Startseite - Zurück - Drucken

NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (22)
Datum: 8. Juni 2026 um 15:00 Uhr
Rubrik: Audio-Podcast, Militäreinsätze/Kriege
Verantwortlich: Redaktion
In dieser 22. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ erfahren wir von dem kalten Winter des Jahres 1946, in dem ein Säugling zur Welt kam, von den lang anhaltenden Folgen der Kriegstraumatisierung eines Vaters und schließlich in einem längeren Beitrag von den Erfahrungen einer Bauernfamilie aus Böhmen während Flucht und Vertreibung sowie von ihrer Ankunft im bayerischen Mittenwald.
Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.
Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Podcast: Play in new window | Download
Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, den siebzehnten Teil, den achtzehnten Teil, den neunzehnten Teil, den zwanzigsten Teil, sowie den einundzwanzigsten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.
Mir wären beinahe die Finger erfroren; die sind heute noch krumm
Liebes Team der NachDenkSeiten!
1946 wurde ich im Februar geboren. Meine Mutter erzählte mir später, daß es so kalt war, mir wären beinahe die Finger erfroren; die sind heute noch krumm.
Ich werde wohl drei oder auch schon vier Jahre alt gewesen sein, da nahm man mich mit aufs Kartoffelfeld, zwischen Wittlohe und Stemmen, im Landkreis Verden. Es war nicht, um Kartoffeln (nach der Ernte) nachzulesen, sondern um leere Patronen zu finden, um das Messing zu verkaufen.
Ich kann mich auch erinnern, daß mein Onkel regelmäßig mit einem Pferdewagen kam. Er brachte altes Zigarettenpapier und hat es später, sauber und fein aufgestapelt, wieder abgeholt. Er fuhr in der Gegend herum, um das gebrauchte Zigarettenpapier kiloweise zu verteilen und später das gesäuberte Aluminium abzuholen – alles für ein paar Pfennige.
Meine Mutter und meine Oma haben das Papier vom Aluminium getrennt. Dazu mußten sie das Zigarettenpapier in Wasser aufweichen, und nach einer Weile konnte das Papier gelöst werden. Der Trick war, das Papier in einem Zug zu lösen, anstatt arbeitsaufwendig in Fetzen. Wasser war kein Problem, vor dem Haus war ein Bach.
Das war gleich nach dem Zweiten Weltkrieg; für viele Menschen gab es mehrere Jahre lang kaum Möglichkeiten, sich den Lebensunterhalt zu verdienen.
Bei solchen Erinnerungen ist es unverständlich, wie heutige Politiker schon wieder derartig kriegslüstern sind.
Haben die kein Gewissen?
Vielen Dank für die NachDenkSeiten,
Peter Sprunk
Oft saß er mehrere Tage in einer Kammer auf dem Dachboden, wo ihn keiner stören durfte
Mein zweiter Mann, mit dem ich leider nur viereinhalb Jahre zusammen sein durfte, da er mit 57 Jahren an Krebs verstorben ist, hatte mir von seinem Vater Folgendes erzählt:
Er kämpfte während des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad. Mein Mann und sein Bruder erlebten ihn als Vater so: Oft saß er mehrere Tage in einer Kammer auf dem Dachboden, wo ihn keiner stören durfte. Nur die Mutter ging zu ihm, um ihm das Essen zu bringen.
Wenn der Vater dann wieder runterkam, erschien er ganz normal und man konnte mit ihm sogar hin und wieder lachen. Das ging so lange, bis er dann irgendwann starb.
Mein verstorbener Mann war aufgrund einer psychischen Erkrankung Frührentner. Ich habe manchmal den Verdacht, dass er unter den Depressionen seines Vaters genauso litt und er deshalb auch krank und später arbeitsunfähig wurde.
Martina R.
An den Bäumen der Allee hingen die Leichen der jungen Männer, zumeist noch halber Kinder
Meine Großeltern bewirtschafteten ihren großen, blühenden Bauernhof in der Nähe des böhmischen Ortes Plan, tschechisch Planá, gut 20 Kilometer südlich von Marienbad. Das geschah damals noch per Handarbeit und dem Einsatz von Ochsen. Die weiten Getreidefelder wurden von den Männern mit Sensen gemäht, hinter denen die Frauen die Halme auffingen und zu Garben bündelten und diese so gegeneinander aufstellten, dass der Wind sie trocknete. Meine Urgroßeltern lebten, nachdem ihre Tochter, meine Oma, zusammen mit ihrem Mann den Hof übernommen hatte, im Austrag.
Der Zweite Weltkrieg warf bereits 1938 seine Schatten voraus, und einige Männer des kleinen Dorfes versteckten sich, um nicht eingezogen zu werden, auch mein Großvater. Bis sich dann herausstellte, dass er aufgrund seines Asthmas ohnehin wehruntauglich war, stand meine Großmutter, die mit dem fünften Kind, meiner späteren Mutter, schwanger war, große Ängste aus.
Dass diese Ängste sehr begründet waren, zeigte sich in den Jahren nach Ausbruch des Krieges zunehmend. Meine Oma hat mir Jahrzehnte später mit Tränen in den Augen erzählt, dass an den Bäumen der Allee zum Nachbardorf die Leichen der jungen Männer, zumeist noch halber Kinder, hingen, die sich dem Kriegsdienst hatten entziehen wollen.
Meine Mutter wurde mit fünf Jahren eingeschult und hatte täglich zu Fuß den mehrere Kilometer weiten Weg zur nächsten Schule zurückzulegen. An einem Mittag im Herbst 1944 waren die Kinder der Grundschule wieder einmal auf ihrem Heimweg, den sie über die abgeernteten Felder abkürzten, als sie einen Tiefflieger nahen hörten. Sie rannten in den nahe gelegenen Wald – was ihnen das Leben rettete. Denn genau an die Stelle, an der die Kinder gewesen wären, hätten sie ihren Weg übers Feld fortgesetzt, fiel eine Bombe, die einen riesigen Krater hinterließ: der amerikanische Kampfpilot hatte sie auf Grundschulkinder abgeworfen! Die Kinder wurden von dem Einschlag der Bombe auf dem Feld noch im Wald einen Meter in die Luft geschleudert. Von dem Einschlag aufgejagt, rannten die Eltern zu dem Feld – und weinten vor Erleichterung, als ihre Kinder ihnen lebend aus dem Wald entgegenkamen.
Die älteste Tochter meiner Großeltern, meine spätere Taufpatin, wurde nach Flensburg und Kiel zur Marine eingezogen, wo sie als Köchin diente.
Meine Großeltern waren nie Anhänger der „Heim-ins-Reich”-Ideologie gewesen. Es ging ihnen bei den Tschechen gut. Die schwere Arbeit lohnte sich, denn das mondäne Marienbad riss ihnen die landwirtschaftlichen Erzeugnisse förmlich aus den Händen. Der tschechische Bürgermeister des Dorfes und mein Opa waren beste Freunde.
Aber als Deutschland den Krieg verloren hatte, wurden auch meine Großeltern enteignet und eine angereiste slowakische Familie übernahm den Hof. Meine Großeltern und ihre Kinder mussten ihn weiter bewirtschaften, bekamen jedoch nur halbgare Kartoffeln zu essen, nicht einmal ein Stück Fallobst durften sie nehmen. Die Kinder durften ihre Spielsachen nicht mehr anrühren. Auf solche „Vergehen” drohte die Verschleppung in Straflager.
Wenn nicht ein Russe – unter Gefahr für sein eigenes Leben (Deutschen zu helfen, war verboten) – heimlich immer wieder ein bisschen Milch gebracht hätte, wäre der erst zweijährige jüngste Sohn wahrscheinlich verhungert. Derselbe Russe hatte es entschieden abgelehnt, einen benachbarten großen Hof übereignet zu bekommen, und das damit begründet, dass er Deutschen nicht den Hof wegnehmen werde. Er arbeitete auf demselben Hof lieber als Knecht weiter. Ob oder wann er nach Russland heimgekehrt ist, haben wir nie erfahren.
Die neuen Eigentümer des Bauernhofes meiner Großeltern waren nicht mit den umfangreichen Arbeiten aufgewachsen, die ein so großer Hof erforderte, und so kam der Hof bald nach der Vertreibung der ursprünglichen Eigentümer schnell herunter.
Als ich in den Neunzigerjahren mit einem Freund in die alte Heimat meiner Vorfahren mütterlicherseits fuhr, konnten wir mit unserem VW Golf gar nicht zu der Stelle gelangen, wo das Dorf gestanden hatte. Ein junger Tscheche aus dem einzigen noch stehenden Haus des Nachbardorfes fuhr uns in seinem Wagen dorthin und erzählte uns, was er wusste. Als die neuen Besitzer mit den großen Höfen nichts mehr anzufangen gewusst hatten, hatte man das Dorf bis auf die Mauerstümpfe dem Erdboden gleichgemacht. Mitten in dem jungen Birkenwald war noch ein halb umgekipptes schmiedeeisernes Kreuz zu sehen. Nach meiner Rückkehr sagte mir meine Mutter, das sei das Kreuz auf dem früheren Dorfplatz gewesen, das von zwei großen Kastanienbäumen eingerahmt gewesen sei, unter denen sich das Dorf zum Tanz getroffen hatte. Kastanienbäume hatte ich keine mehr gesehen.
Meinem Opa als Ortsbauernführer unterstanden während des Krieges auch die Kriegsgefangenen, die dem Dorf als Arbeitskräfte zugeteilt wurden. Weil er sie wie Familienangehörige behandelte, wurde er von anderer Seite heftig kritisiert und ihm gedroht, er werde schon sehen, wohin er damit käme. Mein Opa, dessen eigener Sohn eingezogen worden war, ließ sich nicht beirren. Er erklärte den ihm unterstellten Gefangenen, dass, wenn sie zu flüchten versuchen würden, sie nicht weit kämen und auch er selbst getötet würde. Die Männer waren klug genug, das einzusehen, und natürlich heilfroh, dass sie in sauberen Federbetten schliefen, am Familientisch aßen und mein Opa sie wie selbstverständlich auch ins Wirtshaus mitnahm. Sie nannten ihn „Vater”.
Nach Kriegsende erwartete auch die ehemaligen Ortsbauernführer Schlimmes, viele wurden “auf Raten” erschlagen. Auch mein Opa ging – voller Angst, nicht mehr lebend heimzukommen – zu der Stelle, wo zu erscheinen ihm befohlen worden war. Doch der zuständige Kommissär dort schob ihm nur ein Papier hin mit den Worten: „Gefangene sprechen für dich. Du guter Vater. Du unterschreiben und heimgehen!” Die Gefangenen, die ihm unterstanden hatten, hatten sich für ihn eingesetzt und ihm damit das Leben gerettet. Vor Erleichterung lachend kam er zu Hause an – auch wenn dieses Zuhause ihm schon nicht mehr gehörte.
Im Frühling 1946 sagte der tschechische Bürgermeister zu meinem Opa, mit dem er befreundet war, dass er nichts mehr für ihn tun könne und dass er ihm raten müsse, mit seiner Familie seine Heimat mit einem der beiden nächsten Transporte zu verlassen, die noch nach Bayern gingen; alle nachfolgenden Vertriebenentransporte würden in die (kommunistische) „Ostzone” gehen. Dieser befreundete Tscheche hat auch dafür gesorgt, dass die Familie manches mitnehmen konnte. Zuletzt, indem er, als die Familie am Kontrollpunkt (wo auch Körperöffnungen nach geschmuggeltem Eigentum durchsucht wurden) an der Reihe war, zu dem Posten etwas sagte und dieser daraufhin die ganze Familie ohne Kontrolle durchwinkte.
Meine Mutter hat mir kurz vor ihrem Tod vor eineinhalb Jahren das erste Mal erzählt, dass nicht viel später ein Schuss zu hören war. Der tschechische Bürgermeister, der beste Freund meines Opas, war wegen seiner Hilfe für Deutsche erschossen worden. Als mein Opa es erfuhr, brach er vor Schmerz und Verzweiflung aufschreiend auf die Knie zusammen. Es blieb nur wenig Zeit zum Weinen, die Vertriebenen mussten weiter.
Zu Fuß mussten die Menschen, alte Menschen wie auch kleine Kinder, die rund 30 Kilometer zur Bahnstation in Kuttenplan zurücklegen. Trotz eines schmerzhaften Abszesses am Fuß und ersten Vorzeichen einer Blinddarmentzündung lehnte meine damals siebenjährige Mutter es eisern ab, auf einem der begleitenden Lastwagen mitzufahren – ahnend, dass sie, wie es anderen mitfahrenden Kindern geschah, ihre Familie dann nie wiedersehen würde.
In Viehwaggons gepfercht, wurden die Menschen während mehrerer Tage nach Mittenwald in den bayerischen Alpen transportiert. Irgendwo wurden sie mit Insektiziden zur „Entlausung” eingesprüht. In Mittenwald angekommen, lebten sie wochenlang im „Lager Luttensee”. Menschen, deren Tage zuvor von harter Arbeit angefüllt gewesen waren, waren nun zum Nichtstun verdammt und so ihrer Angst davor, was ihnen und ihren Kindern bevorstünde, ohnmächtig ausgesetzt. Aus Verzweiflung haben die Frauen die mitgenommenen Pullover aufgetrennt und neu gestrickt. Sonntags ging die katholische Familie meiner Mutter nach Mittenwald in die Kirche.
Mein Opa hatte aufgrund seines Asthmas nicht in den Krieg ziehen müssen. Aber sein 15 oder 16 Jahre alter Sohn, mein Onkel Josef, genannt Bepp, war eingezogen worden. Meine Großeltern konnten nur hoffen, dass er möglichst heil wieder heimkommen würde; und dass er, sollte er in Gefangenschaft geraten, einigermaßen menschlich behandelt werden würde. Die noch in ihrer Heimat eintreffenden offiziellen Nachrichten – das eine Mal, dass er vermisst sei, das andere Mal, dass er gefallen sei, – waren furchtbar für sie. Nach dem Verlust ihrer Heimat sollten sie ihren Jungen gottlob doch lebend wiedersehen.
Als die Familie schon in Mittenwald war, erblickte meine Oma eines Sonntags, als sie nach dem Gottesdienst die Kirche verließ, an einer einsamen Kirchenecke im Schatten eine arg abgemagerte Gestalt. Irgendetwas bewog sie, genauer hinzusehen, und als die Gestalt dann aus dem Schatten trat, erkannte sie ihn: „Jesses, Maria … Bepp!” Ihr Sohn, Bepp, hatte nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft – als er nicht in sein Zuhause zurückkehren konnte – ausfindig gemacht, wo seine Familie gelandet war, und hatte sich dorthin durchgeschlagen.
Schlimmer als in russischer Gefangenschaft war es dem Jugendlichen in polnischer Gefangenschaft ergangen, wo er unmenschliche Grausamkeit hatte mitansehen müssen. Als er später fähig war, davon zu sprechen, erzählte er unter anderem, dass verhungernden deutschen Gefangenen, die um einen Bissen vom vollen Tisch der polnischen Bewacher gefleht hatten, die Zunge an die Tischkante genagelt worden war. Davon, was ihm selbst über den Hunger hinaus geschehen war, habe ich ihn nie reden gehört. Doch seit seiner Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft hat er, der tief im katholischen Glauben verwurzelt aufgewachsen war, keine Kirche mehr betreten.
Noch im späteren Sommer des Jahres 1946 wurden meine Urgroßeltern, Großeltern und ihre Kinder zusammen mit ein paar weiteren Vertriebenen-Familien einem Dorf in Oberbayern zugewiesen. Die Alteingesessenen des Bauerndorfes waren in der Notzeit nach dem verlorenen Krieg über die fremden Habenichtse alles andere als erfreut. Einer der Bauern rief aus, als die Vertriebenen auf Ladeflächen von Heuwägen u. ä. ins Dorf gefahren wurden: „Fahrt sie nur gleich weiter in die Isar!”
Ihre Unterkunft im Dorf wechselte mehrmals, vom Saal einer Wirtschaft in den einer anderen, von einem Bauern zu einem anderen; an so etwas wie Privatsphäre war gar nicht erst zu denken. Meine Urgroßeltern und Großeltern und die Kinder arbeiteten auf den Bauernhöfen des Dorfes mit, für nichts als ein Dach über dem Kopf. Die Ernährung wurde über Essensmarken bestritten und über die kleine Ausbeute der Bettelgänge der Kinder im weiteren Umkreis.
Ich habe meine Oma manchmal sagen gehört: „Daheim waren wir wer. Hier sind wir Bettler.” Die Familie hatte sich durch ihren Fleiß und ihre Rechtschaffenheit Ansehen in dem bayerischen Dorf erworben. Meine Großeltern waren die ersten Vertriebenen im Dorf, die sich unter großen Mühen und Entbehrungen ein Haus bauten. Aber den Schmerz um den Verlust ihrer Heimat, die Entwurzelung der mit ihrem Hof verwachsenen Bäuerin, hat meine Oma bis zu ihrem Tod nicht verwunden. Als mein Opa, fünfundzwanzig Jahre nach der Vertreibung, starb, war ich noch zu klein, um bewusst wahrnehmen zu können, wie es ihm unter der funktionierenden Oberfläche ging.
Das Leben meiner Mutter war von ihrem sechsten Lebensjahr an mehr als zehn Jahre lang geprägt von Hunger, Entwurzelung, Überanstrengung und Todesangst. Wer seine Jugend gehetzt und „außer sich selbst” durchlebt, legt das später nicht einfach ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass man – unbewusst – Entscheidungen trifft, die einen weiterhin nicht zur Ruhe kommen lassen, ist groß. Und wenn man gelernt hat, immer nur Stärke auszustrahlen, glaubt einem kaum ein Arzt, wie schwer psychosomatisch erkrankt man ist. Traumatherapie kannte lange niemand; tief und ganzheitlich wirksame Traumatherapie muss auch heute noch aus eigener Tasche bezahlt werden.
Krieg hat viele Opfer: tote und lebende – über viele Jahrzehnte hin. Wo immer Krieg ausgebrochen wird.
Wenn ich sehen muss, dass heute wieder Regierungsvertreter unseres Landes auf einen Krieg mit deutscher Beteiligung hinsteuern, frage ich mich verständnislos und zornig: Hatten diese Knechte fremder Interessen – denn im Interesse der deutschen Bevölkerung ist es ja niemals – keine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Onkel, Tanten …, die ihnen von den Schrecken, den Unmenschlichkeiten eines Krieges berichtet haben? Hatten diese etwa sogar vom Krieg profitiert? Oder haben sie kein Gewissen? Wie fremd muss man sich selbst geworden sein, um das Wohl und das Leben anderer Menschen zu opfern für Profit – fremden oder eigenen? Am Ende ihrer Tage werden auch sie nur mitnehmen können, was sie – als Menschen – geworden sind! Das aber werden sie mitnehmen müssen, wie schwer sie daran auch zu tragen haben mögen.
Das Leid all der Menschen, deren Leben durch Krieg zerstört wurde, wird dadurch nicht ungeschehen.
Darum müssen wir die Erinnerung der Zeitzeugen – der Menschen, die den Zweiten Weltkrieg erlebt und erlitten haben – wachhalten und teilen. Gegen die Propaganda der Kriegstreiber! Über die menschenverachtende Macht- und Profitgier weniger, wenn auch einflussreicher Nutznießer von Kriegen muss die Wahrheit und muss die Vernunft und Menschlichkeit der Vielen siegen. Wenn wir uns nicht länger spalten lassen, sondern zusammenhalten, wird uns das gelingen – und werden wir den Frieden gewinnen.
Mit freundlichen Grüßen,
Anonym (Name ist der Redaktion bekannt)
Titelbild: Sudetendeutsche Stiftung / Expulsion of the Germans from the Sudetenland / Attribution-Share Alike 1.0 Generic
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=151731