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Titel: Neues aus Tschechien: Bunker, Patronen und Panzerrallye gen Ostfront
Datum: 9. Juli 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Aufrüstung, Länderberichte
Verantwortlich: Redaktion
Europa wird von hysterischen wie mächtigen Akteuren in Beschlag genommen. Statt sich der Friedenssehnsucht der Menschen zu widmen, legen sie beim Zündeln in Richtung eines großen Krieges immer und immer weiter noch eine Schippe drauf. Selbst im kleinen Nachbarland Tschechien missachten wichtige Entscheidungsträger die vielen Bürger und eskalieren auf vielen Ebenen. Sie behaupten, es herrsche Kriegsstimmung. Dabei ist das alles so irre. Die Sinnlosigkeit ihres Treibens wurde mir bei einem Besuch eines historischen Bunkers in der Stadt Brno ein weiteres Mal klar. Nochmals zum Kopfschütteln: Solche Anlagen sollen künftig verstärkt auch in Deutschland für den Schutz der Bürger sorgen, geht es nach den Zivilschutzplanern bei uns. Im Ernstfall sind diese aber für die Katz´. Der Brnoer Bunker mahnt, doch die Bellizisten spielen weiter mit dem Feuer. So ist Tschechien auch beim Patronenliefern dabei, und auf tschechischen Autobahnen wird schon mal mit Panzern der NATO die Verlegung an die Ostfront geübt. Ein Zwischenruf von Frank Blenz.
72 Stunden durchhalten – und dann?
Wie fühlt es sich an, in einem Bunker überleben zu wollen, wenn der Krieg ausbricht, wenn der Bombenalarm ausgelöst wird, Sirenen heulen und man keine Zeit hat und nur schnell noch Unterschlupf finden möchte? In Tschechien habe ich einen solchen Bunker besucht. Mitten im Zentrum der tschechischen Großstadt Brno befindet sich unterhalb des Schlosses Špilberk (ein imposanter Bau mit massiven Wehrmauern) eine alte Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die bis heute erhalten, aber für heutige Anforderungen nicht mehr einsatzfähig ist.
Der Luftschutzbunker namens „10-Z“ wurde nach dem Krieg während der Zeit des folgenden „Kalten Krieges“ zu einem geheimen Atombunker für die Stadt- und Regionalregierung zum Schutz vor NATO-Bomben umgebaut, erfahren die Besucher. Zu erfahren ist auch, dass der für kurze Zeit hermetisch verschlossene Bunker nach einem Atomeinschlag 72 Stunden für wenige Hundert Menschen direkten Schutz geboten hätte. Aber danach? Anschließend hätte nach etwa zwei Wochen der Bunker für kurze Zeit verlassen werden können. Der „radioaktive Niederschlag“ wäre aber lediglich abgeklungen. Massive Lebensgefahr hätte weiter bestanden. Mein Fazit: Bunker sind sinnlos. Und Kriege sowieso.
Patronen satt für die Ukraine
Was stört das indes die Profiteure? Auch in Tschechien jubeln die dortigen Rüstungsfirmen und interessierte Politiker. „Die tschechischen Waffenfabriken erleben goldene Zeiten. Ihre Kapazitäten werden ausgebaut, die tschechischen Rüstungsbetriebe expandieren mit ihrem Kapital in die fortschrittlichsten Teile der Welt“, sagte der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Petr Zahradnik in einem Interview.
Mehr noch, Tschechien mischt außenpolitisch mit, und das dank seines Staatspräsidenten Petr Pavel auf eskalierende Weise. Pavel, ein alter NATO-General und notorischer Russlandfeind, schürt entgegen des Kurses der neuen Regierung die Konfrontation weiter und wird nicht müde, eine sogenannte Munitionsinitiative am Leben zu erhalten. Zwar gibt Tschechien nun selbst nach dem Regierungswechsel keine finanziellen Mittel mehr hinzu, dafür springt Deutschland massiv ein. Tschechien startete die Munitionsinitiative im Jahr 2024, so Pavel, um die Feuerkraft der Ukraine im Kampf gegen die russische Armee zu stärken. Unser Verteidigungsminister Boris Pistorius hat der Initiative im Juni 2026 nun weitere 300 Millionen Euro zugesagt. 50.000 Schuss weitreichender Munition werden so für die Ukraine finanziert. Der Krieg läuft weiter.
Dem nicht genug: Pistorius gab laut Radio CZ bekannt, Deutschland werde rund 200.000 Pistolen für die Bundeswehr in Tschechien kaufen. Kein Wunder, gilt das kleine Land als Produktionsort mit langer Tradition und hohen Qualitätsnormen. Dieser Auftrag habe einen Wert von 56 Millionen Euro.
Panzer düsen über die tschechische Autobahn
Und weiter geht’s in Tschechien mit der Eskalation. So gab es gerade einen Test für den „NATO-Ernstfall“. Ein halbes Dutzend Leopard-Panzer der tschechischen Armee befuhr die Autobahn. Die Panzer, ein Geschenk der Bundeswehr an Tschechien, donnerten in Kolonne über die Schnellstraße. Wie das Portal Echo24cz berichtete, handelte es sich um das Training einer schnellen NATO-Truppenbewegung im Ernstfall. Tschechiens Rolle wurde ebenso konkret definiert: Tschechien ist ein „Transitland“ auf dem Weg Richtung Ostfront, so ein Kommandeur:
Tomáš Suchý, Kommandeur des 73. Panzerbataillons, sagte dem Portal: „Wir sind ein Transitland für Nato-Truppenbewegungen und müssen dazu in der Lage sein und entsprechend trainieren.“
Gibt es Signale der Deeskalation aus Tschechien? „Das hatten wir schon mal.“
Wohin man schaut, befindet sich die Spirale der Aufrüstung, der Kriegsertüchtigung, der Manöver am Dauerdrehen. Ein wenig Hoffnung gegen dieses Drehen verbreitete für mich der amtierende Ministerpräsident Tschechiens, Andrej Babiš. Der hat vor einiger Zeit Deutschland besucht und bei einem Gespräch mit der bayerischen Staatsregierung eine defensive Haltung angemahnt. Während die bayerische Staatsregierung ein „Gesetz zur Förderung der Verteidigungsindustrie“ in den Landtag einbrachte, entgegnete dem Babiš:
„Ich sehe die Zukunft der europäischen Industrie nicht darin, dass wir Panzer herstellen.“ Der Krieg in der Ukraine müsse beendet werden. „Falls jemand es für normal hält, dass mit Krieg Hunderte Milliarden verdient werden – ich halte es nicht für normal.“ Die Rüstungsindustrie könne nicht Europas Zukunft sein. „Das hatten wir hier schon mal.“
Was der deutsche Gastgeber Söder dagegen sagte, tönte wie „ja alles schön und gut, aber wir machen weiter so“.
Söder betont, alle Bemühungen, den „furchtbaren“ Krieg zu beenden, seien sehr sinnvoll. Aber: „Ich glaube, dass Verteidigungsindustrie ein wichtiger Beitrag ist zum Schutz, manchmal auch ein notwendiges Übel.“ Es sei notwendig, dass gerade Deutschland bei der Verteidigung vorangehe in Europa.
(Quelle: Bayrischer Rundfunk)
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