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Titel: Corona geht – der Krieg kommt – Kriegsprotokoll über viele Kriegsfronten. Teil II

Datum: 16. März 2022 um 11:13 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Militäreinsätze/Kriege, Strategien der Meinungsmache
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In diesem Tagebuch geht es nicht darum, möglichst alles zu dokumentieren. In Kriegen ist das große Drehbuch immer gleich: Wenn man die „gute“ und die „böse“ Seite markiert hat, dann sieht man immer dieselbe Rollenverteilung: Auf der Seite der „Bösen“ stehen Männer in Glanz und Pose, auf der Seite der „Guten“ Menschen, die alles verloren haben. Aalglatte, reglose Gesichter auf Seiten der „Bösen“, auf Seiten der „Guten“ schaut man in viele traurige, niedergeschlagene Gesichter. Auf der Seite der „Bösen“ kalt Planende, die viel Raum einnehmen, auf Seiten der „Guten“ hilflose und schutzlose Menschen, möglichst eng beieinander. Für die „Bösen“ sprechen emotionslose Menschen und für die „Guten“ dürfen Menschen etwas sagen, die man ansonsten gar nicht hören würde. In diesem „Tagebuch“ geht es also vielmehr darum, auf die ‚Kleinigkeiten‘, Besonderheiten zu achten, die weit über den Tag hinaus von Bedeutung sind, also aus dem Kriegsnebel hervorscheinen. Von Wolf Wetzel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Teil I dieses Kriegsprotokolls findet sich hier.

3.3.2022 | Tag 8

Sehr auffällig an diesem Nachrichtentag ist, dass fast überall – in den öffentlich-rechtlichen und in den privaten Anstalten – das Wort Angriffskrieg auftaucht. Damit ist selbstverständlich der Angriffskrieg der russischen Armee gegen die Ukraine gemeint. Über 30 Jahre war dieses Wort verschollen. Keiner der letzten Kriege (ohne „Putin“) wurde als das bezeichnet, was sie allesamt waren: Angriffskriege. Niemand hat sich verteidigt, niemand von den Kriegsherren wurde angegriffen, um ‚sein‘ Land, ‚sein‘ Territorium zu verteidigen. Weder in Jugoslawien (1999), Afghanistan (2001) und Irak (2003), weder in Libyien (2011) noch in Syrien (2014).

Alle diese Kriege waren grausam, barbarisch, mit Millionen von Toten – gerade auch unter der Zivilbevölkerung. Aber sie waren allesamt keine Angriffskriege: Der NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 wurde eine „humanitäre Intervention“ genannt, der US-Krieg in Afghanistan 2001 bekam den orwellschen Namen „enduring freedrom“, der Krieg gegen den Irak ein „Krieg gegen einen Diktator“ …

4.3.2022 | Tag 9

Bist du für „unseren“ Frieden oder „Putins“ Krieg?

Seit über zwei Jahren werden wir mit Corona-Warnungen und Angstszenarien überschüttet. Bis zuletzt warnte der Bundesgesundheitsminister vor „Lockerungen“ und sah neue Virus-Varianten kommen, die die Aufrechterhaltung eines Ausnahmezustandes rechtfertigen. Sondersendungen und Talkshows waren brechend voll damit.

Die „Meinungsfreiheit“ bewegte sich in einem Korridor von 1 bis 3 G Plus.

Mit Kriegsbeginn ist schlagartig Schluss damit. Die Corona-Sondersendungen werden durch Kriegssondermeldungen ersetzt. Was zwei Jahre Corona eingeübt wurde und wirkt, wird nun mit dem Krieg fortgesetzt.

Es ist sehr erwünscht, dass wir nicht in Zusammenhängen denken, dass wir nicht nach Zusammenhängen fragen. Man lässt uns keine Zeit, Luft zu holen, nachzudenken, ins Grübeln zu kommen. Der neue Parcours verlangt gedankenlose TeilnehmerInnen.

Wo sind die Fragen? Nicht nur in den Medien, die alles andere als gedankenlos sind. Warum stellen wir sie uns nicht selbst?

Warum stürzen wir uns in dieselbe Falle: Bist du für „unseren“ Frieden oder „Putins“ Krieg?

Warum ist Corona jetzt schlagartig aus den Schlagzeilen verschwunden? Will der Corona-Krisenstab uns nicht weiterhin (be-)schützen? Wenn man davon ausgehen kann, dass das Virus sich nicht an Krieg und/oder Frieden hält, dann müssten wir doch weiter und weiter „informiert“, geboostert und geführt werden.

Kann es sein, dass Angst, mit der man zwei Jahre Politik gemacht hat, nun durch die Angst vor einem Krieg ersetzt, also einem Krieg, der auch zu uns kommt?

Sind die Lügen, die im Kontext der Corona-Politik verbreitet wurden, denen der Kriegslügen sehr ähnlich?

Wird die Kritik an einer Bundesregierung, die alles dafür getan hat, dass man den Krieg nicht verhindern kann, genauso unterschlagen und mundtot gemacht wie die Kritik an der Corona-Politik?

Behauptet man heute, mitten in einem gewollten Krieg, dass er alternativlos sei, genauso wie man jeden anderen Weg, mit einer Pandemie umzugehen, als esoterisch bis sozialdarwinistisch denunziert hat?

Sind die „Schwurbler und Corona-Leugner“ in Corona-Zeiten jetzt die (geistigen) „Deserteure“, die unsere Wehrkraft zersetzen?

Wir sollen diesen Fragen nachgehen, anstatt uns in ihre ausgehobenen Kriegsgräben zu begeben.

5.3.2022 |Tag 10

Im Mittelpunkt stehen Ereignisse, die die „Tatenlosigkeit“ der NATO, des Westens augenscheinlich bis unerträglich machen sollen. Zum einen gibt es Bilder von einem getroffenen Gebäude in dem größten AKW-Komplex in der Ukraine. Sofort werden die Russen als Schuldige ausgemacht. Warum „die Russen“ das Land radioaktiv verstrahlen, das sie selbst besetzen wollen, bleibt grell unterbelichtet. Die Affekte sollen jedenfalls bleiben und sich festsetzen: „Putin“ dreht durch, zieht alle mit den Abgrund, wenn … ja wenn man ihn nicht stoppt. Es geht um Ereignisse, die belegen sollen, dass die NATO direkt und militärisch eingreifen müsse. Das wäre dann kein Angriffskrieg, sondern eine „humanitäre Intervention“ wie in der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien 1999. Noch zeigt man nur auf diese Karte, um sich langsam an ein Weltkriegszenario zu gewöhnen.

6.3.2022 | Tag 11

Die Sondersendungen laufen auf Hochtouren. Manche Sender berichten den ganzen Tag, andere wählen das bekannte Format, im Anschluss an ihre Primetime-Nachrichten. Mittlerweile sitzen anstelle der Virologen, Gesundheitsexperten und Epidemiologen lauter Sicherheits-, also Militärexperten, ehemalige Generäle und Geostrategen in den Talkshows. Die Meinungsvielfalt hat das Kaliber von 2,7 bis 9 Millimeter.

7.3.2022 | Tag 12

„Lupenreine“ Demokratien und lupenreine „Diktaturen“ auf dem Maskenball.

Zur „Zeitenwende“ gehört auch, dass Diktaturen, also die, die der Westen als solche auszeichnet, nur so lange Diktaturen sind, wie es den „lupenreinen“ Demokratien in den Kram passt. Dazu gehören der Iran, Venezuela und ganz besonders China. Jetzt bieten EU und NATO besagten Ländern einen Statuswechsel an. Man offeriert das Ende des Wirtschaftskrieges (Sanktionen), wenn sie dabei helfen, Russland zu „ruinieren“. Das nennt man auch Bandenkrieg, in diesem Fall Pragmatismus, während man bei der Einhaltung von Zusagen, bei der Beachtung russischer Sicherheitsinteressen ganz unpragmatisch ist und bleibt. Gerhard Schröder, Ex-SPD-Bundeskanzler und Erfinder der „lupenreinen Demokratie“ (in Russland) hätte seine wahre Freude daran.

Dazu passt eine Twitternachricht der grünen Außenministerin Annalena Baerbock über ihr wunderbares Treffen mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, das an Schmeichelei gegenüber einem diktatorischen Regime kaum noch zu überbieten ist:

„Nach unzähligen Telefonaten in den letzten Wochen haben wir uns am Rande des #NATO-Treffens endlich persönlich sprechen können: vielen Dank, @MevlutCavusoglu, für unsere starke deutsch-türkische Partnerschaft! In der #Russland-Krise stehen wir zusammen.“ (twitter vom 4.3.2022)

Manche werden jetzt den Zusammenhang nicht sofort erkennen: Die türkische Armee hält seit Monaten syrisches Territorium besetzt, führt einen Krieg gegen kurdische Selbstverwaltungsgebiete (Rojava).

Das ist, wenn das Völkerrecht in der Ukraine dasselbe ist wie in Syrien, ein Angriffskrieg, den man ganz schnell vergisst, wenn man mit einem Kriegsverbrecher zusammen Russland „ruinieren“ kann.

8.3.2022 | Tag 13

Zum Einsatz kommen nicht nur verschiedene Waffen an der Kriegsfront. Es geht auch um den Einsatz von ‚Waffensystemen‘ auf einem Schlachtfeld, das größer ist als die Ukraine. Die britische Kulturministerin Nadine Dorries hat dies in Empire-Manier als „dritte Front im Ukraine-Krieg“ bezeichnet. Zu den Waffen dort gehört der Internationale Gerichtshof in Den Haag. Die passende Schlagzeile liefert dazu die ARD: „Weltstrafgerichtshof – Putin, ein Fall für Den Haag?

Das ist selbstverständlich keine Frage. Wer bei dem Weltstrafgericht an etwas Neutrales denkt, was tatsächlich der Einhaltung des UN-Völkerrechts dient, wird schnell bitter enttäuscht. Es handelt sich eher um ein Potemkinsches Dorf (потёмкинская деревня), das in Den Haag seinen Sitz hat. Denn wenn es um die strafrechtliche Verfolgung von Angriffskriegen ginge, dann wären schon lange Anklagen im Zusammenhang mit den Angriffskriegen in Jugoslawien (1999), in Afghanistan (2001), im Irak (2003), Libyen (2010) oder Syrien (2014) erhoben worden.

Geschlossene Anstalt: Die Satiresendung „Die Anstalt“ war lange und eindrucksvoll ein Stern am Himmel des öffenlich-rechtlichen Fernsehens. Den beiden Machern dieser Sendung kann man kein Unwissen vorwerfen, als sie an diesem Abend eine Sendung zum russischen Einmarsch in der Ukraine machten, die so unterirdisch war, dass man sich wünschte, sie wäre das Ergebnis einer Cyber-Attacke. Alles was „Die Anstalt“ auszeichnete, Strukturen und Zusammenhänge aufzuzeigen, die nicht Affekte bedienen, sondern genau diese entlarven, wurde abgeschaltet: Unglaublich dumm wurde der Krieg auf Putin, auf eine Persönlichkeitsstörung abgemagert, also genau auf das reduziert, was man ansonsten als „Verschwörungstheorie“ kennt. Ein Fan der Anstaltssendung hat es auf den Punkt gebracht:

„Nun spielen Analyse und Kritik keine Rolle mehr, hat das Zitat von Egon Bahr keine Bedeutung mehr, wonach es in der Außenpolitik um Interessen, und nicht um das Schwadronieren von Werten geht? Kein Wort zu der Rolle der USA? Keine Worte zu der Vorgeschichte? Keine Erwähnung des US-Regime Change 2014 auf dem Maidan? Das Abtun offensichtlicher nationalistischer Kräfte in der Kiewer Regierung, weil der Präsident der Ukraine ein Jude ist? Dies ist nun das Niveau der Anstalt?“ (NDS vom 9.3.2022)

9.3.2022 | Tag 14

In den gefühlt 500 Sondersendungen zum Ukraine-Krieg wird selbstverständlich auch nach den Gründen für diesen Krieg gefragt. In den über 500 Sondersendungen kommt man einhellig zum Schluss, dass für das Scheitern von Verhandlungen, von friedlichen Lösungen die russische Regierung verantwortlich sei. Alle Experten wollen gesehen haben, dass man am Verhandlungstisch säße, aber Russland nicht gekommen sei.

Man kann diese Suche nach Gründen auch mit den Worten der grünen deutschen Außenministerin Baerbock zusammenfassen, also begraben:

„Es gab keinen Grund für diesen Krieg – außer dem aggressiven Machtstreben eines Mannes.“

Gemäß dieser regierungsamtlichen Amnesie wurde in keiner einzigen dieser gefühlt 500 Sondersendungen der Bruch der Zusagen im Rahmen der 2-plus-4-Gespräche über die Bedingungen der Wiedervereinigung Deutschlands erörtet. Im Rahmen dieser Verhandlungen wurde die Zusage gemacht, dass sich die NATO nicht in Richtung Osten ausdehnen werde, um so die Sicherheitsinteressen Russlands zu berücksichtigen.

10.3.2022 | Tag 15

Der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck erklärte, dass wir für den Krieg gegen Russland ein bisschen frieren können. So etwas wie der Solizuschlag für die Ukraine:

„Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.“

Diesen Beitrag, in Verbindung mit einen Hurra-Ja zum Stopp von Gaslieferungen aus Russland, machte er in der Maischberger-Talkshow am 9.3.2022.

Der Name Talkshow bekommt hier seine eigentliche Bedeutung zurück.

„Die Entscheidungen der Bundesregierung für harte Sanktionen gegen Russland und für mehr Verteidigungsausgaben begrüßte Gauck, der 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz gefordert hatte, Deutschland müsse außenpolitisch stärker Verantwortung übernehmen. ‚Ich freue mich natürlich über ein Land, das plötzlich aufwacht‘, sagte Gauck. Ein Land, das plötzlich merke: ‚Ach so, wir müssen uns auch verteidigen! Was uns lieb ist und wert ist, das muss man auch verteidigen‘.”

Was ist das doch für ein Hohn aus dem Munde eines Ex-Bundespräsidenten: In Kriegszeiten frieren die Reichen (erst recht) nicht. In Kriegzeiten frieren nur die Armen noch mehr.

Der Ex-Präsident ist kein schriller Vogel. Er bewegt sich im Rahmen der Schwarmintelligenz. Laut und gut bezahlt wird von einem „strategischen Weckruf“ gesprochen, den man aus der Kriegsfront in der Ukraine mitnehmen muss. Die „Denkfabrik“ namens European Council on Foreign Relations (ECFR) hat dazu klare Zukunfts-Kriegspläne:

„Der ECFR schlägt ausdrücklich vor, auf eine ‚grüne strategische Autonomie‘ hinzuarbeiten, also die Abhängigkeit vom Import nicht nur von Energieträgern, sondern auch von anderen Rohstoffen so weit wie möglich zu senken. Auch die Einfuhr von Nahrungsmitteln aus „instabilen Ländern“ soll vermieden werden. In Medien wird bereits spekuliert, der radikale Umbau der EU-Energiewirtschaft, der notwendig sei, könne nur im Rahmen einer grünen „Kriegswirtschaft“ realisiert werden; die Chance dazu biete der aktuelle russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.“ (german-foreign-policy.com vom 10.3.2022)

11.3.2022 | Tag 16

Vor zwei Tagen soll ein in Betrieb befindliches Kinderkrankenhaus in Mariupol von der russischen Armee zerstört worden sein. Alle deutschen (Staats-)Medien berichten groß und ausführlich über diese „Gräueltat“ (der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj). Wem die Gefahr von Inszenierungen bewusst ist, schießt sofort die Brutkasten-Geschichte ins Gedächtnis, die den Irak-Krieg 1990 mitrechtfertigen sollte: „Zur Begründung des Golfkrieges von 1990 wurde damals behauptet, irakische Soldaten hätten kuwaitische Babys aus den Brutkästen gerissen und auf dem Boden sterben lassen. Später stellte sich dann heraus, dass dies die Erfindung einer US-PR-Agentur war, Honorar: 12 Millionen Dollar.“ (Albrecht Müller/NDS)

Es gab von Anti-Spiegel einen durchaus plausiblen Widerspruch zu dieser Kriegsnachricht:

Russland bombardiert eine Geburtsklinik? Marianna und die neue Brutkastenlüge

Die NDS machten diese Recherche öffentlich, mit offenem Ende. Danach meldeten sich zwei NDS-Leser, die ausführlich und nachvollziehbar begründeten, warum sie den Angriff auf die Geburtsklinik doch für echt halten. Auch das wurde den LeserInnen zugänglich gemacht. Diese Art, offen mit Widersprüchlichkeiten und Ungewissheiten umzugehen, macht den sehr wichtigen und wertvollen Unterschied zu den staatsnahen Medien aus.

Wie unbedingt dieser Krieg gewollt ist, machte US-Präsident Biden deutlich:

„Wir werden jeden Zentimeter des NATO-Territoriums schützen. Deshalb habe ich 12.000 Soldaten an die Grenzen zu Russland geschickt – nach Lettland, Estland, Rumänien. Denn wenn es mindestens eine (feindliche, d.V.) Bewegung gibt, garantiere ich, dass wir reagieren werden.“

Titelbild: santoelia/shutterstock.com

Quellen und Hinweise:


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