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Titel: „Die Menschen in Deutschland haben ein Kanzler-Problem“ – O-Töne zu Merz‘ Äußerungen über Renten-Aussichten und Arbeitsmoral der Deutschen

Datum: 28. April 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Schulden - Sparen, Sozialstaat
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Immer wieder – und in letzter Zeit immer öfter – liefert Bundeskanzler Friedrich Merz Äußerungen, die nicht wirklich durchdacht erscheinen und dem ohnehin stark angeschlagenen Ansehen des Kanzlers weiter schaden. So hat er jetzt den Deutschen vorgeworfen, sie seien in ihrer Arbeit „zu bequem“ geworden und sollten sich in puncto Fleiß an den Chinesen ein Beispiel nehmen. Faktisch im gleichen Kontext äußerte er, die gesetzliche Rentenversicherung allein würde in Zukunft nur noch „als Basisabsicherung“ angesehen, womit Merz die bisherige Arbeit der werktätigen Deutschen und die von ihnen gezahlten Beiträge eigentlich abwertete. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


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Bundeskanzler Friedrich Merz am 20. April 2026

„Wir haben uns ausgeruht. Wir sind ein bisschen zu bequem geworden. Und wenn man heute nach China schaut, selbst wenn man nach Amerika schaut: Die Dynamik, die in diesen Volkswirtschaften nach wie vor oder jetzt vor allen Dingen in China vorhanden ist, die fehlt uns. Wir müssen uns anstrengen, wir müssen jetzt die Ärmel aufkrempeln und wir müssen Schritt für Schritt dieses Land wieder fit machen.“

(Quelle: WELT, ab Minute 0:45)


Unternehmer Carsten Maschmeyer am 21. April 2026

„Die Deutschen arbeiten zu wenig? Ernsthaft, Friedrich Merz? Die Menschen in Deutschland stehen morgens früh auf, zahlen Steuern und Abgaben, halten diesen Laden am Laufen. Und dann kommt der Kanzler und erklärt seinen Bürgerinnen und Bürgern, sie seien zu faul. Wie realitätsfern ist das eigentlich? Nicht die Deutschen arbeiten zu wenig, sondern Arbeiten lohnt sich zu wenig. Und gerade darüber müsste ein Kanzler reden und eine Lösung präsentieren. (…)

Die Menschen in Deutschland haben kein Arbeitsmoral-Problem, sie haben leider ein Kanzler-Problem. Denn ein Kanzler sollte seine Bürgerinnen und Bürger starkreden und nicht schlechtreden.“

(Quelle: tvo, ab Beginn und ab Minute 0:44)


AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla am 22. April 2026

„‚Die würden sich ausruhen, die Deutschen, die arbeiten, seien bequem geworden‘ – das ist die Antwort des Bundeskanzlers. Wahrscheinlich eine Selbstreflexion auf die Arbeit seiner eigenen Regierung, die er damit meint.“

(Quelle: @letsgoallicew)


Bundeskanzler Friedrich Merz am 20. April 2026

„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter. Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern. Es müssen kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung hinzutreten, und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“

(Quelle: FAZ, ab Minute 0:18)


SPD-Fraktionschef Matthias Miersch am 20. April 2026

„Die Rente in Deutschland ist keine Sozialhilfe. Sie ist eine Leistung, eine versprochene Leistung für die Lebensleistung der Beschäftigten in diesem Land. Viele viele Millionen Menschen haben Jahrzehnte durch ihre Beitragszahlung darauf vertraut, dass es auch eine adäquate Rente gibt.“

(Quelle: FAZ, ab Minute 1:06)


Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am 21. April 2026

„Die Kommission hat den Auftrag bekommen, eine Lebensstandard sichernde Rente zu erarbeiten über verschiedene Modelle. Und deshalb fand ich diese, also die Aussage [von Friedrich Merz – Anm. d. Red.], das hat den Eindruck erweckt, als gehen wir in Richtung Grundsicherung. Und man muss ja einfach wissen, die Menschen zahlen ja dafür ein. Das ist ja kein Almosen, sondern sie zahlen Beiträge – und nicht wenig. So, und am Ende kommt wenig dabei raus. Und die Durchschnittsrente liegt beim Mann bei 1.400, bei Frauen ist es nur bei 940 ungefähr. So, und das läuft in die Richtung Altersarmut.“

(Quelle: @maischberger)


FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki am 22. April 2026

„Also, es ist schlicht und ergreifend unverschämt, wie dieser Kanzler und diese Regierung in die Taschen anderer Leute greifen will und glaubt, damit durchkommen zu können. Das wird nicht funktionieren.“

(Quelle: WELT, ab Minute 5:16)


Titelbild: Screenshots WELT, tvo, x.com/letsgoalicew, FAZ, x.com/maischberger


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