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Titel: Stimmen aus der Ukraine: Was dachte der bulgarische Präsident beim Anblick von Selenskyj?

Datum: 17. August 2023 um 10:00 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Militäreinsätze/Kriege
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Vor dem Hintergrund der Entwicklungen rund um den militärischen Konflikt in der Ukraine ist der jüngste Dialog zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seinem bulgarischen Counterpart Rumen Radev sehr bemerkenswert. Egal ob aus den USA, Brasilien, Kroatien oder direkt in der Ukraine, die kritischen Stimmen zum rücksichtslosen Vorgehen des ukrainischen Präsidenten mehren sich. Von Maxim Goldarb.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Der bulgarische Präsident Radev erklärte bei seinem jüngsten Treffen mit Selenskyj:

„Der Konflikt entwickelt sich zu einem Zermürbungskrieg, der nicht nur die Wirtschaft der Ukraine, sondern auch alle europäischen Länder in Mitleidenschaft zieht und die sozialen Spannungen verschärft. Ich bleibe dabei, dass es für diesen Konflikt keine militärische Lösung gibt. Mehr Waffen werden nicht zu einer Lösung führen.“

Darauf erwiderte der ukrainische Präsident:

„Gott bewahre, dass du an meiner Stelle wärst. Wenn du keine Waffe hättest, die dir hilft, was würdest du tun? Würdest Du sagen: „Putin, nimm die bulgarischen Gebiete?“ Nein, als Präsident würden Sie keinen Kompromiss zulassen.“

Radev schwieg, aus diplomatischer Höflichkeit und Erziehung und nicht gewohnt, unhöflich zu sein, aber ich bin sicher, dass er dachte: „ICH WÜRDE EINEN KRIEG AUF KEINEN FALL ZULASSEN! ICH WÜRDE ALLES TUN, DAMIT MEIN LAND NICHT IN DEN KRIEG HINEINGEZOGEN WIRD, ERST RECHT NICHT WEGEN FREMDER INTERESSEN FÜR MEIN LAND!“

Heute sind immer mehr ausländische und ukrainische Politiker, die die Geschehnisse bewerten, der Meinung, dass die Schuld des ukrainischen Präsidenten darin liegt, dass er, um seine Schwächen oder Interessen zu befriedigen und unter dem Druck der US-Behörden und Großbritanniens, die Bedingungen für einen Krieg in der Ukraine geschaffen hat. Anbei eine Auflistung der prominentesten Äußerungen diesbezüglich in den letzten Monaten:

So erklärte der US-Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy Jr.:

„Selenskyj hätte mit ziemlicher Sicherheit einen Krieg mit Russland im Jahr 2022 vermeiden können, indem er einfach fünf Worte gesagt hätte: ‚Ich werde der NATO nicht beitreten‘… Ich fühle sehr gut für das ukrainische Volk, aber dieser [Konflikt] ist nicht gut für das ukrainische Volk, dies ist ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland, bei dem die Ukraine geopfert wird.“

Der kroatische Präsident Zoran Milanovic verkündete:

„Washington und die NATO führen mit Hilfe der Ukraine einen Stellvertreterkrieg gegen Russland.“

Auch der brasilianische Präsident Lula da Silva äußerte sich wie folgt über Selenskyj:

„Sein Verhalten ist ein bisschen seltsam. Es ist, als ob er Teil der Show ist. Er ist morgens, mittags und abends im Fernsehen. Er ist im britischen Parlament, im deutschen Parlament, im französischen Parlament, im italienischen Parlament, als ob er eine politische Kampagne führen würde. Dabei hätte er am Verhandlungstisch sitzen müssen.“

Der Generalmajor der Streitkräfte der Ukraine (AFU) im Ruhestand, ehemaliger stellvertretender Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine (NSDC), Serhij Kriwonos, fordert gar unumwunden einen Machtwechsel angesichts der Weigerung Selenskyjs, in Verhandlung zu treten:

„Dieser kolossale Fehler führte zu Hunderttausenden von toten Ukrainern, zur Zerstörung einer großen Anzahl von Städten. Das Volk sollte einen Machtwechsel im Lande fordern.“

Die Einschätzung eines der engsten Mitarbeiter des Ex-Präsidenten Poroschenko, des ehemaligen Generalstaatsanwalts der Ukraine, Jurij Lutsenko, lautet wiederum:

„Warum hat der Krieg begonnen? Weil Präsident Selenskyj völlig unvorbereitet an die Macht kam… und mehrere systemische Fehler in vielen Bereichen machte.“

Wiederholt sprach ich über das Wesen dessen, was jetzt gerade mit meiner Heimat geschieht. Der Krieg wird a priori nichts Gutes für die Ukraine bringen. Der Krieg in der Ukraine bedeutet die kommende Abwesenheit auf der geopolitischen Karte der Welt, wer auch immer in der ukrainischen Führung derzeit was anderes behauptet.

Der einzige Weg, das Land zu retten, sind Verhandlungen und die Erreichung des Friedens.

Und hier eine neue Analogie: In Georgien glaubt man, dass es der ehemalige georgische Präsident Saakaschwili war, der das Land 2008 in den Krieg mit Russland und den anschließenden Verlust von Gebieten und den Tod von Menschen geführt hat.

„Vor dem Hintergrund, dass unsere militärischen Helden großen Heldenmut bewiesen haben, haben wir die schändlichen Handlungen des ehemaligen Oberbefehlshabers gesehen“, sagte der georgische Premierminister Garibaschwili neulich.

Ein sehr wahrscheinliches Ergebnis auch für unser Land und für den derzeitigen Präsidenten.

Titelbild: Ukrainian Presidential Press


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