Leserbriefe zu “Merz und die Bedrohungslüge: Kanzler kritisiert Deutsche, weil sie Propaganda nicht auf den Leim gehen”

Ein Artikel von:


Marcus Klöckner kritisiert in seinem Kommentar deutsche Politiker, die unaufhörlich die Bedrohungslüge beschwören, Russland würde Deutschland, Europa, den Westen destabilisieren und angreifen wollen. „Auf der Bedrohungslüge fußt die gesamte deutsche Aufrüstungspolitik.“ Seiner Ansicht nach destabilisieren europäische Politiker den Kontinent selbst durch zügellose Militarisierung, Abbau des Sozialstaates, Einschränkungen von Grundrechten, Umverteilung des Vermögens von unten nach oben – kurz, einer Politik, die sich über die Bedürfnisse des Großteils der Bevölkerung hinwegsetzt. „Der Eindruck drängt sich auf, manche auf der politischen Bühne sehnen sich regelrecht einen realen Angriff Russlands herbei – um sich endlich in ihrem Feindbilddenken bestätigt zu sehen.“ Unser Autor warnt davor, dass diese Politik real gefährlich werden kann, weil sie einen Krieg erst herbeiredet.

Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten.

Herzlichen Dank für Ihre Zuschriften, zusammengestellt von Ala Goldbrunner.


1. Leserbrief

In der Tat “fußt auf der Bedrohungslüge die gesamte deutsche Aufrüstungspolitik”. Und, leider, damit auch der Sozialabbau in Deutschland.

Es gibt zwei Mitteilungen aus den letzten Wochen, welche die Bedrohungslüge entlarvt haben – und zwar von zwei fachlich besonders ausgewiesenen Politikern.

Erstens nicht weniger als der NATO- Generalsekretär Rutte am 29.9. beim Antrittsbesuch des litauischen Ministerpräsidenten [Mindugauas] Sinkevičius in Brüssel. Als letzterer auf der gemeinsamen Pressekonferenz auf die Frage des Vertreters von Agence-France-Press hinsichtlich der Gefahr einer Übertreibung einer russischen Bedrohung antwortete

…”I was adressing also the general secretary, is there any proof, real proof, intelligence services providing something on the table, that Russia is getting ready for something – and there is actually none”…(ab Min. 15:48 im Video bei dws).
(Zu deutsch: “Ich habe mich deswegen auch an den Generalsekretär gewandt, gibt es irgendeinen Beweis, wirklichen Beweis, haben die Nachrichtendienste irgendetwas auf den Tisch gelegt, dass Russland sich auf etwas vorbereite – und da ist überhaupt nichts”.)

Zweitens der finnische Präsident [Alexander] Stubb im Exklusiv-Interview mit dem Journalisten Paul Ronzheimer (auf YT am 29.8.)

“8:05 Ich sehe keinen Krieg. Ich glaube nicht, dass Russland jemals das mächtigste Militärbündnis der Welt angreifen wollen würde.

P.R. Warum glauben Sie das?

Nun, erstens habe ich Nachrichtendienstinformation und zweitens haben wir Abschreckung und diese Abschreckung ist stärker als von jeder anderen Militärmacht irgendwo auf der Welt…

P.R. Aber ich möchte verstehen, warum sie so sicher sind, dass Russland uns nicht angreifen würde.

Nun, man kann sich auf dieser Welt bei nichts hundertprozentig sicher sein, aber ganz offen, bei allem, was wir sehen, was wir lesen und was wir besprechen, sehen wir das zu diesem Zeitpunkt einfach nicht. Und der Grund ist sehr einfach. Die russischen Truppen sind in der Ukraine gebunden und derzeit haben sie sogar ein Defizit…

15:25. Ich glaube, auch die baltischen Staaten sagen, dass sie derzeit keine unmittelbar bevorstehende militärische Bedrohung oder einen Angriff aus Russland sehen. Das halte ich für eine sehr vernünftige Sprache unserer baltischen Freunde.

P.R: Was halten Sie von konkreten Jahreszahlen, etwa, wenn deutsche Nachrichtendienste sagen, dass es bis 2029 zu einem russischen Angriff kommen könnte?

Wenn jemand diese Kristallkugel hat, wunderbar, aber ich sehe dafür schlicht keine Belege oder Fakten.

18:34 … aber ich bin sicher, dass wir uns dem Zeitpunkt nähern, an dem es für Europäer sinnvoll wäre, wieder direkter mit Russland in Kontakt zu treten.“

Ich möchte noch darauf verweisen, dass deutsche Politiker selbst keine Belege für einen russischen Angriff auf die NATO vorlegen konnten, sondern stattdessen mehrmals auf (angebliche) Erkenntnisse von Nachrichtendiensten im Baltikum verwiesen haben.

Eine 3. Quelle ist der Bericht zur Nationalen Bedrohungslage aus den USA, in dem die US-Geheimdienste auch wieder in 2026 zum Schluss gekommen waren, dass Russland in absehbarer Zeit keinen Krieg gegen die NATO führen wird.

Beste Grüße
L. Salomons


2. Leserbrief

Guten Tag,

es bleibt zu hoffen, dass große Teile der Bevölkerung die offensichtliche Propaganda und die zunehmende Kriegsrhetorik kritisch hinterfragen und sich davon nicht beeinflussen lassen.

Unser Land braucht keine Spaltung, keine Hetze und keine unnötige Eskalation, sondern Besonnenheit, sachliche Argumente und eine Politik, die sich an den Interessen der eigenen Bevölkerung orientiert.

Unabhängig davon, welche Beweggründe dahinterstehen, halte ich es für bedenklich, unbelegte Befürchtungen und Ängste vor einem Krieg weiter zu schüren und dadurch die Stimmung gegenüber einem anderen Volk zu verschärfen.

Dem Bundeskanzler sei daher ans Herz gelegt, sich wieder stärker an den Grundsätzen unseres Grundgesetzes zu orientieren und sich konsequent für eine verantwortungsvolle Friedenspolitik sowie gute nachbarschaftliche Beziehungen einzusetzen.

Eine solche Politik könnte nicht nur dazu beitragen, Spannungen abzubauen und die Gefahr einer weiteren Eskalation zu verringern, sondern auch enorme Summen an Steuergeldern einsparen, die andernfalls in militärische Aufrüstung fließen. Zugleich könnten diplomatische Lösungen und eine vernünftige Zusammenarbeit dazu beitragen, die Energieversorgung langfristig zu sichern.

Erforderlich ist eine Politik, die auf Frieden, Vernunft und Zusammenarbeit setzt, statt Ängste zu schüren und Konflikte weiter zu verschärfen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe


3. Leserbrief

Sehr geehrtes Team der NachDenkSeiten,
sehr geehrter Marcus Klöckner,

Ihr Artikel gibt einem ja dann doch dahingehend Hoffnung, daß die Bevölkerung eben doch noch nicht in kollektiven Tiefschlaf verfallen ist, wenn sie diesem Märchenerzähler im Kanzleramt nicht auf den Leim geht – und dies trotz der täglichen Propaganda in den MSM.

Dass dieser Kanzler offenkundig ein schweres Wahrnehmungsproblem zu haben scheint, haben Sie Anfang des Monats in Ihrem Artikel “Die deutsche Bevölkerung steht hinter der Ukraine” deutlich aufgezeigt.

Wer damals dachte, nach Olaf Scholz könne es nur noch besser werden, der wurde, wie man sieht, eines Besseren belehrt.

Das Problem ist m.E. jedoch, dass es hierzulande an personellen Alternativen fehlt.

Thomas Fazi hat in seiner Rede auf dem Ost-West-Gipfel (NDS vom 19.10.2026) den Finger in die richtige Wunde gelegt. Wir hier in Europa und speziell in Deutschland, wir sind besetzt.

Und so lange kein Politiker eine vollständige Unabhängigkeit von den USA anstrebt, so lange wird sich auch an den innenpolitischen Zustände hier nichts wesentlich ändern.

Einen Ex-BlackRocker gegen eine Ex-Goldman-Sachs-Angestellte im Kanzleramt auszutauschen, auch dies würde nicht die Veränderung(en) bringen, die wir brauchen.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Meiser


4. Leserbrief

Hallo NDS-Team!

Der letzte Satz des Artikels trifft es ziemlich genau. Derzeit läuft der größte Raubzug der Geschichte. Unsere “Eliten” bedienen sich mit bisher ungekannter Schamlosigkeit an den Töpfen, die von uns, und NUR von uns gefüllt werden. Und das Zeitfenster für diesen Raubzug schließt sich zu dem Termin, den sie uns für den russischen Angriff auf die NATO vorausgesagt haben. Und ein Blick nach Kiew zeigt denen, wie man sich der Verantwortung für derlei Treiben entziehen kann. Denn sie würden Europa lieber im Feuer verglühen lassen, als sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen. Diese Ruchlosen!

Mit allmählich versiegendem Optimismus-

Mike Schulz


5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

“Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht.” Dieses deutsche Sprichwort scheint der Bundeskanzler in seiner Abgehobenheit nicht mehr zu kennen. Das soll nicht heißen, dass er mit seinen Bedrohungsszenarien die angeblich durch Russland bestehen recht hätte. Es reichen die beiden Erfahrungen mit seinen Versprechungen (Einhaltung der Schuldenbremse und die Halbierung der AfD), um zu erkennen welchen Wert seine Äußerungen und Argumente haben. Da kann er noch so ein wichtiges Gesicht machen oder weinen. Er kann doch sagen was er will, welche Leute – außer seinem Kabinett und seinen Anhängern – sind es denn, die ihm noch glauben? Kommt die von ihm empfundene Bedrohung durch Russland vielleicht daher, dass er sich dem ukrainischem Volk mehr verbunden fühlt als dem deutschen Volk? Immerhin würde das erklären, warum er am Tag der deutschen Einheit lieber in die Ukraine gereist ist, statt mit den deutschen Bürgern diesen Tag zu begehen. Mit seinen Unkenrufen gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass dieser Bundeskanzler auf einen Krieg mit Russland hinarbeitet, zumal dass die Gefahr, die durch Russland angeblich besteht, jetzt als “erheblich” eingestuft wird. Wie weit sind wir noch von der Ausrufung des Spannungsfalles entfernt?

Es grüßt Sie
Ralf Glahn


6. Leserbrief

Hallo Herr Klöckner,

ja, die Sehnsucht nach “realen Angriff Russlands” wird immer offensichtlicher. Sie schämen sich gar nicht mehr, so plumpe Aktionen zu inszenieren wie den “Leipziger Drohnenvorfall”. Der Pressesprecher, der diesen Vorfall mit seinen “mehreren Dimensionen” zu rechtfertigen versuchte, hat sich gründlich blamiert. Schon die “Münchner Drohnensichtung” vor einem Jahr, die vom Chefredakteur des BR in einer abendlichen Sondersendung aufgeblasen wurde, ist zerplatzt.

Ich vermute, dass das Volk allmählich durch zahlreiche Bedrohungsszenarien kriegswillig gekocht werden soll.

(…)

mfg. S. Klar


7. Leserbrief

….danke für Ihre fundierten Meinungsbeiträge, Herr Klöckner!

Mir drängt sich aber noch ein anderer Eindruck auf, nämlich dass das Kriegsgeschrei und die außenpolitischen Eskapaden – insbesondere mit Ukraine-Bezug – unserer Regierenden vor allem dazu dienen, die vielfältigen Probleme und den sozialen

Abbau in unserem Land und in der E zu kaschieren und Widerstand gegen diese Elitenpolitik zu delegitimieren.

mfg
Wolfgang Torwalt Erler


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

Nachfolgend der Versuch, die gesamte Propagandakonstruktion zu durchleuchten.

Was gebraucht wird ist eine Bevölkerung, die bereit ist, die Propaganda mit Freuden zu schlucken.

Diese Bereitschaft ist besonders gegeben in einer Bevölkerung, individualisiert / atomisiert ist, eine Bevölkerung, in der viel Einsamkeit des Einzelnen gegeben ist. Sehr wichtig dabei, es fehlt dem einzelnen und der Gesamtgruppe der Bevölkerung an einem gemeinsamen Ziel.

Zu beachten ist hier besonders der kurze Zeitraum, in dem Corona aus den Medien verschwand, um ersetzt zu werden durch den Ukraine-Krieg.

Diese Periode Februar/März 22 war gekennzeichnet von einer Periode wo durch Lockdowns eingegrenzte, persönliche Kontakte gegeben oder gerade vorbei waren, die Isolierung des Einzelnen also.

Was machen die Propagandisten nun? Sie verbreiten Narrative, an denen sich die diffusen Ängste der Bevölkerung haften können: das Feindbild Putin, Russland. Dieser Vorgang geht sehr schnell.

Die Aufmerksamkeit, das Gesichtsfeld der Menschen verengt sich vollständig auf das von der Propaganda vorgegebene Ziel, das Feindbild.

Dazu kommt die Projektion, das alle Probleme, Beispiel teure Energie durch den vorgegebenen Feind verursacht werden.

Dieser Feind muss neutralisiert werden.

Es entsteht ein Bild ,bei dem sich die Bevölkerung gemeinsam gegen den Feind richtet. Der Einzelne bekommt den Eindruck, dass er aus der Isolation ausbricht, alle zusammen vereinigt gegen den Feind, Zusammengehörigkeitsgefühl.

In dieser Situation wird alle Empathie aus der Bevölkerung herausgesaugt und ersetzt durch Hass, Aggression gegen das Objekt der Angst, den Verursacher der Bedrohung.

Entgegen dem Eindruck, den Menschen haben, kommt es dann zur Erosion der sozialen Bindungen der Menschen untereinander.

Es entsteht das Endstadium der Propagandawirkung. Dies lässt sich leicht illustrieren an Hand von stark totalitären Ländern. Menschen denunzieren Bekannte, Freunde und sogar Familienmitglieder, auch wenn sie wissen oder erahnen, dass die Denunzierten im Gefängnis landen, misshandelt oder sogar getötet werden.

Dieses Endstadium der Propagandawirkung kennzeichnet sich durch den Selbstaufopferungswillen des einzelnen und der Gruppe. Man marschiert singend an die Front, es gilt den Feind zu beseitigen, auch wenn es das eigene Leben kostet.

Hier werden wir konfrontiert mit der Frage, wie kann man diese extreme Propagandawirkung neutralisieren? Eine sehr schwere Aufgabe.

Das Wichtigste ist ,dieses Endstadium zu verhindern, das Selbstaufopferungsstadium.

Zu beachten ist Folgendes: die von der Propaganda voll Überzeugten = etwa 30% der Bevölkerung, die nicht Überzeugten aber nicht Widerstandswilligen ( Mitläufer= etwa 60%) und die nicht Überzeugten aber Widerstand Leistenden, oder dazu bereiten Menschen etwa 5 bis 10% der Bevölkerung.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens


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