Albrecht Müller (* 16. Mai 1938 in Heidelberg) ist ein deutscher Volkswirt, Publizist und ehemaliger Politiker (SPD).
Müller war Planungschef im Bundeskanzleramt unter den Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt. Weiter war er von 1987 bis 1994 für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seit 2003 als Autor und Mitherausgeber der NachDenkSeiten tätig.
Beiträge von Albrecht Müller
Rückfall in die 50er-Jahre – Offensichtlich kommt der Normalpolitiker nicht ohne Feindbild aus
Heute melden die Zeitungen den vorläufigen Abbruch der Verhandlungen zwischen der Ukraine und der EU. In den Kommentaren dazu wie schon vorher bei den die bisherigen Verhandlungen begleitenden Kommentaren taucht immer wieder die Vorstellung auf: Hier ist der gute Westen, zu dem wir die Ukraine gerne rüberziehen würden, und dort ist der böse Russe, personifiziert durch Putin. Welch’ abstruser Rückfall in Blockdenken und weit hinter die Entspannungspolitik der 60er/70er-Jahre zurück dies bedeutet, erkennt man, wenn man sich das Grundsatzprogramm der SPD von 1989 anschaut. Dort wird die Auflösung beider Blöcke und der Aufbau einer Europäischen Friedensordnung als Ziel genannt. Dieses Ziel ist offensichtlich aufgegeben. Von Albrecht Müller
Ein seltsam schwaches Echo auf Recherchen über einen üblen Skandal: den geheimen Krieg
NDR und Süddeutsche Zeitung haben gemeinsam ein Projekt zur Recherche und damit zur Aufklärung geheimer Operationen von US-Geheimdiensten und von diesen beauftragten Firmen gestartet. Sie nennen das „Geheimer Krieg“. So heißt auch die Website www.geheimerkrieg.de, auf der sie sich über die bisherigen und weiteren Recherchen informieren können. Schon vor einer Woche wurde über interessante Ergebnisse berichtet. Aber das Medienecho war nach meinem Eindruck nicht sonderlich groß. Das war übrigens bei ähnlichen Berichten auch früher so. Fragen zu geheimen Operationen und in diesem Zusammenhang zu der mangelnden Souveränität unseres Landes werden nicht geklärt und so weit es geht tot geschwiegen. Von Albrecht Müller
Brandt Aktuell – Ein Buch, das Hoffnung macht …
Der gute Willy war mal sehr ´en vogue´. Das ist längst vorbei. Als die sogenannte Enkel-Generation noch ganz brav und bieder in der Warteschleife parlierte, bevor ihre Exponenten die eigenen Karrieren so richtig anschieben konnten, war er die Lichtgestalt, in deren Schatten die späteren Agenda-Exekuteure und Blow-Out-Bellizisten schon auf der Lauer lagen, bevor sie sich ans unselige Werk machten. Brandt selbst aber ist, alle begleitenden Bewertungsschemata mit eingerechnet, als Mensch und Politiker rätselhaft geblieben; jemand, den es erst noch zu entdecken gilt. Weder seine einstigen Lobredner (die sich später hinter Helmut Schmidt versteckten) noch diejenigen unter den Apologeten, die ihn schon immer verunglimpft haben (und deren unselige Phrasen heute im Dutzend nachgeäfft werden), sind dem Mann, der hinter all diesen Klischees verschwand, je gerecht geworden.
Hinweise des Tages
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Dieter Hildebrandt ist tot. Das ist eine sehr traurige Nachricht.
Er wird vielen Menschen in Deutschland fehlen. Er war ein Menschenfreund und ein großer Aufklärer. Wenn man ihn brauchte, war er zur Stelle. Wenn man das von uns gebrauchte, vielleicht ein bisschen hochtrabende Wort vom Aufbau der Gegenöffentlichkeit auf ihn übertragen will, es passt. Dieter Hildebrandt fing damit an und war ein großes Vorbild. Unerbittlich und freundlich zugleich. Ich habe ihn zum ersten Mal in den sechziger Jahren in der Lach-und-Schieß-Gesellschaft in Schwabing erlebt und dann später immer wieder sachte angefragt, ob er helfen kann. Wenn das Engagement der kritischen Aufklärung diente, war er immer zur Stelle. Und immer zugewandt, nie abweisend, meist sehr lustig. Ein großartiger Mensch. Alle deine Kompagnons beim Gegen-den-Strich-bürsten, lieber Dieter, und Hunderttausende von Menschen, die Dir unendlich gerne zugehört und viel von dir gelernt haben, sind traurig. Danke vielmals. Und dann geht es halt weiter. Irgendwie auch ohne Dich. Es gibt einige würdige Nachfolger in der Kabarettszene. Das tröstet uns ein bisschen. Und es hat Dich in den letzten Wochen des Leidens hoffentlich auch getröstet. Albrecht Müller.