NachDenkSeiten – Die kritische Website

Titel: Einige Überlegungen zu Corona und den „Nebenwirkungen“

Datum: 6. Mai 2020 um 10:38 Uhr
Rubrik: Überwachung, Gesundheitspolitik, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache
Verantwortlich:

Hier bringen wir noch ein Stück von Wolf Wetzel, das sich verschiedensten Facetten des Corona-Komplexes nähert: Experten-Twist und Gefahrenpotenzial sowie potenzielle Überwachung und Zensur. Das Virus-Thema ist vielschichtig – in diesem Sinne können unterschiedliche Betrachtungswinkel beim Verständnis helfen.

Corona bedeutet im poetischen Sinne Krone, Kranz, verstanden als Auszeichnung, als Schmuck. Im gesellschaftlichen Sinne bedeutet Corona Versammlung und im militärischen Verständnis versteht man unter Corona eine Einschließungslinie. Nimmt man diese doch sehr verschiedenen Bedeutungen zum Ausgangspunkt, hat man schon eine gute Basis, um das Thema vielseitig anzugehen.

Der Kapitalismus ist der Wirt, das Coronavirus nur (s)ein Gast.

Man kann nach über vier Wochen Pandemie-Erfahrung nicht behaupten, es gäbe zu wenig Informationen über das, was es mit dem Virus COVID-19 auf sich hat, wie man sich schützen kann, was mit der Bekämpfung der Pandemie wenig bis gar nichts zu tun hat. Auch der mancherorts erhobene Vorwurf, es gäbe zu wenig Gegenstimmen zur offiziellen Linie, ist nicht haltbar, da immer mehr Menschen den öffentlich-rechtlich-privaten Mediensektor schon lange nicht mehr als die einzige Informationsquelle nutzen.

Dennoch formieren sich in diesem Meinungskampf scheinbar zwei Lager, die im Großen und Ganzen die Konfliktlinien kondensieren: Es gehe um Drosten versus Wodarg. Prof. Drosten, Institutsdirektor der Charité in Berlin, steht für die offizielle Linie der Bundesregierung. Dr. Wodarg steht für eine regierungskritische Haltung und betont dabei, dass viel zu oft „Sekundärinteressen aus Wirtschaft und/oder Politik“ im Spiel sind. Der folgende Beitrag möchte diese Spielfeldmarkierungen ignorieren.

Wahrscheinlich geht es vielen so: Man blickt nicht mehr durch, je mehr Meinungen, Standpunkte, Blickwinkel dazukommen. Vor lauter Wald sieht man überall nur noch Bäume und verliert den Überblick … und den (roten) Faden. Nicht wenige steigen aus, wollen nichts mehr hören, sind aber auch der „Streitkultur“, dem aneinander vorbei Reden, überdrüssig.

Einen roten Faden quer zu allen Markierungen zu legen, ist das Anliegen dieses Beitrages.

Corona ist keine Erfindung, keine „Männergrippe“, sondern ein Virus, der sehr echt, sehr tödlich sein kann.

Es gibt die Meinung, dass Corona, das Virus kein „Zivilisationsprodukt“ (aus gewaltiger Verdichtung von Lebensräumen und fast unfassbarer Mobilität) ist, sondern ein Produkt militärischer Kriegsführung. Diesem Gedanken ohne Absperrgitter zu folgen, ist wichtig, um ihn gegebenenfalls auch für unwahrscheinlich zu halten. Erinnert sei zum Beispiel an das in den USA aufgetauchte Gift „Anthrax“, das eine berechtigte Diskussion ausgelöst hat, ob es als „biologische Waffe“ gezüchtet bzw. eingesetzt wird.

Die Nutzung eines solchen Virus setzt jedoch voraus, dass man das Coronavirus als Waffe gezielt und kontrolliert einsetzen kann. Genau das ist bei Corona nicht der Fall: Das Corona-Virus hält sich weder an eine (gewünschte) Hautfarbe noch an ein Freund-Feind-Schema noch an nationale Grenzen und gesellschaftliche Klassen.

Gerade weil man Corona weder steuern noch kontrollieren kann, haben jetzt auch jene Angst, die ansonsten gewohnt sind, anderen Angst zu machen, von deren Angst zu leben. Corona macht nicht vor systemrelevanten Sektoren, Regierungsvierteln und Gated Communities Halt. Nicht die Kontrolle, sondern die Unkontrollierbarkeit dieses Virus erklärt die Bereitwilligkeit zu Milliarden-Verlusten (in der Wirtschaft) und Milliarden-Hilfen (vom Staat) eher, als den aus dem Nichts kommenden Pathos, Menschenleben zu retten.

Es gibt eine heftige und hitzige Diskussion darüber, wie gefährlich das Coronavirus wirklich und ganz objektiv ist. Das ähnelt der Frage: Wie viele Menschen werden bei einem Abwurf einer Atombombe sterben – wenn man eine Atombombe zum ersten Mal über einer Stadt abwirft.

Es ist nicht das Wissen über das Coronavirus, das die Debatte bestimmt, sondern das Unwissen, die recht schwer auszuhaltende Ungewissheit. Umkehrt gibt es sehr viel Wissen, was an einer Pandemie dranhängt, was man mit ihr ein- und durchschleust. Mit Angst kann man regieren, kann man Geschäfte machen. Man kann sich im Krieg wähnen, wie der französische Staatspräsident Macron. Man kann Menschen auf etwas „einstimmen“, was sie ansonsten nie mitmachen würden.

Es wäre also sehr hilfreich, wenn sich alle diese Unsicherheit und Ungewissheit eingestehen. Dann bestände die gemeinsame Aufgabe darin, die sich jeweils gegenüberstehenden Positionen an ihren jeweils besten Kernpunkten zu messen.

Wer also das Virus für relativ ungefährlich hält, ist kein Verschwörungstheoretiker und wer das Virus für sehr gefährlich hält, ist kein Merkel-Vasall. Das Problem ist die jeweils unsägliche, unzulässige Verknüpfung, die nichts mit der Primärfrage zu tun hat.

Denn die Frage, wie gefährlich das Virus ist, kann zum jetzigen Stand keine Seite sicher und faktenbasiert beantworten. Selbst wenn die schlimmsten Befürchtungen (in Deutschland) nicht eintreten, ist damit nicht gesagt, dass das Coronavirus ungefährlich ist. Prof. Drosten hat dieses Dilemma treffend beschrieben: Wenn die Pandemie „glimpflich“ verläuft, werden die einen sagen, dass sie von Anfang an darauf hingewiesen haben, dass das Virus ungefährlich ist. Die anderen werden sich ebenfalls bestätigt sehen und die getroffenen Schutzmaßnahmen für die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie reklamieren.

Selbst wenn mit den jetzt ergriffenen Maßnahmen „nur“ zehntausend Menschen gerettet werden, wenn durch dieses Virus „nur“ ein paar Tausend Menschen in Deutschland sterben, dann ist es doch umso begrüßenswerter, wenn man dafür alles getan hat, wenn Menschenleben ausnahmsweise einmal mehr zählen als das Bruttosozialprodukt (BSP), die Performance von DAX-Unternehmen, die Profite der Systemrelevanten. Was ist daran schlimm?

Wenn es diesen außergewöhnlichen Fall gibt, dann liegt das nicht daran, dass unsere Regierungen jetzt das Menschenleben an die erste Stelle gesetzt haben. Im Kampf gegen die Pandemie geht es nicht um Menschenleben, sondern um den Schutz der bestehenden Ordnung, die man durchaus als Herrschaft verstehen kann.

Wenn (flüchtende) Menschen im Mittelmeer ertrinken, dann retten die Regierungen sie nicht. Im Gegenteil: Man tut alles, damit sie ertrinken. Denn ihr bewusst in Kauf genommener Tod ist kein Drama, sondern Sinn einer Abschreckung, Menschen davon abzuhalten, aus Lebensverhältnissen zu fliehen, die jene mitverursacht haben, die sie jetzt ertrinken lassen.

Wenn es um die Rettung von Menschenleben geht, dann hätten alle Regierungen in Europa genug Möglichkeiten in den letzten 60 Jahren gehabt, dies unter Beweis zu stellen. Sie haben das Gegenteil gemacht und werden es weiterhin tun.

Die Gefährlichkeit eines Virus, einer Pandemie sagt nichts darüber aus, ob die Maßnahmen, die zur Bekämpfung des Virus getroffen wurden, tatsächlich auch der Eindämmung des Virus dienen. Sie können aus zwei sehr gewichtigen Gründen (auch) falsch sein:

Man weiß zu wenig über das Virus, also auch zu wenig, welche Maßnahmen wirksam sind.

Zweitens werden in Ausnahmezuständen immer Maßnahmen ergriffen, die mit dem eigentlichen Anlass wenig zu tun haben, die schon lange vor dem Ausbruch einer Pandemie auf der Wunschliste der Regierenden standen.

Dass mit Corona vieles legitimiert wird, dass die Angst vor dem Coronavirus instrumentalisiert wird, ist einigermaßen akzeptiert, wenn es woanders beklagt wird. In Ungarn wird Corona dazu benutzt, die Scheindemokratie noch weiter zu zementieren. In Israel dient Corona dazu, ein zentrales Wahlversprechen der „Opposition“ Blau-Weiß zu brechen, nämlich nicht mit der Netanjahu-Regierung zu koalieren. Und in Deutschland werden Demonstrationen verboten bzw. aufgelöst, was mit dem Kampf gegen Corona nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

Um davor zu warnen, um jede Maßnahme darauf hin zu überprüfen, ob sie etwas mit der Eindämmung des Virus zu tun hat, muss man nicht die Gefährlichkeit eines Virus in Frage stellen. Selbst wenn das Virus in dem uns beschriebenen Maße gefährlich ist, bekommt das Verbot, zu lange auf einer Parkbank zu sitzen, nicht mehr Sinn.

Es wird heftig darüber gestritten, welche Interessen bei der „Bekämpfung“ der Pandemie eine Rolle spielen. Die einen sehen dabei sofort ganz dunkle Mächte im Spiel, die anderen sehen das ehrenwerte Ziel, Menschenleben zu retten, in Verruf.

Man muss zur Beantwortung dieser Frage in keine Glaskugel schauen, ins Blaue hinein mutmaßen. Es reicht völlig, sich dazu die „Schweinegrippe“ anzuschauen. Dazu hat Dr. Wolfgang Wodarg sehr viel gemacht. U.a. hat er 2009 in Straßburg den Untersuchungsausschuss zur Rolle der WHO bei der Schweinegrippe initiiert. Die sehr ernüchternden Ergebnisse dieser Untersuchung werden interessanterweise kaum in die gegenwärtige Debatte eingeführt. Aber genau darum ginge es: Sich die Fakten anzuschauen, auf ähnliche Fälle zurückzugreifen. Das würde in diesem Fall bedeuten, anhand der gemachten Untersuchungen zur „Schweinegrippe“ die Fragen zu beantworten, die heute wieder auf dem Tisch liegen: Wie unabhängig ist die Forschung? Wie viele Fehler werden aus Unwissenheit, wie viele „Fehler“ aus profitablen Gründen gemacht? Haben die Menschen, die in Gefahr waren, davon etwas gehabt oder vor allem jene, die mit deren Angst Geschäfte gemacht haben? Welche Rolle spielt die WHO, die ganz viele bis heute für eine transnationale, unabhängige Institution der „Weltgemeinschaft“ halten? Wenn man nicht einfach nur auf Distinktionsgewinne aus ist, sollte man zusammen diese Studien auswerten und für die Beurteilung der heutigen Lage und des noch Kommenden einbeziehen.

Dass Herr Wodarg dazu viel beigetragen hat, schließt nicht aus, dass er in seinen Schlussfolgerungen danebenliegen kann. Wer ein ganz wenig beweglich bleibt, kann das eine vom anderen trennen.

Die Frage nach den verschiedenen Interessen, die bei der Bewältigung und der Art der „Bekämpfung“ der Pandemie eine Rolle spielen, ist also alles andere als ein Stochern im Dunklen, die Suche nach obskuren Mächten. Es geht um die Einbeziehung des Faktums, dass das Virus nicht auf ein herrschaftsfreies Vakuum trifft, sondern auf einen Kapitalismus, der an beidem beteiligt ist und von beidem ggf. profitiert: von der Krankheit und deren Heilung. Bill Gates und seine milliardenschwere Stiftung leben das vor: Man ist an Unternehmen beteiligt, die krankmachen und man hat Aktien von Unternehmen, die heilen.

Der Wettkampf um den Impfstoff gegen Corona ist ein Wettlauf um ein Milliardengeschäft.

Wenn der medizinische Notstand in den politischen Notstand überführt wird

Auch die Gefahr, dass Corona zu weiteren Überwachungsmaßnahmen führen kann, mit denen man eben nicht nur Infektionsketten nachverfolgen kann, sondern by the way Menschen, ist nicht aus der Luft gegriffen und am allerwenigsten weltfremd.

Ein unfreiwilliges Beispiel dafür offenbart die von allen Seiten begrüßte Einführung einer „tracking-App“, die man gerne auch als „Corona-App“ verkaufen will. Mit dieser App wird Kontaktverfolgung betrieben und alle Kontakt-Daten gesammelt und dann an das Robert Koch-Institut gesendet. So ist der Plan. Aber wie kommen diese Daten zum Robert Koch-Institut? In welchen Händen sind diese Daten, bevor sie dorthin verschickt werden? Wer hat Zugriff auf diese Daten und wem gehören sie? Fakt ist, bevor sie zum Endadressaten gehen, sind diese Daten auf den Smartphones, auf den Mobiltelefonen gespeichert. Um diese „Lücke“ zwischen HandynutzerInnen und Endstation ging es in der Markus-Lanz-Sendung – wohl nicht ganz beabsichtigt. Markus Lanz pochte noch einmal mit Zahlenarmeen von Verlusten für die Wirtschaft auf die Einführung dieser Überwachungs-App und fragt, warum sich das so lange hinzieht.

Der Ministerpräsident von Sachsen und CDU-Politiker Michael Kretschmer antwortet darauf überraschend erhellend: Das Problem sei nicht die Software, sondern das Aufsetzen auf bestehende Betriebssysteme, die sich in der Hand von Google und & Apple befinden. Was schon immer zum Geschäftsmodell und zur Monopolstellung dieser IT-Konzerne gehört, wird nun ein Problem: Das Betriebssystem ist eine „Blackbox“, zu der niemand Unbefugtes Zutritt hat. Was immer man dort hineinstellt, gehört den Eigentümern Google und Apple. Sie haben freien Zutritt zu den dort abgelegten Daten, sie haben freie Hand, damit Geschäfte zu machen, sie für „andere“ Zwecke zu verwenden. Der sächsische Ministerpräsident erklärt das Problem so: „Wir Deutschen, wir Europäer sind nicht bereit, dass diese sensiblen Daten in die Hände von Google und Apple kommen. (…) Und deswegen hängt das Ganze. (…) Das ist die bittere Wahrheit hinter der Sache. Natürlich hätte man längst loslegen können. Aber ich glaube nicht, dass wir uns in dieser Weise erpressbar machen sollen.“ Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe, pflichtet ihm bei und spricht von einem „geheimen Projekt“, das endlich öffentlich und transparent agieren müsse.

Damit wird einmal bei dieser Gelegenheit öffentlich, was ansonsten achselzuckend, aber auch komplizenhaft hingenommen wird. Wer Google und/oder Apple benutzt, betritt eine Welt, in der die Eigentümer das Hausrecht haben, in dem sie (fast alles) machen, was sie wollen.

Während CDU-Politiker Michael Kretschmer fordert, Druck auf diese IT-Monopolisten zu machen, ist der SPD-Politiker eher „realistisch“. Man könne an ihnen nicht vorbei, also müsse man mit ihnen kooperieren.

Bemerkenswert an dieser lohnenswerten Sequenz bei „Lanz“ ist, dass der sonst immer und schnell eingrätschende Moderator schweigt, anstatt nachzufragen, was es mit der „Erpressung“ auf sich hat, ob man sich überhaupt dieser Erpressbarkeit entziehen kann.

Alleine diese Episode zeigt hoffentlich, dass es auch bei der Einführung und Handhabung der „tracking-App“ verschiedene, sehr mächtige Interessen gibt, die wenig bis nichts mit der Bekämpfung einer Pandemie zu tun haben, sondern ganz andere Ziele im Visier haben.

Wenn man diesen kleinen Ausschnitt vergrößert, wird sehr deutlich, was „hinter der Sache“ alles steckt: Deutsche Forschungs- und Standortinteressen, nationale und imperiale Interessen, privatkapitalistische und staatsschutzgeleitete Erfassungs- und Überwachungsambitionen, Spionage auf jeder nur denkbaren Ebene und sicherlich nicht zuletzt ein Kampf um den Besitz und die Ausbeutung des digitalen Goldes.

„Es wird gelöscht“. Die IT-Monopole als Tempelwächter der „Wahrheit“

Die Internet-Monopole wie Google und Facebook betätigen sich schon lange als Zensurgiganten. Wie das funktioniert, sei am Giganten Facebook kurz beschrieben: Facebook beruft sich beim Unsichtbarmachen von Inhalten, beim Löschen von Accounts auf „ethische Grundsätze“. Wenn etwas strafbar wäre, dann stünde der Weg offen, dies gerichtlich prüfen zu lassen (was eine öffentliche Beweisführung zur Folge haben würde). Aber genau darum geht es nicht. Es geht um Privatjustiz, denn die Erstellung von „ethischen Grundsätze“ und deren Umsetzung ist Sache des Hausherrn:

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Facebook Einzelfälle generell nicht kommentiert und wir auf Ihre speziellen Fragen daher nicht eingehen können.“ (Facebook)

Um Glaubwürdigkeit zu generieren, hat Facebook unter anderem die Amadeu Antonio Stiftung und die Deutsche Presseagentur (dpa) als „Faktenchecker“ gewonnen. Wie hochgradig manipulativ mit den Beiträgen der UserInnen umgegangen wird, offenbart Facebook-Managerin Lyons:

„Wenn uns ein Faktenchecker sagt, dass ein Artikel eine Falschnachricht ist, dann wird er künftig bis zu 80 Prozent weniger oft angezeigt. (…) Stufen Faktenchecker mehrfach Artikel einer Seite als falsch ein, dann warten wir nicht darauf, dass ein neuer Artikel veröffentlicht wird, den sich wieder ein Faktenchecker ansehen müsste. Wir schränken dann die Verbreitung aller Inhalte dieser Seite ein.” (ndr.de vom 18.3.2019)

Dieses Statement der Facebook-Managerin Lyons verrät unfreiwillig ziemlich viel: Die Öffentlichkeit, die Verbreitung eines Beitrages liegt mitnichten in der Hand der LeserInnen/UserInnen, die einen Beitrag gut finden und verbreiten, sondern im Wesentlichen in der Hand von Facebook. Das dabei eingesetzte Mittel ist neben der Löschung die Isolierung eines Beitrages, der somit gar nicht wirklich öffentlich ist.

All diese Maßnahmen konnten den üblen Geruch der Zensur nicht loswerden. Nun bietet sich der Corona-Ausnahmezustand dazu an, genau das fortzusetzen, was sie schon seit Jahren begonnen haben. Als Instrument dienen sogenannte Community-Regeln, die es auch in Orwells „1984“ hätte geben können. Ein diktatorisches Regime, das eine fiktive Community als menschliches Schutzschild unterhält.

Fakt ist: Es gibt keine Community auf dem Privatgelände der IT-Giganten. Sie ist ein Phantasma, eine Fata Morgana. Das Wort selbst ist bereits eine eindeutig überprüfbare Falschmeldung, die gelöscht werden müsste. Keine Community hat dort irgendetwas zu sagen, sondern einzig und allein der Hausherr, der/die Eigentümer dieser Monopolisten.

Doch nun bietet sich die einmalige Situation, im Schatten der Angst und im Windschatten der Verunsicherung „unerwünschte“ Inhalte noch stärker, noch massiver zu löschen.

Dazu eignet sich „Corona“ ausgezeichnet. Geht es doch vordergründig um einen (drohenden) medizinischen Notstand, dessen Überwindung nur einem Ziel verpflichtet ist: Menschenleben zu retten.

Mit diesem „blauen Engel“ ausgestattet, verkünden Google, YouTube (gehört zu Google) und Facebook, dass sie ihre Community-Regeln „verändert“ hätten. Ab jetzt würde man „Fehlinformationen“ löschen, die den offiziellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) widersprechen: „Alles was gegen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation spricht, ist ein Verstoß gegen unsere Richtlinien“ (RT vom 29.4.2020), ließ Wojcicki verlautbaren.

Man muss sich diesen Irrsinn auf der Zunge zergehen lassen. Nun sollen angeblich die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation für die Wahrheit stehen.

Wenn man nur halbwegs berücksichtigt, dass alle medizinischen Empfehlungen zu Corona weitgehend auf Annahmen beruhen, dass alle ganz wenig wissen und ganz viel nicht, dann sind Widersprüche und andere Annahmen keine Falschinformationen, sondern notwendiger Bestandteil einer allgemeinen Begründungsnot.

Aber dieser „Zusammenschluss“ von IT-Monopolisten und WHO hat auch etwas besonders Bizarres. So irrwitzig diese IT-Monopole den Glauben verbreiten, sie werden nicht von Milliarden-Gewinnen und IT-Oligarchen geleitet, sondern von „Community-Regeln“, so sehr will man die WHO als etwas erscheinen lassen, was sie schon lang nicht mehr ist, was die IT-Monopolisten in Perfektion vortäuschen: Menschen zusammenbringen, den Menschen dienen.

Wie bereits angerissen, hat die WHO nichts mit einer Weltgesundheitsorganisation gemein, die einzig und alleine dem „hippokratischen Eid“ folgt. Die WHO ist eine leere Hülle, die zu 80 Prozent von Kapital- und Privatinteressen gefüllt wird – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn jetzt also nur noch die „Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation“ gelten sollen, dann will man uns nicht vor Falschmeldungen schützen, sondern dieses untragbare Konglomerat aus politischen und kapitalgedeckten Interessen:

„Es werden knapp 80 Prozent des WHO-Jahresetats von 4,4 Milliarden Dollar von diesen Pharma-Spenden bestritten. An erster Stelle steht die Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung, die alleine über 600 Millionen Dollar spendet. Im Vorstand dieser Stiftung sind alle großen Pharmafirmen vertreten. Lukrative Medikamenten- und Impfprogramme werden seitdem von der WHO gefördert, von Basisgesundheitssystemen ist keine Rede mehr. Die WHO macht also Politik für ihre Spender.“ (FR vom 15.07.2018)

Man kann auch – ganz hygienebewusst – sagen: Die eine Hand wäscht die andere – wobei beide Hände zum selben Body gehören: Bill Gates (inclusive Stiftung) hat als Microsoft-Gründer sein 80-Milliarden-Dollar-Vermögen in der IT-Welt „verdient“ und ist nun mit 600 Millionen Dollar an der WHO beteiligt und sicherlich mit deutlich höherem „Einsatz“ in der Gesundheitsindustrie, die von jenen WHO-Empfehlungen profitiert, die die IT-Konzerne wiederum vor „Falschmeldungen“, wie die hier ausgeführten, schützen sollen.

Dass dieses Zusammenspiel geübt und sehr profitabel ist, ist längt bekannt:

„2004 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO Richtlinien, wie Länder einer Pandemie vorbeugen können. Diese Richtlinien führten unter anderem dazu, dass Milliarden von Steuergeldern zur vermeintlichen Bekämpfung der Schweinegrippe mit Medikamenten verschwendet wurden.“ (welt.de vom 04.06.2010)

Wenn die Nebenwirkungen die Hauptwirkung übertreffen

Soweit man darüber einen Überblick haben kann, ist es doch so, dass alle weitgehend eingeschlossen sind, alle sehr ähnlichen Ausnahmebedingungen unterworfen sind – und sich die allermeisten daran halten: Darin unterscheiden sich kaum jene, die das Ganze für übertrieben halten, von jenen, die die Maßnahmen gegen die Pandemie für halbwegs vernünftig halten. Jene, die eine Gefahr sehen, dass damit auch ganz andere Ziele verfolgt werden, unterscheiden sich in ihrem Alltag doch nicht von jenen, die darin das eigentliche Ziel dieser Angst-Kampagne sehen. Sie, wir alle teilen eine ähnliche Ohnmacht.

Die ganz wenigen Versuche, zum Beispiel durch Demonstrationen dieser verwaisten Öffentlichkeit etwas entgegenzusetzen, wurden entweder verboten, aufgelöst oder von ganz Wenigen getragen.

Zurzeit finden große „Ausbrüche“ nur im Symbolisch-Digitalen, im „Netz“, auf intellektueller Ebene statt. Gäbe es denn nicht genug Gründe, die Notwendigkeit der Unterschiede mit der dringlichen Notwendigkeit gemeinsamen Handelns zu verbinden?

Wenn das so ist, sollten wir doch mindestens genauso viele Anstrengungen darauf verwenden, einen gemeinsamen Ausgangspunkt zu finden, um von dort ausgehend einen tragfähigen Vorschlag zu erarbeiten, der aus dieser Paralyse, aus der vielteiligen Einschließung herauskommt.

Dabei werden wir ohne eine Analyse nicht auskommen, die sich begründet und erklärbar gegen jeden Versuch wehrt, für die „Corona-Krise“ dunkle, obskure Mächte verantwortlich zu machen. Diese rechte Ausdeutung schützt die kapitalistischen Bedingungen. In einer linken Antwort muss erkennbar sein, dass wir genau diese verantwortlich machen. Man könnte es zum Beispiel auf den Punkt bringen:

Der Kapitalismus ist der Wirt, COVID-19 nur (s)ein Gast.

Man kann sich sehr sicher sein, dass eine solche Grundlinie für rechte, postfaschistische Intensionen untragbar ist.

Wolf Wetzel

Quellen und Hinweise:


Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=60757