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Titel: Leserbriefe zu Interview Andrej Nekrasov und zu „Aufsteiger im Kriegstaumel“

Datum: 17. Januar 2019 um 17:01 Uhr
Rubrik: einzelne Politiker / Personen der Zeitgeschichte, Leserbriefe, Militäreinsätze/Kriege
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Die beiden Artikel “Von journalistischen Coups, unterschiedlichen Blickwinkeln und der Abscheu vor Lügen” und “Aufsteiger im Kriegstaumel” stießen bei den Lesern auf großes Interesse. Nachfolgend veröffentlichen wir einige der Leserbriefe. Einmal mehr ist es interessant zu sehen, aus wie vielen Blickwinkeln man Zusammenhänge betrachten kann. Zusammengestellt von Moritz Müller.

1. Leserbrief

Sehr geehrte nds-Redaktion

Sie haben heute und gestern zwei außerordentliche Texte publiziert. Zwei Dokonstruktionen des Mythos Freiheit. Einmal sozusagen von außen, über den subtilen Intellektuellen Nekrasov (fast) unfreiwilig vollzogen, dem Sie in sehr angemessener Weise Raum für ‘seine Geschichte’ geben. Ein Lehrstück Brechtschen Ausmaßes – es wäre wichtig, dieses Lehrstück (zuerst von Telepolis angestoßen hierzulande) noch weiter zu verbreiten. Absolut exemplarisch, ersetzt die Lektüre Tausender von Zeilen.

Exemplarisch und fast schon so radikal wie Derrida in seinen monströsesten Augenblicken: Die Dekonstruktion Joschka Fischers – beispielhaft vorgenommen als Dekonstruktion eines Freiheitsmythos. Hier mit mehr genuin deutschen Anteilen als die Geschichte Nekrasovs, versteht sich. Eine Dekonstruktion von Innen heraus, in der derjenige wieder aufschimmert, der vorgegebenerweise im und durch den Mythos zerstört worden sein soll. Und er taucht nicht in Form sächsischer AfD-Funktionäre auf, sondern in Form eines Turnschuh-Schlägers. Besser, radikaler, unerschrockener geht Journalismus nicht. Wenn dieser Text ganz problemlos durchgeht: es würde mich wundern.

Herzlichen Dank für diesen Journalismus, der zwar eine ungeheurliche Welt bloßlegt, den zu lesen (so paradox es klingen mag) jedoch auch ein gewisses intellektuelles Auftamen bedeutet.

D. Sandmann (nds-Gesprächskreis Köln)


2. Leserbrief

Liebes NDS-Team,

vielen Dank für das erhellende Interview von Andrea Drescher mit Andrej Nekrasov. Mir war die Vorgeschichte neu, dass er schon über den Litvinenko-Mord einen Film gedreht hatte.

Ich erinnere mich noch lebhaft, wie ich Anfang 2016 in Fre21 auf einen Artikel von Analitik gestoßen bin, der den Mord dort zweimal beschrieb: einmal aus der Sicht des russischen Geheimdienstes und dann aus der Sicht des britischen. Es war verblüffend und zugleich komisch, was sich daraus ergab. Die erste Version passte hinten und vorne nicht, dagegen passte die zweite in jeder Hinsicht. Ein hübsches Beispiel für Cui bono. Ich habe diesen Artikel immer wieder mal mit Vergnügen gelesen und seither bin ich reglmäßiger Besucher bei Analitik. Hier die Links zum Artikel (in Free21 etwas gekürzt):

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Meyer


3. Leserbrief

Sehr geehrte NDS-Redaktion,

vielleicht ließe sich Druck auf ZDF und Arte aufbauen, indem dieser Film von Nekrasov z.B. bei ZDF und Arte bestellt wird. Da die NDS eine gewisse Reichweite besitzen, könnten tausende oder vielleicht auch 10.000 Bestellungen bei ZDF oder Arte die Dollarzeichen in einigen Augen zutagetreten lassen, sodass er doch veröffentlicht wird. Oder als DVD verkauft wird und über Mundpropaganda weitergetragen wird.

Ich fand auf youtube nur die englische Version Nekrasovs.

Soli Grüße,

Marco Dette


4. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

so sehr die Enthüllungen/Vorwürfe/Einschätzung von Pressefreiheit meinem “Bauchgefühl” entgegenkommen,  bei aller Akzeptanz der generellen Kritik, die in dem Interview geäußert wird: Hier fehlt etwas Wesentliches in dem recht ausführlichen Interview. Was sind die harten Fakten hinter Litvinenko/Bowder? Auch der Tod/Mord an Litvinenko wird anscheinend neu (?) gesehen. Offensichtlich sind die beiden ganz anders zu beurteilen. Aber auch kein kurzer Hinweis tippt nüchterne Fakten an.

Ja, liebe Nachdenkseiten, gerade in solchen Zusammenhängen wünsche ich mir von Euch die beschworene journalistische Klarheit und Redlichkeit.

Freundliche Grüße
Volker Pfeifer

PS. Oder hätte man vorher den Film ansehen müssen?


5. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

Zum heutigen Artikel über “”Kriegstaumel wollte ich folgendes anmerken:

Ein Stichwort zur Begründung und Rechtfertigung des Jugoslawienkrieges war damals: Jugoslawien ist ein “Völkergefängnis”. Daher entfachte man nationalistische Aufstände und sang Loblieder auf die Nationalitäten.

Heute braucht und benutzt man gegenteilige Argumente: Nationen sind böse und zersprengen das “Einheitswerk” EU.

Wie mans braucht: Sogenannte “Argumente” sind damals wie heute oft nur Mittel zum Zweck und werden zu gegenteiligen politischen Zielen verwendet.

Ihr Manfred Krämer (M.K.)

P.S.: Vielleicht noch Folgendes: Bei Such-Anfragen zitieren Sie sehr oft “Hinweise des Tages”. Sie können sich vorstellen, dass in den Hinweisen eines Tages gewisse Stichworte zu finden häufig fast unmöglich ist. Frage:
Könnte man nicht die Stichworte in den Antworten fett drucken? (Ausfindig macht Ihr Suchverfahren die Stichworte ja sowieso. Mir ist natürlich klar: Suchaktionen sind auch bei Ihnen recht aufwendig.)


6. Leserbrief

Liebes Team,
 
danke für diesen Artikel über J. Fischer von Michael Ewert.  Bei allem Ärger über die beiden Medien, greenpeace und SZ-Magazin, Fischer wieder aus der alten Mottenkiste herausgeholt zu haben, kommt der Ärger über Fischer viel zu kurz oder besser, er verschwimmt in so vielen Beispielen.
 
Der Artikel zeigt aber auch, in der Retrospektive von Fischers Verhalten, wie obrigkeitshörig und unterwürfig unsere Medien sind. Hat jemand sich – wie auch immer – ein Amt ergattert, wird ihm hofiert und der kluge Verstand ausgeschaltet.
 
Da hätte Machiavelli aushelfen können. Er schreibt sinngemäß, dass Fürsten eher einen Führer aus einem unteren Milieu einstellen sollten, als aus einem höheren, da der aus dem unteren eher ein JA-Sager sei, als der aus dem höheren, da dieser ein Selbstbewusstsein hätte, der andere aber unter Minderwertigkeitsgefühlen litte, nach Oben wolle und für seine Meinung nicht kämpfen würde. Genau so ein Exemplar ist Fischer gewesen und ist es noch. Womit ich nicht alle über einen Kamm scheren will. Es gibt sicher prächtige, starke und faire sozialistische oder sozial-demokratische und Grüne Politiker, die fair und unbestechlich waren und sind. Und es gibt sicher auch angepasste und Ja-sagende Politiker aus einer höheren Gesellschaftsschicht, wie die Vergangenheit ja zeigt.
 
Jedenfalls sollten die Medien doch klüger sein und sich von Schröder, Fischer und deren Meinung fernhalten. Denn beiden haben wir die soziale Misere nicht nur in Deutschland, sondern auch in der EU und in Afghanistan zu verdanken, sowie die hemmungslose Kriegstreiberei verbunden mit Abwertung der Kriegsgegner. Beide sind todbringende Aufsteiger gewesen, verfügen jetzt zwar über viel Geld, das ihre emotionalen Löcher jedoch nicht stopfen kann. Das könnte nur ein innerer Reifungsprozess, dem, wie es aussieht, sich beide entziehen. Also bleiben sie weiter löcherig und verführen andere zum Kriege machen. Krank wie Bush jr. der es auch “krachen” lassen musste, um sich wohl zu fühlen.
 
Beste Grüße
Karola Schramm


7. Leserbrief

Liebe NachDenkSeiten-Redaktion,

Die Beschreibung des Joseph Fischer als Karikatur eines Karrieristen ist dem Autor in seinem literarischen Gefecht gegen die Aufsteiger im Kriegstaumel anschaulich geraten. Warum er sich im Text auf grüne Protagonisten beschränkt ist zu fragen. Der Kriegstaumel von Gerhard Schröder und Rudolf Scharping gehört ebenso in den Kontext. Bei seinem Fakten-Stakkato der ineinander greifenden Informationen wird der Eifer des Autors über das Wirken der Karikierten schriftlich aufzuklären/anzuprangern dem Leser förmlich spürbar gemacht. Ob Michael Ewert dabei immer richtig liegt ist bei einigen Einlassungen fraglich. Woher will er z.B. wissen, dass Helmut Kohl als Kanzler den Jugoslawien-Krieg nicht mitgetragen hätte? Die Frage ist hypothetisch. Seine Information beruht wohl auf den Aussagen von Willy Wimmer, der als Kohl-Vertrauter über die Skepsis des Alt-Kanzlers gegenüber der Außenpoltik der USA in diesen Jahren berichtet hatte. Volker Rühe als letzter Verteidigungsminister im Kabinett Kohl war an den Kriegsvorbereitungen gegen Jugoslawien qua Amt beteiligt.

Ein Zusammenhang vom Werdegang des Ralf Fücks zum libertären Elitengehilfe und seiner früheren Mitgliedschaft im Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW), der stalinistisch gewesen sei,  wird vom Autor unterstellt. Gibt es da eine Kontinuität zu Fücks´ heutiger Rolle als Scharfmacher im neu erfachten kalten Krieg gegen Russland? Hat der Autor Erfahrungen gemacht mit dem damaligen KBW und seinen Mitgliedern? Was war am KBW stalinistisch? Entweder hat Herr Ewert keine hinreichende Kenntnis über den KBW, oder seine Kenntnis über den Stalinismus ist unzureichend. Dazu gehört auch die unzulässige Zuschreibung von psychischen Erkrankungen bei widersprüchlichen politischen Entscheidungen z.B. bei Antje Vollmer. Diese Fragen bleiben (vorerst) unbeantwortet und sind m.M.n. eine Schwäche im Artikel.

Insgesamt ist es vom Autor verdienstvoll im Text den Ablauf der damaligen Entwicklung zum Krieg mit einer Fülle an Wissen und pointierter Zuspitzungen über beteiligte Politiker grüner Provenienz nachgezeichnet zu haben.

MfG, Ansgar Lanwert


8. Leserbrief

Niemand, der sich auch nur ein wenig mit Geschichte beschäftigt, wird überrascht sein, wenn die Leute, die am lautesten „Schlagt alles kaputt!“ schreien, später selbst an den Schalthebeln eines neuen Repressionsapparats sitzen.
– Noam Chomsky

 
Könnten Sie  mir vielleicht das Zitat auf Englisch schicken ?

Beste Grüße
Hans-Ulrich Bünger
Freudenstadt


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