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Titel: Als lebte sie in einer anderen Welt – US-Präsidentengattin behauptet Atemberaubendes: den Kindern der Welt zugewandt zu sein

Datum: 5. März 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech
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Melania Trump, die Frau des US-Präsidenten Donald Trump, betrat am Wochenanfang die Tribüne des UN-Sicherheitsrats in New York. Sie missbrauchte diese für eine Show des Zynismus. Sie redete über Kinder, über Frieden, über Hoffnung. Ihre scheinbar warmen Worte bewirkten im Gegenteil eiskalte Schauer. Ein Zwischenruf von Frank Blenz.

Melania Trumps Auftritt – sie leitete sogar die Sitzung – war nur ein weiteres entlarvendes Beispiel des permanent ungestraften Machtmissbrauchs der gegenwärtig herrschenden politischen Klasse, voran die USA, als lebte die in einer anderen Welt. Die Frage stellt sich mehr und mehr, Tag für Tag: Wann hört der Irrsinn endlich auf? Frieden? Hoffnung? Nicht in Sicht.

Eine einzige Heuchelei

Diplomatensprache klingt immer gut, immer ausgewählt, immer irgendwie Hoffnung weckend – so das Klischee. Melania Trump sprach auf „elegante, kalte Weise“ vor dem UN-Sicherheitsrat. Sie wurde gelobt und bekam Beifall – von den Diplomaten. Fein. Doch die Diplomatensprache, das ätzende Politikersprech ist und bleibt pure Heuchelei. Die Gattin des US-Präsidenten erledigte ihren Job in dem Sinne allzu gut. So erfuhr man bei der „Tagesschau“:

In New York hat der UN-Sicherheitsrat getagt – erstmals unter der Leitung einer First Lady. Melania Trump führte durch die Sitzung, bei der es um die Themen Kinder, Technologie und Bildung in Konfliktsituationen ging. Die USA haben in diesem Monat turnusmäßig den Vorsitz im wichtigsten UN-Gremium übernommen, was auch die Leitung der Treffen beinhaltet. Üblicherweise führen UN-Botschafter oder Regierungsvertreter durch die Sitzungen des 15-köpfigen Gremiums.

Die Frau des US-Präsidenten ist bisher politisch kaum in Erscheinung getreten. Nun äußerte sich die 55-Jährige in einer Ansprache vor der Weltöffentlichkeit. Dabei sagte sie: „Gesellschaften, die von Wissen und Weisheit geleitet werden, sind friedlicher.” Zudem stünden die USA an der Seite der Kinder auf der ganzen Welt. „Ich hoffe, dass der Frieden bald euch gehören wird”, betonte sie, ohne auf die Angriffe im Nahen Osten einzugehen.

Die Weltmacht USA an der Seite der Kinder, aha!?

Doch hat diese Frau im Auftrag ihres Mannes, ihrer Klasse wirklich keine Scham? Kennt sie keinerlei peinliche Betroffenheit bei derlei Worten?

(…) die USA an der Seite der Kinder auf der ganzen Welt. „Ich hoffe, dass der Frieden bald euch gehören wird“, (…).

Wohl nicht. Von wegen für die Kinder da sein. Allein der Blick in die USA selbst genügt, um zu sagen: Frau Trump! Schweigen Sie! Ein wenig Recherche sollte Ihnen reichen, um zu erfahren, dass in Ihrem Land, dem reichsten Land der Welt, die Kinderarmut ein großes Problem darstellt: Etwa eins von sieben Kindern (rund 16 Prozent) lebt in Armut. Betroffene Kinder leiden unter Hunger, mangelnder Gesundheitsversorgung und Wohnungsnot. Schätzungen gehen davon aus, dass über 2,5 Millionen Kinder obdachlos sind. Frau Trump, Sie sollten die Ursachen kennen.

Kenner der Zustände fassen die Lage zusammen:

Kinderarmut

Kinderarmut ist in den USA nach wie vor ein großes Problem, von dem Kinder aus Communities of Color und aus ländlichen Gebieten unverhältnismäßig stark betroffen sind. Die Armutsquote bei den unter 18-Jährigen liegt bei fast einem Fünftel und ist damit die dritthöchste Quote aller OECD-Länder. Mehrere Millionen Kinder in den USA sind verarmt, was sowohl kurz- als auch langfristige schädliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat. Es ist wahrscheinlicher, dass sie eine Ausbildung verpassen, ihr Zuhause verlieren und keine Stabilität haben, was wiederum schlimme Folgen für ihre psychische Gesundheit hat.

Bildung

Der Zugang zu hochwertiger Bildung ist zu einem der größten Probleme im US-Schulsystem geworden. Viele der Schulkinder aus einkommensschwachen Haushalten besuchen keine Schulen, die einen vollständigen akademischen Lehrplan anbieten. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder aus einkommensschwachen Haushalten die Schule abbrechen, siebenmal höher. Ohne eine angemessene Ausbildung haben es Kinder und Jugendliche schwer, dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

(Quelle: SOS-Kinderdorf)

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Frau Trump, schauen Sie weiter, direkt vor Ihre Haustür, nach Kuba! So stehen Sie also an der Seite der Kinder? Indem Sie ihr Nachbarland seit zig Jahren blockieren, sabotieren, bekämpfen? Und das bis zum Ende – auf dass die Hoffnung und der Frieden ihnen, den Kindern, gehöre? Die Lage auf Kuba ist himmelschreiend. Ihr Mann, Frau Trump, hat offen ausgesprochen, den „Laden“ Kuba übernehmen zu wollen. Was folgt dann?

Schauen Sie in den Nahen Osten – nach Gaza! Sie stehen an der Seite der Kinder, sagen Sie vor der UN. Die Lage der Kinder im Gazastreifen wird von internationalen Organisationen wie UNICEF und der WHO als katastrophal und lebensbedrohlich beschrieben. Vom Krieg, der bis vor Kurzem tobte, ganz zu schweigen. Ihr Mann plant dort Großes. Gaza wird glänzend dastehen. Und die Kinder?

Schauen Sie in die Ukraine, nach Russland – die Kinder leiden unter dem dort immer noch währenden Krieg (an dem Ihre USA tatkräftig mitmischten und weiter mitwirken). Ihr Mann denkt in Deals. Ja, und Sie stehen an ihrer Seite, an der der Kinder.

Schauen Sie nochmals in den Nahen Osten. Sie fabulieren über Kinder, über Frieden, über Hoffnung. Sie als First Lady reden vor dem mächtigsten Gremium der Vereinten Nationen (das war eine Premiere für die Ehefrau eines Staatschefs). Während dieser Zeit aber bombardieren US-amerikanische und israelische Flugzeuge iranische Städte. Die treffen eine Schule im Süden Irans.

Wie können Sie, Frau Melania Trump, im Angesicht all dieser „Wohltaten“ der allmächtigen USA die Hoffnung äußern, dass all den Kindern der Welt bald der Frieden gehören wird? Es scheint, als lebten Sie in einer eigenen.

Titelbild: Evan El-Amin/shutterstock.com


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