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Titel: Wochenrückblick auf zwei beachtliche Vorgänge verbunden mit zwei Tipps zu nahe liegenden Themen

Datum: 7. Dezember 2013 um 8:42 Uhr
Rubrik: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Bildung, Innere Sicherheit, Rechte Gefahr
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Das betrifft den weit unterschätzten rechtsextremen Terror und das weit überschätzte PISA der OECD. Die Tipps gelten Medienterminen zu Willy Brandt und Mollath. Allen vier Vorgängen eigen ist die Tatsache, dass das öffentliche Bild von Ereignissen und Personen sehr viel anders gezeichnet und verzeichnet wird, als es der Wahrheit entspricht. Alle vier Beispiele zeigen, wie sehr Menschen und unsere Gesellschaft davon betroffen sein können. Von Albrecht Müller

  1. Zum Terror von rechts und seiner grandiosen Unterschätzung

    Die Bundesregierung ging ursprünglich von 63 Todesopfern rechter Gewalt aus. Tatsächlich wurden möglicherweise über 800 Menschen getötet oder lebensgefährlich verletzt. Können wir die Differenz noch begreifen? Ohne die Unterstellung einer rechten Verschwörung, die weit hinein in den Sicherheitsapparat reicht, kann man sich diese Differenzen nicht erklären. Zum Nachlesen der Hinweis auf einen Beitrag im Tagesspiegel, den wir heute schon in den Hinweisen hatten.
    Ich weise noch einmal darauf hin, weil ich den Vorgang einfach ungeheuerlich finde und den Beschwichtigungen nicht glaube. Wie auch beim abhören. Hier also der Hinweis auf den Tagesspiegel vom 4.12.2013:

    Rechtsextremer Terror
    Sehr viel mehr Opfer als bisher bekannt
    Nach dem NSU-Schock hatte die Bundesregierung das BKA damit beauftragt, ungeklärte Verdachtsfälle auf einen rechtsextremen Hintergrund zu überprüfen. Es zeigt sich: Möglicherweise wurden hunderte Menschen Opfer rechter Gewalt, weit mehr als bisher offiziell angegeben.
    Die Zahlen wirken monströs: Rechte Täter haben seit der Wiedervereinigung möglicherweise 746 vollendete und versuchte Tötungsverbrechen begangen. Dabei starben 849 Menschen oder wurden lebensgefährlich verletzt. So lautet das vorläufige Ergebnis einer Prüfung, mit der das Bundesinnenministerium Ende 2011 dass Bundeskriminalamt beauftragt hatte – als Reaktion auf den NSU-Schock.
    Quelle: Tagesspiegel

  2. Zur Erfindung von PISA als ideologischer Schlagkeule

    Um uns herum gab es nur Leute, die PISA wie eine Offenbarung betrachteten. Wenn man diese Offenbarung in Zweifel zog, wenn man auf die schwache statistischen Basis abhob, wenn man die erkennbare Absicht zu erläutern versuchte, wenn man Professoren kritisierte, die sich mit PISA beschäftigten und sich damit schmückten – man traf auf ungläubiges Staunen. Ich habe erlebt, wie aktuelle und ehemalige Stipendiaten einer Hoch-Begabten-Stiftung vom OECD- Repräsentanten Schleicher und dessen Vorträgen über PISA-Ergebnisse schwärmten – der Cordon der Indoktrination war nicht zu durchbrechen. Jetzt endlich wackelt die Front. Vielleicht wollen Sie sich zwei Dokumente zum Thema anschauen.

    – Das ist einmal:

    Anpassung an eine Scheinwelt
    Wie die OECD mit PISA ein neues, an einer ökonomischen Fiktion orientiertes Bildungskonzept durchsetzen will.
    Von Silja Graupe und Jochen Krautz
    Hier das PDF des Essays [PDF – 65 KB]

    – Und es ist zweitens:

    Macht PISA Dumm?
    Quelle: NachDenkSeiten

  3. Zum Staatsversagen im Falle der bösartigen Behandlung von Gustl Mollath

    Gustl Mollath war über sieben Jahre weggesperrt. Auch ein unglaublicher Vorgang . Ich schreibe ausdrücklich nicht vom Fall Mollath. Es ist ein Fall „bayerische Justiz“. Dazu erschien jetzt ein Buch beim Westend Verlag: „Staatsversagen auf höchster Ebene“. Es wird am Montag, 9. Dezember 2013, 20 Uhr im Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 80333 München vorgestellt: Eintritt: 9,-/7,- Euro.
    Näheres hier.

  4. Termine zur “Treibjagd auf Willy Brandt”

    Wie die Berichterstattung und Kommentierung im Umfeld des Geburtstags von Willy Brandt am 18. Dezember ausfallen wird, weiß ich natürlich nicht. Eine Korrektur des bisherigen Geschichtsbilds und der dort erkennbaren Verfälschungen wäre dringend notwendig. Soweit ich als Autor von „Brandt aktuell. Treibjagd auf einen Hoffnungsträger“ dagegenhalten kann, tue ich es. Unter anderem hier:

    1. Am 8.12.2013 16:05 h und 22:05 h
      NDR Info Der Talk
      Albrecht Müller im Gespräch
    2. Am Dienstag, 10.12.13 | 20:15 – 21:50 (95 Min.) bei ARTE
      Willy Brandt – Erinnerungen an ein Politikerleben
      Dokumentarfilm Deutschland 2013

      Wiederholungen bei arte
      Freitag, 13.12.13 | 09:00 – 10:30 (90 Min.)

      Wiederholung bei der ARD
      Willy Brandt – Erinnerungen an ein Politikerleben – Dokumentarfilm im Ersten
      Dienstag, 17.12.13 | 22:45 – 00:15 (90 Min.)

      Anmerkung zum Film:

      Er ist um vieles besser als der Film zum Kanzlersturz von 2003. Im Film gibt es keine begleitenden Texte, nur Original-Zitate von Willy Brandt und von Zeitzeugen. Mit kleineren Anmerkungen bin ich daran beteiligt. Einiges wird zurechtgerückt. Der Vorwurf, der Bundeskanzler habe zu Depressionen geneigt, nicht. Das ist schade. Aber dieses Manko ändert nichts am positiven Gesamteindruck. Es ist ein aufklärendes Stück.

      Weitere Hinweise werden später gegeben.


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