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Titel: Besuche von Bundeswehroffizieren an Schulen stark gestiegen – Schulen unterstützen den Griff nach der Jugend
Datum: 29. April 2026 um 9:00 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Aufrüstung, Bildungspolitik, Strategien der Meinungsmache, Wertedebatte
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Das Projekt Kriegstüchtigkeit spüren auch die Schüler in Deutschland: Alleine in den ersten Monaten des Jahres 2026 hat sich die Zahl der Bundeswehrvertreter, die Schulen besuchen, seit 2021 verdoppelt. Das hat die Linkspartei durch eine Anfrage an die Bundesregierung hervorgebracht. Über 2.000 Mal haben Bundeswehrangehörige Schulen besucht. Ein wichtiges Detail gilt es zu berücksichtigen: Im Wesentlichen kommen die Offiziere der Bundeswehr nur auf Einladung der Schulen – und im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen zwischen einzelnen Bundesländern, wie etwa in Hessen und Bayern. Zwei Dinge werden klar. Erstens: Der Griff der Bundeswehr nach den Schülern ist längst Realität. Zweitens: Die Schulen trifft schwere Schuld. Lehrer bereiten mit den Weg zum Zugriff der Bundeswehr auf die Gehirne der ihnen Anvertrauten. Das ist eine Schande und unverantwortlich. Aber auch: Wo bleibt die Gegenwehr der Eltern? Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
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Alleine in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 haben Bundeswehroffiziere über 2.000 Mal Schulen in Deutschland besucht. In Bayern gab es die meisten Besuche. 552 Mal standen Bundeswehrangehörige im Klassenzimmer.
Vielleicht ist es den Schulen entgangen, vielleicht haben die Direktoren und die Lehrer es in den Nachrichten überhört: Aber Deutschland soll kriegstüchtig werden. Diese Losung hat der Verteidigungsminister ausgegeben. Dieses Vorhaben wird von der gesamten Regierung mitgetragen.
Es gibt drei Möglichkeiten: Entweder wissen die Lehrer, die die Bundeswehr an ihre Schulen einladen, nichts davon. Dann müssen sie allerdings hinter dem Mond leben und sollten besser keine Kinder unterrichten. Möglichkeit zwei: Sie wissen davon. Sie sind aber nicht in der Lage, intellektuell zu durchdringen, was das heißt. Dann sollten sie besser auch nicht in einem Klassenzimmer stehen. Oder aber: Die Lehrerinnen und Lehrer wissen sehr wohl, dass Deutschland gerade massiv aufrüstet, Russland als Feindbild betrachtet, kriegstüchtig werden und nach den jungen Staatsbürgern in den Schulen der Republik greifen will – und sie stehen voll dahinter. Dann sollten sie erst recht nicht in den Schulen vor ihnen Schutzbefohlenen stehen. Kantoreks – so der Name des ideologisch verblendeten Lehrers in dem Roman „Im Westen nichts Neues“ – haben in diesem Land schon genug Schaden angerichtet.
Wie verhält es sich?
Möglichkeit eins ist auszuschließen. Wenn es etwas gibt, was man über Lehrpersonal gesichert sagen kann, dann das, dass sie sich über Mainstreamquellen „informieren“ – und dort war das Gerede von der Kriegstüchtigkeit nicht zu überhören. Möglichkeit zwei ist nicht ganz auszuschließen, aber dürfte eher auf nur wenige Lehrer zutreffen – schließlich sind Lehrer ja nicht dumm. Bleibt nur Möglichkeit drei. In unseren Schulen agieren Schulleiter und Lehrer, die ideologisch hinter dem politischen Großprojekt Kriegstüchtigkeit stehen, mindestens aber der Bundeswehr die Möglichkeit eröffnen wollen, dass sie „in diesen Zeiten“ an den Schulen die Jungen und Mädchen anfixen und sie für den „Dienst an der Waffe“, für den „Dienst fürs Vaterland“ begeistert darf.
Das ist eine riesengroße Sauerei – und in jeglicher Hinsicht unverantwortlich.
Schon 2024 lautete eine Schlagzeile in den Medien: „Bildungsministerin will Schüler auf Krieg vorbereiten – Lehrer-Chef unterstützt Vorschlag“ – offensichtlich hat dies der Wahrheit entsprochen.
Was muss nur in den Köpfen der Lehrer vorgehen? Wie ideologisch verstrahlt muss das Lehrpersonal sein, das unsere Kinder unterrichtet, dass sie die Bundeswehr an die Schulen einladen, während die Republik auf Kriegstüchtigkeit getrimmt wird? Wie intellektuell überfordert müssen Lehrer sein, wenn sie nicht begreifen: Wir haben es mit einem massiven Feindbildaufbau, mit Propaganda, Halbwahrheiten, Lügen und Manipulation zu tun? Haben die Lehrerinnen und Lehrer, die jeden Tag vor Schülern stehen, denn überhaupt nichts begriffen? Sind sie wirklich nicht in der Lage, Propaganda zu dekonstruieren? Haben sie wirklich selbst die Vorstellung von der „russischen Bedrohung“ verinnerlicht?
Welch eine intellektuelle und zugleich pädagogische Bankrotterklärung! Der Gestank nach dem Mief des Geistes der Militarisierung muss an manchen Schulen geradezu erträglich sein.
Doch auch die Eltern sollten hier nicht aus der Verantwortung gelassen werden. Wie stehen sie dazu? Warum gibt es keinen Widerstand gegen diese Besuche? Oder ist die Entwicklung egal?
Mahnend sei an die Worte des jungen Protagonisten in Erich Maria Remarques Antikriegs-Roman erinnert, der den Worten seines Lehrers auf den Leim ging und feststellen musste:
„Wir waren 18 Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mussten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug, traf unser Herz.“
Titelbild: ARD Mediathek
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