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Titel: Assange und die CIA – Ist das Planen von Entführung und Mord wesentliches Merkmal einer terroristischen Vereinigung?

Datum: 9. Oktober 2021 um 11:45 Uhr
Rubrik: Aktuelles, einzelne Politiker / Personen der Zeitgeschichte, Erosion der Demokratie, Wertedebatte
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In der letzten Woche berichteten die NachDenkSeiten über Pläne der CIA, Julian Assange zu entführen oder zu ermorden. Es gab schon im vergangenen Jahr derartige Berichte, aber am 26. September brachte Yahoo!News einen groß aufgemachten Artikel, in dem „30 US-Offizielle“ in dieser Richtung zitiert wurden. Seitdem hat es von verschiedenen Seiten Reaktionen auf diesen Artikel gegeben und auch ich habe mir noch den einen oder anderen Gedanken gemacht. Von Moritz Müller.

Am 30. September meldete Yahoo!News, dass sich Mike Pompeo zu den Vorwürfen geäußert hat. Pompeo war zu der Zeit, als diese Pläne geschmiedet wurden, CIA-Chef und später US-Außenminister. Er bestätigt hier zum Teil die Existenz der Mord- und Entführungspläne und wünscht sich, dass die (Ex-)CIA-Mitarbeiter, die mit Yahoo!News gesprochen hätten, juristisch verfolgt werden.

Das ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Erst berichten Wikileaks und Julian Assange über mögliche Kriegsverbrechen der USA und ihrer Alliierten. Anstatt dies zu untersuchen, wird der Überbringer dieser Nachrichten, Julian Assange, seit nunmehr über elf Jahren verfolgt, hauptsächlich unter dem Deckmantel einer juristischen Kampagne.

Dann berichten US-Offizielle über ihre eigenen Pläne, diese Kampagne komplett illegal mit Entführung und Mord weiterzuführen – und anstatt, dass dies genauer untersucht würde, ruft der mutmaßliche Drahtzieher dieser Pläne nach der Verfolgung derer, die dies nun ruchbar gemacht haben.

Dies alles geschieht mehr oder minder öffentlich im Wertewesten.

Im Yahoo!News-Artikel heißt es, dass die CIA-Pläne bezüglich Assange schlussendlich im Sande verliefen und nicht umgesetzt wurden – und somit sei dies nicht „illegal“.

Viele Länder dieser Welt haben Gesetze, in denen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sehr hart bestraft wird, ohne dass man Terrorakte begangen haben muss. Es genügt das Schmieden von Plänen.

In der CIA gibt es sicher auch verschieden extreme Strömungen, aber wenn man diese juristische Sichtweise auf die Pläne der CIA bezüglich Assange anwenden würde, so müsste man zu dem Schluss kommen, dass es sich bei der CIA zumindest in Teilen um eine terroristische Vereinigung handelt und die US-Regierung der Auftraggeber und Finanzier dieser Vereinigung ist.

Wann kommt der Tag, an dem dies wirklich untersucht wird? Vorher muss sich jeder Einzelne von uns überlegen, bei welchen Dingen wir bewusst oder unbewusst mitmachen. Noch ist es vielleicht nicht ganz zu spät. Leider ist es angesichts der derzeitigen riesigen Propagandamaschinerie nicht immer leicht, klar zu sehen, was vor sich geht.

Positiv für Julian Assange ist, dass sich 21 bekannte australische Juristen, Journalisten, Akademiker und Aktivisten in einem Brief an den australischen Premierminister Scott Morrison gewandt haben, mit der Frage, was er über die besagten CIA-Pläne wusste und ob auch sie selber auf der Liste derer standen, die von der CIA beobachtet wurden.

Außerdem erschienen in den letzten Tagen noch diese zwei sehr detaillierten und kenntnisreichen Artikel in englischer Sprache:

Jonathan Cook schreibt hier, dass es der CIA-Pläne gar nicht bedurfte, da Julian Assange ja schon „legal“ zum Verschwinden gebracht worden ist, und dass die Verfolgung von Julian Assange von Anfang an voller Unregelmäßigkeiten ist.

Außerdem beschreibt Cook , wie die Konzernmedien von Washington Post, über New York Times und The Guardian bis zum Spiegel Julian Assange im Stich gelassen und ihn teilweise sogar verleumdet haben. Zu Beginn der Wikileaks-Veröffentlichungen haben diese Medien mit diesen Sensationen viel Geld verdient und konnten ihren beteiligten Journalisten gute Gehälter bezahlen.

Nun ignorieren dieselben Medien mit teilweise den gleichen Journalisten die Assange-Tragödie oder behaupten zum Beispiel, Trump-Helfer Paul Manafort habe Assange dreimal in der Botschaft besucht – ohne dies in irgendeiner Form beweisen zu können.

Es sieht sogar so aus, als hätten diese Journalisten vorher gewusst, dass ihre Titelgeschichte unwahr ist. Interessanterweise erscheint unter dem Link dazu, den ich selbst in diesem Artikel gesetzt habe, nur die generelle Zapp-Seite des NDR und auch die Suche nach „Manafort“ bringt dort nichts zutage. Es hieß dort, dass Botschaftsangehörige in einem E-Mail-Verkehr mit Guardian-Journalisten explizit geschrieben haben, dass es keine Anzeichen oder Beweise für die Manafort-Besuche gibt.

Der Artikel von ConsortiumNews-Chefredakteur Joe Lauria stößt in ein ähnliches Horn: Er untersucht auch die historische Rolle der CIA und führt so vor Augen, dass die Yahoo!News-Journalisten ein viel zu harmloses Bild der CIA zeichnen.

In drei Wochen, wenn die Berufungsverhandlung zum Auslieferungsbegehren der USA gegen Assange am Londoner High Court im Gange ist, wissen wir vielleicht mehr.

Entweder wird Assange dann freigelassen – was nach allem, was bisher geschah, passieren sollte – oder der High Court lässt jede Maskerade der Rechtmäßigkeit fallen und ignoriert die Mordpläne der die Auslieferung fordernden Supermacht genauso wie die jahrelange Überwachung von Assange und unter anderem die seiner Anwälte in der ecuadorianischen Botschaft in London.

Leider scheinen Teile der britischen Behörden zu tief in diese Affäre verstrickt, als dass man all zu viel Vertrauen in das Verfahren setzen möchte.

Wer sich selber dafür einsetzen will, dass dieser auch für die Allgemeinheit wichtige Fall sichtbar ist, wird hier bei FreeAssange.eu fündig.

Ttielbild: LapaiIrKrapai


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