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Titel: „Ein kleiner Friedenskeim“: Musik für den Frieden – heute Abend in Badenweiler – SWR unterbindet Beitrag
Datum: 29. Oktober 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Friedenspolitik, Interviews, Kultur und Kulturpolitik, Veranstaltungshinweise/Veranstaltungen
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Ist die Politik außen vor, funktioniert es auch mit dem Frieden. Zu diesem Schluss lässt sich kommen, wenn man sieht, was Ulrike und Thomas Vogt mit ihrem Projekt Musik für den Frieden auf die Beine stellen. Heute Abend geben rund 60 junge Menschen aus Deutschland und Russland in Badenweiler ein Konzert mit dem Titel: „Peace in Concert“. Im NachDenkSeiten-Interview erzählt der Musikpädagoge Thomas Vogt von dem Projekt und berichtet von einem geplanten Beitrag des SWR. Dieser sollte über die Kulturredaktion laufen – mit Interviews der jugendlichen Musiker. Doch dann, so Vogt, habe die SWR-Nachrichtenredaktion den Beitrag unterbunden. Von Marcus Klöckner.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
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Herr Vogt, Sie und Ihre Frau haben das Musikprojekt auf die Beine gestellt. Was ist Ihre Motivation?
Unser Projekt „Musik für den Frieden“ haben meine Frau Ulrike und ich bereits 2018 ins Leben gerufen. Uns verbindet der starke Wunsch, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, etwas für den Frieden zu tun. Das sind die Musik und die Pädagogik. Musik kann Brücken bauen, über alle Grenzen hinweg, von Herz zu Herz. Gerade junge Menschen lassen sich davon begeistern. Wenn sie gemeinsam ein Konzert vorbereiten, auf ein Ziel hinarbeiten und schließlich zusammen auf der Bühne stehen, entsteht eine besondere Verbundenheit. Daraus wachsen Freundschaften, die oft über viele Jahre halten. Diese Begeisterung und die persönlichen Beziehungen haben unser Projekt auch durch politisch schwierige Zeiten getragen.
Worum genau geht es bei diesem musikalischen Friedenscamp? Was machen die jungen Leute heute Abend?
Heute Abend wird das Konzert „Peace in Concert“ um 19.00 Uhr im Festspielhaus in Badenweiler stattfinden. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. Wir hoffen natürlich, dass viele Menschen zu unserem Konzert kommen und unsere Friedensbotschaft hören. Die Zuhörer werden erleben, dass 60 junge Menschen begeistert ihr intensiv geprobtes Programm zu Gehör bringen. Die Sängerinnen und Sänger präsentieren deutsche, russische und englischsprachige Songs mit farbenprächtigen Kostümen und mitreißenden Tanzchoreografien. Niemand im Publikum wird sagen können, wer nun russisch und wer deutsch ist. Das spielt auch keine Rolle mehr. Die Musik und der Tanz bringen das rein Menschliche zur Geltung.
Ihr Friedenscamp findet zu einer Zeit statt, wo die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland auf dem Tiefpunkt angelangt sind – zumindest auf der politischen Ebene. An vielen Stellen wurden Brücken zerstört – Sie haben eine Brücke gebaut. Wie ist die Stimmung unter den jungen Leuten? Spielt die Politik eine Rolle?
Die wunderbare Atmosphäre hier in unserem Music Peace Camp macht uns große Hoffnung. Wir erleben, wie junge Menschen aus Deutschland und Russland ganz selbstverständlich aufeinander zugehen, miteinander musizieren, lachen und Freundschaften schließen. Uns ist bewusst, dass „Musik für den Frieden“ nur ein kleiner Friedenskeim ist. Aber wenn er gepflegt wird, kann daraus eines Tages ein großer Friedensbaum wachsen. Wir hoffen, dass viele Menschen diese Idee aufgreifen und weitertragen. Unser großer Traum ist, dass daraus irgendwann ein Deutsch-Russisches Jugendwerk entsteht, ähnlich dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, das über Jahrzehnte zur Freundschaft zwischen einst verfeindeten Nationen beigetragen hat.
Wir sprechen auf dem Camp bewusst nicht über Politik. Wir sprechen über unsere persönlichen Erfahrungen, unsere Gefühle, Hoffnungen und Wünsche. Wir wollen uns auf der zwischenmenschlichen Ebene begegnen. Uns ist klar, dass wir die große Politik nicht verändern können. Wir können aber im zivilgesellschaftlichen Raum den Boden der Verständigung und des Aufeinander Zugehens bereiten. Auf diese gewachsenen Strukturen kann die Politik dereinst bei einem Wandel der politischen Beziehungen zurückgreifen.
Wie sieht es denn mit den Medien aus? Gibt es Berichte?
Dafür, dass dieses Projekt sowohl in Deutschland als auch in Russland echten Seltenheitswert hat, berichten Medien recht spärlich über das deutsch-russische Friedensprojekt. Die Badische Zeitung hatte in ihrem Regionalteil einen sehr positiven Bericht und das SWR-Radio hat uns interviewt. Der Beitrag wird heute gesendet.
Was uns sehr gefreut hat, war, dass sich die Kulturredaktion des SWR-Fernsehens gemeldet hat. Sie war begeistert von unserem Projekt. Es gab ein langes Vorgespräch, bei dem die Drehsituationen, eine Probe im Festspielhaus und ein Flashmob in der Einkaufsstraße von Badenweiler, festgelegt wurden. Ebenso wurden jugendliche Protagonisten benannt, die auch interviewt werden sollten. Am eigentlichen Drehtag bekamen wir aber einen Anruf von dieser Kulturredakteurin mit der Mitteilung, dass die Nachrichten-Redaktion nicht möchte, dass das Projekt gefilmt wird. Der Kulturredakteurin tat das unendlich leid.
Was ist Ihr Eindruck: Was werden die jungen Leute aus dieser Zusammenarbeit mitnehmen?
Ich glaube, die jungen Menschen werden vor allem die Erfahrung mitnehmen, dass uns viel mehr verbindet, als uns trennt. Sie erleben, wie aus Fremden Freunde werden, wie man gemeinsam etwas schaffen kann, auch wenn man unterschiedliche Sprachen spricht und aus verschiedenen Ländern kommt. Diese Begegnungen schaffen Vertrauen und Freundschaften, die hoffentlich weit über das Camp hinaus Bestand haben. Und vielleicht nehmen sie auch die Erkenntnis mit, dass jeder Einzelne etwas zum Frieden beitragen kann. Genau das ist unsere Hoffnung.
Wie betrachten Sie die deutsche Russlandpolitik? Was muss sich ändern?
Wie gesagt, wir wollen uns nicht politisch äußern. Vielleicht so viel: Die Kunst verbindet Menschen, da spielt Nationalität keine wirkliche Rolle. Musik ist die Muttersprache aller Menschen, wie es der große Geiger Yehudi Menuhin so schön ausgedrückt hat. Bach, Beethoven, Tschaikowsky werden auf der ganzen Welt gehört und geliebt. Daran könnte unsere Politik anknüpfen: sich gegenseitig zuhören, einen Dialog führen, Gemeinsamkeiten suchen, Kompromisse finden, eine lebenswerte Zukunft gestalten. Deutsche Politik könnte die Kunst der Diplomatie wieder pflegen und sollte aus historischen Gründen eine Vermittlerrolle bei internationalen Konflikten einnehmen und nicht Konfliktpartei werden.
Veranstaltungshinweis: Konzert („Peace in Concert“): Heute, Donnerstag, 29. Oktober 2026, 19:00 Uhr (Einlass/Dauer bis ca. 22:00 Uhr). Festspielhaus Badenweiler, Schlossplatz 2, 79410 Badenweiler. Eintritt frei (Spenden willkommen).
Titelbild: © Ulrike Vogt
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
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