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Titel: „War’s der Russe denn überhaupt?“ Schon die Frage ist jetzt Ketzerei

Datum: 21. August 2026 um 9:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik, Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Strategien der Meinungsmache
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Die Markus-Lanz-Sendung vom Dienstag hat einmal mehr gezeigt: Die deutschen Militaristen in Medien und Politik haben eine komfortable Situation geschaffen – Belege, Logik und Wahrscheinlichkeiten werden schon gar nicht mehr eingefordert, wenn es der antirussischen Kriegsertüchtigung dient. Da kann man dann einfach mal „Vergeltung“ fordern, obwohl man noch gar nicht weiß, gegen wen. Die Obsession mit Russland ist auch ein Sicherheitsrisiko: Im Schatten der antirussischen Hysterie haben andere Machtgruppen ein leichtes Spiel dabei, uns zu manipulieren. Ein Kommentar von Tobias Riegel.

Bis zur Vorlage echter Beweise sprechen die bekannten Infos zum Drohnenvorfall in Leipzig keineswegs für eine russische Täterschaft. Alle (vor der Tat leicht absehbaren) Konsequenzen des Vorfalls kommen eher dem Lager der deutsch-ukrainisch-US-amerikanischen Kriegstreiber zupass. Diese Gruppe kann den Vorgang aktuell entsprechend propagandistisch ausschlachten. Eine ukrainische Aktion unter falscher Flagge erscheint darum zunächst einmal weniger abwegig als eine russische Täterschaft. Aber auch diese Aussage ist nur Meinung. Und sollte sich einst eine russische Täterschaft seriös belegen lassen, dann wäre das tatsächlich höchst alarmierend – aber doch nur dann!! Auf Basis der vorliegenden Tatsachen kann man aber weder Russland noch der Ukraine die Tat zuschreiben, geschweige denn eine konkrete Seite dafür „Vergeltung“ spüren lassen.

Eine der voraussehbaren Konsequenzen des Drohnenvorfalls ist dennoch, dass die angebliche Täterschaft Russlands vielerorts und ohne Nachfrage als gesetzt dargestellt wird. Die Sendung von Markus Lanz vom Dienstag mit Sabine Adler vom Deutschlandfunk und Peter Neumann vom King’s College London ist ein Paradebeispiel für die Praxis, unbelegte Behauptungen zu Fakten zu erklären und auf Basis dieser „Tatsachen“ zu falschen oder gar gefährlichen Schlüssen zu kommen (vor allem ab Minute 56:40). Die von Neumann aufgezählten Indizien zum Leipzig-Vorfall können zumindest vorerst noch nicht überzeugen. Darauf die Forderung nach Vergeltung aufzubauen, ist einfach nur total unseriös, verfrüht und damit ebenso verantwortungslos wie das Verhalten der Grünen zu dem Vorgang.

Eine bedenkliche Praxis hat sich etabliert: Vielerorts werden Belege, Logik und Wahrscheinlichkeiten schon gar nicht mehr eingefordert, wenn es der antirussischen Kriegsertüchtigung dient. Schon die Nachfrage, „war’s der Russe denn überhaupt?“, erscheint dann fast schon als geopolitische Blasphemie – nach dem Motto: Wie kann man sich jetzt nur mit kleinlichen Nachfragen dem großen antirussischen Projekt in den Weg stellen? Dass viele der Vorwürfe gegen Russland aus der Vergangenheit auch später nicht unterfüttert werden, aber dennoch als angeblich bewiesen immer wieder angeführt werden, wurde etwa im Artikel „Der Russe war’s! Wie sich die Sabotage-Vorwürfe stapeln (und nie richtiggestellt werden)” beschrieben.

Man möchte doch so sehr, dass Russland der Täter ist …

Die einseitige und geopolitisch motivierte Besessenheit gegen Russland führt auch zu Sicherheitsproblemen: Man will so sehr, dass alle feindlichen Akte durch Russland ausgeführt wurden, dass andere Akteure, die uns sabotieren und die deutsche Politik mit einer Strategie der Spannung manipulieren wollen, gar nicht mehr in Betracht gezogen werden. Wer sagt, dass es in Deutschland nicht auch andere mächtige (etwa transatlantische) Interessengruppen gibt, die uns manipulieren wollen, der ist entweder naiv oder ebenfalls manipulativ.

Durch diese Einäugigkeit, die noch durch eigene Propaganda stetig genährt wird, haben nichtrussische Interessengruppen ein entsprechend leichtes Spiel in Deutschland. Etwa dabei, Deutschland in offensichtlich selbstzerstörerischer Weise immer tiefer in einen Stellvertreterkrieg gegen Russland zu verstricken.

Selbstverständlich übt auch Russland Spionage aus, so wie alle Länder. Auch Sabotage und feindliche Akte Russlands in Deutschland wären ab einem bestimmten Punkt der Verstrickung Deutschlands in den Stellvertreterkrieg gegen Russland zwar scharf zu verurteilen, aber nicht überraschend. Diese reale Gefahr nicht auf sich zu ziehen, wäre ein guter Grund mehr, im Interesse der Bürger hierzulande die Verstrickung in den antirussischen Stellvertreterkrieg, der nicht der unsere ist, zu beenden.

Titelbild: Screenshot/ZDF


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