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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Über 10.000 junge Menschen aus aller Welt: das Weltjugendfestival in Russland
Datum: 11. Oktober 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Kultur und Kulturpolitik, Länderberichte, Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen
Verantwortlich: Redaktion
Vom 11. bis 17. September fuhren wir mit Unterstützung aus Deutschland nach Jekaterinburg, um am Internationalen Festival der Jugend teilzunehmen. Ziel des Festivals ist es, eine Plattform für den Dialog junger Menschen aus aller Welt zu schaffen, um gemeinsam über Wege zu einem gerechteren und multipolaren Weltbild zu sprechen. Das Programm umfasste Foren, Diskussionsrunden, Konzerte, sportliche Veranstaltungen und kreative Workshops. Das Festival wurde ausgetragen unter dem Motto „Folge deinem Traum”, mit Tscheburaschka als Maskottchen des Festivals. Ein Bericht von Torsten Rexin.
Über 10.000 junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren aus über 191 Ländern nahmen am Festival teil. Dabei war die Hälfte der Teilnehmer aus den verschiedenen Regionen Russlands und die andere Hälfe der Teilnehmer aus dem Ausland. Die genaue Anzahl der Teilnehmer pro Land ist uns nicht bekannt, jedoch können wir mit Sicherheit sagen, dass mindestens 20 Teilnehmer mit deutschen Hintergrund das Festival besuchten sowie mindestens jeweils ein Teilnehmer aus Lichtenstein, der Schweiz und Österreich vor Ort war.
Geschichte des Festivals
Die Geschichte dieser neuen Festivalreihe beginnt im Jahr 2023, als der Präsident der Russischen Föderation einen Erlass zur Durchführung des Weltjugendfestivals unterzeichnete. Das erste Festival fand vom 1. bis 7. März 2024 in Sotschi statt. Nach dem Erfolg in Sotschi wurde das Festival 2025 in Nischni Nowgorod ausgerichtet. Der Umfang war etwas kleiner: etwa 2.000 Teilnehmer aus 120 Ländern nahmen teil.
In diesem Jahr übernahm Jekaterinburg die Austragung des Festivals. Die Hauptplätze waren der Campus der Uralischen Föderalen Universität (hier wohnten auch die Teilnehmer und Freiwilligen) sowie das internationale Ausstellungszentrum „Jekaterinburg-Expo“. Ein Teil der Aktivitäten fand außerhalb der geschlossenen Hallen statt – in öffentlichen Stadtzonen wie dem Majakowski-Park und dem Historischen Platz.
Programmschwerpunkte
Das Programm teilte sich auf in acht zentrale Bereiche: Öffentliche Administration, Medien, Wissenschaft und Bildung, Unternehmertum, Digitalisierung und IT, Kreativindustrie, gesellschaftliches Engagement sowie Sport und Gesundheit
„Stadtteil der Kulturen der Welt“
Der Campus wurde in fünf Zonen nach Makroregionen unterteilt (Asien, Afrika, Europa, Amerika, Naher Osten), wobei jeweils eine Bühne im Innenhof einer der fünf Wohnheime platziert wurde. So wurde sichergestellt, dass die Schlafenszeit auf ein Minimum reduziert wird. Jede Zone bot eigene Aktivitäten: Auf der Bühne „Asien” wurde viel Karaoke gesungen, Afrika hat bis spät in die Nacht auf Trommeln gespielt, Europa bot russische und kaukasische Tänze zum Mitmachen, in Amerika sorgten Sombreros und Rasseln für eine fröhliche Tanzatmosphäre nach lateinamerikanisch-mexikanischem Vorbild, und im Nahen Osten erklangen ruhigere Töne, welche zum Verweilen einluden.
Bis um 23 Uhr wurde auf jeder der Bühnen oder Makroregionen gefeiert. Danach haben wir uns draußen auf dem Campus oder im Wohnheim getroffen und bis spät in die Nacht Tee getrunken oder gemeinsam Lieder mit Gitarrenbegleitung gesungen. Pünktlich um 8 Uhr morgens fing der Bass erneut an – Zeit, zur Kantine zu gehen, gemeinsam zu frühstücken und den Tag zu beginnen.
Eröffnungszeremonie
Apropos Beginn – eingeleitet wurde das Weltjugendfestival von einer atemberaubenden Eröffnungszeremonie. Für jede der oben erwähnten Makroregionen gab es ein aufwändig inszeniertes Musikprogramm. Angenehm war auch, dass keine dämonisch-satanistischen Elemente in der Zeremonie anzutreffen waren, wie es zum Teil in westlichen Ländern der Fall ist. Das Motto war: Wir sind alle verschieden, aber vereint sind wir stark. Das hier verlinkte Video der Eröffnungszeremonie gibt einen guten Einblick.
Exkursionen
Beginnend schon am Tag der Ankunft, wurden für die Teilnehmer Exkursionen durch Jekaterinburg, Werchnjaja Pyschma und Sysert organisiert. Wir nahmen an einer Führung durch die Stadt Jekaterinburg teil, welche einen angenehmen Eindruck auf uns gemacht hat.
Jekaterinburg (früher Swerdlowsk) ist eine historsich geprägte Stadt im mittleren Uralgebirge und wurde von einem Russen und einem Deutschen maßgebend geprägt. Das Stadtbild hat eine gute Balance zwischen historischen Bauten und moderner Baukunst. Mit 1,5 Millionen Einwohnern zählt die Stadt auch zu den größten Städten Russlands.
Expo
Tagsüber wurde das Expo-Gelände zum Zentrum des Geschehens. In drei Messehallen präsentierten verschiedene russische Organisationen ihre Produkte, ihr Unternehmen und boten praktische Seminare an. So haben wir zum Beispiel ein Hühnchenfleisch geklont, durften Drohnen durch einen Parkour fliegen und haben humanoide Roboter gesehen. Russland hinkt technologisch keineswegs hinterher: ob ein Prototyp der Marke Aurus eines Autos mit Wasserstoffantrieb, autonom fahrende Lieferroboter von Yandex und vieles mehr. Leider haben vier volle Tage nicht ausgereicht, um mit der nötigen Gründlichkeit alle Stände zu besuchen.
Außerdem gab es ein reiches Programm an Seminaren und Vorträgen im Bereich der verschiedenen Programmschwerpunkte des Festivals. Nennenswert sind Diskussionsrunden mit Marija Sacharowa und anderen Gästen sowie der Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow, welcher auch einen eigenen Vortrag hielt. Bei der Abschlusszeremonie hat Lawrow einige Worte an die Teilnehmer gerichtet.
Es sei an dieser Stelle betont, dass sowohl Sergej Lawrow, der Außenminister Russlands, als auch Maria Sacharowa, Pressesprecherin des Außenministeriums, sich den Fragen der Jugend angenommen haben. Unsere direkte Erfahrung zeigt: Wir können aktiv mit den Vertretern Russlands ins Gespräch kommen.
Fazit
Während des Festivals durften wir viele fremde Kulturen geballt an einem Ort erleben – untermalt durch Musik, Gespräche, Kostüme/Trachten und vieles mehr. Dies hat nicht nur ein Verständnis und die Achtung der fremden Kultur in uns erweckt, sondern bewirkte auch, dass wir wieder bewusster unsere eigene deutsche Kultur wahrnehmen. Absolut niemand machte uns als Deutschen Vorwürfe wegen der Verbrechen Nazi-Deutschlands, sondern wir wurden von allen Teilnehmern, ob von Russen, Indern oder Menschen anderer Nationen, mit größtem Interesse begrüßt. Viele hatten noch nie jemanden aus Deutschland getroffen, grob die Hälfte hatte in der Schule Deutsch gelernt, und mit einer nicht geringen Anzahl konnten wir sogar problemlos auf Deutsch reden. Erfreulich ist es, zu sehen, welch großer Respekt Deutschen von Russen und von Menschen aus aller Welt entgegengebracht wird. Gleichzeitig wurde von vielen die ablehnende Haltung Deutschlands kritisiert.
Es ist beeindruckend, dass Russland in Zeiten starker Spannungen ein Festival in diesem Ausmaß austrägt und selbst Menschen aus „unfreundlichen” Ländern willkommen heißt. Wir durften viele interessante Menschen aus Russland und der ganzen Welt kennenlernen und vertrauen darauf, dass die Impulse, welche wir während des Festivals aufgenommen haben, uns in Zukunft helfen werden, richtige Entscheidungen im Sinne der Völkerverständigung zu treffen.
Uns hat die Reise gezeigt, dass es besonders wichtig ist, sich ein eigenes Bild zu machen, um die Menschen und Geschehnisse vor Ort unvoreingenommen einschätzen zu können. Gerade jungen Menschen legen wir wärmstens ans Herz: Reist einmal nach Russland und überzeugt euch selbst von der Gastfreundschaft und der Wärme, die dieses Land ausstrahlt.
Wir bedanken uns herzlich bei der GDRF e.V. und der Russischen Botschaft in Berlin für die Unterstützung bei der Anmeldung sowie bei den Organisatoren des Festivals und den Menschen Russlands für die Gastfreundschaft und Einladung zum Internationalen Festival der Jugend 2026 in Jekaterinburg.
Bis zum nächsten Festival!
Bjarne und Roman
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