Nach den ernüchternden Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und angesichts drohender Kriegseskalationen braucht die Friedensbewegung dringend Zeichen der Hoffnung. Eines davon liefert nun das überraschende Comeback von Julian Assange. Mit einem knappen „I’m back“ meldete sich der WikiLeaks-Gründer auf X zurück – das könnte ein Energieschub für all die Aktivisten sein, deren wichtigste Symbolfigur er über die Jahre geworden ist. Ein Artikel von Maike Gosch.
Es sind keine leichten Zeiten gerade: Die Ausgänge der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am Sonntag sind aus Sicht der Friedensbewegung ernüchternd, die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine stehen – wenn man die Zeichen richtig deutet – vor weiteren Eskalationen und die Bundesregierung, die sich in diesen beiden großen Krisenherden so unklug positioniert, ist immer noch am Ruder. Da sucht man um so mehr nach Zeichen der Hoffnung. Eines ist für mich das Wiederauftauchen von Julian Assange auf der öffentlichen Bildfläche. Mit einer Kurznachricht auf X, die aktuell über 50 Millionen Ansichten hat, meldete er sich am letzten Donnerstag, den 17. September 2026 mit einem knappen „I’m back“ („Ich bin zurück“).
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Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) übertragen.
I'm back. https://t.co/2e58azeJkt
— Julian Assange (@JulianAssange) September 17, 2026
Er wurde begeistert begrüßt von vielen „Schwergewichten“ der Aktivisten-Gemeinschaft, wie Medea Benjamin von CodePink, Max Blumenthal von The Grayzone und dem französischen Journalisten Alexis Poulin von Le Monde Moderne.
Glenn Greenwald, der US-amerikanische investigative Journalist und Pulitzer-Preisträger, der 2013 die Snowden-Enthüllungen weltbekannt machte, kommentierte:
„Willkommen zurück für einen der bedeutendsten und mutigsten Menschen dieses Jahrhunderts: ohne Frage einer der sehr wenigen Pioniere für die Sache eines freien Internets und eines unabhängigen Journalismus. Die USA und Großbritannien haben alles getan, um Julian Assange zu brechen und zu zerstören, aber sie haben ihn nicht kleingekriegt:“
Die Anerkennung, Bewunderung und Dankbarkeit für seine unermüdliche Aufklärungsarbeit sprach aus vielen Kommentaren – verbunden mit dem Gefühl: Wir brauchen ihn. Denn man kann nicht sagen, dass die Dinge seit seiner Inhaftierung irgendwie besser geworden sind.
Darauf wies Julian Assange bereits in seiner Rede vor dem Europarat am 1. Oktober 2024 nach seiner Freilassung hin:
„Ich hoffe, dass meine heutige Aussage dazu dienen kann, die Schwächen der bestehenden Schutzmaßnahmen aufzuzeigen und denjenigen zu helfen, deren Fälle weniger sichtbar sind, die aber ebenso gefährdet sind. Während ich dem Kerker von Belmarsh entsteige, scheint die Wahrheit immer weniger erkennbar zu sein, und ich bedaure, wie viel Boden in dieser Zeit verloren gegangen ist, wie sehr die Wahrheit unterminiert, angegriffen, geschwächt und geschmälert worden ist.“
Jetzt ist erst einmal unklar, was dieses „Wiederauftauchen“ auf X bedeutet. Viele erhoffen sich natürlich, dass Assange damit signalisiert, wieder aktiv zu werden und seine Arbeit wieder aufzunehmen.
Zunächst folgte aber erst einmal eine private Meldung. Julian und seine Frau Stella kündigten die Geburt ihres Babys für den Oktober mit dem Hashtag #OctoberSurprise an. Es ist das dritte gemeinsame Kind des Paares.
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Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) übertragen.
#OctoberSurprise
this new life is thanks to everyone who fought for my freedom pic.twitter.com/LhCptqP8P3— Julian Assange (@JulianAssange) September 21, 2026
Aber man kann davon ausgehen, dass das nicht die einzigen Neuigkeiten sind, die mit Stellas Botschaft „More news next week“ (Mehr Neuigkeiten nächste Woche) gemeint waren.
Spekuliert wird, dass er sich in die aktuellen Debatten um die Gefahren von Künstlicher Intelligenz einmischen wird, aber auch, dass er die Plattform WikiLeaks, die seit seiner Inhaftierung stark an Schlagkraft verloren hat, wiederbeleben wird.
Assange ist im Laufe der Jahre so etwas wie eine Symbolfigur und eine Art „Pate“ der internationalen antiimperialistischen Bewegung und aller Aktivisten gegen westliche Kriegsverbrechen und für Meinungsfreiheit geworden. Sein Wiederauftauchen fühlt sich daher für Viele wie ein Energieschub und ein Zuwachs an Kraft und Hoffnung für eine ganze Bewegung an, die sich seit seiner Freilassung etwas zerstreut hatte, die aber natürlich an vielen anderen Themen arbeiteten.
Und obwohl sich soviel verändert hat, seitdem er 2012 in der ecuadorianischen Botschaft Asyl fand und damit aus dem öffentlichen Leben weitgehend verschwand, sind alle Themen, mit denen er sich beschäftigt hat, und seine Analysen von der Zeit vorher nur noch aktueller geworden.
In einem Videoausschnitt von Julian Assanges Rede am 8. Oktober 2011 bei einer Demonstration der Stop the War Coalition auf dem Trafalgar Square in London, der in den letzten Tagen wieder viral ging, sagte er Folgendes über den damals noch andauernden Afghanistan-Krieg:
„(…) denn das Ziel ist nicht, Afghanistan vollständig zu unterwerfen, sondern Afghanistan zu benutzen, um Geld aus den Steuergeldern der Vereinigten Staaten und aus den Steuergeldern der europäischen Länder über Afghanistan herauszuwaschen und in die Hände einer transnationalen Sicherheitselite zu schleusen. Das ist das Ziel. Das bedeutet, das Ziel ist ein endloser Krieg, kein erfolgreicher Krieg.“
Diese hellsichtige und kluge Analyse ist auch heute noch anwendbar.
Titelbild: Kacy Bao / WikiPortraits / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
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