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Titel: Hoch die internationale Solidarität! – Nel Bonilla über Hegemonie und Gegenmacht

Datum: 5. November 2026 um 10:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Aufbau Gegenöffentlichkeit, Interviews
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Wie verändert sich die internationale Weltordnung, welche Chancen bietet der Aufstieg der BRICS-Staaten und wie kann sich gesellschaftlicher Widerstand gegen Militarisierung, Sozialabbau und die westliche Hegemonie in der Bevölkerung organisieren? In unserer Reihe „NachDenkSeiten im Gespräch“ haben wir darüber mit der Geopolitik-Analystin und NachDenkSeiten-Gastautorin Nel Bonilla gesprochen. Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, ob aus den weltweiten politischen Umbrüchen tatsächlich eine friedlichere und gerechtere Weltordnung entstehen kann – und warum dafür neue Machtverhältnisse zwischen Staaten nicht ausreichen, sondern vor allem organisierte gesellschaftliche Gegenkräfte notwendig sind. Das Gespräch führte Maike Gosch.

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(Das Gespräch wurde am 3. November 2026 aufgezeichnet.)

„Es ist ein wichtiger Sieg. Es gibt Zeit und Raum, sowohl für die Brasilianer als auch für Lateinamerika insgesamt.“

Beginnend mit dem Ausgang der jüngsten Präsidentschaftswahl in Brasilien besprechen wir, welche Bedeutung der Wahlsieg von Luiz Inácio Lula da Silva hat. Bonilla erläutert dazu, welche Rolle speziell die Verbindung von digitaler Mobilisierung und politischer Organisation vor Ort für den Wahlerfolg gespielt hat und was Lulas Sieg für Brasilien, Lateinamerika und das BRICS-Bündnis bedeutet.

Ausführlich sprechen wir danach über die Zukunft der multipolaren Weltordnung, die Rolle der NATO und der EU sowie die Strategien der westlichen Machteliten, ihre globale Vormachtstellung zu behaupten. Bonilla berichtet von den Diskussionen auf dem kürzlich in Japan veranstalteten internationalen Symposium „Geopolitics in the Time of Monsters“, das von Neutrality Studies/Pascal Lottaz organisiert wurde. Sie erzählt von einem Vortrag eines chinesischen Experten (hier auf Deutsch), in dem besonders die chinesische Position erläutert und kritisch beleuchtet wurde:

„Im Moment ist die chinesische Regierung eher auf Interessenbasis darauf aus, Handel mit den verschiedenen Golfstaaten zu machen, selbst mit Israel. […]

Die jetzige Struktur, die die chinesische Regierung über Handelsbeziehungen und diplomatische Beziehungen aufgebaut hat, ist in Gefahr. In diesem Sinne könnte sich die chinesische Regierung vielleicht in Zukunft in ihrer Haltung ändern und etwas antiimperialistischer vorgehen.“

Sie erläutert weiter, warum der Niedergang der westlichen Hegemonie ihrer Ansicht nach keineswegs automatisch zu einer friedlicheren Weltordnung führen muss. Entscheidend sei vielmehr, ob es gelingt, eine organisierte gesellschaftliche Gegenmacht aufzubauen, die über nationale Grenzen hinweg solidarisch zusammenarbeitet und eine gemeinsame Sprache sowie gemeinsame Konzepte entwickelt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs sind die aktuellen Schüler- und Studentenproteste in Frankreich und anderen europäischen Ländern. Warum entstehen neue Protestbewegungen gerade in Schulen und anderen öffentlichen Räumen? Wie können sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften und Friedensbewegungen miteinander vernetzen? Und was braucht es, damit aus einzelnen Protesten eine dauerhafte politische Kraft entsteht, die tatsächlich Veränderungen bewirken kann?

„Selbst wenn in irgendeinem Land der Präsident gewechselt wird oder der Kanzler, sind immer noch die ganzen NATO- und EU-Strukturen da.“

Dabei geht es auch um die Grenzen politischer Handlungsmöglichkeiten innerhalb der bestehenden EU- und NATO-Strukturen, die Rolle der Medien und die zunehmende Repression gegen Protestbewegungen.

„Wenn wir uns die Mainstream-Medien ansehen, dann gibt es dort überhaupt keine Gespräche über Multipolarität oder überhaupt über Kooperation und Koordination.“

Am Ende sprachen wir über die Notwendigkeit international vernetzter und unabhängiger Diskussions- und Organisationsräume, das Streikrecht in Deutschland und die Gefahren einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung für die gemeinsame Arbeit an einer friedlicheren und gerechteren Welt.

Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten


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