NachDenkSeiten – Die kritische Website

Titel: Auch Reinhold Beckmann ist in Diensten der Versicherungswirtschaft und nutzt die ARD im Sinne der Privatvorsorge

Datum: 11. April 2006 um 13:40 Uhr
Rubrik: Lobbyismus und politische Korruption, Medien und Medienanalyse, PR
Verantwortlich:

Unsere Nutzer sind gut im Recherchieren. Jürgen Amrhein hat uns am 10.4. das Ergebnis seiner Recherchen geschickt. Nach den in den NachDenkSeiten schon dargestellten Verflechtungen der Professoren Raffelhüschen, Rürup, Sinn und Miegel sowie Harald Schmidts Werben für Miegel fällt jetzt das Licht auf Reinhold Beckmann. Wie ich finde ein beachtenswerter Vorgang. Die ARD sollte auf solche Moderatoren verzichten. Andernfalls beschädigt sie ihr Image nachhaltig. Lesen Sie die E-Mails den Fall Beckmann betreffend.

Von Jürgen Amrhein

Sehr geehrte Macher der Nachdenkseiten,

in einem Eintrag vom 30.03. referieren Sie das Urteil eines Nachdenkseiten-Lesers:

Es gibt noch mehr Sendungen wo Unterhaltung und Politik verschwimmen. Beckmann, Günter Jauch, Kerner. Diese „Sportmoderatoren“ werden benutzt, um verdeckte politische Botschaften an den Mann oder die Frau zu bringen. Man schaue sich nur das Interview von Beckmann mit Schirrmacher zu seinem Buch Minimum an. Es war an Substanzlosigkeit nicht zu überbieten.

Am 20.03. war Norbert Blüm zu Gast in der ARD-Sendung ‚Beckmann‘. Norbert Blüm bewunderte ich für seine Standfestigkeit, mit der er den Sinn einer umlagegedeckten Rentenversicherung gegen die mitleidsvoll-belustigten Fragen des Moderators verteidigte. Der Zuschauer hatte das Gefühl, einem Zoo-Führer zu lauschen, der ein ausgestorbenes Fossil präsentiert. Beckmann konfrontierte den ‚Saurier‘ Blüm u.a. mit dem Buch ‚Das Methusalem-Komplott‘ von Frank Schirrmacher. Da sei ja, nach Beckmanns Worten, „beschrieben, dass die Rente in _der_ Form nicht mehr finanzierbar ist, weil die Überalterung der Gesellschaft … oben ganz, ganz viele, unten ganz, ganz wenige“ etc. pp. Der Moderator präsentierte das Buch von Schirrmacher wie einen Klassiker, hinterdessen Erkenntnisse heutige Politik nicht mehr zurückgehen könne. Der Moderator wurde aber immer dann erkennbar unruhig, wenn Blüm Zahlen und Namen nannte. O-Ton Beckmann: „Ich weiß, Sie haben jetzt ein persönliches Feindbild mit der BILD-Zeitung.“

(Zitate von Norbert Blüm sind auf der Web-Seite von ‚Beckmann‘ zu finden. Dort kann jeder Interessierte auch einen Videoclip mit dem vollen Blüm-Interview abrufen.)

Per google habe ich folgende Zeilen in einem Blog gefunden, die ich nur unterschreiben kann:

Anschließend machte sich Beckmann gemeinsam mit Ruge in einer, wie ich fand, unbeschreiblich arroganten Art und Weise über CDU-Blüm her. Der schlug sich verhältnismäßig gut. Thema: „Die Renten sind sicher!“. Blüm deutete an, dass die gerade laufende Renten-Kampagne eine Verschwörung der Bildzeitung und des Allianz-Konzerns wäre, was in der letzten Woche auch Recherchen des Fernsehmagazins MONITOR bestätigten. Der „Journalist“ Beckmann wollte davon aber nichts wissen. Beckmann, sonst ein eher schleimiger Fragensteller, unterbrach Blüm auffällig oft, immer dann wenn es gerade drohte spannend zu werden.


Quelle: ostblog.de

Blüm wusste also auch schon von der Kooperation der BILD-Zeitung mit dem Allianzkonzern (und dem T-Konzern, wenn ich mich richtig erinnere.).

Was Blüm nicht wusste, was ich nicht wusste, und was vermutlich auch Sie noch nicht wissen – sonst hätten die Nachdenkseiten sicherlich schon berichtet: Reinhold Beckmann wirbt für einen privaten Rentenversicherer, für die WWK Premium FondsRente. (Unter anderem auf einer Flash-Werbegrafik, die z.B. auf den Online-Seiten der ZEIT geschaltet wird.)

Wenn Sie’s nicht glauben – obwohl ich glaube, dass Sie es mir glauben -, folgen Sie diesem Link.

Werbezitat:

Garantiert, sicher und flexibel vorsorgen! Eine private Altersvorsorge, die sich der Zukunft anpasst? Ja, gibt es! Mit der WWK Premium FondsRente bleiben Sie flexibel. Egal, welchen Weg Sie einschlagen…

Das erklärt vieles. Das erklärt vor allem, warum Reinhold Beckmann, der sonst wie kein anderer in die Gehirnwindungen seiner Talkgäste hineinkriechen kann – v.a. wenn diese Gäste regierende Politiker oder amtierende Chefredakteure sind -, dass also dieser Moderator Beckmann seinen Studiogast Norbert Blüm in einer für alle offensichtlichen, peinlich-peinigenden Art nicht ernst nehmen wollte und konnte.

Was mir aber niemand erklären kann, das ist die Tatsache, dass ein Moderator, der für private Altersvorsorge Werbung macht, eine öffentlich-rechtliche Talkshow moderieren darf, in der z.B. Fragen über den Sinn und Unsinn privater Altersvorsorge gestellt werden. Beckmann ist Lobbyist, er ist kein unabhängiger Journalist. Weiß das die ARD nicht, will sie es nicht wissen? Oder weiß sie es und toleriert es und verschweigt es den Zuschauern? Sowohl das Nichtwissen als auch das Wissen der ARD wäre skandalös. Dumm oder korrupt. Tertium non datur.

Mit freundlichen Grüßen,

Jürgen Amrhein


Sehr geehrte Macher der Nachdenkseiten,
eben habe ich bei der Nachrecherche entdeckt, dass Reinhold Beckmann offiziell nicht ‚Lobbyist‘, sondern ‚Testimonial‘ genannt werden soll. ‚Testimonial‘ klingt offenbar weniger anrüchig, wenn dieses Wort überhaupt verstanden wird.

Die Selbstdarstellung der ‚Kreativagentur Serviceplan‘ ist wohl branchenüblich und auch nur von brancheninternem Interesse. Von öffentlichem Interesse dürfte aber sein, dass die TV-Moderatorin Nina Ruge von 2003 bis 2005 für die Leistungen der WWK geworben hat. Diese Tatsache ist an sich schon mehr als problematisch, gerät aber in Skandalnähe, wenn man bedenkt, wer in der ‚Beckmann‘-Sendung vom 20.03 u.a. Studiogast neben Norbert Blüm, dem erklärten Befürworter der gesetzlichen Rente, war: Nina Ruge. Frau Ruge hat sich offensiv ins Gespräch mit Blüm eingemischt und sehr deutlich ihre Pro-Privatrente-Positon zu verstehen gegeben. (O-Ton: „Glauben Sie tatsächlich, dass das Ganze finanzierbar ist, das System jetzt? … Erzählen Sie das mal einem 25-Jährigen. …“) Sie hat natürlich mit keinem Wort zu verstehen gegeben, dass sie ‚Testimonial‘ von WWK war, genausowenig wie Reinhold Beckmann zu verstehen gab, dass er der neue ‚Testimonial‘ von WWK ist.

Ein abgestimmtes Spiel unter Kollegen?

Die WWK Versicherungsgruppe hat in einer Pressemitteilung vom 01. März 2006 Reinhold Beckmann als ihren neuen ‚Testimonial‘ vorgestellt.

Zitate daraus:

Der beliebte Fußballmoderator und Talkmaster Reinhold Beckmann kommentiert als neutraler Beobachter das moderne Leben mit seinen veränderten und manchmal beängstigenden Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven und leitet über zur WWK Kompetenz bzw. auf die passende WWK-Lösung.“ „Wenngleich die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge mittlerweile im Bewusstsein der Deutschen verankert ist, so setzt sich der Großteil der Bevölkerung dennoch nicht gerne freiwillig mit Finanzprodukten auseinander, sondern verlässt sich auf die kompetente Beratung durch einen vertrauenswürdigen Vermittler.“ „Die Kernbotschaft aller Anzeigenmotive: Mit der WWK und Reinhold Beckmann navigieren Sie sicher auch durch stürmische Zeiten des Lebens.

Aha, Reinhold Beckmann ist ein ’neutraler Beobachter‘, der das moderne Leben ‚kommentiert‘. Entweder beherrsche ich die Wörter meiner Muttersprache nicht oder diese Aussage verfehlt um Haaresbreite die Wahrheit.

Mit freundlichen Grüßen,

Jürgen Amrhein


Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=1192