinem Jurastudium machte er sich zunächst einen Namen als Wissenschaftler. Aber der Weg in die Politik war für ihn nach den Erfahrungen von Krieg und Diktatur eine notwendige Konsequenz.

Mit dieser starken, inneren Überzeugung als Antrieb und Kraft wurde er zu einem herausragenden Mitglied unserer sozialdemokratischen Familie: Zunächst wirkte er als Staatssekretär im Justizministerium von Gustav Heinemann und später als dessen Nachfolger maßgeblich an einer umfassenden Strafrechtsreform mit.

Ab 1969 entwickelte er als Kanzleramtsminister im Kabinett von Willy Brandt den unbedingten Gestaltungs- und Reformwillen für ein modernes, demokratisches Deutschland. Dies galt sowohl für innere Reformen, wie die Erneuerung des Familienrechts und der Bildungspolitik, als auch vor allem für die Ostpolitik. Als loyaler Freund und Mitstreiter beriet er Willy Brandt in rechtspolitischen Fragen und vertrat die Politik des „Wandels durch Annäherung“ immer mit voller Überzeugung und mit seinem herausragenden rhetorischen Talent. Wie Willy Brandt wollte Horst Ehmke „Mehr Demokratie wagen“. Sein Ziel war die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche.

Er war ein geistig unabhängiger Intellektueller. Sein Kommunikationstalent, sein unverwechselbarer Wortwitz und seine blitzschnelle Entschluss- und Urteilsfähigkeit waren legendär und ebenso bewundert wie gefürchtet. Horst Ehmke gehörte dem Parlament von 1969 bis 1994 an. Sowohl dem Orientierungsrahmen `85 als auch dem Berliner Programm von 1989 der SPD hat er entscheidende Impulse gegeben.

Horst Ehmke war ein außerordentlich geistreicher Mensch und ein leidenschaftlicher Politiker. Er hat sich um Deutschland und die deutsche Sozialdemokratie verdient gemacht. Wir danken ihm für sein langjähriges Wirken und sind mit unseren Gedanken bei seinen Angehörigen.

Wir werden uns an Horst Ehmke immer in tiefer Dankbarkeit erinnern.


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