Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen: Steckt das „Celler Loch“ dahinter?

Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen: Steckt das „Celler Loch“ dahinter?

Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen: Steckt das „Celler Loch“ dahinter?

Marcus Klöckner
Ein Artikel von: Marcus Klöckner

Kiesewetter fordert wegen Drohnen-Vorfalls Nato-Konsultationen“, heißt es in einer ntv-Überschrift. Und der Spiegel fragt: „Steckt Russland dahinter?“ Man könnte aber auch zugespitzt fragen: Steckt das „Celler Loch“ dahinter? Oder: Cui bono, also: Wem nützt es? Die Lage zwischen der NATO und Russland ist extrem angespannt. Ein Funke genügt zum großen Knall. Eine distanzierte, kritische Berichterstattung ist gefragt. Stattdessen zeigen Medien mal zügig auf einen Lieblingstäter. Da nutzen Fragezeichen auch nichts mehr. Die Antwort schreit förmlich aus den Zeilen raus. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Sie lauern. Sie warten. Sie haben die Messer gewetzt. Würde Russland doch nur … Würde Russland doch nur – irgendwie – einen Anschlag in Deutschland ausführen. Würde Russland doch Deutschland nur – irgendwie – einen Schaden im eigenen Land zufügen: Die Fraktion der „Wir-müssen-den-Krieg-nach-Russland-tragen“-Rufer ist seit langem in Habachtstellung.

Seit die „Sprengstoff-Drohne“ kurz vor Mitternacht auf dem Boden vor einem ukrainischen Flugzeug gefunden wurde, überschlagen sich nicht nur die Hardliner der Russlandpolitik, sondern mit ihnen auch die Medien – und man fragt sich, ob es da überhaupt noch einen Unterschied gibt.

Drohne mit Zünder am Flughafen Leipzig entdeckt – „Wer außer Russland könnte es sonst sein?“, fragt die Welt in der Überschrift eines entsprechenden Artikels (Überschrift mittlerweile geändert).

Die Drohne wurde, so heißt es, auf dem Boden in unmittelbarer Nähe zu dem Flugzeug gefunden – angeblich mit einem abgerissenen Zünder. Und die Leserschaft erfährt, dass Innenminister Dobrindt seinen Italien-Urlaub unterbrochen hat.

Also erstmal nichts mehr mit „La dolce vita“, dafür eine Botschaft an die deutsche Öffentlichkeit. Der Innenminister spricht von einem „hybriden Anschlagsszenario“. „Hybrid“, das klingt immer gut. Was weiß die Oma, die gerade nochmal in die Nachrichten schaut, schon, was darunter zu verstehen ist? Wichtig: Es muss sich um irgendetwas Gefährliches, Fieses handeln – womit wir gedanklich selbstverständlich wieder bei Russland wären.

Der Spiegel zitiert Dobrindt, der von einer „neuen Gefahrenqualität“ spricht und fragt: „Steckt Russland dahinter?“

So wie sich aufgrund der „Gefahrenlage“ die NATO konsultieren lässt – wenn man denn unbedingt will –, so lässt sich auch fragen, ob Russland dahinter steckt. Kritische Medien könnten gewiss auch fragen: Steckt das „Celler Loch“ dahinter? Oder aber: Cui bono, also: Wem nutzt es?

Richtig ist: Der Flughafen Leipzig gilt als Umschlagplatz für Rüstungsgüter in die Ukraine. Der Flughafen ist zwar kein Militärflughafen, aber er lässt sich unter kritische Infrastruktur einordnen.

Zwei Fragen drängen sich auf: Warum werden überhaupt bei einem Krieg militärische Güter über zivile Flughäfen transportiert? Und: Könnte Russland aus der Logik des Krieges nicht tatsächlich ein Interesse daran haben, die großen ukrainischen Antonow-Maschinen, in denen schwere Fracht transportiert wird, zu zerstören?

Die Frage lässt sich wohl bejahen. Das Problem liegt an anderer Stelle.

Die Situation zwischen NATO und Russland ist extrem angespannt. Seit langem besteht der Eindruck: Es genügt ein Funke und die Lage eskaliert. Jeder, der sich mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzt, weiß: Viele Interessen fließen dort ein. Und: Es gibt Kräfte, die „zündeln“, die regelrecht einen Krieg zwischen der NATO und Russland herbeisehnen.

In einer solchen Situation ist journalistische Verantwortung gefragt. Es kann und darf nicht darum gehen, als erstes Medium auf einen möglichen Täter zu zeigen, sondern darum, mit Distanz und kritischem Verstand zu berichten. Reflexhaft auf den Lieblingstäter zu zeigen, ist kein Journalismus, sondern Politik.

Nach allem, was Journalisten bekannt sein muss im Hinblick auf die dreckigen Strategien der Politik, auf Anschläge unter falscher Flagge, um Stimmung gegen einen Gegner zu schüren, müsste die Berichterstattung anders aussehen. Die Verwendung von Fragezeichen macht es nicht besser.

Titelbild: Pol1310 / Shutterstock

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