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Titel: „Könnte Kriegsverbrechen sein“ – Angriff auf Grundschule im Iran, „Wertegemeinschaft“ schweigt
Datum: 4. März 2026 um 11:00 Uhr
Rubrik: Erosion der Demokratie, Militäreinsätze/Kriege
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Am 28. Februar wurde während der Angriffe der USA und Israels auf den Iran eine Grundschule in der südiranischen Stadt Minab getroffen – es gibt mindestens 165 tote Kinder und viele Verletzte. Als die Nachricht bekannt wurde, hieß es schnell: Propaganda. Nur. Die Nachricht stimmt. Doch die westliche „Wertegemeinschaft“ schweigt. Medien berichten zwar, allerdings sehr zurückhaltend, der Bundeskanzler sagt indes: „Wenn das iranische Regime so nicht mehr existiert, dann geht es der ganzen Welt ein bisschen besser.“ Immerhin: Die UN spricht von einem möglichen Kriegsverbrechen. Hunderte Kinder tot und schwer verletzt. Wofür? Warum? Aufgrund eines völkerrechtswidrigen Angriffs, der nie hätte erfolgen dürfen. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Greift ein Land ein anderes militärisch an, fließt Blut – auch das von Unschuldigen. Vielfach propagandistisch ausgewälzte „Präzisionsschläge“ bedingen oft genug auch sogenannte „Kollateralschäden“. Wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, wenn eine Rakete einschlägt, hat eben Pech gehabt. Egal ob Mann, Frau, Kind. Eine gewichtige Rolle spielen ermordete Zivilisten in der westlichen Wertegemeinschaft häufig nur dann, wenn sie dazu dienen, die Grausamkeit des „Feindes“ vor Augen zu führen.
Im Iran wurde am 28. Februar eine Grundschule in der südiranischen Stadt Minab getroffen. Laut Berichten war eine gelenkte Rakete, mutmaßlich eine Cruise Missile, verantwortlich. Das Ergebnis: Mindestens 165 tote und etwa 150 verletzte Kinder, genaue Zahlen sind allerdings schwer zu verifizieren.
Hier ist er zu sehen: der moralische Offenbarungseid der westlichen Wertegemeinschaft.
Was haben Politiker, Journalisten und andere Akteure die Angriffe des Iran beklatscht. Wie sehr verteidigen sie immer noch diesen schweren Bruch des Völkerrechts. Über die getöteten Kinder schauen sie hinweg.
Zu dem Angriff auf die Schule finden sich Berichte in deutschen Medien. Die Berichterstattung ist allerdings bemerkenswert „zurückhaltend“. Man stelle sich nur einmal vor, wie Medien hierzulande berichteten, wenn eine Rakete Russlands eine Grundschule in der Ukraine treffen würde.
Die Massenbeerdigung hat Anfang der Woche stattgefunden. Wer davon als Mediennutzer erfahren möchte, muss suchen.
Die UNESCO hat sich zu Wort gemeldet. Sie bezeichnet den Angriff auf die Schule als „schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts“. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, äußerte sich in einer Pressemitteilung. In der Veröffentlichung ist die Rede davon, dass Angriffe dieser Art Kriegsverbrechen darstellen könnten. Dementsprechend berichtet das Portal boerse.de: „UN: Angriff auf Schule im Iran könnte Kriegsverbrechen sein“.
Natürlich ist es, wie immer bei solchen Fällen, nicht einfach, von außen genau zu verifizieren, was vorgefallen ist.
US-Außenminister Marco Rubio sagte:
„Die Vereinigten Staaten würden nicht absichtlich eine Schule angreifen.“
Danny Danon, der israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen, sagte, er habe unterschiedliche Berichte zu dem Vorfall gesehen. Darunter sei auch einer gewesen, wonach der Iran selbst die Schule angegriffen habe, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Welchen Sinn ein solcher Angriff durch den Iran selbst ergeben soll, erschließt sich nicht.
Auch wenn eine Untersuchung abgewartet werden muss: Ein „Kollateralschaden“ liegt nahe. Hunderte Kinder tot und verletzt. Wofür? Warum? Aufgrund eines völkerrechtswidrigen Angriffs, der nie hätte erfolgen dürfen.
Auch aus diesem Grund, damit so etwas nicht passiert, gibt es ein Völkerrecht – das allerdings die Wertegemeinschaft durch ihr Verhalten längst entwertet hat.
Titelbild: Mehr News Agency
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