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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit XLVI – „Russlands Angriffskrieg und der Waffengang gegen das Regime der islamischen Geistlichen“
Datum: 16. August 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache
Verantwortlich: Redaktion
Vokabelkritik ist zu Kriegszeiten das Gebot der Stunde. Ich veröffentliche, nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, in unregelmäßigen Abständen eine Sammlung teils verharmlosender, teils lügenhafter Wörter oder Formulierungen, deren Sinn und Funktion es ist, unsere Gesellschaft – uns alle – an das Undenkbare zu gewöhnen und möglichst geräuschlos in Richtung „Kriegstüchtigkeit“ umzukrempeln. – Diesmal geht es nicht zuletzt um die berühmten doppelten Standards in der Berichterstattung unserer Leitmedien. Von Leo Ensel.
angeblich
„Bei den Guten in der Welt sind unbewiesene Dinge ‚wahrscheinlich‘. Bei Russen und anderen Ausgegrenzten heißt es: ‚angeblich‘. Da wird der Zweifel gleich mitgeliefert!“ So die ehemalige Moskaukorrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz, die seit Jahrzehnten die doppelten Standards im deutschen Journalismus aufs Korn nimmt. (vgl. „behaupten“)
behaupten
„Westliche Politiker ‚sagen‘ etwas, Putin ‚behauptet‘.“ So der Jargon unserer öffentlich-rechtlichen Medien. (Und vielleicht fällt das ja nicht nur den Konsumenten, sondern selbst den Produzenten schon gar nicht mehr auf!) Beobachtet, mal wieder, von Gabriele Krone-Schmalz. (vgl. „angeblich“)
berechenbarer
Wird Deutschland mit jedem „Drohnenvorfall“. So Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer auf dem Welt-Sicherheitsgipfel – um Missverständnissen vorzubeugen: dem Sicherheitsgipfel der Zeitung Die Welt! – am 3. Juli. Und er legte noch schwer nach: „Von Russland geht derzeit die grösste, weil unmittelbare Bedrohung aus.“ Es folgten zehn verdammt gute Gründe: Putin will, erstens, Gebietsgewinne in der Ukraine. Zweitens will er „unser Bündnis spalten und unsere Verteidigungsbereitschaft schwächen“. Sein Ziel ist, drittens, „die USA aus Europa herauszudrängen, die Nato zu spalten“ und damit, viertens, Russlands Einflusssphäre zu vergrößern. Fünftens: „Putin hat inzwischen – wie geplant – rund 1,5 Millionen Soldaten unter Waffen.“ Er baut, sechstens, „neue militärische Strukturen auf, ausgerichtet gen Westen“ und entwickelt, siebtens, Fähigkeiten „in allen Dimensionen: Weltraum, Cyber, Luftverteidigung“. Achtens verfügt Moskau (offenbar Synonym mit Putin) inzwischen über eine eigene Teilstreitkraft für unbemannte Systeme. Es lernt, neuntens, fortlaufend aus dem Krieg in der Ukraine und passt, zehntens, Taktik und Technologie ständig an. – Und jetzt raten Sie mal, was uns der Generalinspekteur – „Wir leben in einer dämmrigen Übergangszeit“ – aus diesen Zehn Geboten der neuen deutschen Kriegsertüchtigungspolitik empfiehlt! (vgl. „Provokation“)
Büroversehen
Taufte das Bundesverteidigungsministerium jüngst seine Einstufung der aktuellen Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ und die darauf basierende Weigerung, eine Kleine Anfrage der Linkspartei zu beantworten. Ursprüngliche Begründung: Die Veröffentlichung würde „Rückschlüsse auf die Aufwuchsfähigkeit und die Personalbedarfsplanung der Bundeswehr zulassen“ und damit auf die „Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland“. (Vorsicht: Feind hört mit!) – Aber, Happy End, alles nur ein Versehen! Des Büros.
dysfunktionale Vergangenheit
Ein Begriff, den wir mal wieder dem (verbal) unermüdlichen (und mutigen) Oberst a. D. Ralph Thiele verdanken. „Wir kommen aus einer dysfunktionalen Vergangenheit – also, die Bundeswehr klappte und funktionierte nicht und war viel zu leer. Und vieles – auch in der Organisation, auch in der Logistik – hat nicht geklappt. Man gibt sich Mühe, in Richtung 2027, also im nächsten Jahr, diese Dysfunktionalität im Wesentlichen abzustellen.“ – Wir drücken die Daumen und wünschen unserer Armee von Herzen eine funktionale Zukunft! (vgl. „Kosmetik und Hohlkörper“, „porös“, „schlapp“)
effektive Gespräche
„Laut der Außenbeauftragten Kallas fordern inzwischen mehrere Mitgliedstaaten konkrete Vorschläge für ein Handelsembargo gegen russische Firmen. Polen, die baltischen Staaten und die Niederlande haben bereits eigene Beschränkungen eingeführt. Neben Spanien steht auch Bundesaußenminister Wadephul Sanktionen skeptisch gegenüber. Er setze auf, so wörtlich, ‚effektive Gespräche‘ mit der russischen Regierung, sagte der CDU-Politiker.“ So der Deutschlandfunk am 13. Juli. – Sorry, das war mal wieder eine Fake News! Richtig muss es selbstverständlich lauten: „Laut der Außenbeauftragten Kallas fordern inzwischen mehrere Mitgliedstaaten konkrete Vorschläge für ein Handelsembargo gegen Siedler. Spanien, Irland und die Niederlande haben bereits eigene Beschränkungen eingeführt. Neben Italien steht auch Bundesaußenminister Wadephul Sanktionen skeptisch gegenüber. Er setze auf, so wörtlich, ‚effektive Gespräche‘ mit der israelischen Regierung, sagte der CDU-Politiker.“
eingebunkerter Kriegstreiber
„Steinmeier bezeichnete Putin im ZDF als ‚eingebunkerten Kriegstreiber‘. Zu der bitteren Bilanz und Fehleinschätzungen der letzten Jahre gehöre, dass auch er gedacht habe, dass ‚ein Putin des Jahres 2022 am Ende nicht den totalen politischen, wirtschaftlichen, moralischen Ruin des Landes hinnehmen würde für seine imperialen Träume oder für seinen imperialen Wahn‘.“ – Wieder mal ein Beweis für die diplomatische Sprache unseres Ex-Außenministers. Schließlich hätte er auch „dummer Hurensohn“, „Mörder & Killer“, „Bestie“ oder „zweiter Hitler“ sagen können! (vgl. „ruchlose Persönlichkeit“)
Erfolgsgeschichte
Darunter versteht Deutschlands beliebtester Politiker („Wir sind bereit, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen.“): (1) ein neues Militärhauptquartier im Süden Estlands unweit der russischen Grenze, das bis zu 50.000 Soldaten befehligen kann; (2) 5.000 Bundeswehrsoldaten in Litauen; (3) dazu militärische Führungsverantwortung in Estland und Lettland und (4) 334 Milliarden neue Schulden, um die NATO-Ziele zu erfüllen. – A breathtaking success story, indeed!
fatales politisches Signal
Ein „fatales politisches Signal“ ist es für den Spiegel, wenn die Bundesstaatsanwaltschaft den ukrainischen Soldaten Serhii K. vor Gericht bringen will – nur weil er an der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines (laut Völkerstrafrecht ein Kriegsverbrechen) beteiligt gewesen sein soll!
gutes Resultat
„Selenskyj bezeichnete die Einschläge als ‚gutes Resultat‘ der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste.“ Gemeint waren die ukrainischen Angriffe vom 3. Juni auf ein russisches Ölterminal im Hafen von St. Petersburg. (Just zur Eröffnung des Internationalen Wirtschaftsforums. Ebenfalls in St. Petersburg.)
Provokation
„Provokation im Baltikum – Russische Kampfjets in Nato-Luftraum“, titelte – statt des fälligen Konjunktivs reflexhaft den Indikativ verwendend – Spiegel Online Ende September 2025, noch bevor die genauen Details des „Vorfalls“ geklärt waren. – „Provokation“: Der aktuelle Komparativ des russischen „Testens“! Auch wenn man noch nichts Näheres weiß. (vgl. „Drohnenvorfall“)
ruchlose Persönlichkeit
„Wir haben ja mit Putin eine ruchlose Persönlichkeit, die alle Mittel der Macht nutzt. Sie kennen das: der Fenstersturz aus dem Krankenhaus, der Mord im Tiergarten, Anschläge auf kritische Infrastrukturen, Bomben in Flugzeugen – Postflugzeugen – all diese Dinge, er nutzt jedes Mittel und natürlich auch das. Wenn Putin sich angefasst fühlt, bedroht fühlt, dann mag er eben auch Waffen größerer Wirkung in Betracht ziehen.“ So mal wieder Oberst a. D. Ralph Thiele, Vorsitzender der „Politisch-Militärischen Gesellschaft“, am 29. Oktober 2025 in ntv auf die Frage, ob die Russen bereit wären, ihren neuen atomgetriebenen Marschflugkörper Burewestnik (Sturmvogel) auch einzusetzen. Merkwürdig allerdings, dass Thiele sich hier so moderat ausdrückte und nicht auch noch den „zweiten Hitler“ in Betracht gezogen hat! (vgl. „eingebunkerter Kriegstreiber“)
Russlands Angriffskrieg und der Waffengang gegen das Regime der islamischen Geistlichen
Lieber Deutschlandfunk, was wäre ich ohne Dich? Tagtäglich betreust Du mich beim Denken so zuverlässig, rund um die Uhr erklärst Du mir so geduldig und nachhaltig, wer in dieser Welt gut und wer böse ist, dass ich Deine „Nachrichten in leichter Sprache“ schon gar nicht mehr benötige. Euer Chef-Sonderpädagoge fürs betreute Denken aber ist und bleibt der talentierte Romanist Christoph Heinemann! Just am 17. Juni gegen 05:05 Uhr lieferte er in seiner Anmoderation des Beitrags „Ein Tag der Hoffnung! – G7 setzen auf Frieden für Nahost und Ukraine“ wieder mal ein makelloses Masterpiece, auf das seine ehemaligen Betreuer beim German Marshall Fund sicher vor Stolz platzen würden: „Russlands Angriffskrieg und der Waffengang gegen das Regime der islamischen Geistlichen steht im französischen Evian auf der Tagesordnung.“ – Der Clou: Der meinungsstarke transatlantische Starjournalist hat mir en passant auch noch die Mühe eines sarkastischen Kommentars erspart. Merci beaucoup, Monsieur Einemann! (vgl. „amerikanisch-israelischer Krieg gegen den Iran und völkerrechtswidriger Angriffskrieg Russlands“, „Vertreter der ukrainischen Regierung und Abgesandte des Kreml-Regimes“)
ukrainischer Gegenangriff gegen den Aggressor Russland
„Die Ukraine setzt bei ihren Gegenangriffen gegen den Aggressor Russland zunehmend auf Attacken gegen die russische Ölindustrie.“ So der Nachhilfeunterricht des DLF um 06:30 Uhr am 3. Juni mal wieder mitten während der Nachrichten. (Die beliebte Einleitungsformel „in ihrem Abwehrkampf“ wäre allerdings noch einen Tick eleganter gewesen …) (vgl. „gutes Resultat“)
Vollinvasion
Hat nichts mit Vollwertkost zu tun, hier geht es um russische Panzer in der Ukraine. Soll wohl subkutan vermitteln, dass Russland – ganz im Gegensatz zum Westen – in unsichtbarer Form längst vor dem 24. Februar 2022 in die Ukraine invadierte.
(wird fortgesetzt)
Alle bisher erschienenen Folgen der Serie „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“ von Leo Ensel können Sie in dieser Übersicht finden und diese auch einzeln darüber aufrufen.
Leo Ensel: Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Krieg heißt Töten. Wien 2026, Promedia Verlag, Taschenbuch, 168 Seiten, ISBN 978-3-85371-563-5, 20 Euro.
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