Teilen Sie Ihre Kriegserinnerungen mit uns und unseren Lesern.
Zum Gedenktag des 8. Mai rufen wir unsere Leserinnen und Leser dazu auf, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und einzusenden. Die Redaktion.
Vor Kurzem veröffentlichten wir hier den satirischen Bewerbungsbrief eines 91-jährigen Lesers als Reservist für die Bundeswehr, in dem er auch einige Kriegserinnerungen aus seiner Kindheit beschrieb:
„Bin selbst erst 91 und noch vergleichsweise fit und sicher auch noch zu gebrauchen. Habe auch eigene WK II Erfahrungen. Weiß, wie es aussieht, wenn in Berlin alles um einen herum brennt und man selbst das Glück hatte, wieder lebendig aus dem Luftschutz-Keller herausgekommen zu sein. Weiß auch, wie es ist, wenn man auf dem Schulweg im Straßengraben liegend von Kampffliegern beschossen wird. Weiß auch, wie es ist, ohne Vater aufzuwachsen, weil dieser nach tapferer Kriegsbeteiligung vom Oktober 1939 an durch einen Treffer der eigenen Artillerie im März 1945 dann doch noch auf dem „Felde der Ehre” verblieb. Weiß aus eigenem Erleben im Gegensatz zu Ihnen und euch, die ihr selber da nie hingehen werdet, noch viel mehr darüber, wie Krieg geht, einschließlich des Hungers und dem Elend danach.“
In den Leserbriefen und Kommentaren in den Sozialen Medien haben Sie, unsere Leser, dem Verfasser nicht nur viel Lob für den Text ausgesprochen, sondern teilweise auch eigene bedrückende Erinnerungen mit uns geteilt. Diese haben uns berührt und auf die folgende Idee gebracht:
Zum Gedenktag des 8. Mai rufen wir hiermit unsere Leserinnen und Leser dazu auf, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben. Dies können eigene Eindrücke und Erinnerungen sein oder auch Erinnerungen aus Erzählungen Ihrer Eltern, die Ihnen nahegegangen sind. Es müssen keine langen oder abgeschlossenen Texte sein, auch einzelne Szenen oder Fragmente, bestehend aus wenigen Sätzen, sind wertvoll und wichtig.
Bitte senden Sie Ihre kurzen Texte an [email protected] mit dem Betreff: „Aufruf zum 8. Mai“. Einsendeschluss ist der 22. Mai 2026.
Die besten Beiträge wollen wir dann in einer Sammlung auf den NachDenkSeiten veröffentlichen und so ein Zeichen der Erinnerung gegen den Krieg – auf den Deutschland und Europa aktuell wieder zusteuern – setzen.
In seinem Buch „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“ schrieb unser Herausgeber Albrecht Müller:
„Nach meinem Eindruck äußern sich heute viele Zeitgenossen, Journalisten, Politiker, Bürgerinnen und Bürger über Krieg, über die Möglichkeit zum Krieg und die „Ertüchtigung“ zum Krieg, ohne dass sie wissen und sich vorstellen können, was Krieg bedeutet, welches Elend Krieg auslöst. „Kriegstüchtig werden“, „Russland ruinieren“ – wenn ich diese Worte höre, dann schrecke ich auf, weil ich mich noch daran erinnere, wie Krieg aussieht und was er Menschen antut.
Wenn ich nun dazu einiges erläutere und dokumentiere, dann nicht, um Panik zu verbreiten. Ich beschreibe die Folgen, das Leid der Menschen im Krieg, weil in manchen aktuellen Äußerungen sichtbar wird, dass das Wissen um die fürchterlichen Folgen von Kriegen nicht präsent ist. (…)
Meine Erinnerungen reichen bis in die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs zurück. Mein Heimatdorf liegt genau zwischen Mannheim und Heilbronn; Bruchsal und Pforzheim etwas weiter entfernt im Südwesten und Süden und Würzburg ungefähr 140 km im Nordosten. Den feuerroten Himmel über allen fünf brennenden Städten habe ich als 4-/5-/6-Jähriger nachts gesehen.
Sie brannten mehrmals nach Bombenangriffen der britischen und US-amerikanischen Luftwaffe. (…)
Die genannten Städte brannten lichterloh. Der Nachthimmel leuchtete rot. Tausende Menschen kamen in den Flammen um. Historisch bedeutsame Städte wie das barocke Mannheim und Heilbronn wurden zerstört.
Ein Krieg wirft lange Schatten…
Dass man in Deutschland „Kriegstüchtigkeit“ herbeireden will, finde ich vor diesem Hintergrund schlimm. Gerade wir Deutschen müssten es besser wissen, was ein Krieg aus Menschen macht.“
Titelbild: wikicommons





