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Was ist los mit dem Handelsblatt? Seltsam, das Blatt erkennt, welches Sicherheitsrisiko die innere Gewalt in den USA darstellt.

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Medien und Medienanalyse, USA

Ein befreundeter Journalist hat mir vor kurzem berichtet, in Journalistenkreisen Berlins würde offen darüber gesprochen, in welchem Rollenverhältnis sich unser Land zu den USA befindet – eigenständig oder im Bann und Schutz der imperialen Macht? Die Mehrheit der Meinungsführer fühlt sich vermutlich im Letzterem wohl. Nach meiner Einschätzung übersieht man dabei die Gefahren, die aus der inneren Gewalt der USA folgen. Das Handelsblatt leistet sich nicht nur den Luxus, den Konflikt in der Ukraine und mit Russland anders und fairer zu sehen als die Mehrheit der deutschen Leitmedien (siehe zum Beispiel hier) Das Handelsblatt analysiert auch den Konflikt in Ferguson ziemlich kritisch und durchaus mit gesellschaftspolitischem Verstand. Siehe hier und Anlage. „Ferguson ist bald überall.“ Das entspricht auch der Einschätzung von Norman Birnbaum hier und hier. – Am 11. August hatte ich in den Nachdenkseiten gefragt, ob die Entscheidungsträger der USA verlässlich gegen einen Krieg seien und dabei auch auf die Ermordung des 18-jährigen und den Zusammenhang von innerer Gewalt und Gewaltbereitschaft in den internationalen Beziehungen hingewiesen. Das hatte Zustimmung und auch Kritik eingebracht. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Kritik auch deshalb, weil die innere Entwicklung des Imperiums bei uns in weiten Kreisen beschönigt wird. Birnbaum z.B. berichtete im Juni vom Versagen der Bundesbehörden in der Auseinandersetzungen mit bewaffneten Gruppen, das Handelsblatt berichtet von der Mobilmachung des Ku-klux-clans in der jetzigen Auseinandersetzung und Hillary Clinton gibt ein „Statement des amerikanischen Nationalismus, der, als moralische und politische Führerschaft verkleidet, globale Hegemonie reklamiert“ (Birnbaum).

Vielleicht ist es klug, sich dieser Hegemonie unterzuordnen. Europa kann sich mit der Rolle der scheinbar eigenständigen „Kolonie“ abfinden. Das ist eine legitime Position, der sich in Deutschland und Europa schon viele verschrieben haben. Sie bietet ja nicht nur Ausbeutung sondern auch Schutz. Aber das kann auch gefährlich werden, wenn die innere Entwicklung des Imperiums immer mehr Gewalt, Konflikt und ablenkende militärische Aktionen auch nach außen verlangen.

P.S.: Was sagen unsere Parteien und Stiftungen zu den Vorgängen in Ferguson:

Anders als das Handelsblatt und andere Medien schweigen unsere Parteien in ihren Pressemitteilungen zu der Gewalt in den USA.

So zum Beispiel die SPD oder die Grünen und ihre Heinrich-Böll-Stiftung oder die CDU

Anlage:

Unruhen in Missouri
Ferguson ist bald überall

von Axel Postinett
19.08.2014, 10:20 Uhr

Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich: Der Aufstand in Ferguson zeigt die hässliche Fratze der amerikanischen Gesellschaft. Die Ereignisse sind ein Beweis für die tiefe Spaltung, die das Land bis heute auseinanderreißt.

Rassenunruhen in Ferguson „Ich verstehe die Wut und den Zorn“

San Francisco

Es ist ja nicht so, dass es nicht schon genug Probleme gibt: Wütende Demonstrationen, prügelnde Polizisten, geplünderte Geschäfte, Tränengasangriffe und verhaftete Journalisten. Es gibt nächtliche Ausgangssperren, Ausnahmezustand, schwer bewaffnete Nationalgardisten auf den Straßen und trauernde Eltern und Verwandte.
Der Tod des 18-jährigen Farbigen Michael Brown, unter seltsamen Umstanden von einem Polizisten in dem 20.000-Seelen-Ort im US-Bundesstaat Missouri erschossen, ist zu einem nationalen Problem geworden. Das letzte, was diese geschundene Gemeinde jetzt braucht, sind die langen und düsteren Schatten der Vergangenheit. Aber sie melden sich mit Macht zu Wort, immer noch „am Leben und putzmunter“, wie die Webseite beteuert. Ein Blick in die hässliche Fratze der amerikanischen Gesellschaft und Beweis für die tiefe Spaltung, die die USA noch bis zum heutigen Tag zerreißt.

Klu-Klux-Clan macht mobil

Zwei eisig kalte Augen starren aus der dunkelgrünen Ski-Maske, wie sie heute nur noch für Banküberfälle oder Kidnapping genutzt wird. Martialisch hält der Mann in der grün-braunen Tarnjacke ein Schnellfeuergewehr in die Höhe. Der lokale Arm des Klu-Klux-Clans in Missouri meldet sich zu Wort. Bewaffnete, heißt es unter dem Bild auf der Webseite, seien auf dem Weg nach Ferguson, um „weiße Geschäfte zu beschützen“. Man könne nicht länger zusehen, wie „Schwarze unschuldige Weiße ausrauben und töten“.
In einem Nachbarort von Ferguson, in Sullivan, werde der Clan am 23. und 24. September eine Spendenveranstaltung für den Polizisten abhalten. „Ein Held“, wie die Kapuzenmänner betonen, der „diesen Gangster“ erschossen habe. Man brauche mehr wie ihn, die „die den schwarzen, von Juden kontrollierten Banditen ihren Platz zeigen“.
Immer wieder Waffengewalt gegen Schwarze in den USA

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